Die Sonne 2007 im Fernglas

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Kay

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Seit vielen Jahren beobachte ich mit verschiedenen Instrumenten die Sonne, doch litt (und leide) ich immer unter der ungünstigen Lage meines Wohnortes tief im Tal. Deshalb ist Mobilität ein wichtiges Kriterium – und was kann für einen „Astrominimalisten“ wie mich da günstiger sein als ein Fernglas. Seit 2005 besitze ich ein sehr schönes Jenoptem 10x50 und beobachte damit bei jeder Gelegenheit die Sonne, natürlich unter Einsatz von Sonnenfilterfolie.
Sicher wäre eine höhere Vergrößerung besser, sicher würde ein Stativ mehr aus der Optik herausholen – doch dann käme ich wesentlich seltener zum Beobachten. So kann ich meinen Feldstecher selbst bei Kinderwagen- oder Fahrradtouren (z.B. zum Arbeitsplatz) oder im Krankenhausschrank dabeihaben (wie bei den beiden Aufenthalten in diesem Jahr). Meine Fragestellung ist eher, ob auch unter diesen Ausgangsbedingungen brauchbare Resultate zu erzielen sind.

Aber nun zum eigentlichen Thema: Im Jahr 2007 kam ich zu immerhin 156 Sonnenbeobachtungen, im Mai und Juni zu je 22, im November leider nur zu 5, allerdings schön über den Monat verteilt. Die längste beobachtungslose Zeit lag im März mit 14 Tagen, da ich wegen einer Operation ans Krankenhausbett gefesselt war und das Fenster sich nicht weit genug öffnen ließ zum Spechteln.

Zu den einzelnen Monaten:

Im JANUAR waren teilweise zwei Flecken(gruppen) zu sehen, am Ende des Monats sogar ein Fleck mit freiem Augen und SoFibrille. Der FEBRUAR war im Wechsel fleckenfrei bzw. mit ein, zwei Flecken „bestückt“, im MÄRZ ging die Aktivität noch weiter zurück: nur am Monatsanfang sah ich noch einen Fleck. Der APRIL wurde zum echten Langweiler, trotz des permanent guten Wetters (ich im Krankenhaus – und nachts ein toller Sternenhimmel) und 19 Beobachtungstagen zeigte sich erst zum Monatsende ein dann allerdings ordentlich großer Fleck, der sogar freiäugig zu erkennen war. Im MAI gab es immer wieder mal eine Fleckengruppe zu bewundern, der monatliche Relativzahldurchschnitt von 7,227 war der höchste des gesamten Jahres. Im JUNI gab es zwei Gruppen, die nacheinander das Beobachterherz erfreuten, allerdings auch eine lange fleckenlose Zeit vom 12. bis 25. des Monats. Der JULI war ebenfalls durchwachsen, aber am 13. gab es mit 25 die höchste tägliche Relativzahl des Jahres. Im AUGUST zeigte sich erst gegen Monatsende ein Fleck, für lange Zeit auch der letzte. Denn sowohl SEPTEMBER, als auch OKTOBER und NOVEMBER blieben völlig fleckenlos im Fernglas. Erst im DEZEMBER gab es wieder Aktivität auf der Sonne zu beobachten, allerdings konnte ich die große Fleckengruppe wegen des schlechten Wetters nur ein einziges Mal selbst im Fernglas beobachten. Das drückt natürlich die monatliche Relativzahl und zeigt die größte Schwäche meines „Systems“. Nichtsdestotrotz machen mir die Beobachtungen und auch die Auswertung großen Spaß, wenn auch der Grad der Wissenschaftlichkeit nicht ganz an SOHO oder das Relativzahlnetz der Fachguppe SONNE heranreicht…

Was das (bald eintreffende oder gerade erlebte) Minimum angeht, so zeigt sich auch bei meiner Auswertung mit dem R13-Monatsmittel (natürlich nur bis Juni) ein deutlicher Abwärtstrend :

Monat Relativzahl R13-Mittel
Januar 10 6,473
Februar 5,5 5,786
März 1,8333 5,734
April 1,157 5,502
Mai 7,22727 4,843
Juni 4,86363 3,90484
Juli 6,02307
August 4,23
September 0
Oktober 0
November 0
Dezember 1,71

 
Hi Kay!

