aths
Aktives Mitglied
Ort: Stadtrand von Wismar (M/V)
Datum: 13.10.2003, ca. 19:40 - 21:50 Uhr.
Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.
Bedingungen: Wenig Wolken, anfangs mondlos, später prächtiger 18 Tage alter Mond, abgesehen von Zenitnähe insgesamt eher unruhige Luft, trotz der Kälte. Wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims und von Laterne, südlich Licht von einem Industrie-Gebiet.
Besonderheiten: Drei neue Objekte, Epsilon Lyrae getrennt, und mehr...
Ehe es mit dem Bericht los geht, möchte ich meinen Beobachtungsplatz bei Tageslicht zeigen:
Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_d03.jpg
Auf diesem Hügel baue ich in der Nacht das Fernrohr auf.
Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_d04.jpg
Auf der anderen Seite des Hügels führen diese "Treppen" nach oben.
Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_d05.jpg
Laternen wie diese können ganz schön nerven. Schlimmer ist das Licht vom Wohnheim selbst.
Ui, das war ein pralles Programm, und es kam auch noch so zufällig! Da mich heute in aller Herrgottsfrühe (noch in der Dämmerung) der Saturn so angelacht hatte, wollte ich eigentlich früh ins Bett, um mich dann morgens hochzuquälen um die Cassini-Teilung zu jagen. Nun entschied ich aber, dass abends mehr als Saturn zu sehen ist, und da noch gewisse Objekte zu erlegen wären, könnte Rausgehen lohnen. Mein Nachbar kam mit.
Unten Aufbau, diesmal das Stativ richtig in die Erde gerammt (in der Tat steht es so viel stabiler) und wie immer nur frei nach Schnauze eingenordet. Noch kann man übrigens nicht davon sprechen, dass der Aufbau flutschen würde.
Zunächst war Mars dran, er zeigte aber fast keine Details. Außerdem ist er schon ziemlich klein geworden. (Na warte! Irgendwann ziehen dich die Gravitationskräfte wieder näher, und dann kannst du gar nichts machen, außer mir deine oberflächlichen Details preiszugeben.) Aber eigentlich wollte ich auch viel lieber bislang ungesehene Objekte jagen. Womit anfangen? Der Schwan stand günstig, also Beta Cygni. Albireo war heute immerhin schon mit bloßem Auge sichtbar, im Fernglas natürlich erst recht. Im Teleskop zeigte sich Albireo natürlich als Doppelstern. Und in der Tat, der hellere Stern war etwas orange, der schwächere Stern eher bläulich. 102x brachte hier gute Ergebnisse, mit 37x war aber auch schon alles zu sehen. Naja, wahrscheinlich hatte ich ihn beim First Light wohl doch schon mal kurz drin, diesmal aber gab es keine Zweifel. (Außerdem befiel mich angesichts des orange-blauen Doppelsterns so etwas wie chronisches Astrofieber. Heilung ausgeschlossen.)
Auch mein Kompagnon war recht beeindruckt. Beta Cygni werde ich mal als Party-Gag vormerken.
Vom Mond war noch nichts zu sehen. Solange es noch entsprechend dunkel ist, könnte man ja auf Nebel gehen... M31? Ich guckte in den Karkoschka und dann mit Hilfe des Feldstechers in den Himmel. Tatsache, irgendwas ist da. Wie erwartet, war der Anblick auch im Teleskop eher enttäuschend, ein länglicher nebliger Fleck eben. Mit indirektem sehen deutlich heller (kein Zweifel, die Andromeda-Galaxis drin zu haben) aber von der diffussen Form abgesehen, praktisch strukturlos. Diesmal war mein Mundwerk lockerer als sonst, und ich brabbelte was von 2,25 Millionen Lichtjahren, und dass die Andromeda-Galaxis trotz Expansion des Alls auf uns zurast, und in einigen Milliarden Jahren eintrifft, und es sich dann wohl hat mit der schönen Spiral-Struktur. Natürlich erwähnte ich auch, dass unsere Galaxis bereits zwei kleinere frisst (die Magellanschen Wolken) uns das bei Andromeda aber nicht gelingt, da die etwa so groß ist wie unsere Galaxis... Naja, mein Kompagnon bestätigte die Sichtung vom Andromeda-Nebel.
