MartinSchoenball
Aktives Mitglied
Hallo
Gestern war die Nacht der Nächte!!!
Der Himmel war richtig klasse! Leider zogen fast ständig irgendwo Wolken herum, dies störte mich aber nur einmal, als der Himmel für etwa eine halbe Stunde bedeckt war. Dazu kam das ich mal richtig gut vorbereitet war und ich es kaum erwarten konnte extragalaktische Photonen zu sammeln!
So bin ich recht zeitig losgefahren um in Ruhe aufzubauen und noch den Himmel genießen zu können bevor ich mich dann mit meinem Teleskop in die unendlichen Weiten schwingte. Etwa dreiviertel Zehn war ich dann mit dem Aufbauen fertig und genoss die Milchstraße vom Campingstuhl aus mit Blick Richtung Schütze. Ich merkte förmlich von Minute zu Minute, wie der Himmel besser wurde und meine Adaption einsetzte. Die Milchstraße war einfach herrlich! Die Schildwolke war phantastisch strukturiert, weiter südlich war M24 auffällig, noch weiter der Lagungennebel, M8, auch einfach. Heute kam sogar mal wieder die große Sagittariuswolke deutlich herraus. Ein Erlebnis, dass ich bisslang noch nicht so häufig hatte!
Von diesem Eindruck geplättet startete ich nun meine Himmelstour unplanmäßig in der Sternwolke M24, die wir durch ein Staubloch im Sagittarius-Spiralarm sehen. Sie gehört also zum übernächsten Spiralarm und steht in etwa 12000 Lichtjahren Entferung. Ich genoss es die Blicke mit geringer Vergrößerung über dieses Sternenmehr zu schwenken, es ist einfach unbeschreiblich!
Nun widmete ich mich dem eingebetteten Sternhaufen NGC 6603 und den zwei angrenzenten Dunkelnebeln:
Alle Beobachtungen mit 10" GSO Dobson und folgenden Okularen:
3x Barlow
19mm Intes WA 66x 197x
12,5mm Skywatcher Plössl 100x 300x
9mm Skywatcher SW 139x 417x
sowie Lumicon-OIII und Polarisationsfilter
Der Himmel hatte eine Grenzhelligkeit von etwa 6m5.
Die angegebenen Helligkeiten sind, wenn nicht anders vermerkt visuell.
NGC 6603 OS 197x
kleiner, sehr kompakter Haufen, rund. Bei kleiner Vergrößerung ein auffälliger Nebel. Zur Mitte deutlich konzentriert. Bei hoher Vergrößerung lößt er sich in sehr viele sehr schwache Sterne auf. Die Sterne wechseln ständig zwischen aufgelöst oder im Nebel untergegangen. Etwas westl. der Mitte ist eine kurze, gerade Sternkette NW-SO mit helleren Sternen. Nordöstlich davon ist eine sternleere Region.
Barnard 92 DN 66x
deutliche Dunkelwolke am Rand von M24. Sie hat eine ovale Form. Durch das sehr dichte Sternfeld sehr gut zu erkennen. In der Dunkelwolke kann ich einen helleren Stern erkennen, etwas östlich der Mitte. Die Wolke erscheint dunkler als der Milchstraßenhintergrund. Mit B 93 im Gesichtsfeld
Barnard 93 DN 66x
sehr deutliche Dunkelwolke direkt neben B 92. In ihr sind aber ein paar sehr schwache Sterne eingebettet, vorallem an den Rändern. Sie hat die Form eines dreizackigen Sterns. An der Nordseite befindet sich eine recht auffällige Sternkette aus mittelhellen Sternen. Die Wolke erscheint dunkler als der Milchstraßenhintergrund.
Nach diesem Abstecher zum Anfang begann ich mein Programm mit Barnard's Galaxie und dem planetarischen Nebel wenig nördlich davon.
