Achim
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Der Südliche Sternenhimmel: die Dritte Nacht
Hallo Leute,
eben bin ich mit dem 3. Teil fertig geworden. Rechtzeitig, bevor ich ins verlängerte Wochenende zum Bergwandern verschwinde. Ich wünsche viel spass mit den recht langen Beschreibungen.
Bericht vom 17/18.07.2007; 20.00h – 04.00h
Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 430mm, Brennweite 1830mm, (f/4,25) auf Dobsonmontierung
verwendete Okulare: 26mm Nagler Typ4 ; 17mm Nagler Typ 4; 13mm Nagler Typ1, 9mm Nagler Typ6, 7mm Nagler Typ6, 5mm Nagler Typ6, 2,5-fach Powermate
Ort: Namibia, Farm Tivoli, 1365m ü NN.
Seeing: 3, später 2
Wetter: wie an den Vortagen: tags schwachwindig, (um 3) mit Eintritt der Dämmerung weiter abflauend. Tief im SW einzelne Cirren, sonst, strahlendes Blau, auch zum Horizont hin ohne Einschränkung, sehr trockene Luft. Nachts kühlt es bis auf 4 Grad ab, tags werden es um 22 bis 25 Grad.
Beobachtete Objekte:
Kugelsternhaufen: NGC6139, NGC6752, NGC288, PAL11, PAL12, PAL13
Planetarische Nebel: IC4191, NGC5189, NGC3699, NGC6153, NGC7293
Gasnebel: NGC3372 (eta Carinae) mit Homunkulusnebel
Galaxien: NGC6744, NGC6769, NGC6770, NGC6771, IC4842, IC4845, NGC300, Fornax-Haufen, NGC253, Grus-Quintett, NGC7552, Hikson90
Nach kurzer, unruhiger Nacht (das Beobachtete musste verarbeitet werden) war ich schon gegen 09.30h wach. Da habe ich mich etwas in der Bibliothek vor dem Frühstück herumgetrieben, welches wir wieder alle gemeinsam ab 11.00h genossen haben. Unsere insgesamt 8-köpfige Runde wird sich am Donnerstag trennen, Jörn und Tobias fliegen an dem Tag mit Air Namibia zurück. An diesem Abend wird das Essen nach außen verlagert: „Sundowner“ auf einer Sanddüne. Pünktlich um 16.00h geht es schon los, alle Gäste mit Ausnahme des (vermeintlichen) Seniors der vorne mit Platz nimmt klettern auf die Pritsche, dann fahren wir gut ½ Stunde. Zunächst auf breiter Sand/Staubpiste. Reinhold fährt etwas langsamer als sonst, 70km/h dürften es trotzdem gewesen sein. Jörn bläst es die Schirmmütze vom Kopf, doch sagt er nichts zum Fahrer, es geht einfach weiter. Nach einigen km bremst Reinhold, bleibt stehen. Dicht neben der Straße steht ein Kudu-Bulle, eine Afrikanische Antilopenart. Der Bulle dürfte eine Schulterhöhe von 1,3m Meter haben, bleibt zunächst stehen und lässt sich Fotografieren. Dann läuft er über die Straße, um dann mühelos über einen ca. 1.5m hohen Zaun zu setzen. Die Fahrt geht weiter, an der Nachbarfarm (Reinpfalz) vorbei, dann wird rechts abgebogen. Immer wieder wird kurz stehen geblieben, ein Gatter geöffnet, durchgefahren, geschlossen, und weiter. In der Ferne ist ein lang gezogener Höhenzug zu sehen, welcher sich beim Näher kommen als eine teils mit Bäumen und Dornensträuchern bewachsene Düne entpuppt. Auf halber Höhe der Düne steht schon ein Fahrzeug. Kirsten, Reinholds Frau mit Sohn waren schon vorgefahren. Am Scheitel der Düne ist eine Tafel aufgebaut und bereits gedeckt. Es fehlt nichts, Tischdecken, Weingläser, Dessertschalen. Daneben noch ein Tischchen mit landestypischen Snaks. Mann, geht es uns gut! Noch steht die Sonne ca. 10 Grad über dem Horizont, die Mondsichel und Venus sind jedoch schon deutlich erkennbar. In unmittelbarer Nähe zu unseren Dinierplatz steht ein Baum mit großem Siedelwebernest. Siedelweber sind sperlingsähnliche, bis zu 14 cm große Webervögel. Ihre Brust ist hellbeige mit schwarzen Flecken an den Flanken. In manchen Nestern gibt es gewünschte Untermieter, eine Partei ist von Zwergfalken bewohnt, die als Gegenleistung das Nest von kleinen Schlangen und gefährlichen Insekten freihält. Die Zwergfalkenwohnung ist am mit weißen Kotresten umrandeten Ausflugsloch erkennbar, die kleinen Falken haben es nicht so gut ‚drauf’ den Kot loszuwerden wie die Siedelweber. Zwergfalken werden nur 15 bis 19cm groß. Tatsächlich macht uns der Untermieter den Gefallen und fliegt just als ich hinsehe zum Nest, setzt sich auf einen der Nebenäste. Reinhold ist ganz aus dem Häuschen, das hat er als Farmer so auch noch nicht gesehen. Der Vogel posiert etwa 5min für uns, bevor er ein Stück weiterfliegt. Ich gehe ein Stück allein auf der Düne spazieren, inhaliere die Stimmung. Die eh schon geräuscharme Natur wird immer ruhiger, je mehr sich die Sonne den Horizont entgegenneigt. Ein gutes Stück höher steht die Mondsichel, besser Barke. Die Sichel waagrecht mit Öffnung nach oben, nun kann ich mir besser vorstellen warum die alten Ägypter von der Himmelsbarke geschrieben haben. Etwa auf ähnlicher Höhe, links davon leuchtet die Venus. Wieder zurück bei der Gruppe warten wir gemeinsam auf den Untergang, erst wird noch geplaudert, dann wir es erwartungsvoll stiller, die Sonne versinkt hinter der nächsten Düne, die ca. 800m entfernt ist. Diesen Tag hatten wir erst- (und auch letztmals) einzelne Cirren gesehen, diese garnieren den Sonnenuntergang mit zusätzlichem Farbenspiel. Etwa 3min nach dem ersten Kontakt ist die Sonnenscheibe verschwunden. Fast bis zum Schluss ist direktes Hinsehen schmerzhaft für die Augen, so klar und dunstfrei ist die Luft. Es wird nun langsam dunkler, im Westen kommt der Erdschatten hoch, ein Farbenspiel mit ganz anderen Nuancen, von Blautönen über Dunkelviolett bis ins Aschgrau. Gegenüber gelborange über rot ins violette. Wir sind alle hingerissen, ich bin ergriffen. Schon sind die hellsten Sterne aufgetaucht, bald danach die hellen Regionen der Milchstraße. Im Westen ist es noch deutlich hell, östlich sieht man gleichzeitig die Milchstraße schon besser als in sehr guten nördlichen Sommernächten, ich kann es kaum fassen.
Um es abzukürzen: Das anschließende Essen war gut und reichlich, die Stimmung unter dem Sternenzelt gut ja ausgelassen. Ich gönne mir ein Namibisches Bier (nach bayr. Reinheitsgebot gebraut), einen Rausch bekommt man davon nicht schnell, das hat nur 4,0 % Alkohol, schmeckt aber ganz gut. So gegen 19.20h wird zurückgefahren, wieder auf der Pritsche. Es gibt ein paar Decken gegen die Kälte. Ich bin froh meine Mütze mitgenommen zu haben. Stephan hatte Sabine zugeredet eine warme Jacke mitzunehmen, es selbst aber bleiben gelassen. Er büsst es durch frieren, fängt sich eine leichte Erkältung.
Rechtzeitig vor Monduntergang sind wir zurück. Diesen sehe ich mir auf dem Beobachtungsplatz in Ruhe an. Wie damals die Sonnenfinsternis nur umgekehrt: am Schluss stehen nur noch die ‚Hörnchen’ über dem Horizont, bevor der Erdtrabant gänzlich abtaucht.
Merklich, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie vor Sonnenaufgang sieht man das abendliche Zodiakallicht als blass leuchtender Keil, in Richtung Milchstraße weist, dort überstrahlt wird.
