Details im Mare Crisium - Knipsen mit 60mm Fraunh.

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Schiefspiegler

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Liebe Leute, ich bin absoluter Astro-Foto-Anfänger und möchte solche Aufnahmen mehr als Medium zur Diskussion und zum Nachbetrachten von Beobachtungen verwenden, nicht um tolle Fotos zu produzieren (die ich durchaus bewundere!). Ich bitte, die mäßige Aufnahmequalität in diesem Lichte zu verzeihen. Ich setzte vor einer Woche diesen Beitrag in das visuelle Forum, bekam jedoch keinerlei Feedback, es war also wohl fehlplatziert. Hier also ein Versuch im Foto-Forum.
Ich beobachte seit 3 Jahren den Mond wirklich intensiv, und würde mich über Reaktionen anderer Mond-Liebhaber sehr freuen - aber auch die Themenstellung "Knipsen mit ganz kleinem Reaktor" interessiert mich sehr.

Genug der Vorrede: In der Nacht vom 4. auf 5. Dez. war es hier wundervoll durchlässig, aber sehr turbulent. Nach kurzem Blick im Fernglas sah ich, dass der Westrand des Mare Crisium in einer Weise beleuchtet war, die ich noch nicht kannte.

Für den 110/2720 Schiefspiegler war die Turbulenz zu gross, also holte ich den 60/910 Fraunhofer heraus. Anbei ein Foto, auf dem der lange Schattenwurf von zwei Bergen östlich von Proclus zu sehen ist, deren Anwesenheit mir bisher völlig unbekannt war. Visuell war das wunderschön - auf diesem Digiknips-Foto immerhin gerade noch zu erkennen. Picard, Peirce und Swift in Crisium gut zu sehen, und zahlreiche Details im stark wölbenden Westrand des Mare. Nicht schlecht für ein Digiknips am Okular eines 60mm Fraunhofer plus Amici-Prisma!

Link zur Grafik: http://i859.photobucket.com/albums/ab158/Schiefspiegler/Mond-Vixen60-A2-gfpw20-Berge-bei-Pr.jpg

Ich hoffe, beim nächsten Durchgang den Schiefspiegler draufhalten zu können, oder zumindest daran zu denken, den 60mm FH ohne Amici einzusetzen, was der Bildqualität förderlich sein dürfte. Bin aber nicht zu optimistisch, dass eine solche Beleuchtung sehr bald an einem klaren Abend wiederkehrt, lehrt doch die Erfahrung, dass der Mond nie 2mal genau gleich ist - da lohnt es sich schon, schnell ein Knipsfoto zu machen!

Allzeit CS wünscht
Christopher
 
Hallo Christopher,

selbst bei der nicht optimalen Bildqualität sieht die Region bei dem gezeigten Lichteinfall und mit den ganzen Schattenwürfen echt klasse aus. Ich kann mir gut vorstellen, dass das visuell ein Genuss war.
Mit welcher Vergrößerung hast Du visuell gearbeitet und was hat alles ins Gesichtsfeld Deins Okulars gepasst? Haben Dich die Farben schon gestöhrt?

So macht Nachbesprechung Spass :)

LG & CS
Basti
 
Hallo Christopher,

Zitat von Schiefspiegler:
Das glaube ich Dir gerne - die langen Schattenwürfe sind immer attraktiv! Mit welcher Vergrößerung hast Du denn beobachtet?

Beim Fotografieren wäre es vielleicht günstiger, einen kleineren Abildungsmaßstab zu verwenden. Im Originalmaßstab bekommt man Dein Bild hier erst im Antwort-Modus zu sehen, weil die Forums-Software alle Bilder im Hauptfenster automatisch auf eine Breite von 720 Pixeln verkleinert. Dein unverkleinertes Bild erscheint aber an meinem Bildschirm in mehr als 200-facher Vergrößerung. Das kommt mir für ein Einzelbild bei 60 mm Teleskopöffnung und unruhigen Luftverhältnissen ein wenig übertrieben vor. 100-fach hätte m.E. völlig ausgereicht.

Mit einem kleineren Aufnahmemaßstab hättest Du ein helleres Bild auf Deinem Kamerachip und könntest kürzer belichten bzw. eine geringere ISO-Einstellung mit weniger Rauschen wählen.