NGC 6818 PN 9m3 300x
ein kleiner, sehr heller PN. Er erscheint sehr leicht oval und deutlich Ringförmig. Er läuft nach außen diffus aus. Die Ostseite ist heller und wahrscheinlich auch dicker, die westseite ist ebenfalls etwas heller. Der Nebel liegt in einem 3' x 2' Dreieck aus drei sehr schwachen Sternen.
NGC 6822 GX 8m8 100x
extrem schwacher, großer diffuser Nebel. Es ist kaum möglich Umrißlinien zu definieren. Am einfachsten ist der Nebel durch Tubusbewegung sichtbar. Die Beobachtung wird durch viele schwache Sterne, die einen Nebel vortäuschen könnten enorm erschwert! Eine N-S elongation etwa 2:1 ist erkennbar. Es gelingt nicht mit [OIII] Filter HII-Regionen herauszublinken.
Anschließend ging ich weiter zu planetarischen Nebeln. Bis auf NGC 6886 haben die beobachteten Nebel alle einen veränderlichen Zentralstern. Es dürfte sich zum Teil um sehr junge planetarische Nebel handeln!
PK 60-7.1 (=He 1-5) 16m0? PN 300x
Der veränderliche Zentralstern FG Sge ist sicher gefunden, jedoch kann ich keinen Nebel um ihn erkennen. Der ZS erscheint etwa 13mag hell.
NGC 6886 PN 11m4 300x
winziger, heller PN. Steht an der Westecke eines kleinen Dreiecks aus mittelhellen Sternen. Hier läßt sich der Blinkeffekt besonders schön zeigen! Durch den direkten Vergleich mit gleichhellen Sternen zeigt sich NGC 6886 als flächig
PK 77-5.1 PN 197x
unsicher! Bei vorgehaltenem [OIII]-Filter erkenne ich den Zentralstern V1329 Cyg nur noch extrem schwach. In wenigen Momenten meinen ich um diesen Stern einen sehr kleinen, sehr schwachen Nebel zu erkennen. Geschätzt etwa 8" klein.
PK 53-3.2 PN 300x
Bei niedriger Vergrößerung ist zunächst ein Stern sichtbar, den ich für den Zentralstern HM Sge hielt. Er zeigte mit [OIII]-Filter einen leichten Blinkeffekt. Dies deutet euf einen hellen ZS in einem schwächeren Nebel hin. Bei 300x und 417x blieb der Nebel aber stellar.
Nun begab ich mir zu PK 80-6.1, auch besser bekannt als "Egg Nebula". Dies ist ein sehr junger planetarischer Nebel, der eigentlich noch keiner ist. Vielmehr ist er ein protoplanetarischer Nebel, der noch zum größten Teil als Reflexionsnebel existiert. Die Gashüllen des Muttersterns sind bereits abgestoßen, wurden aber noch nicht ionisiert und zum leuchten angeregt. Statt dessen werden sie von ihrem Zentralstern (V1610 Cyg) beleuchtet. Was diesen ohnehin schon interessanten bipolaren Nebel noch interessanter macht ist die starke Polarisation in ihm. Fast die Hälfte des Lichtes ist polarisiert, die Lichtquanten schwingen also zur Hälfte nur in einer definiten Richtung. Und jetzt kommt der Knaller: das alles kann man mit mittleren Teleskopen mit leichtigkeit selbst erleben! Astrophysik live!
Für diese Zwecke habe ich mir einen Polarisationsfilter gekauft, wenn man diesen vor das Okular hällt und dreht bemerkt man eine deutliche veränderlichkeit des Nebels. Es geht so weit, dass der durchaus helle Nebel (~12mag) fast komplett verschwindet, wenn der Polfilter entsprechend gedreht ist. Dreht man den Filter wiederum um 90° versetzt kann man den Nebel in fast der ursprünglichen Helligkeit erkennen!
