Die Beobachtungsnacht vom 10. August 2024.

Gerd K

Aktives Mitglied

Die Beobachtungsnacht vom 10. August 2024.


Eine dunkle Nacht im Steigerwald.


Hallo,

Seit einer gefühlten Ewigkeit konnte ich mal wieder am Nachthimmel beobachten. Das letzte mal habe ich Ende März 2024 ferne Objekte am Nachthimmel beobachtet. Nachdem der Wetterbericht eine schöne Nacht vorhersagte, noch dazu am Wochenende, packte ich meine Sachen ein um zu meinem dunklen Platz im Steigerwald zu fahren.
Mit dieser Ausrüstung beobachtete ich in dieser Nacht:

  • 300/1200mm Newton.
  • Aufgebaut auf einer Losmandy G11.
  • Telrad.
  • 80/400mm Refraktor als optischer Sucher.
  • Okulare aus der 82° Serie von Explore Scientific.
  • Blaze-Gitter Spektroskop.
  • [OIII] Filter (12nm "Astronomik").
  • Sternkarten, hergestellt mit "Cartes du Ciel"


2024-08-10-Himmel.jpg

Mein Beobachtungsplatz im Steigerwald.


Himmel und Bedingungen:
Klarer Himmel ohne Wolken. Gute Durchsicht. Sehr hohe Luftfeuchtigkeit, die sich als Tau auf dem Teleskop absetzt.
Die Milchstraße kann ich deutlich sehen.

Diese Objekte beobachtete ich in dieser Nacht:

V Aql,
ein Kohlenstoffstern im Sternbild Adler. Spektraler Typ: C-N5 B. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 40x.
SQM-L: 20m99/□" Zenit.
Der Stern fällt im Feld sofort auf.
Deutliches orange.

PK 45-2.1, ein Planetarischer Nebel im Sternbild Adler. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 255x mit einem Blaze-Gitter Spektroskop und einem [OIII] Filter (12nm).
SQM-L: 21m13/□" Zenit.
Mit dem Blaze-Gitter Spektroskop kann ich den Planetarischen Nebel eindeutig im Feld identifizieren. Die Sterne werden zu Fäden auseinander gezogen, der Planetarische Nebel bleibt einer kleiner Punkt.
Ohne Filter lässt sich der Planetarische Nebel nicht von den Sternen im Feld unterscheiden. Der Planetarische Nebel sieht aus wie ein mittelheller Stern.
Mit dem [OIII] Filter ist der Planetarische Nebel eindeutig erkennbar. Die Sterne werden stark gedämpft, der Planetarische Nebel bleibt hell. Der Planetarische Nebel wirkt mit dem Filter auch leicht flächig, er wird zu einem kleinen Scheibchen. Das Scheibchen ist einen Hauch grünlich oder bläulich.

NGC 6828, ein Offener Sternhaufen oder eine Sterngruppe im Sternbild Adler. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 136x.
SQM-L: 21m11/□" Zenit.
Direkt nördlich an einer Gruppe aus drei hellen Sternen steht eine kleine Ansammlung schwacher Sterne.
Die wenigen schwachen Sterne sind unregelmäßig verteilt und zu einem Oval angeordnet.

NGC 6879, ein Planetarischer Nebel im Sternbild Pfeil. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 255x mit einem Blaze-Gitter Spektroskop und einem [OIII] Filter (12nm).
SQM-L: 21m13/□" Zenit.
Ohne Filter ist der Planetarische Nebel nicht von den Sternen unterscheidbar.
Mit dem Blaze-Gitter Spektroskop konnte ich den Planetarischen Nebel aufspüren und mit dem [OIII] Filter herausblinken.
Der Planetarische Nebel bleibt bei hoher Vergrößerung ein schwaches, eventuell leicht flächiges Scheibchen.

Kleinplanet (7) Iris, im Sternbild Wassermann. Helligkeit 8m3. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 40x.
SQM-L: 21m13/□" Zenit.
(7) Iris konnte ich anhand einer Sternkarte im Feld identifizieren.
(7) Iris ist ein mittelheller Stern.

