Dobson-Kauf mit Okularen

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AndreasH_91

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Hallo miteinander!

Nachdem ich nun etwas mit meinem alten 70mm Refraktor beobachtet habe, habe ich mich nun entschlossen, etwas Geld zu sparen und mir ein neues Teleskop zu kaufen :) Da ich bisher nur billige Okulare habe, möchte ich mit dem Teleskop auch gleich ein Satz vernünftige Okulare dazu kaufen.

In den nächsten Monaten werden sicherlich Mond & Planeten das Hauptziel sein. Später möchte mich aber auf jeden Fall auch den Deep Sky Objekten widmen, ein "Allrounder" wäre also ideal. Ich habe mich schon etwas informiert und ein paar Teleskope/Okulare ins Auge gefasst, hätte nun aber noch ein paar Fragen.

Mein Budget liegt in etwa zwischen 1000 - 1500 Euro. An Öffnung stelle ich mir etwas zwischen 200mm und 300mm (Dobson) vor. Da ich in der Stadt wohne, ist Transportfähigkeit natürlich auch ein Thema, solange es jedoch ins Auto passt, sollte das (bis auf das Gewicht) kein Problem darstellen.


Zum Teleskop hatte ich folgende Überlegungen:

8" - Hier käme der Standard-Dobson mit f/6 in Frage. Da ich gelesen habe, dass sich die unterschiedlichen Marken eigentlich nicht viel schenken, hätte ich an diesen Dobson gedacht: http://www.astroshop.de/skywatcher-dobson-teleskop-n-200-1200-skyliner-classic-dob/p,4440

10" - Lieber wäre mir natürlich ein größeres Teleskop :) Bei dem 10"er ist das Öffnungsverhältnis jedoch mit f/5 schneller, was bessere Okulare benötigt und ich mir nicht sicher bin, ob die Okulare, die ich mir ausgesucht habe (siehe unten), auch für f/5 tauglich sind. Persönlich würde ich den 10" aber dem 8" bevorzugen. Hier hätte ich an diesen gedacht: http://www.astroshop.de/gso-dobson-teleskop-n-250-1250-dob-deluxe/p,23750

12" - Diese Öffung wäre mir natürlich am liebsten :) jedoch denke ich, dass die Dobsons hier schon zu groß und vor allem zu schwer zum transportieren sind. In Frage kämen hier entweder der Skywatcher Flextube oder der Explore Scientific Ultra Light Dobson (Gitterrohr). Da diese jedoch auch noch ein Stück teurer sind, tendiere ich eher zum 10"er. Die beiden Modelle gäbe es auch in 10" Variante, aber ich habe gelesen, dass ein Volltubus in dieser Größe einem Gitterrohrtubus vorzuziehen wäre (Gewicht, Justage). Stimmt das?


Okulare schweben mir folgende vor:

Übersichtsokular 30mm - 35mm: Hier weiß ich leider überhaupt nicht, welches ich da nehmen kann. Könnt ihr eines empfehlen, dass bei f/6 oder f/5 eine halbwegs gute Leistung erbringt?

Speers Waler 13,4mm, 9,4mm und 7,2mm: Diese Okulare sollen laut Erfahrungsberichten für ihren Preis recht gut sein und vor allem bei schnelleren Teleskopen besser als die Baader Hyperions sein (und haben dazu noch ein größeres Gesichtsfeld). Bringen diese auch bei f/5 eine gute Leistung oder müsste ich da tiefer in die Geldtasche greifen? Außerdem habe ich gelesen, dass es bei diesen Okularen bei manchen Teleskopen schwierig ist, in den Fokus zu kommen - gibt es eine Möglichkeit, das vor dem Teleskopkauf herauszufinden oder muss man das einfach ausprobieren?

TeleVue Powermate 2.5x: Da ich beim alten Teleskop für die hohen Vergrößerungen immer eine Barlow verwendet habe, habe ich mir gedacht, auch bei diesem Teleskop mit der Powermate und den Speers Walers die hohen Vergrößerungen zu erreichen. Die Powermate kostet zwar mehr, sei aber den Barlow-Linsen qualitativ überlegen.