Zum Dobson fein justieren peile ich diesmal auf Mimosa (= Beta Crux),. Dabei fällt mir in der Nähe ein deutlich schwächerer, aber schon fast kitschig Rot - ja fast Lila - Stern auf. Solch ein dunkles Rot habe ich noch nie bei Sternen gesehen. Habe den Stern auf mag6 geschätzt. Nun finde ich in Ciel etwa auf der Position den Stern TYC8659-01394-1, mit lediglich mag 8,8 angegeben. Ich kann kaum glauben das ich mich derart getäuscht habe. Vielleicht ist es ein Veränderlicher? Als Farbindex wird 5,56 angegeben, damit kann ich nichts anfangen. Kann hier jemand helfen? Wie auch immer: absolut ungewöhnlich. Ich mache Stephan, der fast unmittelbar nach Monduntergang auftauchte auf den Stern aufmerksam, auch Stephan ist von der Farbe beeindruckt. Ich beginne die Nacht mit
NGC3372 (Eta Carinae) – GN – CAR – (mag 3,0 – sbr 13,3; 120’ * 120’) SQM 21,45
Den Komplex hatte ich – soweit mir dies mit meinen Mitteln möglich ist – im letzten Bericht umschrieben. Diesmal versuche ich mich an einer Skizze eines Teilbereichs, dem Schlüssellochnebel, einer Dunkelwolke und dem Humunkulusnebel. Dazu wird etwas höher vergrößert, 202-fach. Das Seeing scheint diese Nacht etwas besser.
Zur Dunkelheitsangabe: ich gebe die Werte in mag/argsec2 an, mit dem SQM (Sky Quality Meter) gemessen. An einer Übersetzung in visuelle Grenzhelligkeit arbeiten wir (Uwe, Friedl und andere) noch. Die helle Milchstraße macht eine einfache Angabe schwierig, der Effekt muss eliminiert werden. Im Namibia-Winter, wenn das Milchstraßenzentrum um Sagitarius im Zenith steht wurden bei mir die Werte um 0,4 bis 0,5 abgesenkt auf um 21,5. Ab 03.00h ist die Milchstaße so weit hinab gesunken, dass die Messung nicht mehr beeinflusst wird, dann wurden Werte um 22,0 gemessen. 21,5 sind nach Uwe’s Einschätzung mindestens mag 7,0; 22,0 dürften 7,5 oder besser sein.
Nach gut 30min Labsal am Eta Carinae-Komplex peile ich ins mittlerweile vertraute Sternbild Fliege, suche den Planetary
IC4191 – GN – MUC – (mag 12,0 – sbr 5,2; 0,3’ * 0,2’) SQM 21,45
In sternenreicher Region kann ich das Objekt erst mit Hilfe des UHC-Filters mit 9er Oku eindeutig identifizieren. Ein sehr kleiner, runder Nebel, der stellar wirkt. Im 7er bei 262-fach leicht flächig, immer noch recht hell. Mit zwei mag11Sternen, welche ohne Filter und niedrigerer Vergrößerung identisch zum PN wirken bildet dieser ein kleines spitzwinkliges Dreieck, die Schenkel etwa 1,5’ lang.
Das nächste Ziel ist ungleich strukturreicher, noch im gleichen Sternbild, jedoch 3 Grad nördlich, zum Beobachtungszeitpunkt gut 35 Grad über dem Horizont:
NGC5189 – GN – MUC – (mag 10,3 – sbr 11,4; 2,3’ * 2,3’) SQM 21,45
Ob der Detailvielfalt nehme ich mir viel Zeit für eine ausführliche Skizze. Bei der Nachbereitung kann ich im DSS-Foto nur einen kleinen Teil wieder finden. Weiteres Googeln nach Bildern erleichtert mich. Tiefere kontrastreiche Aufnahmen bestätigen meine Skizze in fast allen Einzelheiten, visuell ging viel mehr als auf den DSS-Bildern. Auf den ersten flüchtigen Blick erkennt man ein lang gestrecktes ‚S’, ja mehr noch ein Integralzeichen, von O nach W orientiert. Fast gegengleich, jeweils innerhalb der Krümmung schwache Vordergrundsterne, um die mag 12/13. Bei näherer Betrachtung fällt außerhalb des Integralzeichens westlich ein kleine dreieckige Aufhellung, mit Basislinie hin zum Nebel auf, eine Spitze zeigt davon westlich vom PN weg. In Verlängerung des westlichen Integralbogens, schon in etwa parallel zur Hauptbogen ein paar sehr kleine Lichtknoten. Im östlichen Teil erkenne ich ansetzend an geraden Integralteil etwas weiter hinausreichend eine kleine rechteckige Helligkeitszone, die ganz blass einen engen Bogen erst nach N, dann nach W bildet. Kurz nach dem Abknicken mit einem schmalen Lichtknoten. Ich denke keiner der beiden genannten Sterne dürfte der Zentralstern gewesen sein, diesen kann ich nicht dingfest machen. Ob der vielen Details fällt es schwer das Objekt vorstellbar zu beschreiben, eine Zeichnung würde helfen. Noch habe ich keine Möglichkeit zum einscannen. Beobachtet wurde überwiegend im 7er bei 262-fach.
Nachmittags hatte ich Boris, einen den anderen Hobbyastronomen beim Aufarbeiten seiner vornächtlichen Beobachtungen getroffen, und war dabei auf NGC3699 aufmerksam geworden. Dieser Planetary steht schon tief im hinab sinkenden Sternbild Centaurus, etwa 3 Grad von Lamda Cen. Jetzt oder nie denke ich, da aufgrund des zunehmenden Mondes die Spechtelnächte von Tag zu Tag fast 1h später beginnen.
NGC3699 – GN – CEN – (mag 14,0 – sbr 10,4; 1,1’ * 1,1’) SQM 21,52
Das Objekt steht nur noch knapp 20 Grad über dem Horizont, trotzdem steigere ich die Vergrößerung bis 262-fach. Feldsterne sind meist etwas aufgebläht und unruhig, blickweise ist die Abbildung aber o.k.. Der kleine Nebel ist in zwei längliche, unterschiedlich große Bereiche unterteilt die beide grob von W nach O elongiert sind, welche im OIII-Filter (Danke Stephan fürs Ausleihen des 1 ¼-Zoll Filters) im östlichen Teil eine blasse Verbindung aufweisen. Im nördlichen, größeren Teil stehen parallel zum Nebel-Ast 3 winzige, grenzwertige Lichtfünkchen wie aufgefädelt, alle um mag15.
Die Zeit vergeht im Flug; da ich ja die ganze Nacht zur Verfügung habe kommt trotzdem keine Hektik auf, ich schwenke erst weiter wenn ich der Meinung bin, alles heraus geholt zu haben. Es ist schon 23.00h als ich zum GC
NGC6139 – GC – SCO – (mag 9,2 – sbr 12,6; 5,5’ * 5,5’) SQM 21,52
Zwischen Scorpio und Lupus gelegen. Ein eher kleiner Vertreter seiner Gattung, jedoch auch ca. 33k LJ von uns entfernt. Ein Kugelsternhaufen mit mittlerer Konzentration, der ab dem 13er (140-fach) granulär wirkt und erst im 17er in Einzelsterne aufgelöst zu sehen ist.
Es folgt die erste GX der Nacht,
NGC6744 – GX – PAV (mag 8,3 – sbr 14,2; 20,2 * 13,2) SQM 21,52
Und gleich ein Brummer. Es handelt sich um die größte GX im Sternbild Pavo (Pfau), einen ganz schönen Klotz. Leicht erkennbar und deutlich eine ovale Zentralaufhellung von N nach S ausgerichtet. Doch dann wird es schon schwer. In dem ebenfalls ovalen, parallel zur Zentralaufhellung orientierten sehr blassen Halo kann ich Spiralarmstrukturen ausmachen, jedoch nicht über die gesamte Fläche, nur im südlichen Bereich kann ich zwei Arme erkennen, der nördliche Bereich bleibt für mich überwiegend flächig. Dazu schwach angedeutete Staubstrukturen. Etwa 1 dutzend schwache Vordergrundsterne sind über die GX verstreut erkennbar. Trotz ca. 50 Grad Höhe konnte ich nicht mehr dingfest machen. Es geht weiter zu
NGC6165 – PN – SCO (mag 11,5 – sbr 8,7; 0,4 * 0,4) SQM 21,52
Einem recht kleinen aber hellen PN im Skorpion, nicht weit (ca. 1,5 Grad) vom in der Nacht schon betrachteten GC NGC6139 zu finden. Mir hat besonders die Sternengruppe gefallen, in die dieser PN eingebettet ist. Zusammen mit 3 Vordergrundsternen bildet dieser eine lang gezogene Raute, die ihre größte Ausdehnung von W nach O hat. In meinem GF stand diese auf der Spitze. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die obere Spitze als eng stehender Doppelstern. Der PN steht rechts im Okular. Den Nebel sehe ich als ganz leicht ovales Scheibchen, Zentralstern für mich nicht erkennbar. Die Hauptachse des Ovals hin zum gegenüberliegenden Trapezstern. Auch hier kam das 7er (262-fach) zum Einsatz.
