Die Giraffe im Hintergarten (Kleine Galaxientour)

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KlausZott

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Hallo Deepsky Freunde,

meine Beobachtungsterrasse im Hintergarten ist fertig. So konnte ich gestern abend endlich wieder mal zu einer kleinen Galaxientour im der nördlichen Cam aufbrechen.

Ort, Zeit: Schliersee, 800m 3. Feb. 08, 19-21 Uhr
Gerät: 6"/f5 Bino meist mit 60-fach (12mm Radian)
Grenzgröße: etwa 5,9m im UMi
Bedingungen: -4°, unruhige Luft durch leichten Föhn

Ich startete vom Polarstern aus, um von der Riesenglx 2336 in einem großen Bogen bis zur Glx-Gruppe um 2634 zu hoppen.

2336 (10,4/13,6 - 100M)
Relativ großes (3’) N-S-gerichtetes Oval, einfach indirekt, diffus mit zentraler Aufhellung, zwei 10m Sterne westlich

IC 467 (12,6/14,0 - 100M)
Diese Begleitglx liegt südlich im Blickfeld, im ersten Augenblick nicht sofort zu erkennen, bald zeichnet sich jedoch indirekt blickweise ein schwacher O-W-orientierter Streif ab, direkt S eines 12m Sterns

Knapp 4° SW steht das nächste Pärchen

2146 (10,6/13,9 - 70M)
Die starburst-Glx steht einfach direkt zu sehen westlich einer kleinen Sterngruppe, in der Form nicht ganz klar definiert als leichtes SO-NW-Oval mit schwacher zentraler Verdichtung
2146A (12,9/14,1 - 70M)
Dieser nordwestliche Begleiter lässt sich indirekt blickweise immer wieder als kleiner Nebelspot ausmachen

Ein weiterer 4°-Schwenk nach SO bringt mich zu
2314 (12,2/13,2 - 170M)
Diese Glx ist Teil eines losen Glx-Bandes im Hintergrund der näheren UMa-Gruppen. Sie ist indirekt als kleiner aber deutlicher, rundlicher Nebelfleck zu vernehmen.

Zwei ähnliche Nebelchen befinden sich ca 2° SW
2256 (12,5/14,0 - 200M)
2258 (11,9/13,1 - 200M)
Beide klein und nur mit abgewandtem Blick auszumachen. Letzterer der etwas auffälligere Spot unmittelbar westlich eines 11m Sterns.

UGC 3730 (12,5/13,9 - 120M) mit 8mm Radian (95-fach)
Diese Glx wird auch unter Arp 141 geführt, das deutet auf ein unregelmäßig wechselwirkendes System hin. Sie ist indirekt schwach auszumachen, in der Form nicht definierbar, wirkt irgendwie unregelmäßig, mehr ist wohl mit dem Bino nicht drin.

Ich hüpfe knapp drei Grad nach Osten um zwei weitere Glx aus dem UGC-Katalog aufzusuchen.
UGC 4028 (12,7/12,3 - 180M)
UGC 4057 (12,5/12,9 - 180M)
Erstere ist ein kleiner, rundlicher indirekt einfach zu erkennender strukturloser Nebel, letztere im gleichen Gesichtsfeld östlich gelegen eine interessante, grob O-W-gerichtete edge-on wirkende Glx, welche indirekt gerade noch zu halten ist.

Knapp 2° SW versammeln sich wieder einige NGC-Glx, am deutlichsten davon
2523 (11,9/13,6 - 170M)
Ein elliptischer Nebel mit fast stellarem Kern (von der klassischen Balkenglx sehe ich wohl nur den helleren Balken)
2551 (12,1/12,6 - 110M)
Auch ein indirekt ziemlich einfaches, rundliches Fleckchen und etwa eine Mondbreite N
2550 (12,8/11,6 - 100M)
Anfangs nicht zu finden, bis ich unmittelbar W eines 8m Stern blickweise einen kleinen O-W-orientierten Nebelstreif entdecke, der wie eine Miniausgabe einer Kantenglx wirkt.

Ich beende meinen Glx-Reigen mit der 2634-Gruppe. Die beiden hellsten Vertreter sind als einfaches N-S-Paar leicht im Gesichtsfeld zu sehen (die letzten Glx mit 8mm Radian)
2634 (12,0/13,1 - 100M)
2633 (12,2/13,6 - 100M)
Erstere rundlich, letztere oval und noch etwas heller wirkend. Den schwachen Begleiter der Hauptglx (2634A 13,6/13,2) kann ich allerdings nicht aufspüren.