Das klappte ja wie am Schnürchen. Ich merkte mir auch, wie man M31 findet: Von drei hellen Sternen den in der Mitte, "und dann hoch". Wenn alles so gut geht, dann gedachte ich, die Glückssträhne auszunutzen und noch h+x zu jagen. Im Fernglas dank dem Karkoschka recht schnell gefunden. (Zwei ganz schwache, diffuse Nebelflecken.) Mit dem Teleskop war das nicht so einfach. Zunächst versuchte ich, vom linken Strich im Himmels-W bei der Seitenhalbierenden rechtwinklig nach unten zu gehen. Da konnte ich aber rühren, soviel ich wollte. Der Sucher war zu schwach, und im Okular sah man zwar Sterne, aber keine Sternhaufen. (Nicht, dass mich der Anblick von irgendwelchen Sternen nicht auch begeistert, aber ich war ja auf Jagd und hatte keine Zeit, unterwegs großartig zu trödeln.)
Mit der geänderten Strategie klappte es dann: Den zweiten Strich im W nach unten verlängern, etwa um Faktor 2 oder 2 1/2. Dort gab es zwei Häufungspunkte von Sternen. Allerdings nicht mit Kugelsternhaufen oder so zu vergleichen, die Leuchtpünkten standen deutlich weniger dicht. Erst mal war ich enttäuscht, und ließ meinen Begleiter gucken. Dann guckte auch ich noch mal, und nun war es schon besser. Bei genauerem Hinsehen sind es doch ziemlich viele Sterne, selbst die schwachen funkelten geheimnisvoll.
Nach den vielen Erfolgen wurde es nun dürr auf meiner (imaginären) Liste. Auf Anhieb fiel mir jetzt kein Objekt ein, was ich noch unbedingt sehen wollte. Im Karkoschka geguckt, doch ohne Vorbereitung auf neue Objekte hätte das Suchen jetzt ziemlich lange gedauert. Also auf zum Dauerbrenner M57! Er war diesmal noch undeutlicher als sonst, aber deutlich genug um ihn indirekt als "Rauch-Ring" zu erkennen. Das gelang meinem Nachbarn allerdings nicht. Ich stellte den Ringnebel mehrfach schön ins Gesichtsfeld und empfahl das indirekte Sehen, was er bei Andromeda ja auch geschafft hatte. Es hatte leider keinen Zweck, er konnte das 57. Objekt des Messierkataloges nicht sehen. Zu schade!
Jetzt, da wir schon mal in der Nähe waren, prüfte ich an Vega noch mal die Beugungsringe. Sehen für mich ok aus. Was ich weniger ok finde ist, dass bei leichter Defokussierung (ich glaube, nach außen) wieder ein Doppelstern zu sehen war. Die Ausrichtung dieses Doppelsterns ändert sich nicht, wenn man das Okular (7 mm LV) dreht. Irgendwas ist da im Busch. Übrigens begann jetzt auch die Problematik der zutauenden Okulare. Der Innenjackentaschentrick bzw. das Halten in den Händen konnte aber das Gröbste abwenden.
Ich hatte Lust auf echte Doppelsterne und suchte Epsylon Lyrae. Zunächst "verfuhr" ich mich im Himmel (der Sucher verwirrt doch, da das Bild Kopf steht) aber fand den doppelten Doppelstern dann. Nun, Konzentration! Der rechts unten konnte blickweise getrennt werden. Oder war das nur eine optische Täuschung? Nach einiger Zeit war ich mir da aber recht sicher. Darauf hin gelang es auch, die Komponenten des Sterns links oben zu trennen. Mein Begleiter guckte dann auch, und meinte, tatsächlich Doppelsterne zu sehen. Ich ließ mir die Ausrichtung der Komponenten beschreiben (mit Händen zeigen) und tatsächlich sah er das, was ich auch sah. Jetzt erst glaubte ich auch selbst an eine gelungene Trennung. Ungefähr so sah es aus:
Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/epslyrae.gif
Die Sterne standen allerdings deutlich enger zusammen als auf diesem Bild gemalt.
Da der Mond nun aufgegangen war, und nicht mehr rötlich oder orange schien, sondern nur noch gelblich, riskierte ich trotz der Wolkenschwaden einen Blick. Tja und was soll ich sagen? Natürlich war es sehr beeindruckend, obwohl die Luft doch ziemlich kochte. (Die Verwirbelungen waren diesmal vor allem in horizontaler Richtung.) Ich bekam richtig Lust auf den Mond! Also lief ich noch mal kurz nach oben, um den Rükl und was zu schreiben zu holen. Heute wollte ich mal Krater identifizieren...