Viele Grüße
Weiter geht es zu
NGC6752 – GC – SCO – (mag 5,4 – sbr 11,8; 20,4’ * 20,4’) SQM 21,6
Einem GC mit bemerkenswert hellen Sternen und deutlicher Massierung. Außenbereichssterne verstreuen sich über ein großes Feld. Im GC, auf ca. 40% ein auffällig heller mag8-Vordergrundstern. NGC6752 zeigt sich größer und auch heller als M13, was keine Kunst ist, da dieser GC nur 4k Parsec oder 12k LJ von uns entfernt seht. Wie auch immer: einer der Top-5 Kugelsternhaufe überhaupt, der zum Verweilen und Genießen einlädt.
In unmittelbarer Nähe wird eine kleine GX-Gruppe angepeilt:
NGC6769 – GX – PAV – (mag 12,6 – sbr 13,6; 2,2’ * 1,5’) SQM 21,6
NGC6770 – GX – PAV – (mag 12,7 – sbr 13,9; 2,2’ * 1,6’) SQM 21,6
NGC6771 – GX – PAV – (mag 12,5 – sbr 12,5; 2,3’ * 0,5’) SQM 21,6
IC4842 – GX – PAV – (mag 13,4 – sbr 13,7; 1,8’ * 0,9’) SQM 21,6
IC4845 – GX – PAV – (mag 12,3 – sbr 13,3; 1,9’ * 1,6’) SQM 21,6
5 auf einen Streich im Bereich eines viertel Grads. GX-Funzeln, welche im am Nordhimmel so gerne jage. Die 3 NGC’s sind im 13er Oku sofort und leicht auszumachen, ebenso IC4845. Bei IC4842 braucht es einen zweiten und dritten Blick, bis die Lage und Orientierung ausgemacht ist. Die Gruppe ist mit ca. 150 Mio LJ eine ganze Ecke entfernt. NGC6769 und 6770 erscheinen mir beide oval, die Hauptachsen bilden einen Winkel von ca. 70 Grad, wobei die Spitzen noch ca. 2’ voneinander entfernt stehen. Im GF ca. 4’ unterhalb der waagrecht angeordneten GX-Kerne NGC6771 als deutlich längliche Spindel. Eine kleine, leicht gebogene 3er Sternengruppe um mag 14 schließt in der Fortsetzung fast unmittelbar, waagrecht an. Beide IC-GXen stehen etwas weiter außerhalb der sehr engen 3er NGC-Gruppe im 13er noch gemeinsam, im 9er nicht mehr. Beide für mich oval, IC4842 kleiner. Vermutlich habe ich den Halo der letztgenannten GX zum Teil nicht wahrgenommen.
Gleich wird das GX-Gewusel noch viel größer: etwas nördlich der vorher betrachteten Pavo-GX ein Galaxienhaufen. Zu meiner Schande muss ich gestehen: keine Ahnung, wie der Haufen heißt, Pavo-Haufen? Wie auch immer, mittendrin, um
IC4765 – GX – PAV (mag 12,3 – sbr 14,2; 3,4 * 2,1) SQM 21,76
Wimmelt es nur so. In einem 9er Gesichtsfeld (202-fach) zähle ich volle 9 GXen. Ich mache mir die Mühe einer Grobskizze mit den Objekten und Feldsternen, so ist im Nachgang eine Klassifizierung möglich. IC4745 ist die größte und hellste, die meisten anderen haben lediglich PGC-Nummern, vor denen ich den Leser verschonen möchte. Das schwächste notierte und nun identifizierte Objekt war PGC0062377 mit 0,8*0,2 Bogenminuten, einer Blauhelligkeit von 16,5 und Flächenhelligkeit von 14,1.
Um kurz vor 01.00h steht Capricorn fast im Zenith. Wir, d.h. Stephan und ich tun uns sehr schwer das Sternbild auszumachen und dann zu halten. Ungleich viel mehr Sterne sind hier – vor allem im unteren Bereich – auszumachen. Nach fast jeden Blick auf den Monitor / die Karte geht die Suche nach dem Sternbild neu los, das geht auf den Nacken. Grob zwischen Delta Cap und Alp AQR steht der bekannt große PN
NGC6293 – PN – AQR – (mag 6,3 – sbr 13,6; 16,0’ * 12,’) SQM 21,76
Der Helixnebel. Den hatte ich mehrfach von zu Hause ausgiebig betrachtet. Unter Südhimmel noch deutlich heller, vor allem fällt der auch merklich aufgehellte Innenbereich des Objekts auf. Vor allem ohne Filter ist der Nebel deutlich kräftiger als gewohnt. Der Innenbereich fast rund mit einer kleineren Delle nach innen, der hellere Ring mit leichter Betonung der Innenkante. Die ebenfalls deutliche Außenkante an zwei Stellen (gegengleich) aufgeweitet und ausgefranst. Über den Nebel ein, zwei Dutzend Feldsterne verteilt, einer im östlichen aufgeweiteten Bereich merklich heller als der Rest, etwa mag11. Genau im Zentrum ein Lichtfünkchen, um mag 14, ich vermute der Zentralstern. Hier verweile ich nicht lange, das Objekt kenne ich doch schon recht gut.
Es geht weiter zu NGC253, der Skulptor-GX über die ich heute keine Worte verlieren will, diese war im letzten Bericht ja schon erwähnt und wird in einem späteren nochmals detailliert aufgegriffen. Nahe, knapp 2 Grad von dieser GX entfernt der Kugelsternhaufen
NGC288 – GC – SCU – (mag 8,1 – sbr 13,5; 13,8’ * 13,8’) SQM 21,76
Einem wenig konzentrierten GC in ca. 27k LJ Distanz. Den GC kenne ich auch vom Nordhimmel, ist aber aus heimatlichen Gefilden ob der Horizontnähe (zumindest für mich) dort nicht richtig auflösbar. NGC288 wirkt flächig. Auffällig helle Sterne bilden Ketten. Bereits im 26er erkennt man Fünkchen, im 13er glitzert es über die gesamte Fläche.
Stephan ist nebenan fleißig am werkeln. Ab und zu kommt auch Sabine vorbei um uns von Ihren aktuelle Fotografiebemühungen und –Erfolgen zu erzählen. Sabine hat ausgezeichnete Ohren, ist immer auf dem Laufenden was ich mit Stephan bespreche, auch wenn Ihr Teleskop ca. 20 Meter entfernt steht. Nu ja: mit Stephan muss man auch laut sprechen, sein Hörgerät ist oft auch ausgeschaltet.
Sculptor hat noch mehr zu bieten. Einen ganzen Sack voll kleiner GX-Fuzzelchen (welche ich links liegen lasse), aber auch große Objekte wie die GX
NGC300 – GX – SCU – (mag 8,1 – sbr 14,3; 19,3’ * 13,3’) SQM 21,85
Wow, das ist ein Brummer! Es braucht schon sehr dunklen Himmel für dieses Objekt, die Flächenhelligkeit ist doch sehr gering, mir erscheinen selbst die angegebenen 14.3 noch optimistisch. Nur hauchzart sind S-förmig Spiralarme zu erahnen, leicht faserig. Ob der Größe versuche ich es auch mit OIII, kann aber nicht aktive Regionen ausmachen. Neben dem 26er kam das 17er und schließlich auch das 13er zum Einsatz. Der Kontrast reicht leider nicht für mehr, trotzdem: sehr interessant!
