Die Nacht der Planeten !

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MP_Cap

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Hallo @All!

Wer kennt das nicht. Diese langen, trostlosen Zeiten voller Misserfolge und Probleme, die aber unweigerlich jeden von uns heimsuchen und selbst den unverbesserlichsten Optimisten zur Verzweiflung treiben. Und dann: der Lichtblick. Ein Schein am Ende des Tunnels der wie der Frühling neue Energie in die Seele einhaucht.

Um vom philosophischen Trip runterzukommen: Solche Zeiten kennen wir Hobbyastronomen doch alle. Die Rede ist vom Wetter, das hierzulande eher, hmmm - ich will's mal "durchwachsen" nennen. Zumal wenn man sich die letzten Tage und Wochen hernimmt. Grau in grau. Der Unmut wächst und wächst. Doch dann gibt es ihn, selbst wenn man schon nicht mehr an ihn glaubt: der Lichtblick.

Einen solchen Lichtblick konnte ich gestern nacht erleben. Und es sollte einer werden, der sich gewaschen hat!

Den ganzen Sonntag war es klar, wenn auch am Nachmittag ein paar Cirren aufzogen. Aber die waren auf jeden Fall weniger störend als die am Vortag. Der Abend kam und der Mond stand hoch am Himmel. Hmmm, die Wolken hatten sich nicht verzogen, das halbe Mondgesicht war in eine schleierhafte Halo gehüllt. Aber war mir egal. Bei diesem Wetter und nach fast 2 Monaten Abstinenz von der Astronomie musste ich einfach raus! Also den gesamten Krempel geholt und zum Vorkühlen rausgestellt. "Bei der Gelegenheit könnte man ja mal bei Merkur vorbeischauen", dachte ich. Aber, man kann ja nicht alles haben, der Himmel war im tiefen Westen von einigen Wolken verschleiert und dazu noch leicht von der bereits untergegangenen Sonne angestrahlt. Ergo: Das mit Merkur konnte ich mir abschminken. Bevor ich wieder reinging, noch ein kurzer Kontrollblick in alle Himmelsrichtungen. Ok, keine weiteren großen Wolkenfelder in Sicht. Von dort also keine Probleme zu erwarten.
Die frühe Nacht war relativ warm und feucht. Die nunmehr voll untergegangene Sonne zeigte die Qualität des Nachthimmels: Das Seeing schien gut zu sein, lediglich hohe Wolkenfelder und der Mond störten das Gesamtbild. Eine große Streulichtglocke verteilte sich so über den Himmel. Mit DeepSky war also nichts zu machen. Trotzdem, ein Versuch ist es ja wert. Also kurz die hellsten Nebel und Galaxien versucht zu finden. Aber nichts, bei diesem Mond keine Chance. Nein, diese Nacht sollte demnach den Planeten gehören.
Ich ließ meinen Blick beiläufig über den Südsternhimmel schweifen. Ahhh, Sirius. Wenn man ihn längere Zeit nicht sieht, vergisst man, wie hell er doch ist. In einer dunklen mondlosen Nacht an bestimmten Teilen der Erde soll er sogar Schatten werfen können. Dem mag jeder Glauben schenken wie er will. Doch, was ist das? Er sieht heute so anders aus, so... klar! Er stand völlig ruhig am Himmel. Das Seeing musste also ziemlich gut sein. Auch Beteigeuze stand vollkommen ruhig und tantze nicht wie sonst einen Farbentanz. Aber ich machte mir darum nicht weiter einen Kopf. Der Newton war derweile ausgekühlt und ich begann mit der Beobachtung.
Zuerst der Mond: In Anlehnung an ein Forum hier stellte ich mir die Frage "abblenden beim Mond oder nicht?" Also zuerst abgeblendet: schön angenehme Helligkeit, aber keine feinen Details. Mit voller Öffnung gefiel mir das Bild besser, wenngleich es trotz Graufilter zu hell war. Wieder fiel mir bei diesem Blick die Luftruhe auf: Sämtliche Rillen und Krater, der Terminator und sogar der Mondrand standen unwahrscheinlich still im Bild, so still, wie ich es noch nicht kannte. Das Seeing musste sehr gut sein!
Da dachte ich plötzlich an Saturn. Obwohl der Mond recht nahe stand und immernoch die Wolkenfelder störten, könnte man es ja mal versuchen. Also Schwenk auf Saturn gleich im 6mm-Okular. Im Sucher eingestellt, fokussiert und durchgeschaut:

DER ABSOLUTE WAHNSINN!!! EIN ABSOLUT SCHARFER SATURN OHNE BEEINTRÄCHTIGUNG DURCH SEEING!!