... leider wurde das nichts. Wieder unten, war der Mond zwar besser (ruhiger) aber erst mal dauerte es Minuten ehe ich realisierte, dass die Übersichts-Karte im Rükl um 180° zu drehen ist... Dann kam noch jemand runter zu uns. Da der Mond tief genug stand, konnte ich auf das Zenitprisma verzichten und zudem gönnte ich mir erst mal den Mond bei 37x im Überblick, um Orientierung zu gewinnen. Doch inzwischen wurde es auch mir etwas kühl, trotz der zwei Hosen und drei Pullover (plus Anorak.) Ich wollte auch nicht die Leute in der Kälte stehen lassen, während ich in aller Ruhe beobachte...
(Mit Virtual Moon war es dann leichter, nachzusehen: Von "Endymion" war der äußere Ringwall sehr beeindruckend, ebenso faszinierten die Krater "Atlas" und "Herkules" durch ihr markantes Erscheinen. Zudem stellte ich fest, Mare Fecundiatatis für Mare Crisium gehalten zu haben...) Der Blick auf den Mond war nicht zuletzt deshalb sehr schön, weil hier noch klar das Auge limitierte (sprich, vergrößerungsmäßig garantiert noch Spielraum nach oben ist.) Mit 131x ist ein 4" ED-Refraktor am Mond alles andere als ausgereizt...
Schon das Bild im 6x30-Sucher finde ich toll, das 10x40 Fernglas würde mit Stativ sicher auch was hermachen. (Kein Jux, ich denke mit einem Fernglas vergleichbarer Leistung kann intensive Mondbeachtung durchaus lohnen.) Das Fernglas war auch insofern praktisch, da es als "zweites Gerät" genutzt werden kann, und man nicht nur stur warten muss wenn gerade jemand anders durch das Teleskop guckt.
Meinem Nachbarn wurde es zu kalt, er trollte sich, der andere blieb noch. Wäre jetzt Wochenende, würde ich mich noch wärmer anziehen, einen Kaffee schlürfen und versuchen für den Saturn bis zur Dämmerung durchzumachen, aber langsam zog es selbst mich nach oben. Dem jetzigen Astro-Interessierten zeigte ich noch Albireo, gefolgt von Epsylon Lyrae. (Übrigens beschrieb er die Lage der Komponenten ebenfalls genau so, wie ich das wahrgenommen hatte.) Aufgrund des Mondes war M31 jetzt nicht mehr im Fernglas zu sehen, und wegen der Wolken war h+x Perseus aussichtslos. Also wagte ich mich noch mal an den Mars; der trotz etwas gewonnener Höhe nicht sehr viel zeigte. (Waberndes Scheibchen, weiterhin Zerlegung in Spektral-Farben, kaum Details.)
Nun hatte ich aber Lust auf eine schöne Tasse warmen Kakao! Also Abbau. Obwohl das zu zweit in einem Gang machbar gewesen wäre, ging ich lieber zwei mal. Zunächst die Kleinteile und die Klappstühle nach oben, dann die schweren Brocken. Das Objektiv zeigte im Licht der Taschenlampe bereits erste Anzeichen von Tau, über kurz oder lang wäre ein Abbruch der Beobachtung deswegen wohl unvermeidlich gewesen.
Fazit: Eine Motorisierung der GP ist mittelfristig wohl unumgänglich. Beobachtungsmäßig hat zwar auch heute nicht alles so geklappt, wie erhofft, dennoch war es bis jetzt die erfolgreichste (und reichhaltigste) Beobachtungsnacht überhaupt. Aber so fies es klingt, werde ich mir wohl auch wieder mal die Mühe machen und alles alleine tragen, um dann auch alleine zu spechteln, nur das Fernrohr, und ich <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
Ein zweites Fazit: Natürlich muss man hochwertige Ausrüstung auch pfleglich behandeln, in einem Studentwohnheim wäre ein einfacher 114/900-Spiegel auf EQ3 als Fernrohr vielleicht angebrachter. Doch der Spaß kommt mit der Freude, die sich bei jeder Bedienung des Fernrohs einstellt. Mal angesehen davon, dass man auch durchgucken kann, ist mir bislang schon das pure Benutzen ein Vergnügen. Die seltsame "Trennung" heller Sterne wie Vega bleibt trotzdem noch ein ungeklärtes Problem.
Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_d02.jpg
Buhhhaa. Da ist mir ganz schön kalt geworden.
Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_d01.jpg
Das Fernrohr kann jetzt abgebaut werden. Was für eine Nacht!