Ein fazinierendes Objekt, bei dem ich um eine Zeichnung nicht herum kam:
Link zur Grafik: http://home.claranet.de/harzi/astronomie/zeichnungen/pk0806.1.jpg
Vor einiger Zeit fiel Matthias Juchert auf, dass die Deep Sky Datenbank nicht eine Beobachtung eines Objektes im Sternbild Equuleus enthält. Er machte daher seinen Equuleus Galaxyn Survey. Hier ist nun mein kleiner Beitrag dazu, die hellste Galaxie im Equuleus:
NGC 7015 GX 12m5 197x
mäßig schwache, kleine Galaxie. Sie erscheint etwas elongiert etwa 3:2 ca. N-S. Sie wird zur Mitte kaum heller und hat keinen sichtbaren Kern. Recht hohe Flächenhelligkeit.
Nun, zum Schluß noch ein weiteres Highlight des gestrigen Abends. Zum Pisces-Superhaufen, einer Agglomeration mehrerer Galaxienhaufen und Gruppen, gehört unter anderem die reiche Galaxiengruppe um NGC 383. Für diese Gruppe habe ich mir eine Aufsuchkarte ausgedruckt, die ein Feld von etwa 1,5° abdeckt. In dieser sind 29 Galaxien bis zu einer photografischen Helligkeit von 15m5, was einer visuellen Helligkeit von etwa 14m5 entspricht, abgedruckt.
Alle folgenden Galaxien habe ich bei 197x beobachtet.
NGC 383 12m4
mit Abstand hellste Galaxie dieser Gruppe. Sie erscheint hell und rund. Wird zur Mitte heller, zeigt aber keinen Kern. Relativ breite, zentrale Aufhellung. Viele weitere Galaxien im Gesichtsfeld!
NGC 382 13m2
sehr schwacher, kleiner Fleck. Steht zwischen einem mittelhellen Stern in W und sehr nah an NGC 383 im O. Rund, leichte Aufhellung zur Mitte, klein.
NGC 375 13m1
sehr kleine, schwache Galaxie. Kompakt, rund. Einfach indirekt sichtbar.
NGC 386 14m3
sehr schwache Aufhellung, sehr klein aber wahrscheinlich flächenhell. Nur indirekt sichtbar.
NGC 385 13m0
schwache Galaxie, direkt sichtbar. Wird zur Mitte heller, scheint einen extrem schwachen stellaren Kern zu haben. Dieser ist möglicherweise etwas nach O versetzt. Recht einfach
NGC 384 13m1
sehr diffuse Galaxie mit einem extrem schwachen, stellaren Kern. Groß aber nicht flächenhell. Rund. Noch gut sichtbar.
NGC 380 12m5
mäßig schwache Aufhellung. Gering heller, kein Kern sichtbar. Wenig nordwestlich ist ein extrem schwacher Stern.
NGC 379 12m9
hellere Galaxie, zur Mitte etwas heller, hat eine breite zentrale Aufhellung. Recht flächenhell. Groß, wahrscheinlich die dritthellste Galaxie in der NGC 383 Galaxiengruppe. Einfach.
NGC 374 13m4
kompakte schwache Galaxie, keine Aufhellung zur Mitte. Zwischen zwei sehr schwachen Sternen, etwas näher zum östlichen.
UGC 692 14m1
sehr schwach, nur indirekt - dann aber deutlich.
IC 1619 15m4p
sehr schwache Galaxie, liegt etwas westlich zweier schwacher Sterne. Sie ist rund, hat einen sehr schwachen stellaren Kern. Weiter westlich ist ein mäßig schwacher Stern.
NGC 392 12m7
mittelhelle Galaxie, direkt ohne Probleme sichtbar. Östlich ist ein schwacher und ein noch schwächerer Stern
NGC 394 14m0
bei ind. Sehen erkenne ich einen NW-SO elongierten sehr schwachen Lichthauch. Recht flächenhell.
NGC 403 12m5
hellere Galaxie, ca. 3:1 elongiert O-W. Wird zur Mitte nicht heller.
NGC 399 13m6
extrem schwacher, matter Fleck. Ziemlich klein. Bildet mit zwei Sternen im W und S ein gleichseitiges Dreieck. Strukturlos
NGC 398 14m6
extrem schwacher Fleck, nur ind. und in etwa 40% der Zeit zu halten. Erscheint etwas N-S elongiert 3:2
UGC 714 13m7
schwache Galaxie, gerade noch direkt sichtbar. Erscheint recht groß und leicht oval etwa N-S.