Man, Du bist ja ein richtiger Sonnenfan! Ich finds toll, das Du Deine Auswertungen hier veröffentlichst, schließlich gibt es vermutlich nicht allzuviele Hobbyastronomen, die sich so intensiv mit der Sonne beschäftigen.
Ich denke, ich werde demnächst auch mal ein wenig Sonnenfilterfolie bestellen...

Aber sag mal, Mobilität hin oder her, würde sich für Dich nicht doch ein einfaches, kleines Teleskop lohnen? Gerade die Sonne kann man doch ganz gut auch von zu Hause aus beobachten. Ich stelle sie mir im 10x50 doch recht klein vor.

Viele Grüße und guten Rutsch

Tim
 
Hallo Tim,
klar würde sich für mich ein Teleskop lohnen, hatte/habe schon einige daheim. Aber diese unbedingte Mobilität durch die drei-vier Monate ohne Sonne auf meinem Grundstück zwingt mich zu einem leichten Teil. Wenn ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre, möchte ich kein Sativ dabeihaben;-)

Zusätzlich schaue ich schon mit größeren Optiken, allerdings auch mit freiem Auge und SoFibrille - die A-Zahl schicke ich auch jeden Monat an die VdS-Fachgruppe Sonne.

Überhaupt bin ich ein ziemlicher Fernglasfreak, habe hunderte Deepskyobjekte damit beobachtet, darunter schon über 80 Messierobjekte mit dem 10x50. Selbst den Mond im 8x30 habe ich schon gezeichnet...

Ich will eben meine Optiken auch wirklich ausnutzen;-)
 
Hallo Leute,
da ich die Relativzahlen wie die Profis in Uccle mit der R13-Methode mittle, kann ich nun das Jahr 2007 endgültig abschließen und, da der Juli nun auch vorbei ist, auch den Januar 2008 einbeziehen.
Und siehe da: die R-Zahl für Januar 2008 ist noch mal niedriger als für die vorhergegangenen Monate, d.h. das Minimum wird also frühestens 2008 eintreffen – zumindest für mich;-)
Selbst bei den A-Zahlen, die ich auch immer brav an die Fachgruppe Sonne einschicke, zeigt sich dieser Trend eindeutig – bei nur einem Beobachter und minimaler Optik. Klar ist es manchmal öde, monatelang nur eine „0“ ins Protokoll einzutragen, aber wenn man dann etwas rechnet, wird es zumindest für mich interessant und zeigt, dass es eben nicht auf die Größe der Optik ankommt. Eher schon auf die Ausdauer…
Hier die Tabelle, wenn auch etwas zerstückelt:

Monat Relativzahl R13-Mittel A-Zahl A-Zahl-Mittel
Januar 10 6,47 0,11 0,095
Februar 5,5 5,78 0 0,074
März 1,8333 5,73 0 0,060
April 1,157 5,50 0,1 0.060
Mai 7,22727 4,84 0,166 0,056
Juni 4,86363 3,90 0 0,040
Juli 6,02307 3,14 0 0,026
August 4,23 2,75 0 0,022
September 0 3,42 0 0,022
Oktober 0 2,72 0 0,018
November 0 2,40 0 0,006
Dezember 1,71 1,93 0 0
Januar 08 0 1,51 0 0
 
Hallo Kay,

sehr interessant und ein prima Beispiel dafür, dass man auch mit kleinen Instrumenten gute Arbeit leisten kann. Mich jedenfalls hat es motiviert, wieder mal öfters mit dem Fernglas die Sonne ins Visier zu nehmen. So gesehen vielen Dank.

Beste Grüße, Klaus
 
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