Hochkonzentriertes Beobachten strengt an. Eine Dose mit Erdnüssen bringt die physische Stärkung, entspannte Beobachtungen gemütlich auf dem Stuhl sitzend die mentale. Der Blick auf unsere Milchstraße verliert nicht an Faszination, ergreift und lässt mich innerlich eine tiefe Ruhe verspüren. So frisch gestärkt kommt Lust auf mehr auf; zunächst bleibe ich den Galaxien treu. Ich peile auf ca. 60 Grad Höhe, ins Sternbild Gruß (Kranich) zum Gruß-Quartett
NGC7590 – GX – GRU – (mag 11,5 – sbr 12,5; 2,6’ * 1,5’) SQM 21,85
NGC7599 – GX – GRU – (mag 11,5 – sbr 13,3; 4,4’ * 1,4’) SQM 21,85
NGC7582 – GX – GRU – (mag 10,6 – sbr 13,0; 5,0’ * 2,3’) SQM 21,85
NGC7552 – GX – GRU – (mag 10,6 – sbr 12,8; 3,4’ * 3,0’) SQM 21,85
Warum Quartett? Dies wird mir erst nach Recherchen klar. Im Okular sehe ich 3 GXen als wunderschöne Gruppe in einem Gebiet von ¼ Grad stehen, es handelt sich um die drei erstgenannten obiger Aufstellung. NGC7582 davon am auffälligsten, eine ausgeprägte helle Spindel in Edge on. Entlang der Hauptachse sind einige Lichtknoten/Staubbandfragmente erkennbar. Ich betrachte die Gruppe im 13er bei 140-fach, da kann ich alle 3 gut überblicken. Später im 9er muss häufiger nachgeführt werden um die 3er Gruppe gemeinsam betrachten zu können. NGC7782 steht von 11h nach 5h im Gesichtsfeld; NGC7590 und NGC7599 liegen dagegen waagrecht, ca. 8’ entfernt. Erstgenannte mit ausgeprägtem hellen, länglich-ovalen Zentralbereich und Vordergrundstern zum Ende der Hauptachse nördlich, letztgenannte größer aber blasser mit leicht versetzten zartem Staubband, parallel zur Hauptachse, hin zu NGC7590. Eine 4er Sternenkette vom genannten Vordergrundstern ausgehend scheint die beiden GXen verbinden zu wollen. Warum Quartett? Die 3 Galaxien interagieren, es gibt Gezeitenströme zwischen diesen. Einer reicht sogar noch über 30’ weiter bis hin zu NGC7552, der 4. GX des Quartetts. Im 26er und 17er ist es noch möglich alle 4 gemeinsam zu betrachten. Diese Gezeitenströme sind – nicht anders zu erwarten – weit jenseits der visuellen Möglichkeiten von Amateurastronomen. NGC7552 für mich die am visuell reizvollsten der 4: eindeutig eine kleine Balken-GX mit Spiralarmansatz. Der Balken kräftig mit ovaler Zentralverdickung entlang der Balkenachse (O-W-Ausrichtung) erkennbar, ein schönes kleines Teil.
A pro pos schön und klein: es geht noch kleiner: Dafür habe ich von zu Hause zwei Ausdrucke mitgebracht. Hickson90 im Südlichen Fisch soll es nun sein. Bei einer Höhe von ca. 75 Grad unter nahezu idealen Bedingungen. Nur das Seeing könnte noch einen Tick besser sein:
NGC7172 – GX - PsA – (mag 11,9 – sbr 13,1; 2,4’ * 1,3’) SQM 21,92
NGC7173 – GX - PsA – (mag 12,0 – sbr 12,1; 1,9’ * 1,4’) SQM 21,92
NGC7176 – GX - PsA – (mag 11,3 – sbr 11,1; 2,1’ * 1,7’) SQM 21,92
NGC7174 – GX - PsA – (mag 13,3 – sbr 14,3; 2,6’ * 1,5’) SQM 21,92
Erstgenannte GX, NGC7172 steht alleine und frei, ein Oval mit rundlicher, flächig-hellem Zentralbereich. Die anderen 3 bilden ein Knäuel, etwa 6’ südwestlich zu erstgenannter. Ohne den entsprechenden Hintergrund hätte ich hier auf eine irreguläre GX getippt. NGC7176 am östlichen Ende des Knäuels als rundliche Aufhellung, nahtlos übergehend in das waagrechte Oval von NGC7173. NGC7174 irgendwo dazwischen, aufgrund der geringen Helligkeit als solches nicht detektierbar. Zwischen NGC7172 und dem Knäuel zwei mag14-Vordergrundsterne.
Sabine hat schon vor einiger Zeit das spechteln beendet, Stephan gibt auch auf und schleppt den 10er Dobs zurück zum Haus, dabei scheint er jede gerauchte Zigarette zu spüren. Wieder zurück zündet Stephan noch eine an, dann wird neben dem Rauch die Stimmung der Nacht und der Anblick des Firmaments inhaliert, vor allem das auf halber Höhe leuchtende Band unserer Milchstraße ist hierzu angetan.
Ich selbst fühle mich – nach einem kleinen Tief gegen 02.00h – noch fitt.
Was nun? Mir fällt der Palomarkatalog ein. Vorbereitet habe ich nichts, also gebe ich einfach PAL-Nummern in Ciel ein und schaue, wo die Objekte zur gegebenen Zeit stehen. PAL11, 12 und 13 notiere ich als mögliche Ziele. Mit
PAL11 – GC – AQL - (mag 11,9 – sbr 14,1; 3,2’ * 3,2’) SQM 21,92
Beginne ich PAL11 steht im Adler, damit in einer Region die vom Nordhimmel aus gut erreichbar ist. In der Nähe des Objekts zwei markant helle Vordergrundsterne um mag 9 /10, etwa 8’ südlich davon ein 12er. In dem Dreieck der GC. Im 13er ist eine flächige Aufhellung zu erahnen. Im 9er blitzen etwa ½ Dutzend mag15-Lichtfünkchen in dem Gebiet. Im südlichen Bereich erscheint der GC etwas ‚kräftiger’. PAL11 ist für ‚nur’ 33k LJ, also recht schwach auf der Brust.
Als Kontrast dann
M30 – GC – CAP - (mag 7,5 – sbr 11,0; 8,9’ * 8,9’) SQM 21,92
Immerhin auch 27k LJ entfernt, aber im Vergleich zu PAL11 schon fast blendend hell. Im 26er blitzen Außenbereichsterne. Das Zentrum ist stark massiert, auf den inneren 30% geht es zur Sache. Radiale Sternenketten lassen den GC wie mit Spinnenbeinen erscheinen.
Die nächsten Photonen, bei
PAL12 – GC – CAP - (mag 112,9 – sbr 14,9; 2,9’ * 2,9’) SQM 22,01
Müssen schon mehr gejagt werden. Im 13er bei 140fach erkenn ich nahe einer engen 3er Gruppe von mag11/12 Vorderrundsternen eine leichte Aufhellung. Mit steigender Vergrößerung tauchen mehr und mehr Mini-Fünkchen auf, Mag15 und auch schwächer. Mit 9er, 7er und 5er (363-fach) wird beobachtet. Nun umfassen einzelne Lichtfünkchen auch die 3er Gruppe. Ob die äußeren Sterne noch zu PAL11 gehören oder einfach weit entfernte Feldsterne sind, ich weis es nicht. Dieser GC steht in ca. 63k LJ Entfernung, damit doch recht weit entfernt.
Ich lasse den Blick schweifen. Die letzten Stunden hat sich das Firmament deutlich gewandelt. Die Milchstraße taucht mehr und mehr im Westen ab. Im Süden stehen deutlich sichtbar die Magellanschen Wolken, halbhoch die Kleine, merklich niedriger die Große. Sonst ist das Firmament kräftig besprenkelt. Im Osten das Zodiakallicht, fast wie der Schein einer fernen Besiedlung, nur mehr wie ein Keil, dessen Spitze bis in, ja über den Zenith reicht. Auffällig ein rötlicher Lichtpunkt, der Mars welcher schon eine Höhe von fast 30 Grad erklommen hat. Pegasus ist schon des längeren aufgegangen, ebenso Andromeda. Nur alles eben komplett auf dem Kopf stehend. M31 ist ganz deutlich erkennbar, bei M33 im Triangulum tue ich mir schwer. Die Augen brennen etwas, das liegt zum Teil an der trockenen Luft, sicher auch an Überanstrengung. Im Pegasus gibt mir dann
PAL13 – GC – CAP - (mag 112,9 – sbr 14,9; 2,9’ * 2,9’) SQM 22,03
den Rest. Von Alpa Peg aus starte ich den Starhop, pendele zwischen Monitor und Sucher hin- und her, knapp 3 Grad sind zu überwinden. Solange am 8*50-Sucher gepeilt wird mit ‚normalem’ Bild, bei Aufsuchokular mit doppelt gespiegelter Anzeige. So ein Bildschirm lässt sich nicht so einfach wie ein Kartenausdruck drehen. Das nähere Zielgebiet stellt ein Sternengruppe in Form eines rechtwinkligen Dreiecks dar. Zwei mag11-Sterne, bilden den längeren Schenkel, der kürzere, hin zum Palomar wird durch einen engen Doppelstern (mag12 und 14) gebildet. Der PAL ist für mich eindeutig grenzwertig, ich verbiege mir schier die Augen. Versuche es mit hoher Vergrößerung. Das macht es aber nicht wirklich einfacher. Im Zielgebiet ist nach wie vor nur eine flächige Aufhellung – indirekt – feststellbar. Es ist nach 04.00h, ich gebe auf.
Es folgt die Abbauroutine: alles im Rucksack einpacken, den OTA zurücktragen, dann den Rest. Für abschließende Genusstour bin ich zu fertig.
Die Nacht war überwiegend mit schwereren Objekten angefüllt. Super Bedingungen rücken Objekte in den Zielradius, die sonst unerreichbar bleiben, das hat seinen eigenen Reiz, ermüdet aber sehr. Für die Folgenächte nehme ich mir mehr Objekte vor, die gleichzeitig auch mehr Details eröffnen.