Datum: 13.10.2003, ca. 19:40 - 21:50 Uhr.
Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.
Bedingungen: Wenig Wolken, anfangs mondlos, später prächtiger 18 Tage alter Mond, abgesehen von Zenitnähe insgesamt eher unruhige Luft, trotz der Kälte. Wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims und von Laterne, südlich Licht von einem Industrie-Gebiet.
Besonderheiten: Drei neue Objekte, Epsilon Lyrae getrennt, und mehr...
Ehe es mit dem Bericht los geht, möchte ich meinen Beobachtungsplatz bei Tageslicht zeigen:
Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_d03.jpg
Auf diesem Hügel baue ich in der Nacht das Fernrohr auf.
Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_d04.jpg
Auf der anderen Seite des Hügels führen diese "Treppen" nach oben.
Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_d05.jpg
Laternen wie diese können ganz schön nerven. Schlimmer ist das Licht vom Wohnheim selbst.
Ui, das war ein pralles Programm, und es kam auch noch so zufällig! Da mich heute in aller Herrgottsfrühe (noch in der Dämmerung) der Saturn so angelacht hatte, wollte ich eigentlich früh ins Bett, um mich dann morgens hochzuquälen um die Cassini-Teilung zu jagen. Nun entschied ich aber, dass abends mehr als Saturn zu sehen ist, und da noch gewisse Objekte zu erlegen wären, könnte Rausgehen lohnen. Mein Nachbar kam mit.
Unten Aufbau, diesmal das Stativ richtig in die Erde gerammt (in der Tat steht es so viel stabiler) und wie immer nur frei nach Schnauze eingenordet. Noch kann man übrigens nicht davon sprechen, dass der Aufbau flutschen würde.
Zunächst war Mars dran, er zeigte aber fast keine Details. Außerdem ist er schon ziemlich klein geworden. (Na warte! Irgendwann ziehen dich die Gravitationskräfte wieder näher, und dann kannst du gar nichts machen, außer mir deine oberflächlichen Details preiszugeben.) Aber eigentlich wollte ich auch viel lieber bislang ungesehene Objekte jagen. Womit anfangen? Der Schwan stand günstig, also Beta Cygni. Albireo war heute immerhin schon mit bloßem Auge sichtbar, im Fernglas natürlich erst recht. Im Teleskop zeigte sich Albireo natürlich als Doppelstern. Und in der Tat, der hellere Stern war etwas orange, der schwächere Stern eher bläulich. 102x brachte hier gute Ergebnisse, mit 37x war aber auch schon alles zu sehen. Naja, wahrscheinlich hatte ich ihn beim First Light wohl doch schon mal kurz drin, diesmal aber gab es keine Zweifel. (Außerdem befiel mich angesichts des orange-blauen Doppelsterns so etwas wie chronisches Astrofieber. Heilung ausgeschlossen.)
Auch mein Kompagnon war recht beeindruckt. Beta Cygni werde ich mal als Party-Gag vormerken.
Vom Mond war noch nichts zu sehen. Solange es noch entsprechend dunkel ist, könnte man ja auf Nebel gehen... M31? Ich guckte in den Karkoschka und dann mit Hilfe des Feldstechers in den Himmel. Tatsache, irgendwas ist da. Wie erwartet, war der Anblick auch im Teleskop eher enttäuschend, ein länglicher nebliger Fleck eben. Mit indirektem sehen deutlich heller (kein Zweifel, die Andromeda-Galaxis drin zu haben) aber von der diffussen Form abgesehen, praktisch strukturlos. Diesmal war mein Mundwerk lockerer als sonst, und ich brabbelte was von 2,25 Millionen Lichtjahren, und dass die Andromeda-Galaxis trotz Expansion des Alls auf uns zurast, und in einigen Milliarden Jahren eintrifft, und es sich dann wohl hat mit der schönen Spiral-Struktur. Natürlich erwähnte ich auch, dass unsere Galaxis bereits zwei kleinere frisst (die Magellanschen Wolken) uns das bei Andromeda aber nicht gelingt, da die etwa so groß ist wie unsere Galaxis... Naja, mein Kompagnon bestätigte die Sichtung vom Andromeda-Nebel.