(Vixen LVW 22mm): Dieses Okular hätte ich als Zwischenstufe ins Auge gefasst, sprengt dann aber momentan das Budget (Justierlaser etc brauche ich ja auch noch). Die Anschaffung würde ich etwas verschieben, da Mond und Planeten in nächster Zeit im Fokus stehen und Deep Sky erst später ein Thema ist.


Meine konkreten Fragen sind nun:
- Sind diese Okulare auch bei f/5 tauglich oder habe ich dann starke Verzerrungen am Rand?
- Hättet ihr noch Tipps für die Okularauswahl? Oder würdet ihr statt der Powermate eher Okulare mit fixer Brennweite kaufen?
- Welches Teleskop würdet ihr in dieser Konstellation empfehlen? Den etwas langsameren 8" Dobson oder den 10" mit f/5? (oder gar den 12"?)

Ich weiß, das sind jetzt viele Fragen, wäre aber über eure Hilfe und Anregungen sehr froh :)

Danke & Liebe Grüße
Andreas H.
 
Hallo Andreas,

das sind doch schonmal konkrete Vorstellungen mit guter Vorrecherche.

Bei deinen Beobachtungszielen ("eigentlich alles") tendiere ich persönlich zum 8" f/6. Wie du richtig anmerkst, ist das der wohl beste Allrounder: Für Deep Sky bietet er genug Öffnung und Gesichtsfeld (mit 2"-Okularen!) und für Planeten genug Auflösung.

Er ist auch noch nicht so Okularkritisch, so dass du hier eine Menge Geld sparen kannst. Gute f/5-Okulare kosten ein Mehrfaches des eigentlichen Newton-Tubus'!

Fange ich mal von hinten an: Der Zwölfzöller ist, wie du selbst sagst, ein ziemlicher Kaventsmann und als Volltubus an der Grenze der Transportabilität mit durchschnittlichen PKWs. Der ist aus meiner Sicht allein schon aus diesen Gründen eher was für Spezialisten, die Deep Sky-Beobachtungen mit extrem schwachen Objekten oder höchster Auflösung betreiben möchten.

Der Zehnzöller kann vielleicht eben noch als Allrounder durchgehen, jedoch mit Schwerpunkt mittlere und schwache Vergrößerungen. Das schnellere Öffnungsverhältnis ist einerseits okularkritischer, es wird bei hohen Ansprüchen an die Bildschärfe bis zum Rand also erheblich teurer.

Um das Feld gut ausleuchten zu können, wird ein größerer Fangspiegel als bei f/6 benötigt. Eine größere Abschattung (Obstruktion) durch Letzteren führt zu Lichtverlust und stärkeren Beugungserscheinungen und einer höheren Weichzeichnung. Ein Effekt, der sich bei Mond und Planeten negativ auswirkt. Die Justage ist auch anspruchsvoller als bei f/6. Und gerade bei schnelleren Teleskopen ist eine präzise Justage besonders wichtig, wenn man das Potential voll ausschöpfen möchte. Zu Beginn muss man sich um die letzte Perfektion hier jedoch weniger Gedanken machen, das lernt man mit der Zeit und relativ schnell. Das Gleiche gilt für den 12-Zöller, der hat auch f/5.

Volltubus ist in der Tat besser als Gitterrohr: Volltuben sind weniger anfällig für Streulicht, was sich positiv auf den Kontrast und damit auf die Erkennbarkeit schwacher Objekte und kontrastarme Details an Planeten auswirkt. In wieweit die Gitterrohr-Konstruktion Auswirkungen auf die Justagestabilität hat, da gibt es verschiedene Meinungen. Einige sagen, man muss bei jedem Aufbau neu justieren, andere sagen, bei guter Verarbeitung hält die Justage trotzdem. das hängt offenbar vom jeweiligen, konkreten Modell ab.