PGC 4112 15m4p
extrem schwache Galaxie, erscheint fast stellar. Liegt in einem gleichschenkligen Dreieck aus zwei sehr schwachen Sternen und einem schwachen im Westen.
Spätestens hier machte sich eine deutliche Ermüdung breit. Doch nach kurzem Kampf mit mir selbst beschloß ich den Haufen noch fertig beobachten.
UGC 724 12m6
schwach, aber gerade noch direkt zu sehen. Zur Mitte heller, leicht oval, recht groß
PGC 4140 15m4p
extrem schwach, bei ind. Sehen nicht ständig zu halten. Recht klein.
PGC 4208 15m4p
an der Stelle kann ich bei ind. Sehen phasenweise einen Stern aufblinken sehen. Extremst schwach!
PGC 4244 15m2p
bei ind. Sehen erscheint ein extremst schwacher, winziger Fleck.
Diese Galaxienschlacht wurde nun leider von einer allumfassenden Wolkendecke beendet. Von den 29 Galaxien konnte ich 22 beobachten, Ich hoffe, dass ich die restichen 7 Galaxien noch heute Nacht nachholen kann.
Zum Schluß wagte ich noch einen kurzen Blick auf NGC 936, wo vor einigen Millionen Jahren eine Supernova explodierte und die ausgesandten Photonen uns nun erreichen. Der kurze Blick, den mir die Wolken noch ließen reichten allerdings nicht dass 14mag Sternchen ohne exakte Aufsuchkarte zu sehen, ich werde sie hoffentlich in der kommenden Nacht beobachten können.
Nach dieser phänomenalen Nacht packte ich nun ein und legte mich nach der Heimfahrt höchst zufrieden in mein Bett.
Ich hoffe, Euch hat meine Himmelstour gefallen und ich konnte ein paar Anregungen geben.
Gruß
Martin
Gestern war die Nacht der Nächte!!!
Der Himmel war richtig klasse! Leider zogen fast ständig irgendwo Wolken herum, dies störte mich aber nur einmal, als der Himmel für etwa eine halbe Stunde bedeckt war. Dazu kam das ich mal richtig gut vorbereitet war und ich es kaum erwarten konnte extragalaktische Photonen zu sammeln!
So bin ich recht zeitig losgefahren um in Ruhe aufzubauen und noch den Himmel genießen zu können bevor ich mich dann mit meinem Teleskop in die unendlichen Weiten schwingte. Etwa dreiviertel Zehn war ich dann mit dem Aufbauen fertig und genoss die Milchstraße vom Campingstuhl aus mit Blick Richtung Schütze. Ich merkte förmlich von Minute zu Minute, wie der Himmel besser wurde und meine Adaption einsetzte. Die Milchstraße war einfach herrlich! Die Schildwolke war phantastisch strukturiert, weiter südlich war M24 auffällig, noch weiter der Lagungennebel, M8, auch einfach. Heute kam sogar mal wieder die große Sagittariuswolke deutlich herraus. Ein Erlebnis, dass ich bisslang noch nicht so häufig hatte!
Von diesem Eindruck geplättet startete ich nun meine Himmelstour unplanmäßig in der Sternwolke M24, die wir durch ein Staubloch im Sagittarius-Spiralarm sehen. Sie gehört also zum übernächsten Spiralarm und steht in etwa 12000 Lichtjahren Entferung. Ich genoss es die Blicke mit geringer Vergrößerung über dieses Sternenmehr zu schwenken, es ist einfach unbeschreiblich!
Nun widmete ich mich dem eingebetteten Sternhaufen NGC 6603 und den zwei angrenzenten Dunkelnebeln:
Alle Beobachtungen mit 10" GSO Dobson und folgenden Okularen:
3x Barlow
19mm Intes WA 66x 197x
12,5mm Skywatcher Plössl 100x 300x
9mm Skywatcher SW 139x 417x
sowie Lumicon-OIII und Polarisationsfilter
Der Himmel hatte eine Grenzhelligkeit von etwa 6m5.