Das klappte ja wie am Schnürchen. Ich merkte mir auch, wie man M31 findet: Von drei hellen Sternen den in der Mitte, "und dann hoch". Wenn alles so gut geht, dann gedachte ich, die Glückssträhne auszunutzen und noch h+x zu jagen. Im Fernglas dank dem Karkoschka recht schnell gefunden. (Zwei ganz schwache, diffuse Nebelflecken.) Mit dem Teleskop war das nicht so einfach. Zunächst versuchte ich, vom linken Strich im Himmels-W bei der Seitenhalbierenden rechtwinklig nach unten zu gehen. Da konnte ich aber rühren, soviel ich wollte. Der Sucher war zu schwach, und im Okular sah man zwar Sterne, aber keine Sternhaufen. (Nicht, dass mich der Anblick von irgendwelchen Sternen nicht auch begeistert, aber ich war ja auf Jagd und hatte keine Zeit, unterwegs großartig zu trödeln.)
Mit der geänderten Strategie klappte es dann: Den zweiten Strich im W nach unten verlängern, etwa um Faktor 2 oder 2 1/2. Dort gab es zwei Häufungspunkte von Sternen. Allerdings nicht mit Kugelsternhaufen oder so zu vergleichen, die Leuchtpünkten standen deutlich weniger dicht. Erst mal war ich enttäuscht, und ließ meinen Begleiter gucken. Dann guckte auch ich noch mal, und nun war es schon besser. Bei genauerem Hinsehen sind es doch ziemlich viele Sterne, selbst die schwachen funkelten geheimnisvoll.
Nach den vielen Erfolgen wurde es nun dürr auf meiner (imaginären) Liste. Auf Anhieb fiel mir jetzt kein Objekt ein, was ich noch unbedingt sehen wollte. Im Karkoschka geguckt, doch ohne Vorbereitung auf neue Objekte hätte das Suchen jetzt ziemlich lange gedauert. Also auf zum Dauerbrenner M57! Er war diesmal noch undeutlicher als sonst, aber deutlich genug um ihn indirekt als "Rauch-Ring" zu erkennen. Das gelang meinem Nachbarn allerdings nicht. Ich stellte den Ringnebel mehrfach schön ins Gesichtsfeld und empfahl das indirekte Sehen, was er bei Andromeda ja auch geschafft hatte. Es hatte leider keinen Zweck, er konnte das 57. Objekt des Messierkataloges nicht sehen. Zu schade!
Jetzt, da wir schon mal in der Nähe waren, prüfte ich an Vega noch mal die Beugungsringe. Sehen für mich ok aus. Was ich weniger ok finde ist, dass bei leichter Defokussierung (ich glaube, nach außen) wieder ein Doppelstern zu sehen war. Die Ausrichtung dieses Doppelsterns ändert sich nicht, wenn man das Okular (7 mm LV) dreht. Irgendwas ist da im Busch. Übrigens begann jetzt auch die Problematik der zutauenden Okulare. Der Innenjackentaschentrick bzw. das Halten in den Händen konnte aber das Gröbste abwenden.
Ich hatte Lust auf echte Doppelsterne und suchte Epsylon Lyrae. Zunächst "verfuhr" ich mich im Himmel (der Sucher verwirrt doch, da das Bild Kopf steht) aber fand den doppelten Doppelstern dann. Nun, Konzentration! Der rechts unten konnte blickweise getrennt werden. Oder war das nur eine optische Täuschung? Nach einiger Zeit war ich mir da aber recht sicher. Darauf hin gelang es auch, die Komponenten des Sterns links oben zu trennen. Mein Begleiter guckte dann auch, und meinte, tatsächlich Doppelsterne zu sehen. Ich ließ mir die Ausrichtung der Komponenten beschreiben (mit Händen zeigen) und tatsächlich sah er das, was ich auch sah. Jetzt erst glaubte ich auch selbst an eine gelungene Trennung. Ungefähr so sah es aus:
Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/epslyrae.gif
Die Sterne standen allerdings deutlich enger zusammen als auf diesem Bild gemalt.
Da der Mond nun aufgegangen war, und nicht mehr rötlich oder orange schien, sondern nur noch gelblich, riskierte ich trotz der Wolkenschwaden einen Blick. Tja und was soll ich sagen? Natürlich war es sehr beeindruckend, obwohl die Luft doch ziemlich kochte. (Die Verwirbelungen waren diesmal vor allem in horizontaler Richtung.) Ich bekam richtig Lust auf den Mond! Also lief ich noch mal kurz nach oben, um den Rükl und was zu schreiben zu holen. Heute wollte ich mal Krater identifizieren...