Mich hats gleich vom Okular weggehaun. Das Seeing war nicht nur sehr gut, sondern perfekt! Im Okular stand ein messerscharfer Planet, wie ausgestanzt! Das hatte ich noch nie gesehen! Es herrschte ein Seeing wie man es nur ein- oder zweimal im Jahr bekommt, wenn überhaupt.
Bei 166x war der Planet ruhig wie im Tiefwinter, trotz 2° plus. Der Planet selber war in ein helles gelbbraun bis ocker gepackt, mit feinen, winzig anmutenden helleren und dunkleren Bändern. Das Äquatorband hob sich in einem nussbaumbraun von dem übrigen Planeten ab. Die Südhalbkugel war etwas dunkler als die Nordkugel, das Band wirkte wie eine Grenze für die Farben.
Der Ring war augenfällig von Cassini geteilt. Selbst an der Vorderseite war die Öffnung wahrnehmbar, wenn auch nur blickweise. Der äußere Ring war leicht gelblich bis braun, der innere Ring etwas dunkler und planetenseitig etwas unscharf, eventuell wegen des Florrings. Man sah eindeutig den Schatten des Planeten auf dem hinteren Ringteil und sogar leichte Beugungseffekte am südlichsten Teil des Rings, wo der Planet gerade so hervorblinzelte, verursacht von der Wechselwirkung Planet - Ring.
Südwestlich des Planeten zog Titan seine Bahn, während westlich der Ringebene eindeutig 3 weitere Monde (wahrscheinlich Thetys, Dione und Rhea) auszumachen waren.
Wow, was für ein Bild! Es gibt normalerweise nicht viele Sachen, wo mir die Spucke wegbleibt... Diese Nacht gehörte eindeutig den Planeten!

So beobachtete ich erstmal weiter. Nach kurzer Zeit fiel mir ein, dass Jupiter ja auch noch die Reigen des Himmels mit seiner Anwesenheit beglückte. Also warten! Aber irgendwann wollte ich dann reingehen. Denn es sollte noch ein Stück dauern, bis Jupiter eine Höhe erreicht hätte, wo ich ihn von meinem Standort aus bequem hätte beobachten können. Außerdem wusste ich nicht, ob heute da oben überhaupt was los ist. Aber mein innerer Schweinehund sagte mir: "Wer weis, wann du das nächste Mal ein so gutes Seeing bekommst! Und Jupiter hast du mit dem Newton sowieso nich nie gesehen! Vielleicht ist doch was los." Das pleutzte ich mir mehrere Male ein. Also überwandt ich die mittlerweile ziemlich kalte Nacht und wartete ab.
Es herrschte ein reger Flugverkehr am Himmel. So gab es die ein oder andere Sternbedeckung durch ein Flugzeug. Auch mal interessant. Aber ich wartete gierig auf Jupiter. Dieses gute Seeing musste ich ausnutzen.
Endlich stand Jupiter hoch genug. Voller Vorfreude richtete ich den Newton gespannt auf den Riesenplaneten. Im Sucher einstellen, fokussieren und... naja, das Bild war nicht so, wie ich es erwartet hätte. Die ruhige Luft müsste doch eigentlich ein tolles Bild liefern. Aber nein, nichts besonderes. Gerade mal das NEB und das SEB waren auszumachen. Aha, wir haben hier also einen Mondtransit heute. Der Schatten von Io auf dem Planeten war eindeutig auf dem dunkleren (wahrscheinlich NEB) Band auszumachen. Aber sonst nicht viel. Ich hatte einige Orientierungsprobleme auf der Oberfläche, wo war oben/unten? An dem untersten linken Eck im SEB war ein matschiger Fleck. Dreck? Optischer Fehler? Mal abwarten.
Wieso war das Bild so schlecht? Da Jupiter noch relativ tief und zudem über ein paar Häusern stand, war die Antwort schnell gefunden. Also: warten!
Etwas später stand Jupiter über freiem Feld, das Seeing war immer noch top. Trotzdem war das Bild nicht wesentlich besser.
Doch dann, plötzlich wie ein Blitz, gab es eine Änderung des Bildes:

DAS SEEING VERBESSERTE SICH MIT EINEM RUCK AUF EIN MAXIMUM; WIE VON GEISTERHAND!!! PLÖTZLICH WAR DA EIN GESTOCHEN SCHARFER PLANET MIT ALLEN NUR ERDENKLICHEN DETAILS!!!