Kleinplanet (16) Psyche, im Sternbild Steinbock. Helligkeit 9m8. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 40x.
SQM-L: 21m13/□" Zenit.
(16) Psyche konnte ich im Feld identifizieren.
(16) Psyche ist ein schwaches Sternchen das an einer Sterngruppe steht.

Saturn, im Sternbild Wassermann. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 255x.
SQM-L: 21m15/□" Zenit.
Auf Saturn kann ich viele Wolkenbänder unterscheiden. Der Schatten vom Ring auf Saturn kann ich deutlich sehen. Die Cassinische Teilung kann ich blickweise sehen.
Östlich von Saturn kann ich die Monde Titan, Rhea und Tethys sehen, westlich vom Ring steht der Mond Enceladus.

RZ Peg, ein Mira veränderlicher Stern im Sternbild Pegasus. Spektraler Typ: SC5-9/9-e B. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 40x.
SQM-L: 21m22/□" Zenit.
Den Stern kann ich im Feld sofort sehen.
Schwacher Stern in einem deutlichen orange. In der Umgebung sind viele bläuliche und weiße Sterne die einem guten Kontrast zu RZ Peg haben.

NGC 7078 (Messier 15), ein Kugelsternhaufen im Sternbild Pegasus. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 179x.
SQM-L: 21m22/□" Zenit.
Messier 15 konnte ich mit den freien Augen sehen. Mit dem Telrad habe ich das schwache, etwas diffuse Fleckchen angepeilt und der Kugelsternhaufen stand mittig im Okular. Messier 15 konnte ich wiederholt mit den freien Augen sehen.

Messier 15 ist ein großer und heller Kugelsternhaufen der bis in das Zentrum hinein in unzählige Sterne aufgelöst ist. Der kleine und helle Kern bleibt unaufgelöst.
Rings um dem Kugelsternhaufen stehen viele versprengte Sterne.

NGC 224 (Messier 31), eine Galaxie im Sternbild Andromeda. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 40x.
SQM-L: 21m27/□" Zenit.
Die Galaxie kann ich deutlich mit den freien Augen sehen.
Die Galaxie ist sehr hell und ausgedehnt. Der Kern der Galaxie ist klein und hell. Ich kann zwei dunkle Bänder in der Scheibe der Galaxie sehen.
Die Galaxien Messier 32 und Messier 110 kann ich ebenfalls deutlich sehen.

WZ Cas, ein Kohlenstoffstern im Sternbild Kassiopeia. Spektraler Typ: C-N7III: B. Beobachtet mit einer Vergrößerung von 40x.
SQM-L: 21m31/□" Zenit.
Der Stern fällt im Feld sofort auf.
Intensives orange. Der Stern steht direkt an einem blauen Stern.


2024-08-11-Jupiter-Mars.jpg


Jupiter und Mars.
SQM-L: 21m28/□" Zenit.
Beide Planeten habe ich nur kurz beobachtet.

Statistik (nur Deep-Sky): 1.653 unterschiedliche Objekte in 3.014 Beobachtungen beobachtet.


Die SQM-L Messwerte für diese Nacht.

2024-08-10-SQM-L.jpg


Viele Grüße
Gerd

Bilder: Eigene Aufnahmen.
 
Grüß Dich Gerd,
ein so wunderbar gegliederter Bericht und richtige Arbeit hast Du da geleistet. Von einem solchen Himmel kann ich nur träumen bei meinem Wiener Vorstadthimmel, der von Jahr zu Jahr verseuchter wird. Die Milchstrasse kann ich nur erahnen, weil ich weis wo sie ist.... wer die nicht kennt, wird sie niemals wahrnehmen.

