Cor_Francoli
Aktives Mitglied
Hallo Leute!
Was für ein schöner Beobachtungsabend!
Das heißt, eigentlich fing er ja schon am Nachmittag an. Bei Calsky hatte ich gesehen, dass sich ein Blick auf die Sonne durchaus lohnen würde und so bewunderte ich also nach Feierabend die feinen Details auf der Oberfläche unseres Sterns. Rufe: "Sohn, willst Du auch mal die Sonnenflecken angucken?" - "Mmmmmm" [sich zähflüssig vom Sofa erhebend] - "Siehst Du die Flecken?" - "Mmmmm" [Hände in den Hosentaschen] - "Auch die etwas lockerere Fleckengruppe mit den helleren Stellen?" - "Ja, die ist mehr da an der Seite" - (Oh, er redet, wahrscheinlich ist er interessiert) - (Ob ich jetzt endlich wieder gehen kann?) [sich langsam abwendend] - "Schön nicht?" - "Mmmmmm" [Abgang] Naja, ich hab mich dann noch ein bisschen allein den schönen Details gewidmet. Bald ist Minimum. Ich erinnere mich. Vor 20 Jahren sah ich zum ersten Mal durch mein erstes Teleskop auf die Sonne und suchte tagelang voll bitterer Enttäuschung Flecken... bis ich begriff, dass es nicht an mir oder dem Teleskop lag, sondern einfach an der Tatsache, dass wir Minimum hatten und einfach keine Flecken da waren.
Um 21h bin ich dann wieder raus. Ich hatte mir einiges vorgenommen. Nach ein bisschen Aufwärmen an Standardobjekten, wollte ich mal den Cirrusnebel in Angriff nehmen. Aber würde es dunkel genug sein. Ich schätzte den Himmel auf 5m. 12" sammelt eine Menge ein, aber würde das reichen? Ich hatte mir eine detaillierte Karte ausgedruckt und hüpfte von Stern zu Stern zunächst zum östlichen Teil. Nichts. Dann vielleicht auf der anderen Seite? Hoch konzentriert hüpfte ich wieder und verglich jedes Sternchen mit der Karte. Ich wusste, wenn es etwas zu sehen geben würde, dann nur ganz schwach und so wollte ich sicher sein, am richtigen Ort zu suchen. Da sprang doch glatt unsere Katze Eddi ständig in und um meine Rockerbox. "Gschhhhhh!" Ich muss mich konzentrieren. Eddi flitze hin. Eddi flitzte her. Er schlich und jagte. Ich musste lachen. Dann hüpfte ich weiter konzentriert die Sterne entlang. Hier. Naja vielleicht bei gutem Willen, ein übers ganze Bild gezogenes dünnes Schleierchen? Ich war unsicher. Einen Filter müsste man haben. Ich würde es bei dunklerem Himmel nochmal versuchen.
Als nächstes stand der blinkende planetarische Nebel auf dem Programm. Voll im Zenit, was mit dem Dobson keinen Spaß macht, aber ich war auch hier mit detaillierter Karte gut ausgerüstet und wollte es diesmal durchziehen. Ich war sehr motiviert. Ich zog, sah und siegte. Ich war hell begeistert. Guckt man daneben, ein schönes rundes Rauchwölkchen. Guckt man drauf, ein heller Stern. Blink, blink, blink.
Nun war die Zeit reif für Neptun. Auch diesen wollte ich noch abschießen und mich endlich einreihen in die Schar der Menschen, die behaupten können, schon alle Planeten mit eigenen Augen gesehen zu haben (was ja seit ein paar Tagen gar nicht mehr schwierig ist... so ohne Pluto). Die Sterne hatten sich mittlerweile am Himmel so sortiert, dass Neptun zwischen den Bäumen zu erhaschen sein müsste. Ich also Karte Nummer drei gezückt. Darauf hatte ich Neptun mit einem Pfeil markiert. Bis zu Stern 29 hatte ich mich vorgehangelt. Jota Cap stand auch gerade noch so über den Bäumen. Genau dazwischen... Was ist das? [fluch] Ein Ast rankte genau in die Lücke, wo Neptun liegen sollte. Naja wenigstens wanderten die Sterne in die richtige Richtung. Ein paar Minuten nur und dann würde die Sicht frei werden. Da ist er! Ist er das? Sollte ich nicht vielleicht etwas bläuliches erwarten? Ich kontrollierte mehrmals die Sternenumgebung und verglich mit meiner Karte. Am Himmel war kein Pfeil mit Kuli gemalt, aber sonst... Ja, das ist er. Sieht aus wie ein beliebiger Stern, aber egal. Neptun ist gesichtet. Ich habe alle Planeten mit eigenen Augen gesehen [freu]
Den Rest des Abends wollte ich mich dem Mond und seiner Plejadenbedeckung widmen... aber das erzähle ich nebenan in dem anderen Thread. Mein Beitrag ist ohnehin schon etwas lang geworden. Aber ich wollte meine Begeisterung mit euch teilen. Ein wirklich schöner Beobachtungsabend!