Ein ähnlich nettes Pärchen befindet sich im S Teil der Gruppe (jedoch keine echten Gruppenmitglieder)
2646 (12,1/12,5 - 170M)
IC 520 (11,7/12,3 - 170M)
Beide kleine runde Nebel ohne Aufhellung, IC 520 heller und einfach direkt wahrzunehmen.

Fazit: Es macht immer wieder Spass, mit dem aufrechten und seitenrichtigen Bild des Binos anhand guter guide-Ausdrucke „star zu hoppen“. Bei diesen etwas schwächeren Objekten geht es ja nicht nur (manchmal sogar weniger) um den optischen Eindruck am Okular, sondern auch um das Auffinden. Zudem erhält man einen guten Eindruck von der Anordnung vieler Glx in Gruppen und Ketten.

Zum Abschluss wollte ich mir natürlich mit dem 8mm Radian noch ein paar Leckerbissen in der kosmischen Nachbarschaft gönnen.
M 81 wunderschön mit großem ovalem Kern, einem weiten Halo und den jeweils O und W in den Ansätzen zu erkennenden Spiralarmen.
M 82 die dicke, im Raum schwebende Zigarre, indirekt zieht sie sich nochmals in die Länge, mit gemottelter Dunkelstruktur, bis auf die zentrale Einbuchtung schwierig zu definieren.
M 108 das schwächere Pendant von M 82 mit vielen unregelmäßigen Dunkelflecken.
Und schließlich fast im gleichen Gesichtsfeld der Eulennebel (M 97), ein großer, weicher, runder Nebelhof mit Dunkelfeldern im Inneren, wobei ich die Augen der Eule nicht richtig fixieren kann.

Klare Nächte wünscht Euch
Klaus
 
Hallo Klaus,

schöner Bericht über eine nicht alltägliche Tour.
Beneide dich um deine Beobachtunsplattform hinterm Haus.

cs

werner
 
Hi Klaus,

schöner Bericht. Du scheinst einen recht guten Himmel zu haben. Ich werde versuchen einige deiner Objekte mit meinem 8" Dobson zu beobachten.

Ist dein Bino ein FH? Ich denke mit 60x ist bei Galaxien (außer den Großen) meist nur wenig zu sehen.

Gruß

Lots
 
Hallo Werner,

ja, meine kleine Beobachtungsterrasse ist eine feine Sache, vor allem auch, weil mein equipement ein paar Meter daneben in einem Gartenhäuschen Platz findet. Der Blick nach Süden ist durch das Haus zwar eingeschränkt, aber ansonsten gut.

Mein mobiler Beobachtungsplatz am Spitzingsee (30 Minuten einfach mit Auf- bzw Abbauen) ist auf 1100m zwar um 0,3 bis 0,5 mag besser, doch mittlerweile siegt meist die Bequemlichkeit.

Hi Lots,

die Durchsicht war an diesem Abend für meine Gartenverhältnisse wirklich gut. Ich bin jedoch immer wieder überrascht, welche Einblicke mein 6" Bino (es ist natürlich ein FH) im deep sky Bereich ermöglicht. Ich habe früher manchmal begleitend und vergleichend mit meinem 10" GSO Dobson beobachtet und konnte bei Galaxien monokular damit selten wirklich mehr erkennen.
Die binokulare Beobachtung bringt für mich (auch durch die insgesamt sehr entspannte Haltung) einen echten Gewinn. Logischerweise ist bei 60-fach manchen kleinen Fuzzln kaum ein Detail zu entlocken. Trotzdem sind binokular in diesem Vergrößerungsbereich (was monokular etwa 90-fach entspricht) oft schon die interessanten Beziehungen zwischen Gesamthelligkeit, Flächenhelligkeit, Größe und Form einer Galaxie erkennbar.
Das 12mm Radian ist fast mein Standard-Okular, weil es zum starhoppen genügend Gesichtsfeld hat (Gut 1°) und ich das Bild als subjektiv brilliant empfinde. Wenn ich etwas mehr Auflösung brauche, wechsle ich zum 8mm Okular (95-fach), das Bild wird dabei etwas dunkler und weicher. Für hellere und gut definierte Objekte ist mit dem 6mm Radian (125-fach) für mein f5 FH die Schall- sprich Lichtgrenze erreicht.

Danke für Euer Interesse

Grüße von Klaus
 
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