Wenn ich das von Dir gepostete Bild auf 50% verkleinere, den Grünkanal isoliere und das entsprechende Graustufenbild einer mäßigen Kontrast- und Schärfungsbehandlung unterziehe, bekomme ich das hier heraus:

Link zur Grafik: http://www.astro-vr.de/Mond-Vixen60-A2-gfpw20-Berge-bei-Pr_Muster050vMM+-s10.jpg

Einen Verlust an Bilddetails kann ich nicht erkennen, eher im Gegenteil. Daraus schließe ich, dass Du gleich mit dem halben Maßstab und den sich daraus ergebenden Vorteilen - siehe oben - hättest aufnehmen können.

Gruß, Jan
 
Lieber Jan,

ich bin absolut begeistert, dass Du Dich meines Bildes angenommen hast! Ich kenne Deine fantastischen f15-Falt-Teleskope (leider nur am Bildschirm; so schade, dass der 6-Zöller für mich unerschwinglich bleibt), und habe erst gestern Deine Website besucht, um diese Idee, zu jedem Foto ein Video zwecks Beurteilung des Seeings zu gesellen, in der Umsetzung anzuschauen.

Vielen Dank für den Tipp zum Grünkanal - das muss ich das nächste Mal ausprobieren! Und endlich bekomme ich eine Ahnung, was die ISO-Einstellung soll. Ich hatte nie begriffen, was das in einer Digitalkamera heissen soll, die doch keinen Film mehr enthält.


Hallo Basti,
vielen Dank für die freundlichen Worte, die mich sehr freuen! Ich benutzte am 60/910-Teleskop ein 20mm-Okular mit 20mm Feldblende, d.h. Vergößerung am Okular 45fach, Feld 1,25 Grad - also viel mehr Feld, als auf dem Bild, und richtig viel Licht mit einer Austrittspupille von ca. 1,5mm (ideal für maximale visuelle Detailwahrnehmung am Mond, soweit ich das verstehe - ich optimiere das System halt aufs Visuelle hin). Die blauen Schatten, die im Foto sichtbar sind, waren visuell nicht wahrnehmbar.

Die weitere Gesamt-Vergrößerung, die Jan ziemlich exakt mit 200fach schätzt, entstand in zwei weiteren Schritten: 1. entsprach der eingestellte Zoomfaktor am Digiknips einer ca. 2fachen optischen Vergrößerung im Kameraobjektiv, da sind wir bei 90fach optischer Vergrößerung bei Ankunft des Lichts auf dem Chip. 2. habe ich am PC einen Ausschnitt vergrößert, um die Berg-Schattenwürfe, um die es mir ging, möglichst deutlich zu präsentieren.

Hier ist das Gesamtbild, aus dem ich den Ausschnitt holte (mit leichter Vignettierung unten rechts; das lässt sich mit einer exakten Positionierung der Eintrittspupille des Kameraobjektivs relativ zur Austrittspupille des Okulars beheben - daran muss ich noch feilen):

Link zur Grafik: http://i859.photobucket.com/albums/ab158/Schiefspiegler/Mond-Vixen60-A2-gfpw20-Berge-bei-1.jpg
 
Hallo Christopher,

nach dem hier in letzter Zeit öfter diskutierten Kriterium von Peter Müller erscheint bei Deiner visuellen Kombination aus f/15 Objektiv und 20 mm Okular eine Ankopplung der Digiknipse bei einer Brennweiteneinstellung von 20 mm recht günstig.

Nach Peter Müller sollte die Blendenzahl f/D der Teleskopoptik etwa dreimal so groß sein wie der Pixelabstand auf dem Kamerachip, gemessen in µm. Die Blendenzahl f/D = 910mm / 60mm ~ 15 Deines Refraktors passt demnach gut zu einem effektven Pixelabstand von 5 µm der grün maskierten Pixel auf Deinem Kamerachip.

Dies gilt zunächst einmal für den Fall, dass sich der Kamerachip unmittelbar in der Fokalebene befindet. Bei einer Ankopplung über Okular und Kameraoptik bekommst Du aber denselben Abbildungsmaßstab, wenn beide Brennweiten übereinstimmen.

