003sec
Aktives Mitglied
Hallo Forum,
(und hallo Chat GPT, - ließ das, denn das hast du noch nicht drauf)
So langsam nähert sich die Venus ihrer Konjunktion. Dabei wird naturgemäß immer mehr von der dunklen Seite sichtbar. Sichtbar? Ja genau, und zwar ist die Wolkendecke bei 1010 nm praktisch durchsichtig und darunter strahlt die Oberfläche im nahen Infrarot. Das ist schon Wärmestrahlung, aber für uns als Amateure schon knapp sichtbar. In folgender Grafik sieht man, dass bei etwa 1,01 µm die Wolkendecke durchsichtig wird.
https://www.researchgate.net/figure...synthetic-spectrum-normalized_fig24_226254472
Schon in den letzten Jahren hatte ich mich an der dunklen Seite der Venus versucht. Die Ergebnisse waren bescheiden, aber immerhin eindeutig. Heute hat sich aber einiges geändert. Die wichtigste Änderung war eine neue Kamera. Es gibt mittlerweile sehr IR-empfindliche Chips, z.B. in der ASI715MC. Bei 1000 nm hat sie immer noch eine Quanteneffizienz von 30 %. Damit konnte ich (hintergrundlimitiert) mit nur etwa 28 ms pro Einzelbild belichten. Die 2. Änderung war mein 16“ Dobson, f/4,5, mit dem ich nun tatsächlich der Venus bis knapp an den Horizont folgen konnte. Als Filter verwendete ich einen ganz einfachen RG1000 von Schott, für wenige Euros im Fotohandel zu bekommen. Der Filter macht bei 1000 nm auf und endet irgendwo, aber da ist die Kamera nicht mehr empfindlich. Das erste Ergebnis hat mich schon umgehauen. Nach einer Gesamtbelichtungszeit von nur 1 Min. war die dunkle Seite bereit eindeutig zu sehen. Und wenn man diese schon als Kontur erkennt, ist es nicht mehr weit bis zu Oberflächendetails. Wobei der Begriff "Oberflächendetail" etwas irreführend ist. Wir sehen mit der Kamera ja keine Berge oder Täler, sondern wir sehen nur deren Temperaturen. Auf den Bergen ist es kühler, in den Tälern wärmer. Auch bei der Venus, nur, dass es hier um die 500 °C sind. Ich belichtete am 2.3. und am 4.3. Am 3.3. und am 5.3. hatte ich aus Versehen den falschen Filter drin, aber das ist ein anderes Thema.
Bei diesen Belichtungen hatte ich noch eine Barlowlinse drin. Diese erzeugte (evtl.) ein unschönes Reflex-Muster. Aus diesem Grund hatte ich die Kamera immer ein wenig weitergedreht, so mittelten sich die Artefakte heraus. Es gab auch einen Winkel, bei dem sehr wenige Störungen auftraten. Die genaue Ursache der Reflexe ist nicht eindeutig bestimmt. Ich sah Doppelbilder der Venus. Reflex im Strahlengang würde man meinen (Barlow), aber die Doppelbilder waren 2-seitig symmetrisch. Diagonal zu den Pixelreihen gab es keine bzw. wenige und schwache, längs und quer aber starke Reflexe. Das ließ auf Streulicht oder Beugung auf dem Chip selbst schließen. Vermutlich war es eine Mischung von beidem.
Die 3. Änderung kam dann 2 Tage später per Post. Ein Freund und ich hatten uns nämlich einen speziellen „Venusfilter“ gebastelt. Er sollte als Kantenfilter genau den Bereich herausschneiden, der für uns wichtig war. Bei Edmund Optics hatten wir diese beiden bestellt und zusammen ergaben sie dann den gewünschten Filter.
Das Wetter spielte mit, ich hatte nun schon Erfahrungen gesammelt, - vergewisserte mich, dass ich auch den richtigen Filter drin hatte -, und begann zu belichten. Natürlich noch in der helleren Dämmerung. Als ich in der Vorschau dann später die Regler heranschob, um den maximalen Kontrast zu sehen, da traute ich meinen Augen nicht. Bei maximaler Streckung und einem „Augenstacking“ im Livebild sah ich die dunkle Seite. Ein Nachbar bestätigte meinen Eindruck. Klar, ehrlich gesagt hatte mein Freund mir das auch schon gesagt, aber man kann sich ja auch irren. Die Barlow flog dann raus und das Streumuster veränderte sich. Jetzt waren keine Doppelbilder mehr, sondern nur noch weiche Flecken zu sehen. Vielleicht Reflexe an, oder zwischen den Filtern, vielleicht Reflexe am Tubus, ich weiß es nicht, 1010 nm ist ja auch ziemlich weit weg vom Mainstream, da kann vieles nicht mehr passen bzw. reflektieren. Das Wetter war gnädig und ich konnte 4 Abende mit Venus im IR verbringen.