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" />
Schöne Grüße vom Sternenfreund
Frank
Was für ein schöner Beobachtungsabend!
Das heißt, eigentlich fing er ja schon am Nachmittag an. Bei Calsky hatte ich gesehen, dass sich ein Blick auf die Sonne durchaus lohnen würde und so bewunderte ich also nach Feierabend die feinen Details auf der Oberfläche unseres Sterns. Rufe: "Sohn, willst Du auch mal die Sonnenflecken angucken?" - "Mmmmmm" [sich zähflüssig vom Sofa erhebend] - "Siehst Du die Flecken?" - "Mmmmm" [Hände in den Hosentaschen] - "Auch die etwas lockerere Fleckengruppe mit den helleren Stellen?" - "Ja, die ist mehr da an der Seite" - (Oh, er redet, wahrscheinlich ist er interessiert) - (Ob ich jetzt endlich wieder gehen kann?) [sich langsam abwendend] - "Schön nicht?" - "Mmmmmm" [Abgang] Naja, ich hab mich dann noch ein bisschen allein den schönen Details gewidmet. Bald ist Minimum. Ich erinnere mich. Vor 20 Jahren sah ich zum ersten Mal durch mein erstes Teleskop auf die Sonne und suchte tagelang voll bitterer Enttäuschung Flecken... bis ich begriff, dass es nicht an mir oder dem Teleskop lag, sondern einfach an der Tatsache, dass wir Minimum hatten und einfach keine Flecken da waren.
Um 21h bin ich dann wieder raus. Ich hatte mir einiges vorgenommen. Nach ein bisschen Aufwärmen an Standardobjekten, wollte ich mal den Cirrusnebel in Angriff nehmen. Aber würde es dunkel genug sein. Ich schätzte den Himmel auf 5m. 12" sammelt eine Menge ein, aber würde das reichen? Ich hatte mir eine detaillierte Karte ausgedruckt und hüpfte von Stern zu Stern zunächst zum östlichen Teil. Nichts. Dann vielleicht auf der anderen Seite? Hoch konzentriert hüpfte ich wieder und verglich jedes Sternchen mit der Karte. Ich wusste, wenn es etwas zu sehen geben würde, dann nur ganz schwach und so wollte ich sicher sein, am richtigen Ort zu suchen. Da sprang doch glatt unsere Katze Eddi ständig in und um meine Rockerbox. "Gschhhhhh!" Ich muss mich konzentrieren. Eddi flitze hin. Eddi flitzte her. Er schlich und jagte. Ich musste lachen. Dann hüpfte ich weiter konzentriert die Sterne entlang. Hier. Naja vielleicht bei gutem Willen, ein übers ganze Bild gezogenes dünnes Schleierchen? Ich war unsicher. Einen Filter müsste man haben. Ich würde es bei dunklerem Himmel nochmal versuchen.
Als nächstes stand der blinkende planetarische Nebel auf dem Programm. Voll im Zenit, was mit dem Dobson keinen Spaß macht, aber ich war auch hier mit detaillierter Karte gut ausgerüstet und wollte es diesmal durchziehen. Ich war sehr motiviert. Ich zog, sah und siegte. Ich war hell begeistert. Guckt man daneben, ein schönes rundes Rauchwölkchen. Guckt man drauf, ein heller Stern. Blink, blink, blink.
Nun war die Zeit reif für Neptun. Auch diesen wollte ich noch abschießen und mich endlich einreihen in die Schar der Menschen, die behaupten können, schon alle Planeten mit eigenen Augen gesehen zu haben (was ja seit ein paar Tagen gar nicht mehr schwierig ist... so ohne Pluto). Die Sterne hatten sich mittlerweile am Himmel so sortiert, dass Neptun zwischen den Bäumen zu erhaschen sein müsste. Ich also Karte Nummer drei gezückt. Darauf hatte ich Neptun mit einem Pfeil markiert. Bis zu Stern 29 hatte ich mich vorgehangelt. Jota Cap stand auch gerade noch so über den Bäumen. Genau dazwischen... Was ist das? [fluch] Ein Ast rankte genau in die Lücke, wo Neptun liegen sollte. Naja wenigstens wanderten die Sterne in die richtige Richtung. Ein paar Minuten nur und dann würde die Sicht frei werden. Da ist er! Ist er das? Sollte ich nicht vielleicht etwas bläuliches erwarten? Ich kontrollierte mehrmals die Sternenumgebung und verglich mit meiner Karte. Am Himmel war kein Pfeil mit Kuli gemalt, aber sonst... Ja, das ist er. Sieht aus wie ein beliebiger Stern, aber egal. Neptun ist gesichtet. Ich habe alle Planeten mit eigenen Augen gesehen [freu]
Den Rest des Abends wollte ich mich dem Mond und seiner Plejadenbedeckung widmen... aber das erzähle ich nebenan in dem anderen Thread. Mein Beitrag ist ohnehin schon etwas lang geworden. Aber ich wollte meine Begeisterung mit euch teilen. Ein wirklich schöner Beobachtungsabend!
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Schöne Grüße vom Sternenfreund
Frank