dass Du M15 mit blossem Auge ausmachen konntest ist für mich unvorstellbar! In der gleichen Nacht habe ich kurz vor Wien auch alle Kugelsternhaufen abgegrast, wir hatten es hier etwas trockener und windstill. Doch diese Hitzeglocke über Europa trübt schon ordentlich die Durchsicht. Vor allem wohl auch die Aerosole der Vulkanasche, die die Sonnenauf- und untergänge aktuell so rot färben.
Den planetarischen Nebel im Adler mit O-III Filter muss ich auch unbedingt mal probieren, den Adlernebel hatte ich vorgestern so wunderbar, obwohl schon tief im Süden in meinem C8 im 32mm Weitwinkel drin. Nun werde ich ganz neugierig, Deine Beobachtung nachzuvollziehen, einen O-III habe ich ja.
Danke für den vorbildlichen Bericht und weiterhin gute Nächte wünscht
Anette
 
Hallo Anette,

Vielen Dank für dein nettes Feedback.

Von einem solchen Himmel kann ich nur träumen bei meinem Wiener Vorstadthimmel, der von Jahr zu Jahr verseuchter wird.

Ich wohne glücklicherweise draußen auf dem Land. Inzwischen muss ich zwar auch etwas weiter fahren, aber es gibt bei mir noch Plätze, die noch sehr dunkel, ruhig und sehr wenig Aufhellung durch die Lichtglocken der Städte haben.

dass Du M15 mit blossem Auge ausmachen konntest ist für mich unvorstellbar!

Ich bin da sehr selbstkritisch, denn es gibt direkt am Kugelsternhaufen einen Stern mit 6m1. M15 wird mit ungefähr 6m2/6m4 angegeben und stand zur Beobachtungszeit nahezu im Zenit. Es war an dieser Stelle definitiv ein sehr leicht flächiges "Bällchen" zu sehen, das ich mit dem Telrad zentrierte und dadurch auch zentrisch im Okular hatte.

Doch diese Hitzeglocke über Europa trübt schon ordentlich die Durchsicht. Vor allem wohl auch die Aerosole der Vulkanasche, die die Sonnenauf- und untergänge aktuell so rot färben.

Bei mir war es noch nicht so schlimm. Erst seit Sonntag hat die Hitze so richtig zugeschlagen. In der Beobachtungsnacht war es fast schon ein wenig frisch draußen.

Viele Grüße
Gerd
 
Hallo Gerd,

da hänge ich mich mal dran. Zum Glück geht die Schönwetterkatastrophe nun bald zu ende.
Ich war am Montag (5.) und am letzten Samstag (10.) im OdW spechteln. Dann noch letzten Do. und So. und Mo. im Garten. Dann immer so zwischen 1 und 4 Uhr, mit Wecker stellen. :)

Du hattest da ja am Samstag sehr gute Bedingungen, SQM über 21,3, was Bortle 4 entspricht. Da macht dann das spechteln richtig Spaß.
PK 45-2.1, ein Planetarischer Nebel im Sternbild Adler, kommt auf meine ToDo-Liste.

Die Bedingungen im OdW waren am Samstag recht ordentlich, Bortle 5. Im Garten halt Bortle 6 oder 7. Eine Menge neue Galaxien, über 40.
Toller Saturn und heute Morgen auch toller Jupiter und ein kleier Mars, bei dem sogar schon Oberflächendetails erahnbar waren (356x).
So nebenbei mein 3000. Deep Sky Objekt sowie 2600 Doppelsterne geknackt.

cs
Lothar
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Lothar,

Unter Woche ist es für mich leider nicht so gut zum Beobachten zu fahren, da ich am nächsten Morgen sehr früh heraus muss.

Du hattest da ja am Samstag sehr gute Bedingungen,

Da ist es auch schön, da dann auch der Hintergrund im Okular dunkel bleibt, und nicht so aufgehellt wie in Stadtnähe. Das macht dann auch Spaß, einfach so in den Himmel zu schauen, und auch die Milchstraße richtig sehen zu können, und diese nicht nur zu erahnen ist.

So nebenbei mein 3000. Deep Sky Objekt sowie 2600 Doppelsterne geknackt.

Meinem Glückwunsch zum 3.000. Objekt.

Viele Grüße
Gerd
 
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