Die angegebenen Helligkeiten sind, wenn nicht anders vermerkt visuell.
NGC 6603 OS 197x
kleiner, sehr kompakter Haufen, rund. Bei kleiner Vergrößerung ein auffälliger Nebel. Zur Mitte deutlich konzentriert. Bei hoher Vergrößerung lößt er sich in sehr viele sehr schwache Sterne auf. Die Sterne wechseln ständig zwischen aufgelöst oder im Nebel untergegangen. Etwas westl. der Mitte ist eine kurze, gerade Sternkette NW-SO mit helleren Sternen. Nordöstlich davon ist eine sternleere Region.
Barnard 92 DN 66x
deutliche Dunkelwolke am Rand von M24. Sie hat eine ovale Form. Durch das sehr dichte Sternfeld sehr gut zu erkennen. In der Dunkelwolke kann ich einen helleren Stern erkennen, etwas östlich der Mitte. Die Wolke erscheint dunkler als der Milchstraßenhintergrund. Mit B 93 im Gesichtsfeld
Barnard 93 DN 66x
sehr deutliche Dunkelwolke direkt neben B 92. In ihr sind aber ein paar sehr schwache Sterne eingebettet, vorallem an den Rändern. Sie hat die Form eines dreizackigen Sterns. An der Nordseite befindet sich eine recht auffällige Sternkette aus mittelhellen Sternen. Die Wolke erscheint dunkler als der Milchstraßenhintergrund.
Nach diesem Abstecher zum Anfang begann ich mein Programm mit Barnard's Galaxie und dem planetarischen Nebel wenig nördlich davon.
NGC 6818 PN 9m3 300x
ein kleiner, sehr heller PN. Er erscheint sehr leicht oval und deutlich Ringförmig. Er läuft nach außen diffus aus. Die Ostseite ist heller und wahrscheinlich auch dicker, die westseite ist ebenfalls etwas heller. Der Nebel liegt in einem 3' x 2' Dreieck aus drei sehr schwachen Sternen.
NGC 6822 GX 8m8 100x
extrem schwacher, großer diffuser Nebel. Es ist kaum möglich Umrißlinien zu definieren. Am einfachsten ist der Nebel durch Tubusbewegung sichtbar. Die Beobachtung wird durch viele schwache Sterne, die einen Nebel vortäuschen könnten enorm erschwert! Eine N-S elongation etwa 2:1 ist erkennbar. Es gelingt nicht mit [OIII] Filter HII-Regionen herauszublinken.
Anschließend ging ich weiter zu planetarischen Nebeln. Bis auf NGC 6886 haben die beobachteten Nebel alle einen veränderlichen Zentralstern. Es dürfte sich zum Teil um sehr junge planetarische Nebel handeln!
PK 60-7.1 (=He 1-5) 16m0? PN 300x
Der veränderliche Zentralstern FG Sge ist sicher gefunden, jedoch kann ich keinen Nebel um ihn erkennen. Der ZS erscheint etwa 13mag hell.
NGC 6886 PN 11m4 300x
winziger, heller PN. Steht an der Westecke eines kleinen Dreiecks aus mittelhellen Sternen. Hier läßt sich der Blinkeffekt besonders schön zeigen! Durch den direkten Vergleich mit gleichhellen Sternen zeigt sich NGC 6886 als flächig
PK 77-5.1 PN 197x
unsicher! Bei vorgehaltenem [OIII]-Filter erkenne ich den Zentralstern V1329 Cyg nur noch extrem schwach. In wenigen Momenten meinen ich um diesen Stern einen sehr kleinen, sehr schwachen Nebel zu erkennen. Geschätzt etwa 8" klein.