Viele Grüße
Achim
Hallo Leute,
eben bin ich mit dem 3. Teil fertig geworden. Rechtzeitig, bevor ich ins verlängerte Wochenende zum Bergwandern verschwinde. Ich wünsche viel spass mit den recht langen Beschreibungen.
Bericht vom 17/18.07.2007; 20.00h – 04.00h
Ausrüstung: Newton-Teleskop, Öffnung 430mm, Brennweite 1830mm, (f/4,25) auf Dobsonmontierung
verwendete Okulare: 26mm Nagler Typ4 ; 17mm Nagler Typ 4; 13mm Nagler Typ1, 9mm Nagler Typ6, 7mm Nagler Typ6, 5mm Nagler Typ6, 2,5-fach Powermate
Ort: Namibia, Farm Tivoli, 1365m ü NN.
Seeing: 3, später 2
Wetter: wie an den Vortagen: tags schwachwindig, (um 3) mit Eintritt der Dämmerung weiter abflauend. Tief im SW einzelne Cirren, sonst, strahlendes Blau, auch zum Horizont hin ohne Einschränkung, sehr trockene Luft. Nachts kühlt es bis auf 4 Grad ab, tags werden es um 22 bis 25 Grad.
Beobachtete Objekte:
Kugelsternhaufen: NGC6139, NGC6752, NGC288, PAL11, PAL12, PAL13
Planetarische Nebel: IC4191, NGC5189, NGC3699, NGC6153, NGC7293
Gasnebel: NGC3372 (eta Carinae) mit Homunkulusnebel
Galaxien: NGC6744, NGC6769, NGC6770, NGC6771, IC4842, IC4845, NGC300, Fornax-Haufen, NGC253, Grus-Quintett, NGC7552, Hikson90
Nach kurzer, unruhiger Nacht (das Beobachtete musste verarbeitet werden) war ich schon gegen 09.30h wach. Da habe ich mich etwas in der Bibliothek vor dem Frühstück herumgetrieben, welches wir wieder alle gemeinsam ab 11.00h genossen haben. Unsere insgesamt 8-köpfige Runde wird sich am Donnerstag trennen, Jörn und Tobias fliegen an dem Tag mit Air Namibia zurück. An diesem Abend wird das Essen nach außen verlagert: „Sundowner“ auf einer Sanddüne. Pünktlich um 16.00h geht es schon los, alle Gäste mit Ausnahme des (vermeintlichen) Seniors der vorne mit Platz nimmt klettern auf die Pritsche, dann fahren wir gut ½ Stunde. Zunächst auf breiter Sand/Staubpiste. Reinhold fährt etwas langsamer als sonst, 70km/h dürften es trotzdem gewesen sein. Jörn bläst es die Schirmmütze vom Kopf, doch sagt er nichts zum Fahrer, es geht einfach weiter. Nach einigen km bremst Reinhold, bleibt stehen. Dicht neben der Straße steht ein Kudu-Bulle, eine Afrikanische Antilopenart. Der Bulle dürfte eine Schulterhöhe von 1,3m Meter haben, bleibt zunächst stehen und lässt sich Fotografieren. Dann läuft er über die Straße, um dann mühelos über einen ca. 1.5m hohen Zaun zu setzen. Die Fahrt geht weiter, an der Nachbarfarm (Reinpfalz) vorbei, dann wird rechts abgebogen. Immer wieder wird kurz stehen geblieben, ein Gatter geöffnet, durchgefahren, geschlossen, und weiter. In der Ferne ist ein lang gezogener Höhenzug zu sehen, welcher sich beim Näher kommen als eine teils mit Bäumen und Dornensträuchern bewachsene Düne entpuppt. Auf halber Höhe der Düne steht schon ein Fahrzeug. Kirsten, Reinholds Frau mit Sohn waren schon vorgefahren. Am Scheitel der Düne ist eine Tafel aufgebaut und bereits gedeckt. Es fehlt nichts, Tischdecken, Weingläser, Dessertschalen. Daneben noch ein Tischchen mit landestypischen Snaks. Mann, geht es uns gut! Noch steht die Sonne ca. 10 Grad über dem Horizont, die Mondsichel und Venus sind jedoch schon deutlich erkennbar. In unmittelbarer Nähe zu unseren Dinierplatz steht ein Baum mit großem Siedelwebernest. Siedelweber sind sperlingsähnliche, bis zu 14 cm große Webervögel. Ihre Brust ist hellbeige mit schwarzen Flecken an den Flanken. In manchen Nestern gibt es gewünschte Untermieter, eine Partei ist von Zwergfalken bewohnt, die als Gegenleistung das Nest von kleinen Schlangen und gefährlichen Insekten freihält. Die Zwergfalkenwohnung ist am mit weißen Kotresten umrandeten Ausflugsloch erkennbar, die kleinen Falken haben es nicht so gut ‚drauf’ den Kot loszuwerden wie die Siedelweber. Zwergfalken werden nur 15 bis 19cm groß. Tatsächlich macht uns der Untermieter den Gefallen und fliegt just als ich hinsehe zum Nest, setzt sich auf einen der Nebenäste. Reinhold ist ganz aus dem Häuschen, das hat er als Farmer so auch noch nicht gesehen. Der Vogel posiert etwa 5min für uns, bevor er ein Stück weiterfliegt. Ich gehe ein Stück allein auf der Düne spazieren, inhaliere die Stimmung. Die eh schon geräuscharme Natur wird immer ruhiger, je mehr sich die Sonne den Horizont entgegenneigt. Ein gutes Stück höher steht die Mondsichel, besser Barke. Die Sichel waagrecht mit Öffnung nach oben, nun kann ich mir besser vorstellen warum die alten Ägypter von der Himmelsbarke geschrieben haben. Etwa auf ähnlicher Höhe, links davon leuchtet die Venus. Wieder zurück bei der Gruppe warten wir gemeinsam auf den Untergang, erst wird noch geplaudert, dann wir es erwartungsvoll stiller, die Sonne versinkt hinter der nächsten Düne, die ca. 800m entfernt ist. Diesen Tag hatten wir erst- (und auch letztmals) einzelne Cirren gesehen, diese garnieren den Sonnenuntergang mit zusätzlichem Farbenspiel. Etwa 3min nach dem ersten Kontakt ist die Sonnenscheibe verschwunden. Fast bis zum Schluss ist direktes Hinsehen schmerzhaft für die Augen, so klar und dunstfrei ist die Luft. Es wird nun langsam dunkler, im Westen kommt der Erdschatten hoch, ein Farbenspiel mit ganz anderen Nuancen, von Blautönen über Dunkelviolett bis ins Aschgrau. Gegenüber gelborange über rot ins violette. Wir sind alle hingerissen, ich bin ergriffen. Schon sind die hellsten Sterne aufgetaucht, bald danach die hellen Regionen der Milchstraße. Im Westen ist es noch deutlich hell, östlich sieht man gleichzeitig die Milchstraße schon besser als in sehr guten nördlichen Sommernächten, ich kann es kaum fassen.
Um es abzukürzen: Das anschließende Essen war gut und reichlich, die Stimmung unter dem Sternenzelt gut ja ausgelassen. Ich gönne mir ein Namibisches Bier (nach bayr. Reinheitsgebot gebraut), einen Rausch bekommt man davon nicht schnell, das hat nur 4,0 % Alkohol, schmeckt aber ganz gut. So gegen 19.20h wird zurückgefahren, wieder auf der Pritsche. Es gibt ein paar Decken gegen die Kälte. Ich bin froh meine Mütze mitgenommen zu haben. Stephan hatte Sabine zugeredet eine warme Jacke mitzunehmen, es selbst aber bleiben gelassen. Er büsst es durch frieren, fängt sich eine leichte Erkältung.
Rechtzeitig vor Monduntergang sind wir zurück. Diesen sehe ich mir auf dem Beobachtungsplatz in Ruhe an. Wie damals die Sonnenfinsternis nur umgekehrt: am Schluss stehen nur noch die ‚Hörnchen’ über dem Horizont, bevor der Erdtrabant gänzlich abtaucht.
Merklich, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie vor Sonnenaufgang sieht man das abendliche Zodiakallicht als blass leuchtender Keil, in Richtung Milchstraße weist, dort überstrahlt wird.