Die Fragen zu den Okularen überlasse ich den Spezialisten auf diesem Gebiet.

VG Christian
 
Hallo Andreas,

ein 12" Volltubus ist schon ein Trumm, das man vorher gesehen und geschleppt haben muss bevor man kauft. Ein 10" Volltubus ist auch schon nicht von schlechten Eltern, passt aber, wie man so schön sagt, auf die Rücksitzbank eines PKWs. Die Pressspan-Rockerbox ist schwer und auch recht ausladend. Deswegen mein Tipp: Sieh dir einen Volltubus mit 10" vorher auch in Natura an.

Bei f/5 hast Du schon deutlich Koma am Gesichtsfeldrand, da helfen auch Okulare nichts. Den einen störts den anderen nicht. Was die Randschärfe angeht musst Du bei f/5 etwas tiefer in die (Okular)Tasche greifen. Aber da Du an Speers Waler denkst bist Du schon in der richtigen Liga. Vielleicht siehst Du dir mal die Explore Scientific 82° Reihe an. z.B. 30/14/8.8/6.7.
Ich kann dir keinen Vgl. mit den Speers geben, aber ich habe auch Televue Okulare und da schneiden die Explore Scientific nicht wirklich schlechter ab (vor allem wenn man sich die Preisdifferenz ansieht). Ich setze die ES am 10" f/5 und bin damit sehr zufrieden. Ein Vixen 22mm sehe ich persönlich nicht als besonders sinnvoll an. Lieber 3-4 sehr gute Okulare. Die 2.5x Barlow funktioniert wohl mit dem 14mm Okular noch gut (damit kommst du auf 5.6mm Brennweite) aber mit einem 9mm bist du schon bei 3.6mm, und damit in einem Vergrößerungsbereich, den Du nur selten überhaupt einsetzen kannst. Ich hatte mal ein 4.7mm am 10" und damit auch einmal eine super Nacht am Jupiter, ansonsten konnte ich die 250x Vergrößerung eigentlich kaum gewinnbringend einsetzen und bin deswegen auf das 6.7mm zurückgegangen. Also: Bevor Du Dir jetzt gleich 5 Okulare kaufst, decke erstmal mit vielleicht 3 Okularen (z.B. 30/14/6.7) die wichtigen Bereiche ab und wenn Dir dann nochwas fehlt, kannst Du ja nachkaufen.

Ich muss jetzt los.

Grüße

Matthias
 
Hallo Christian,

Um das Feld gut ausleuchten zu können, wird ein größerer Fangspiegel als bei f/6 benötigt. Eine größere Abschattung (Obstruktion) durch Letzteren führt zu Lichtverlust und stärkeren Beugungserscheinungen und einer höheren Weichzeichnung. Ein Effekt, der sich bei Mond und Planeten negativ auswirkt.