Aber dann das Highlight: Noch bevor ich diesen Anblick realisieren konnte und erst mal kapierte, was hier los ist (noch in den gleichen Sekunden) beobachte ich den Fleck im unteren Band: ES WAR DER GROßE ROTE FLECK IN NATURA!!!! Den hatte ich noch nie gesehen! Es war doch kein Dreck! Ab da konnte ich erstmal nicht mehr, da haut es dich förmlich weg vom Okular! Es war so ein unbeschreibliches Gefühl von Stolz und Überwältigung, das einem fast das Wasser in die Augen treibt. Endlich hatte ich den GRF gesehen. Ich ging einfach so hinaus in die Nacht, ohne mich vorher informiert zu haben, wann bzw. ob auf Jupiter was los ist. Und obwohl ich erst schlechte Bilder hatte, waren mit einem Schlag zwei Träume wahr geworden, von denen ich nicht mal einen dieser Nacht zugetraut hätte: Jupiterdetails und der GRF! Ich danke meinem inneren Schweinehund wie wild!
Wahnsinn, so ein Bild kannte ich nicht mal von den besten Jupiteraufnahmen! Die Orientierungsprobleme waren damit auch vorbei:
Das NEB und das SEB grenzten sich eindeutig von der "plattgedrückten" Planetenkugel ab. Das NEB war in ein sanftes nussbaumbraun bis ocker gehüllt, durchzogen von einigen helleren oder dunkleren Knoten und Streifen. Circa Richtung Nordosten vom GRF lag ein Black Spot im NEB, leicht länglich auseinandergezogen. Das SEB war im Vergleich zum NEB etwas dunkler, so in Richtung dunkelbraun. Es war von deutlich mehr atmosphärischen Störungen durchzogen als das NEB. In der Nähe des GRF wurde es in der Form leicht konisch. Hier waren deutlich mehr weiße und dunkle Stellen bzw. Unregelmäßigkeiten. (Diese Detailfülle lässt sich gar nicht beschreiben!) Der GRF hob sich deutlich vom SEB ab. Wie ein großes Auge glotzte er mich an. Der Fleck selber war in ein rotbraun bis orangebraun gehüllt, eindeutig andersfarbig. Stellenweise war das Seeing so gut, das man in dem GRF eine „weiße“ Schwinge mit der Form einer Sichel identfizieren konnte. Der GRF kontrastierte klar mit dem SEB. Er wirkte wie reingestopft. Rund um den GRF teilte sich das SEB in verschiedenfarbige Teile. An seinem West-Ende war der Übergang Fleck-SEB in einen schwarzen Spot geteilt, um den sich herum im Nordwesten und Südwesten das SEB hellbraun verwirbelte und weiter westlich den Spot einschloß. Der Übergang war deutlichst durch einen weißen Streifen getrennt. Im Süden und im Norden waren die Übergänge fließender, da hier die Farbunterschiede nicht so extrem waren. Im Osten konnte man den Übergang fast nur noch fließend sehen, da hier die Farben größtenteils gleich waren und auch nicht irgendwelche besonderen Details in der Atmosphäre einen Kontrast boten. Direkt nördlich des GRF befand sich im NEB ein großer Black Spot, etwa halb so groß wie der GRF selber. Die übrige Planetenkugel war in ein helles braun bis weiß gehüllt. Es ähnelte Pastellfarben. Die nördliche Halbkugel über dem NEB war zunehmender Annäherung zum Nordpol grau und relativ detaillos. Der Äquatorraum zwischen dem NEB und SEB war hellbraun und mit einigen Verwirbelungen bestückt. Die Südhalbkugel unterhalb des SEB durchzog ein dünnes ockerbraunes Band, welches sehr stark verwirbelt war. Gegen 22.00 Uhr tauchte dann Io aus der Planetenkugel auf. Leider konnte ich ihn nicht vom Planeten trennen, dazu war wahrscheinlich die Vergrößerung zu matt. Aber kurz nach dem Austritt war er schön als kleiner heller Pickel am NEB zu sehen. Östlich stand Ganymed, westlich Europa und Kallisto. Wahnsinn, ich stand so die ganze Nacht und beobachtete den kompletten Transit des GRF. Ich konnte mich einfach nicht losreißen. Gegen 1.30 Uhr stand Jupiter dann im Süden und der Transit war fast beendet. Da mir langsam die Kälte in die Füße ging, versuchte ich noch mal zum Abschluss DeepSky, der Mond stand nun schon weit genug weg. Mal sehen, was nehmen wir denn? Ah ja, Hercules steht schon hoch genug, besuchen wir mal M13. Eingestellt, geguckt und... Schööööön! Vor dem leicht hellen Hintergrund funkelten Tausende hellere und dunklere Sterne, das Zentrum war noch nicht auflösbar. Zu tief.