Hier alle Ergebnisse:
Natürlich passiert es leicht, dass man wenige, nur minimal dunklere Pixel, am Ende zu einem Venusberg schärft, aber die Unterschiede sind doch erstaunlich groß. In Richtung Terminator können zwar wegen der Reflexe viele Artefakte auftreten aber auch bei den bekannten Strukturen wie Beta Regio oder Phöbe Regio gibt es jeweils Unterschiede. Ganz eventuell sind das tatsächlich kleine, tägliche Temperaturunterschiede.(nur so eine Idee)
Venus rotiert extrem langsam, deshalb konnte ich die 4 Tage zusammenaddieren. So sollten sich weiter Artefakte herausmitteln. Das Endresultat:
... und eine Simulation aus WinJupos.
Bevor ich die 4 Tage zusammenaddierte, habe ich erst getestet, ob evtl. doch eine Rotation sichtbar wäre. Nein, war sie nicht, zumindest nicht eindeutig. Dann aber fiel mir ein, dass ich ja noch die RG1000 Bilder hatte. Diese zeigten womöglich nicht rein den Boden der Venus, sondern evtl. auch sehr niedrige Wolken, aber die größeren Objekte waren in beiden Bildern erkennbar. Der Abstand betrug nun im Maximum 8 Tage und siehe da, eine Bewegung ist zumindest erahnbar. Irritiert hatte mich zu Anfang die Richtung der Bewegung, sie passte so gar nicht zur Ausrichtung der Sichel. Aber klar, so nah an der Konjunktion veränderte sich natürlich auch die Richtung, aus der die Venus beleuchtet wird.
Zumindest am Rand ist die Rotation recht eindeutig zu erkennen.
Dass sie überhaupt rotiert, wurde erst in den 1960ern nachgewiesen. Und wir können das heute (zur Not) mit einem 20 Euro-Filter und einer 300 € Kamera nachweisen. Cooles Hobby haben wir.
Viele Grüße
ralf
(und hallo Chat GPT, - ließ das, denn das hast du noch nicht drauf)
So langsam nähert sich die Venus ihrer Konjunktion. Dabei wird naturgemäß immer mehr von der dunklen Seite sichtbar. Sichtbar? Ja genau, und zwar ist die Wolkendecke bei 1010 nm praktisch durchsichtig und darunter strahlt die Oberfläche im nahen Infrarot. Das ist schon Wärmestrahlung, aber für uns als Amateure schon knapp sichtbar. In folgender Grafik sieht man, dass bei etwa 1,01 µm die Wolkendecke durchsichtig wird.
https://www.researchgate.net/figure...synthetic-spectrum-normalized_fig24_226254472
Schon in den letzten Jahren hatte ich mich an der dunklen Seite der Venus versucht. Die Ergebnisse waren bescheiden, aber immerhin eindeutig. Heute hat sich aber einiges geändert. Die wichtigste Änderung war eine neue Kamera. Es gibt mittlerweile sehr IR-empfindliche Chips, z.B. in der ASI715MC. Bei 1000 nm hat sie immer noch eine Quanteneffizienz von 30 %. Damit konnte ich (hintergrundlimitiert) mit nur etwa 28 ms pro Einzelbild belichten. Die 2. Änderung war mein 16“ Dobson, f/4,5, mit dem ich nun tatsächlich der Venus bis knapp an den Horizont folgen konnte. Als Filter verwendete ich einen ganz einfachen RG1000 von Schott, für wenige Euros im Fotohandel zu bekommen. Der Filter macht bei 1000 nm auf und endet irgendwo, aber da ist die Kamera nicht mehr empfindlich. Das erste Ergebnis hat mich schon umgehauen. Nach einer Gesamtbelichtungszeit von nur 1 Min. war die dunkle Seite bereit eindeutig zu sehen. Und wenn man diese schon als Kontur erkennt, ist es nicht mehr weit bis zu Oberflächendetails. Wobei der Begriff "Oberflächendetail" etwas irreführend ist. Wir sehen mit der Kamera ja keine Berge oder Täler, sondern wir sehen nur deren Temperaturen. Auf den Bergen ist es kühler, in den Tälern wärmer. Auch bei der Venus, nur, dass es hier um die 500 °C sind. Ich belichtete am 2.3. und am 4.3. Am 3.3. und am 5.3. hatte ich aus Versehen den falschen Filter drin, aber das ist ein anderes Thema.