... leider wurde das nichts. Wieder unten, war der Mond zwar besser (ruhiger) aber erst mal dauerte es Minuten ehe ich realisierte, dass die Übersichts-Karte im Rükl um 180° zu drehen ist... Dann kam noch jemand runter zu uns. Da der Mond tief genug stand, konnte ich auf das Zenitprisma verzichten und zudem gönnte ich mir erst mal den Mond bei 37x im Überblick, um Orientierung zu gewinnen. Doch inzwischen wurde es auch mir etwas kühl, trotz der zwei Hosen und drei Pullover (plus Anorak.) Ich wollte auch nicht die Leute in der Kälte stehen lassen, während ich in aller Ruhe beobachte...
(Mit Virtual Moon war es dann leichter, nachzusehen: Von "Endymion" war der äußere Ringwall sehr beeindruckend, ebenso faszinierten die Krater "Atlas" und "Herkules" durch ihr markantes Erscheinen. Zudem stellte ich fest, Mare Fecundiatatis für Mare Crisium gehalten zu haben...) Der Blick auf den Mond war nicht zuletzt deshalb sehr schön, weil hier noch klar das Auge limitierte (sprich, vergrößerungsmäßig garantiert noch Spielraum nach oben ist.) Mit 131x ist ein 4" ED-Refraktor am Mond alles andere als ausgereizt...
Schon das Bild im 6x30-Sucher finde ich toll, das 10x40 Fernglas würde mit Stativ sicher auch was hermachen. (Kein Jux, ich denke mit einem Fernglas vergleichbarer Leistung kann intensive Mondbeachtung durchaus lohnen.) Das Fernglas war auch insofern praktisch, da es als "zweites Gerät" genutzt werden kann, und man nicht nur stur warten muss wenn gerade jemand anders durch das Teleskop guckt.
Meinem Nachbarn wurde es zu kalt, er trollte sich, der andere blieb noch. Wäre jetzt Wochenende, würde ich mich noch wärmer anziehen, einen Kaffee schlürfen und versuchen für den Saturn bis zur Dämmerung durchzumachen, aber langsam zog es selbst mich nach oben. Dem jetzigen Astro-Interessierten zeigte ich noch Albireo, gefolgt von Epsylon Lyrae. (Übrigens beschrieb er die Lage der Komponenten ebenfalls genau so, wie ich das wahrgenommen hatte.) Aufgrund des Mondes war M31 jetzt nicht mehr im Fernglas zu sehen, und wegen der Wolken war h+x Perseus aussichtslos. Also wagte ich mich noch mal an den Mars; der trotz etwas gewonnener Höhe nicht sehr viel zeigte. (Waberndes Scheibchen, weiterhin Zerlegung in Spektral-Farben, kaum Details.)
Nun hatte ich aber Lust auf eine schöne Tasse warmen Kakao! Also Abbau. Obwohl das zu zweit in einem Gang machbar gewesen wäre, ging ich lieber zwei mal. Zunächst die Kleinteile und die Klappstühle nach oben, dann die schweren Brocken. Das Objektiv zeigte im Licht der Taschenlampe bereits erste Anzeichen von Tau, über kurz oder lang wäre ein Abbruch der Beobachtung deswegen wohl unvermeidlich gewesen.
Fazit: Eine Motorisierung der GP ist mittelfristig wohl unumgänglich. Beobachtungsmäßig hat zwar auch heute nicht alles so geklappt, wie erhofft, dennoch war es bis jetzt die erfolgreichste (und reichhaltigste) Beobachtungsnacht überhaupt. Aber so fies es klingt, werde ich mir wohl auch wieder mal die Mühe machen und alles alleine tragen, um dann auch alleine zu spechteln, nur das Fernrohr, und ich <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
Ein zweites Fazit: Natürlich muss man hochwertige Ausrüstung auch pfleglich behandeln, in einem Studentwohnheim wäre ein einfacher 114/900-Spiegel auf EQ3 als Fernrohr vielleicht angebrachter. Doch der Spaß kommt mit der Freude, die sich bei jeder Bedienung des Fernrohs einstellt. Mal angesehen davon, dass man auch durchgucken kann, ist mir bislang schon das pure Benutzen ein Vergnügen. Die seltsame "Trennung" heller Sterne wie Vega bleibt trotzdem noch ein ungeklärtes Problem.
Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_d02.jpg
Buhhhaa. Da ist mir ganz schön kalt geworden.
Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_d01.jpg
Das Fernrohr kann jetzt abgebaut werden. Was für eine Nacht!