Aber eine Hammer – Planeten – Nacht! Hoffentlich ist das Wetter heute noch mal so geil. BITTE! Wie gerne wäre ich diese Nacht an einer Sternwarte gewesen und hätte mit großen Instrumenten beobachtet. So ein Seeing bekomme ich echt nicht so schnell wieder.



So, das meine - langen - Eindrücke der letzten unvergesslichen Nacht. Ich hoffe, ihr hattet auch so ein top Seeing und viele schöne Stunden!

Wenn nicht, wünsche ich die euch jetzt!


In diesem Sinne, frohe Ostern und CS

Martin
 
Hi Martin
Na, war es im Thüringischen auch klar?. So ein Super Seeing hat man wirklich nicht oft. Manchmal zweifelt man an seinen Gerätschaften aber eine solche Nacht kann alle Bedenken ausräumen. Apropos Gerätschaften, mit welchen hast du den geschaut?
Der GRF ist wirklich was besonderes, ich bin auch jedesmal begeistert wenn ich ihn mal erwischen kann.
Viele solche Nächte wünscht
Udo S
 
Hi Martin,

kann ich nur betätigen. Habe gestern im C8 mit 12 mm Kellner und 9 mm Kasai Ortho ein superscharfes Encke-Minimum gesehen. Die vier z. Zt. sichtbaren Saturnmonde waren auch kein Problem. Jupiter auch knackscharf mit Monden in Scheibenform ab ca. 300x.
War eben draußen: heute ist es nicht viel schlechter hier bei uns im südlichen Odenwald!! Mond und Schleierbevölkung sollten einen keineswegs von einer Planetenbeobachtung abhalten!!!

Gruß, Chris Nauta
 
Hallo Udo, Hallo Chris!

Ja, das war echt die Hammernacht schlechthin. Wie Chris schon sagt, Schleierwolken und Mond sollten einen nicht vom spechteln an Planeten abhalten. Erst recht nicht bei solch einem Seeing.

@ Udo: Ich hab mit einem 8" f/5 Newton von Celestron beobachtet. Die EQ-5 Montierung ist für die visuelle Beobachtung und einfache Astrofotografie ausreichend. Aber eben nur ausreichend. Deshalb möchte ich ja ne EQ-6....
Die Beobachtung hab ich nur mit einem 6mm Plössl durchgeführt. Da dies meine kleinste Brennweite ist und meine Barlow nicht den Anforderungen genügt, war es halt "nur" 166x. Aber trotzdem schon erstaunlich, was man bei dieser "Hier-gehts-eigentlich-los-Vergrößerung" gesehen hat.
Ich hoffe doch die Bedingungen in Zwickau waren ähnlich gut und du konntest die Beobachtungssession voll ausnutzen. Gestern war der Mond zwar weiter weg von Saturn und die Schleierwolken hatten sich ebenfalls verzogen, aber das Seeing war einen Tick schlechter.
Und heute? Jetzt ist es schon wieder dicht! Hmpf! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
Na, was solls. Das waren zwei absolut tolle Nächte, was das Astroherz mehr... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Ich hoffe, dass du demnächst den GRF mal wieder erblicken kannst. Und dann lass mal von dir in diesem Forum hören! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

In diesem Sinne, frohe Ostern und weitere klare Nächte in diesem Format wünscht

Martin
 
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