Zum Dobson fein justieren peile ich diesmal auf Mimosa (= Beta Crux),. Dabei fällt mir in der Nähe ein deutlich schwächerer, aber schon fast kitschig Rot - ja fast Lila - Stern auf. Solch ein dunkles Rot habe ich noch nie bei Sternen gesehen. Habe den Stern auf mag6 geschätzt. Nun finde ich in Ciel etwa auf der Position den Stern TYC8659-01394-1, mit lediglich mag 8,8 angegeben. Ich kann kaum glauben das ich mich derart getäuscht habe. Vielleicht ist es ein Veränderlicher? Als Farbindex wird 5,56 angegeben, damit kann ich nichts anfangen. Kann hier jemand helfen? Wie auch immer: absolut ungewöhnlich. Ich mache Stephan, der fast unmittelbar nach Monduntergang auftauchte auf den Stern aufmerksam, auch Stephan ist von der Farbe beeindruckt. Ich beginne die Nacht mit
NGC3372 (Eta Carinae) – GN – CAR – (mag 3,0 – sbr 13,3; 120’ * 120’) SQM 21,45
Den Komplex hatte ich – soweit mir dies mit meinen Mitteln möglich ist – im letzten Bericht umschrieben. Diesmal versuche ich mich an einer Skizze eines Teilbereichs, dem Schlüssellochnebel, einer Dunkelwolke und dem Humunkulusnebel. Dazu wird etwas höher vergrößert, 202-fach. Das Seeing scheint diese Nacht etwas besser.
Zur Dunkelheitsangabe: ich gebe die Werte in mag/argsec2 an, mit dem SQM (Sky Quality Meter) gemessen. An einer Übersetzung in visuelle Grenzhelligkeit arbeiten wir (Uwe, Friedl und andere) noch. Die helle Milchstraße macht eine einfache Angabe schwierig, der Effekt muss eliminiert werden. Im Namibia-Winter, wenn das Milchstraßenzentrum um Sagitarius im Zenith steht wurden bei mir die Werte um 0,4 bis 0,5 abgesenkt auf um 21,5. Ab 03.00h ist die Milchstaße so weit hinab gesunken, dass die Messung nicht mehr beeinflusst wird, dann wurden Werte um 22,0 gemessen. 21,5 sind nach Uwe’s Einschätzung mindestens mag 7,0; 22,0 dürften 7,5 oder besser sein.
Nach gut 30min Labsal am Eta Carinae-Komplex peile ich ins mittlerweile vertraute Sternbild Fliege, suche den Planetary
IC4191 – GN – MUC – (mag 12,0 – sbr 5,2; 0,3’ * 0,2’) SQM 21,45
In sternenreicher Region kann ich das Objekt erst mit Hilfe des UHC-Filters mit 9er Oku eindeutig identifizieren. Ein sehr kleiner, runder Nebel, der stellar wirkt. Im 7er bei 262-fach leicht flächig, immer noch recht hell. Mit zwei mag11Sternen, welche ohne Filter und niedrigerer Vergrößerung identisch zum PN wirken bildet dieser ein kleines spitzwinkliges Dreieck, die Schenkel etwa 1,5’ lang.
Das nächste Ziel ist ungleich strukturreicher, noch im gleichen Sternbild, jedoch 3 Grad nördlich, zum Beobachtungszeitpunkt gut 35 Grad über dem Horizont:
NGC5189 – GN – MUC – (mag 10,3 – sbr 11,4; 2,3’ * 2,3’) SQM 21,45
Ob der Detailvielfalt nehme ich mir viel Zeit für eine ausführliche Skizze. Bei der Nachbereitung kann ich im DSS-Foto nur einen kleinen Teil wieder finden. Weiteres Googeln nach Bildern erleichtert mich. Tiefere kontrastreiche Aufnahmen bestätigen meine Skizze in fast allen Einzelheiten, visuell ging viel mehr als auf den DSS-Bildern. Auf den ersten flüchtigen Blick erkennt man ein lang gestrecktes ‚S’, ja mehr noch ein Integralzeichen, von O nach W orientiert. Fast gegengleich, jeweils innerhalb der Krümmung schwache Vordergrundsterne, um die mag 12/13. Bei näherer Betrachtung fällt außerhalb des Integralzeichens westlich ein kleine dreieckige Aufhellung, mit Basislinie hin zum Nebel auf, eine Spitze zeigt davon westlich vom PN weg. In Verlängerung des westlichen Integralbogens, schon in etwa parallel zur Hauptbogen ein paar sehr kleine Lichtknoten. Im östlichen Teil erkenne ich ansetzend an geraden Integralteil etwas weiter hinausreichend eine kleine rechteckige Helligkeitszone, die ganz blass einen engen Bogen erst nach N, dann nach W bildet. Kurz nach dem Abknicken mit einem schmalen Lichtknoten. Ich denke keiner der beiden genannten Sterne dürfte der Zentralstern gewesen sein, diesen kann ich nicht dingfest machen. Ob der vielen Details fällt es schwer das Objekt vorstellbar zu beschreiben, eine Zeichnung würde helfen. Noch habe ich keine Möglichkeit zum einscannen. Beobachtet wurde überwiegend im 7er bei 262-fach.
Nachmittags hatte ich Boris, einen den anderen Hobbyastronomen beim Aufarbeiten seiner vornächtlichen Beobachtungen getroffen, und war dabei auf NGC3699 aufmerksam geworden. Dieser Planetary steht schon tief im hinab sinkenden Sternbild Centaurus, etwa 3 Grad von Lamda Cen. Jetzt oder nie denke ich, da aufgrund des zunehmenden Mondes die Spechtelnächte von Tag zu Tag fast 1h später beginnen.
NGC3699 – GN – CEN – (mag 14,0 – sbr 10,4; 1,1’ * 1,1’) SQM 21,52
Das Objekt steht nur noch knapp 20 Grad über dem Horizont, trotzdem steigere ich die Vergrößerung bis 262-fach. Feldsterne sind meist etwas aufgebläht und unruhig, blickweise ist die Abbildung aber o.k.. Der kleine Nebel ist in zwei längliche, unterschiedlich große Bereiche unterteilt die beide grob von W nach O elongiert sind, welche im OIII-Filter (Danke Stephan fürs Ausleihen des 1 ¼-Zoll Filters) im östlichen Teil eine blasse Verbindung aufweisen. Im nördlichen, größeren Teil stehen parallel zum Nebel-Ast 3 winzige, grenzwertige Lichtfünkchen wie aufgefädelt, alle um mag15.
Die Zeit vergeht im Flug; da ich ja die ganze Nacht zur Verfügung habe kommt trotzdem keine Hektik auf, ich schwenke erst weiter wenn ich der Meinung bin, alles heraus geholt zu haben. Es ist schon 23.00h als ich zum GC
NGC6139 – GC – SCO – (mag 9,2 – sbr 12,6; 5,5’ * 5,5’) SQM 21,52
Zwischen Scorpio und Lupus gelegen. Ein eher kleiner Vertreter seiner Gattung, jedoch auch ca. 33k LJ von uns entfernt. Ein Kugelsternhaufen mit mittlerer Konzentration, der ab dem 13er (140-fach) granulär wirkt und erst im 17er in Einzelsterne aufgelöst zu sehen ist.
Es folgt die erste GX der Nacht,
NGC6744 – GX – PAV (mag 8,3 – sbr 14,2; 20,2 * 13,2) SQM 21,52
Und gleich ein Brummer. Es handelt sich um die größte GX im Sternbild Pavo (Pfau), einen ganz schönen Klotz. Leicht erkennbar und deutlich eine ovale Zentralaufhellung von N nach S ausgerichtet. Doch dann wird es schon schwer. In dem ebenfalls ovalen, parallel zur Zentralaufhellung orientierten sehr blassen Halo kann ich Spiralarmstrukturen ausmachen, jedoch nicht über die gesamte Fläche, nur im südlichen Bereich kann ich zwei Arme erkennen, der nördliche Bereich bleibt für mich überwiegend flächig. Dazu schwach angedeutete Staubstrukturen. Etwa 1 dutzend schwache Vordergrundsterne sind über die GX verstreut erkennbar. Trotz ca. 50 Grad Höhe konnte ich nicht mehr dingfest machen. Es geht weiter zu
NGC6165 – PN – SCO (mag 11,5 – sbr 8,7; 0,4 * 0,4) SQM 21,52
Einem recht kleinen aber hellen PN im Skorpion, nicht weit (ca. 1,5 Grad) vom in der Nacht schon betrachteten GC NGC6139 zu finden. Mir hat besonders die Sternengruppe gefallen, in die dieser PN eingebettet ist. Zusammen mit 3 Vordergrundsternen bildet dieser eine lang gezogene Raute, die ihre größte Ausdehnung von W nach O hat. In meinem GF stand diese auf der Spitze. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die obere Spitze als eng stehender Doppelstern. Der PN steht rechts im Okular. Den Nebel sehe ich als ganz leicht ovales Scheibchen, Zentralstern für mich nicht erkennbar. Die Hauptachse des Ovals hin zum gegenüberliegenden Trapezstern. Auch hier kam das 7er (262-fach) zum Einsatz.