Gruß, Jan
 
Hallo Christopher,

schön was alles mit so einem kleinen Farbfernseher geht. Weiter so :)

LG & CS
Basti
 
Zitat von Basti_fantasti:
Hallo Basti,

ein 60 mm Fraunhofer mit 910 mm Brennweite besitzt nach Lichtenknecker bei einer Austrittspupille (AP) von 1 mm einen RC-Wert ("Restchromasie") von 3,6. Bei einer Austrittspupille von 1,5 mm ergibt sich ein effektiver RC-Wert von 2,4. Nach Lichtenknecker bedeuten RC-Werte von 0 bis 3 "Hervorragende Abbildung (Apochromasie)".

Zum Vergleich: Mit meinem FH 6" f/20 komme ich bei AP = 1 auf RC = 6,8. Bei der Mondbeobachtung arbeite ich meist mit einem 16 mm Okular. Das bedeutet AP = 0,8 und RC = 8,5. Selbst unter diesen Bedingungen sehe ich noch keine Farbränder am Mond. Auch bei Fokalaufnahmen mit einer Spiegelreflexkamera - ohne Okular und Objektiv - sehe ich keine Farbränder, siehe hier .

Meine Erfahrung mit Kompaktkameras am Okular sagt mir, dass die - auch in Christophers erstem Bild - auffälligen blauen Säume erst durch das Zusammenwirken von Okular und Kameraobjektiv zustandekommen. Die einfachen Digitalkameras erzeugen ja selbst schon bei der alltäglichen Fotografie an kontrastreichen Objekten - z.B. Baumzweige gegen den hellen Himmelshintergrund - massive Blausäume.

Soviel an dieser Stelle zu "Farbfernsehern" ...

Christopher könnte mit einem Kamerachip unmittelbar in der Fokalebene (WebCam ohne Okular und Objektiv) seines kleinen Teleskops gewiss noch weit bessere Aufnahmen hinbekommen.

Gruß, Jan
 
Hallo Jan,

danke für Deine Ausführungen. Ich habe leider nur ein achromatisches Spektiv. Das verwende ich nur für DeepSky-Beobachtungen.
Ich weiß aber, dass ein Achromat mit solchen Öffnungsverhältnissen sehr wohl gute Bilder macht und finde daher auch, dass diese Geräte immer noch ihre Berechtigung haben. Trotzdem bleibt es halt ein Achromat.
Kannst Du hier mal die Formel zur Berechnung des RC-Werts posten?

Danke & CS
Basti
 
Hallo Basti,

die Formel kenne ich leider nicht. Du findest aber unter http://www.astro-foren.de/showthread.php?p=27479 (an die Stelle der eckigen Klammer gehört "astro - foren.de") nähere Informationen zu dem Thema und - vor allem - Auszüge einer Broschüre von Herrn Lichtenknecker aus den 1980er Jahren.

Bei der Bewertung des Farbfehlers eines Refraktors oder bei Vergleichen sollte man stets die Austrittspupille (AP) für den bevorzugten Anwendungsfall mit berücksichtigen. Lichtenknecker benutzt aus diesem Grunde bewusst einen "effektiven" RC-Wert: RCeff = RC / AP, wobei RC ohne Index für AP = 1 mm gilt und in seinen Tabellen für eine Vielzahl von Objektiven aufgelistet ist.

Gemessen am effektiven RC-Wert ist beispielsweise ein FH 6" f/8, wenn er zur Beobachtung von Deep-Sky-Objekten oder Kometen bei AP = 2,5 mm, d.h. 60-facher Vergrößerung eingesetzt wird, vergleichbar mit dem meines FH 6" f/20 bei AP = 1 mm bzw. 150-facher Vergrößerung. Oder: Der 60 mm Fraunhofer von Christopher ist bei 40-facher Vergrößerung hinsichtlich der Restfarbe vergleichbar mit einem 8“ Vollapochromaten (3-Linser) bei 400-facher Vergrößerung.

Für derartige Vergleiche erscheint also der RC-Wert ganz hilfreich, auch wenn dessen exakte Herleitung offenbar ein Geheimnis von Herrn Lichtenknecker geblieben ist ...

Gruß, Jan
 
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