PK 53-3.2 PN 300x
Bei niedriger Vergrößerung ist zunächst ein Stern sichtbar, den ich für den Zentralstern HM Sge hielt. Er zeigte mit [OIII]-Filter einen leichten Blinkeffekt. Dies deutet euf einen hellen ZS in einem schwächeren Nebel hin. Bei 300x und 417x blieb der Nebel aber stellar.
Nun begab ich mir zu PK 80-6.1, auch besser bekannt als "Egg Nebula". Dies ist ein sehr junger planetarischer Nebel, der eigentlich noch keiner ist. Vielmehr ist er ein protoplanetarischer Nebel, der noch zum größten Teil als Reflexionsnebel existiert. Die Gashüllen des Muttersterns sind bereits abgestoßen, wurden aber noch nicht ionisiert und zum leuchten angeregt. Statt dessen werden sie von ihrem Zentralstern (V1610 Cyg) beleuchtet. Was diesen ohnehin schon interessanten bipolaren Nebel noch interessanter macht ist die starke Polarisation in ihm. Fast die Hälfte des Lichtes ist polarisiert, die Lichtquanten schwingen also zur Hälfte nur in einer definiten Richtung. Und jetzt kommt der Knaller: das alles kann man mit mittleren Teleskopen mit leichtigkeit selbst erleben! Astrophysik live!
Für diese Zwecke habe ich mir einen Polarisationsfilter gekauft, wenn man diesen vor das Okular hällt und dreht bemerkt man eine deutliche veränderlichkeit des Nebels. Es geht so weit, dass der durchaus helle Nebel (~12mag) fast komplett verschwindet, wenn der Polfilter entsprechend gedreht ist. Dreht man den Filter wiederum um 90° versetzt kann man den Nebel in fast der ursprünglichen Helligkeit erkennen!
Ein fazinierendes Objekt, bei dem ich um eine Zeichnung nicht herum kam:
Link zur Grafik: http://home.claranet.de/harzi/astronomie/zeichnungen/pk0806.1.jpg
Vor einiger Zeit fiel Matthias Juchert auf, dass die Deep Sky Datenbank nicht eine Beobachtung eines Objektes im Sternbild Equuleus enthält. Er machte daher seinen Equuleus Galaxyn Survey. Hier ist nun mein kleiner Beitrag dazu, die hellste Galaxie im Equuleus:
NGC 7015 GX 12m5 197x
mäßig schwache, kleine Galaxie. Sie erscheint etwas elongiert etwa 3:2 ca. N-S. Sie wird zur Mitte kaum heller und hat keinen sichtbaren Kern. Recht hohe Flächenhelligkeit.
Nun, zum Schluß noch ein weiteres Highlight des gestrigen Abends. Zum Pisces-Superhaufen, einer Agglomeration mehrerer Galaxienhaufen und Gruppen, gehört unter anderem die reiche Galaxiengruppe um NGC 383. Für diese Gruppe habe ich mir eine Aufsuchkarte ausgedruckt, die ein Feld von etwa 1,5° abdeckt. In dieser sind 29 Galaxien bis zu einer photografischen Helligkeit von 15m5, was einer visuellen Helligkeit von etwa 14m5 entspricht, abgedruckt.
Alle folgenden Galaxien habe ich bei 197x beobachtet.
NGC 383 12m4
mit Abstand hellste Galaxie dieser Gruppe. Sie erscheint hell und rund. Wird zur Mitte heller, zeigt aber keinen Kern. Relativ breite, zentrale Aufhellung. Viele weitere Galaxien im Gesichtsfeld!
NGC 382 13m2
sehr schwacher, kleiner Fleck. Steht zwischen einem mittelhellen Stern in W und sehr nah an NGC 383 im O. Rund, leichte Aufhellung zur Mitte, klein.
NGC 375 13m1
sehr kleine, schwache Galaxie. Kompakt, rund. Einfach indirekt sichtbar.
NGC 386 14m3
sehr schwache Aufhellung, sehr klein aber wahrscheinlich flächenhell. Nur indirekt sichtbar.