Viele Grüße
Weiter geht es zu
NGC6752 – GC – SCO – (mag 5,4 – sbr 11,8; 20,4’ * 20,4’) SQM 21,6
Einem GC mit bemerkenswert hellen Sternen und deutlicher Massierung. Außenbereichssterne verstreuen sich über ein großes Feld. Im GC, auf ca. 40% ein auffällig heller mag8-Vordergrundstern. NGC6752 zeigt sich größer und auch heller als M13, was keine Kunst ist, da dieser GC nur 4k Parsec oder 12k LJ von uns entfernt seht. Wie auch immer: einer der Top-5 Kugelsternhaufe überhaupt, der zum Verweilen und Genießen einlädt.
In unmittelbarer Nähe wird eine kleine GX-Gruppe angepeilt:
NGC6769 – GX – PAV – (mag 12,6 – sbr 13,6; 2,2’ * 1,5’) SQM 21,6
NGC6770 – GX – PAV – (mag 12,7 – sbr 13,9; 2,2’ * 1,6’) SQM 21,6
NGC6771 – GX – PAV – (mag 12,5 – sbr 12,5; 2,3’ * 0,5’) SQM 21,6
IC4842 – GX – PAV – (mag 13,4 – sbr 13,7; 1,8’ * 0,9’) SQM 21,6
IC4845 – GX – PAV – (mag 12,3 – sbr 13,3; 1,9’ * 1,6’) SQM 21,6
5 auf einen Streich im Bereich eines viertel Grads. GX-Funzeln, welche im am Nordhimmel so gerne jage. Die 3 NGC’s sind im 13er Oku sofort und leicht auszumachen, ebenso IC4845. Bei IC4842 braucht es einen zweiten und dritten Blick, bis die Lage und Orientierung ausgemacht ist. Die Gruppe ist mit ca. 150 Mio LJ eine ganze Ecke entfernt. NGC6769 und 6770 erscheinen mir beide oval, die Hauptachsen bilden einen Winkel von ca. 70 Grad, wobei die Spitzen noch ca. 2’ voneinander entfernt stehen. Im GF ca. 4’ unterhalb der waagrecht angeordneten GX-Kerne NGC6771 als deutlich längliche Spindel. Eine kleine, leicht gebogene 3er Sternengruppe um mag 14 schließt in der Fortsetzung fast unmittelbar, waagrecht an. Beide IC-GXen stehen etwas weiter außerhalb der sehr engen 3er NGC-Gruppe im 13er noch gemeinsam, im 9er nicht mehr. Beide für mich oval, IC4842 kleiner. Vermutlich habe ich den Halo der letztgenannten GX zum Teil nicht wahrgenommen.
Gleich wird das GX-Gewusel noch viel größer: etwas nördlich der vorher betrachteten Pavo-GX ein Galaxienhaufen. Zu meiner Schande muss ich gestehen: keine Ahnung, wie der Haufen heißt, Pavo-Haufen? Wie auch immer, mittendrin, um
IC4765 – GX – PAV (mag 12,3 – sbr 14,2; 3,4 * 2,1) SQM 21,76
Wimmelt es nur so. In einem 9er Gesichtsfeld (202-fach) zähle ich volle 9 GXen. Ich mache mir die Mühe einer Grobskizze mit den Objekten und Feldsternen, so ist im Nachgang eine Klassifizierung möglich. IC4745 ist die größte und hellste, die meisten anderen haben lediglich PGC-Nummern, vor denen ich den Leser verschonen möchte. Das schwächste notierte und nun identifizierte Objekt war PGC0062377 mit 0,8*0,2 Bogenminuten, einer Blauhelligkeit von 16,5 und Flächenhelligkeit von 14,1.
Um kurz vor 01.00h steht Capricorn fast im Zenith. Wir, d.h. Stephan und ich tun uns sehr schwer das Sternbild auszumachen und dann zu halten. Ungleich viel mehr Sterne sind hier – vor allem im unteren Bereich – auszumachen. Nach fast jeden Blick auf den Monitor / die Karte geht die Suche nach dem Sternbild neu los, das geht auf den Nacken. Grob zwischen Delta Cap und Alp AQR steht der bekannt große PN
NGC6293 – PN – AQR – (mag 6,3 – sbr 13,6; 16,0’ * 12,’) SQM 21,76
Der Helixnebel. Den hatte ich mehrfach von zu Hause ausgiebig betrachtet. Unter Südhimmel noch deutlich heller, vor allem fällt der auch merklich aufgehellte Innenbereich des Objekts auf. Vor allem ohne Filter ist der Nebel deutlich kräftiger als gewohnt. Der Innenbereich fast rund mit einer kleineren Delle nach innen, der hellere Ring mit leichter Betonung der Innenkante. Die ebenfalls deutliche Außenkante an zwei Stellen (gegengleich) aufgeweitet und ausgefranst. Über den Nebel ein, zwei Dutzend Feldsterne verteilt, einer im östlichen aufgeweiteten Bereich merklich heller als der Rest, etwa mag11. Genau im Zentrum ein Lichtfünkchen, um mag 14, ich vermute der Zentralstern. Hier verweile ich nicht lange, das Objekt kenne ich doch schon recht gut.
Es geht weiter zu NGC253, der Skulptor-GX über die ich heute keine Worte verlieren will, diese war im letzten Bericht ja schon erwähnt und wird in einem späteren nochmals detailliert aufgegriffen. Nahe, knapp 2 Grad von dieser GX entfernt der Kugelsternhaufen
NGC288 – GC – SCU – (mag 8,1 – sbr 13,5; 13,8’ * 13,8’) SQM 21,76
Einem wenig konzentrierten GC in ca. 27k LJ Distanz. Den GC kenne ich auch vom Nordhimmel, ist aber aus heimatlichen Gefilden ob der Horizontnähe (zumindest für mich) dort nicht richtig auflösbar. NGC288 wirkt flächig. Auffällig helle Sterne bilden Ketten. Bereits im 26er erkennt man Fünkchen, im 13er glitzert es über die gesamte Fläche.
Stephan ist nebenan fleißig am werkeln. Ab und zu kommt auch Sabine vorbei um uns von Ihren aktuelle Fotografiebemühungen und –Erfolgen zu erzählen. Sabine hat ausgezeichnete Ohren, ist immer auf dem Laufenden was ich mit Stephan bespreche, auch wenn Ihr Teleskop ca. 20 Meter entfernt steht. Nu ja: mit Stephan muss man auch laut sprechen, sein Hörgerät ist oft auch ausgeschaltet.
Sculptor hat noch mehr zu bieten. Einen ganzen Sack voll kleiner GX-Fuzzelchen (welche ich links liegen lasse), aber auch große Objekte wie die GX
NGC300 – GX – SCU – (mag 8,1 – sbr 14,3; 19,3’ * 13,3’) SQM 21,85
Wow, das ist ein Brummer! Es braucht schon sehr dunklen Himmel für dieses Objekt, die Flächenhelligkeit ist doch sehr gering, mir erscheinen selbst die angegebenen 14.3 noch optimistisch. Nur hauchzart sind S-förmig Spiralarme zu erahnen, leicht faserig. Ob der Größe versuche ich es auch mit OIII, kann aber nicht aktive Regionen ausmachen. Neben dem 26er kam das 17er und schließlich auch das 13er zum Einsatz. Der Kontrast reicht leider nicht für mehr, trotzdem: sehr interessant!