Also der GSO 10" hat einen FS mit 63mm drin. Dem entspricht eine lineare Obstruktion von 25%, das ist visuell doch völlig okay. Von einer "Weichzeichnung" des Beobachtungsobjektes kann ich jedenfalls nichts berichten. Der ganze optische Weg ist viel zu kompliziert, als das man sagen könnte, die Obstruktion sei schuld. Angefangen vom Seeing in seinen unterschiedlichen Ausprägungen (Tubus-, Beobachter-, lokales Seeing und atmosphärische Seeing), mangelhafte Justage bis hin zur mangelhaften Optikqualität und nicht ausgekühltem HS etc. können dir ein Bild im Hochvergrößerungsbereich versauen. Durch die größere Öffnung hast Du auch eine höhere Auflösung. Du hast bei Jupiter so viel Licht im Auge, dass ein leichter Graufilter ND06 hilfreich sein kann. Wenn jemand wie der TO von 7cm Öffnung kommt und dann mit 20cm oder 25cm beobachtet ziehts ihm eh die Schuhe aus. Bzgl. Koma und Planetenbeobachtung würde ich eher zu einer komakorrigierenden Barlow (Düring) greifen an statt der angesprochenen Powermate. Ob gleich ein Komakorrektor fällig wird, muß der Beobachter entscheiden. Ich habe mich nach langer Überlegung dagegen entschieden. Das sind Dinge, die im Laufe der Beobachtungserfahrung hinzukommen können, für einen Einstieg würde ich mich auf das notwendige beschränken. Dh. 3 sehr gute Okulare (egal ob f/6 oder f/5), wenn 10" als Volltubus zu handeln sind, dann 10" ansonsten lieber den 8". 12" sind als Volltubus heftig, da würde ich auf eine Gitterohrkontruktion gehen. Falls Planeten wichtig sind, ev. eine komakorrigierende Barlow. Mit einem 14mm Okular und der Düring Barlow (2.7x) kommt man dann auf ca. 250x Vergrößerung bei einer AP von 1mm. Dazu noch einen hochwertigen 2" OIII Filter für Supernovaüberreste, Planetarische und andere galaktische Nebel und von Deep Sky bis zu Planeten steht einem das Weltall offen.

Viele Grüße

Matthias

Nachtrag: Wenn ein GSO in Frage kommt würde ich zum Deluxe greifen, da der OAZ eine Untersetzung hat und die Friktion des Höhenlagers besser eingestellt werden kann, als über diese Federkontruktion bei der Basisausführung.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi!
Zitat von Feldstecher:
Ein Vixen 22mm sehe ich persönlich nicht als besonders sinnvoll an. Lieber 3-4 sehr gute Okulare.
Wobei man sagen sollte, daß das 22-mm-LVW zwar nur ein moderates Superweitwinkelokular ist, diese Baureihe aber selbst mit sehr schnellen Teleskopen zurechtkommt. Man kann es daher ebenfalls zu den sehr guten Okularen zählen.

Grüße

fquadrat
 
Hi fquadrat,

danke für die Klarstellung. Ich wollte damit nicht sagen, dass das Vixen kein sehr gutes Okular ist, sondern die Sinnhaftigkeit oder Notwendigkeit dieser Brennweite bei f/5 hinterfragen.

viele Grüße

Matthias
 
Hallo Matthias,

danke für den Hinweis bezüglich der linearen Obstruktion. Ich habe mal in einer Produktbeschreibung bei einem f/5-Newton, der nicht fotografisch ausgelegt war (!) von ca. 33% Obstruktion, ähnlich einem SC, gelesen.

Hier muss man wohl bei der Teleskopwahl auf das individuelle Modell achten. Unabhängig von der Weichzeichnung durch Obstruktion, die meiner Meinung nach oft auch überbewertet wird, macht sich eine zu starke Obstruktion auch in Form von Licht- und Kontrastverlust bemerkbar.

VG Christian
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Andreas,
die Teleskopgröße musst Du bestimmwen. 8 zu 10 Zoll ist ein Unterschied aber keine Welt 8 zu 12" ist ne Welt.

Gut hast Du zu den Okularen recherchiert. Alles was Du schreibst paßt soweit. F/5 tauglich sind die alle.

Übersicht kannst Du bei f/5 Preiswert das ES 30mm 82 Grad nehmen. Dann hast große AP und das größtmögliche Feld mit 2".

Speerwaler WA mit 82 Grad gibt es seit 2003 in Deutschland. Die sind für f/5 absolut ok. Das mit der Fokuslage stimmt, gilt aber speziell für das 13,4mm (früher 14mm). Mehr dazu auf meiner HP.

Vixen LVW 22 ist selbst bei f/4 top, kann man nehmen. Aber wenn Du 13/14mm mit großem Feld hast, wirst es nicht oft brauchen.