NGC 385 13m0
schwache Galaxie, direkt sichtbar. Wird zur Mitte heller, scheint einen extrem schwachen stellaren Kern zu haben. Dieser ist möglicherweise etwas nach O versetzt. Recht einfach
NGC 384 13m1
sehr diffuse Galaxie mit einem extrem schwachen, stellaren Kern. Groß aber nicht flächenhell. Rund. Noch gut sichtbar.
NGC 380 12m5
mäßig schwache Aufhellung. Gering heller, kein Kern sichtbar. Wenig nordwestlich ist ein extrem schwacher Stern.
NGC 379 12m9
hellere Galaxie, zur Mitte etwas heller, hat eine breite zentrale Aufhellung. Recht flächenhell. Groß, wahrscheinlich die dritthellste Galaxie in der NGC 383 Galaxiengruppe. Einfach.
NGC 374 13m4
kompakte schwache Galaxie, keine Aufhellung zur Mitte. Zwischen zwei sehr schwachen Sternen, etwas näher zum östlichen.
UGC 692 14m1
sehr schwach, nur indirekt - dann aber deutlich.
IC 1619 15m4p
sehr schwache Galaxie, liegt etwas westlich zweier schwacher Sterne. Sie ist rund, hat einen sehr schwachen stellaren Kern. Weiter westlich ist ein mäßig schwacher Stern.
NGC 392 12m7
mittelhelle Galaxie, direkt ohne Probleme sichtbar. Östlich ist ein schwacher und ein noch schwächerer Stern
NGC 394 14m0
bei ind. Sehen erkenne ich einen NW-SO elongierten sehr schwachen Lichthauch. Recht flächenhell.
NGC 403 12m5
hellere Galaxie, ca. 3:1 elongiert O-W. Wird zur Mitte nicht heller.
NGC 399 13m6
extrem schwacher, matter Fleck. Ziemlich klein. Bildet mit zwei Sternen im W und S ein gleichseitiges Dreieck. Strukturlos
NGC 398 14m6
extrem schwacher Fleck, nur ind. und in etwa 40% der Zeit zu halten. Erscheint etwas N-S elongiert 3:2
UGC 714 13m7
schwache Galaxie, gerade noch direkt sichtbar. Erscheint recht groß und leicht oval etwa N-S.
PGC 4112 15m4p
extrem schwache Galaxie, erscheint fast stellar. Liegt in einem gleichschenkligen Dreieck aus zwei sehr schwachen Sternen und einem schwachen im Westen.
Spätestens hier machte sich eine deutliche Ermüdung breit. Doch nach kurzem Kampf mit mir selbst beschloß ich den Haufen noch fertig beobachten.
UGC 724 12m6
schwach, aber gerade noch direkt zu sehen. Zur Mitte heller, leicht oval, recht groß
PGC 4140 15m4p
extrem schwach, bei ind. Sehen nicht ständig zu halten. Recht klein.
PGC 4208 15m4p
an der Stelle kann ich bei ind. Sehen phasenweise einen Stern aufblinken sehen. Extremst schwach!
PGC 4244 15m2p
bei ind. Sehen erscheint ein extremst schwacher, winziger Fleck.
Diese Galaxienschlacht wurde nun leider von einer allumfassenden Wolkendecke beendet. Von den 29 Galaxien konnte ich 22 beobachten, Ich hoffe, dass ich die restichen 7 Galaxien noch heute Nacht nachholen kann.
Zum Schluß wagte ich noch einen kurzen Blick auf NGC 936, wo vor einigen Millionen Jahren eine Supernova explodierte und die ausgesandten Photonen uns nun erreichen. Der kurze Blick, den mir die Wolken noch ließen reichten allerdings nicht dass 14mag Sternchen ohne exakte Aufsuchkarte zu sehen, ich werde sie hoffentlich in der kommenden Nacht beobachten können.
Nach dieser phänomenalen Nacht packte ich nun ein und legte mich nach der Heimfahrt höchst zufrieden in mein Bett.
Ich hoffe, Euch hat meine Himmelstour gefallen und ich konnte ein paar Anregungen geben.
Gruß
Martin