Hochkonzentriertes Beobachten strengt an. Eine Dose mit Erdnüssen bringt die physische Stärkung, entspannte Beobachtungen gemütlich auf dem Stuhl sitzend die mentale. Der Blick auf unsere Milchstraße verliert nicht an Faszination, ergreift und lässt mich innerlich eine tiefe Ruhe verspüren. So frisch gestärkt kommt Lust auf mehr auf; zunächst bleibe ich den Galaxien treu. Ich peile auf ca. 60 Grad Höhe, ins Sternbild Gruß (Kranich) zum Gruß-Quartett
NGC7590 – GX – GRU – (mag 11,5 – sbr 12,5; 2,6’ * 1,5’) SQM 21,85
NGC7599 – GX – GRU – (mag 11,5 – sbr 13,3; 4,4’ * 1,4’) SQM 21,85
NGC7582 – GX – GRU – (mag 10,6 – sbr 13,0; 5,0’ * 2,3’) SQM 21,85
NGC7552 – GX – GRU – (mag 10,6 – sbr 12,8; 3,4’ * 3,0’) SQM 21,85
Warum Quartett? Dies wird mir erst nach Recherchen klar. Im Okular sehe ich 3 GXen als wunderschöne Gruppe in einem Gebiet von ¼ Grad stehen, es handelt sich um die drei erstgenannten obiger Aufstellung. NGC7582 davon am auffälligsten, eine ausgeprägte helle Spindel in Edge on. Entlang der Hauptachse sind einige Lichtknoten/Staubbandfragmente erkennbar. Ich betrachte die Gruppe im 13er bei 140-fach, da kann ich alle 3 gut überblicken. Später im 9er muss häufiger nachgeführt werden um die 3er Gruppe gemeinsam betrachten zu können. NGC7782 steht von 11h nach 5h im Gesichtsfeld; NGC7590 und NGC7599 liegen dagegen waagrecht, ca. 8’ entfernt. Erstgenannte mit ausgeprägtem hellen, länglich-ovalen Zentralbereich und Vordergrundstern zum Ende der Hauptachse nördlich, letztgenannte größer aber blasser mit leicht versetzten zartem Staubband, parallel zur Hauptachse, hin zu NGC7590. Eine 4er Sternenkette vom genannten Vordergrundstern ausgehend scheint die beiden GXen verbinden zu wollen. Warum Quartett? Die 3 Galaxien interagieren, es gibt Gezeitenströme zwischen diesen. Einer reicht sogar noch über 30’ weiter bis hin zu NGC7552, der 4. GX des Quartetts. Im 26er und 17er ist es noch möglich alle 4 gemeinsam zu betrachten. Diese Gezeitenströme sind – nicht anders zu erwarten – weit jenseits der visuellen Möglichkeiten von Amateurastronomen. NGC7552 für mich die am visuell reizvollsten der 4: eindeutig eine kleine Balken-GX mit Spiralarmansatz. Der Balken kräftig mit ovaler Zentralverdickung entlang der Balkenachse (O-W-Ausrichtung) erkennbar, ein schönes kleines Teil.
A pro pos schön und klein: es geht noch kleiner: Dafür habe ich von zu Hause zwei Ausdrucke mitgebracht. Hickson90 im Südlichen Fisch soll es nun sein. Bei einer Höhe von ca. 75 Grad unter nahezu idealen Bedingungen. Nur das Seeing könnte noch einen Tick besser sein:
NGC7172 – GX - PsA – (mag 11,9 – sbr 13,1; 2,4’ * 1,3’) SQM 21,92
NGC7173 – GX - PsA – (mag 12,0 – sbr 12,1; 1,9’ * 1,4’) SQM 21,92
NGC7176 – GX - PsA – (mag 11,3 – sbr 11,1; 2,1’ * 1,7’) SQM 21,92
NGC7174 – GX - PsA – (mag 13,3 – sbr 14,3; 2,6’ * 1,5’) SQM 21,92
Erstgenannte GX, NGC7172 steht alleine und frei, ein Oval mit rundlicher, flächig-hellem Zentralbereich. Die anderen 3 bilden ein Knäuel, etwa 6’ südwestlich zu erstgenannter. Ohne den entsprechenden Hintergrund hätte ich hier auf eine irreguläre GX getippt. NGC7176 am östlichen Ende des Knäuels als rundliche Aufhellung, nahtlos übergehend in das waagrechte Oval von NGC7173. NGC7174 irgendwo dazwischen, aufgrund der geringen Helligkeit als solches nicht detektierbar. Zwischen NGC7172 und dem Knäuel zwei mag14-Vordergrundsterne.
Sabine hat schon vor einiger Zeit das spechteln beendet, Stephan gibt auch auf und schleppt den 10er Dobs zurück zum Haus, dabei scheint er jede gerauchte Zigarette zu spüren. Wieder zurück zündet Stephan noch eine an, dann wird neben dem Rauch die Stimmung der Nacht und der Anblick des Firmaments inhaliert, vor allem das auf halber Höhe leuchtende Band unserer Milchstraße ist hierzu angetan.
Ich selbst fühle mich – nach einem kleinen Tief gegen 02.00h – noch fitt.
Was nun? Mir fällt der Palomarkatalog ein. Vorbereitet habe ich nichts, also gebe ich einfach PAL-Nummern in Ciel ein und schaue, wo die Objekte zur gegebenen Zeit stehen. PAL11, 12 und 13 notiere ich als mögliche Ziele. Mit
PAL11 – GC – AQL - (mag 11,9 – sbr 14,1; 3,2’ * 3,2’) SQM 21,92
Beginne ich PAL11 steht im Adler, damit in einer Region die vom Nordhimmel aus gut erreichbar ist. In der Nähe des Objekts zwei markant helle Vordergrundsterne um mag 9 /10, etwa 8’ südlich davon ein 12er. In dem Dreieck der GC. Im 13er ist eine flächige Aufhellung zu erahnen. Im 9er blitzen etwa ½ Dutzend mag15-Lichtfünkchen in dem Gebiet. Im südlichen Bereich erscheint der GC etwas ‚kräftiger’. PAL11 ist für ‚nur’ 33k LJ, also recht schwach auf der Brust.
Als Kontrast dann
M30 – GC – CAP - (mag 7,5 – sbr 11,0; 8,9’ * 8,9’) SQM 21,92
Immerhin auch 27k LJ entfernt, aber im Vergleich zu PAL11 schon fast blendend hell. Im 26er blitzen Außenbereichsterne. Das Zentrum ist stark massiert, auf den inneren 30% geht es zur Sache. Radiale Sternenketten lassen den GC wie mit Spinnenbeinen erscheinen.
Die nächsten Photonen, bei
PAL12 – GC – CAP - (mag 112,9 – sbr 14,9; 2,9’ * 2,9’) SQM 22,01
Müssen schon mehr gejagt werden. Im 13er bei 140fach erkenn ich nahe einer engen 3er Gruppe von mag11/12 Vorderrundsternen eine leichte Aufhellung. Mit steigender Vergrößerung tauchen mehr und mehr Mini-Fünkchen auf, Mag15 und auch schwächer. Mit 9er, 7er und 5er (363-fach) wird beobachtet. Nun umfassen einzelne Lichtfünkchen auch die 3er Gruppe. Ob die äußeren Sterne noch zu PAL11 gehören oder einfach weit entfernte Feldsterne sind, ich weis es nicht. Dieser GC steht in ca. 63k LJ Entfernung, damit doch recht weit entfernt.
Ich lasse den Blick schweifen. Die letzten Stunden hat sich das Firmament deutlich gewandelt. Die Milchstraße taucht mehr und mehr im Westen ab. Im Süden stehen deutlich sichtbar die Magellanschen Wolken, halbhoch die Kleine, merklich niedriger die Große. Sonst ist das Firmament kräftig besprenkelt. Im Osten das Zodiakallicht, fast wie der Schein einer fernen Besiedlung, nur mehr wie ein Keil, dessen Spitze bis in, ja über den Zenith reicht. Auffällig ein rötlicher Lichtpunkt, der Mars welcher schon eine Höhe von fast 30 Grad erklommen hat. Pegasus ist schon des längeren aufgegangen, ebenso Andromeda. Nur alles eben komplett auf dem Kopf stehend. M31 ist ganz deutlich erkennbar, bei M33 im Triangulum tue ich mir schwer. Die Augen brennen etwas, das liegt zum Teil an der trockenen Luft, sicher auch an Überanstrengung. Im Pegasus gibt mir dann
PAL13 – GC – CAP - (mag 112,9 – sbr 14,9; 2,9’ * 2,9’) SQM 22,03
den Rest. Von Alpa Peg aus starte ich den Starhop, pendele zwischen Monitor und Sucher hin- und her, knapp 3 Grad sind zu überwinden. Solange am 8*50-Sucher gepeilt wird mit ‚normalem’ Bild, bei Aufsuchokular mit doppelt gespiegelter Anzeige. So ein Bildschirm lässt sich nicht so einfach wie ein Kartenausdruck drehen. Das nähere Zielgebiet stellt ein Sternengruppe in Form eines rechtwinkligen Dreiecks dar. Zwei mag11-Sterne, bilden den längeren Schenkel, der kürzere, hin zum Palomar wird durch einen engen Doppelstern (mag12 und 14) gebildet. Der PAL ist für mich eindeutig grenzwertig, ich verbiege mir schier die Augen. Versuche es mit hoher Vergrößerung. Das macht es aber nicht wirklich einfacher. Im Zielgebiet ist nach wie vor nur eine flächige Aufhellung – indirekt – feststellbar. Es ist nach 04.00h, ich gebe auf.
Es folgt die Abbauroutine: alles im Rucksack einpacken, den OTA zurücktragen, dann den Rest. Für abschließende Genusstour bin ich zu fertig.
Die Nacht war überwiegend mit schwereren Objekten angefüllt. Super Bedingungen rücken Objekte in den Zielradius, die sonst unerreichbar bleiben, das hat seinen eigenen Reiz, ermüdet aber sehr. Für die Folgenächte nehme ich mir mehr Objekte vor, die gleichzeitig auch mehr Details eröffnen.
Viele Grüße
Achim