Sehr schön an f/5 und vllt doch im Budget sind die TSXWA, Skywatcher Myriad und wie sie sonst noch heißen.
Die 100 Grad Feld sieht man deutlich gg 82 Grad. An f/5 sind sie für das Feld top.

cs
 
Hallo,

als Ergänzung zum bereits gesagten:
Für Planeten halte ich persönlich auch bei f/5 Koma für vernachlässigbar.

Wenn es ums gesamt Feld geht, ist das schon was anderes. Gerade in Kombination mit 100 Grad Okularen wirst du IRGENDWANN einmal über die Anschaffung eines Korrektors nachdenken.
Mit f/4,7 möchte ich nicht mehr ohne. Allerdings habe ich einen Korrektor auch nie vermisst, bis ich mal mit einem beobachtet habe ? .

Die ES Okulare kann ich empfehlen. Bin gerade von den tollen 82ern zu den noch tolleren 100ern gewechselt.


Grüße Alex
 
Hallo Alex,

bei Dobsons ist die Koma auch für Planeten durchaus relevant:

Da man hier manuell nachschubst, lassen viele Beobachter die Planeten quer durch das ganze Gesichtsfeld wandern, sie stellen ihn also an einen Rand und schubsen nach, wenn der Planet das andere Ende des Gesichtsfeldes erreicht hat.

Hierbei macht sich die Koma durchaus, nämlich in Form von Unschärfen des Planeten, bemerkbar. Darum möchte man bei Dobsons auch für Planetenbeobachtung ein möglichst großes, scharfes Gesichtsfeld haben, um nicht ganz so oft nachführen zu müssen.

VG Christian
 
Hallo Christian,

die Obstruktion hat halt ihre Auswirkungen. Ich denke, dass man bei Werten bis 20% ein Teleskop hat, bei dem die Öffnung für die Leistung bestimmend ist. Vorausgesetzt die Optik ist soweit in Ordnung und beherrscht. Bei 25% sagt eigentlich auch keiner was. Dann beginnt so der Bereich, in dem sich Wirkung zeigt. Bei 35% ist dann ein Wert erreicht, der bei Hochvergrößerung stört, aber: Wobei stört der denn? Gestört wird die Übertragung schwacher Kontraste. Hohe Kontraste profitieren sogar von der besseren MTF durch das leicht kleinere Beugungsscheibchen. Man wird also bei der Mondbeobachtung am Terminator nichts bemerken, aber gewisse Grauabstufungen in den Maria z.B. sind nicht mehr so augenfällig. Rillen nahe der Auflösungsgrenze profitieren wiederum. Jupiters Pastelltöne leiden, anders kann man das nicht sagen. In der Gegend um 35% liegen übrigens 8" SCs genauso wie ein 8" f/4 Fotonewton. Ein 12" f/4 ist trotz Foto-Auslegung mit weniger als 30% realisierbar, visuell auch mit weniger als 25%. Der Grund dafür ist übrigens, dass der Abstand zwischen Fokus und Fangspiegel nur mit dem Radius des Spiegels und einem fixen Backfokus-Bedarf wächst, während die Brennweite insgesamt mit dem Spiegeldurchmesser skaliert. Der Fangspiegel lenkt ja ab der Tubus-Mitte um. Dadurch ist der Fangspiegel bei größerer Öffnung und gleichem Öffnungsverhältnis relativ zur Öffnung und Brennweite näher am Fokus, als bei kleineren Geräten. Bei einem 114/450 kann man das so richtig spüren.