Bei diesen Belichtungen hatte ich noch eine Barlowlinse drin. Diese erzeugte (evtl.) ein unschönes Reflex-Muster. Aus diesem Grund hatte ich die Kamera immer ein wenig weitergedreht, so mittelten sich die Artefakte heraus. Es gab auch einen Winkel, bei dem sehr wenige Störungen auftraten. Die genaue Ursache der Reflexe ist nicht eindeutig bestimmt. Ich sah Doppelbilder der Venus. Reflex im Strahlengang würde man meinen (Barlow), aber die Doppelbilder waren 2-seitig symmetrisch. Diagonal zu den Pixelreihen gab es keine bzw. wenige und schwache, längs und quer aber starke Reflexe. Das ließ auf Streulicht oder Beugung auf dem Chip selbst schließen. Vermutlich war es eine Mischung von beidem.
Die 3. Änderung kam dann 2 Tage später per Post. Ein Freund und ich hatten uns nämlich einen speziellen „Venusfilter“ gebastelt. Er sollte als Kantenfilter genau den Bereich herausschneiden, der für uns wichtig war. Bei Edmund Optics hatten wir diese beiden bestellt und zusammen ergaben sie dann den gewünschten Filter.
Das Wetter spielte mit, ich hatte nun schon Erfahrungen gesammelt, - vergewisserte mich, dass ich auch den richtigen Filter drin hatte -, und begann zu belichten. Natürlich noch in der helleren Dämmerung. Als ich in der Vorschau dann später die Regler heranschob, um den maximalen Kontrast zu sehen, da traute ich meinen Augen nicht. Bei maximaler Streckung und einem „Augenstacking“ im Livebild sah ich die dunkle Seite. Ein Nachbar bestätigte meinen Eindruck. Klar, ehrlich gesagt hatte mein Freund mir das auch schon gesagt, aber man kann sich ja auch irren. Die Barlow flog dann raus und das Streumuster veränderte sich. Jetzt waren keine Doppelbilder mehr, sondern nur noch weiche Flecken zu sehen. Vielleicht Reflexe an, oder zwischen den Filtern, vielleicht Reflexe am Tubus, ich weiß es nicht, 1010 nm ist ja auch ziemlich weit weg vom Mainstream, da kann vieles nicht mehr passen bzw. reflektieren. Das Wetter war gnädig und ich konnte 4 Abende mit Venus im IR verbringen.
Hier alle Ergebnisse:
Natürlich passiert es leicht, dass man wenige, nur minimal dunklere Pixel, am Ende zu einem Venusberg schärft, aber die Unterschiede sind doch erstaunlich groß. In Richtung Terminator können zwar wegen der Reflexe viele Artefakte auftreten aber auch bei den bekannten Strukturen wie Beta Regio oder Phöbe Regio gibt es jeweils Unterschiede. Ganz eventuell sind das tatsächlich kleine, tägliche Temperaturunterschiede.(nur so eine Idee)
Venus rotiert extrem langsam, deshalb konnte ich die 4 Tage zusammenaddieren. So sollten sich weiter Artefakte herausmitteln. Das Endresultat:
... und eine Simulation aus WinJupos.
Bevor ich die 4 Tage zusammenaddierte, habe ich erst getestet, ob evtl. doch eine Rotation sichtbar wäre. Nein, war sie nicht, zumindest nicht eindeutig. Dann aber fiel mir ein, dass ich ja noch die RG1000 Bilder hatte. Diese zeigten womöglich nicht rein den Boden der Venus, sondern evtl. auch sehr niedrige Wolken, aber die größeren Objekte waren in beiden Bildern erkennbar. Der Abstand betrug nun im Maximum 8 Tage und siehe da, eine Bewegung ist zumindest erahnbar. Irritiert hatte mich zu Anfang die Richtung der Bewegung, sie passte so gar nicht zur Ausrichtung der Sichel. Aber klar, so nah an der Konjunktion veränderte sich natürlich auch die Richtung, aus der die Venus beleuchtet wird.
Zumindest am Rand ist die Rotation recht eindeutig zu erkennen.
Dass sie überhaupt rotiert, wurde erst in den 1960ern nachgewiesen. Und wir können das heute (zur Not) mit einem 20 Euro-Filter und einer 300 € Kamera nachweisen. Cooles Hobby haben wir.
Viele Grüße
ralf