Die Obstruktion muss man aber nachrangig von anderen, ggf. gravierenderen Problemen sehen. Tubus-Seeing und Beobachterseeing dominieren, die Spiegelqualität ist ebenso ein Kriterium und bei großen Spiegeln muss betrachtet werden, wie das Substrat sich bei ungleichmäßiger Auskühlung von außen zum Kern des Glaskörpers deformiert. Beim Thema Kontrast muss auch unbedingt über die Störlichtabschirmung durch passende Tubus-Dimensionen und ggf. Blenden und Velours-Auskleidung gesprochen werden. Eine Taukappe ist da auch eine willkommene Störlicht-Blende.
Nachrangig einer großen Obstruktion wäre die Fangspiegel-Befestigung zu betrachten, die nicht nur eine Obstruktion ist, sondern wegen der geometrischen Form mit Spikes zuschlagen kann. Selbst bei dünnen Blechen kann es zum Problem werden, dass die Bleche auskühlen/unterkühlen und sich mit einer störenden Kaltluftschicht umgeben.
Und wo wir beim Thema sind: Dejustage ist besonders bei großem Öffnungsverhältnis viel schlimmer, als 35% Obstruktion. Das beugungsbegrenzte Feld ist bei solchen Optiken sehr klein.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Sven,

deine Ausführungen entsprechen, nur etwas ausführlicher, im Prinzip meiner vor ca. einer Woche an anderer Stelle gemachten Aussage, dass sich das Seeing in den meisten Fällen stärker auswirkt als die üblichen Obstruktionen. Wie ich bereits sagte, die Obstruktion ist zwar ernst zu nehmen, wird aber oft übergewichtet.

Die Obstruktion bemerke ich zumindest am Mond noch an einem anderen Effekt: Beugungsringe um Mondformationen:

Mein SW 90/1250er Mak (Obstruktion ca. 33%) erzeugt bei Vergrößerungen um V = 2*D um Zentralberge, deren Spitzen gerade eben von Sonnenlicht erzeugt werden, Beugungsringe wie um Sterne. Das gleiche beobachtete ich auch bei allen harten Licht/Schatten-Grenzen am Mond und am Mondrand: Sie waren von einer schmalen, scharf begrenzten Lichtlinie umgeben, die die gleiche Dicke und Entfernung zur Mondformation hatten wie Beugungsringe vom Stern. Das habe ich beim Mond mit noch keinem anderen, insbesondere obstruktionsfreien, Teleskop beobachtet.

Edit: Da bei obstruierten Teleskopen die Helligkeit der Beugungsringe mit der Obstruktion zunimmt, gehe ich davon aus, dass dieser Effekt beugungsbedingt ist.

VG Christian
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,

Zitat von copernicus:
bei Dobsons ist die Koma auch für Planeten durchaus relevant:

Da man hier manuell nachschubst, lassen viele Beobachter die Planeten quer durch das ganze Gesichtsfeld wandern, sie stellen ihn also an einen Rand und schubsen nach, wenn der Planet das andere Ende des Gesichtsfeldes erreicht hat.

Hierbei macht sich die Koma durchaus, nämlich in Form von Unschärfen des Planeten, bemerkbar. Darum möchte man bei Dobsons auch für Planetenbeobachtung ein möglichst großes, scharfes Gesichtsfeld haben, um nicht ganz so oft nachführen zu müssen.

stimmt schon.

Wenn es aber nur darum geht, würde ich für weniger Geld eher zu einer einfachen EQ-Plattform raten.

Ich fahre übrigens zweigleisig: Plattform & Paracorr. ?


Grüße Alex
 
Hallo,

vielen Dank erst mal für die vielen Tipps & Anregungen :) Ich hab mir eure Vorschläge angesehen und auch gleich im Internet noch zusätzlich recherchiert. Ich werde vermutlich zum 10" GSO greifen, sofern mich die Größe und das Gewicht nicht überfordert :)

Bei den Okularen schwanke ich aber immer noch. Als Übersichtsokular scheint das ES 30mm ja wirklich gut zu sein, das wird ziemlich sicher gekauft.

Ich hatte zuerst Bedenken, dass der Sprung von ca. 30mm auf ~14mm zu groß sei, bei dem weiten Gesichtsfeld brauche ich aber eigentlich wirklich kein Okular dazwischen (zumindest vorerst). In diesem Bereich schwanke ich jetzt zwischen dem ES 14mm und dem Speers Waler 13,4. Die sollen ja beide ungefähr gleich sein, das ES soll aber keine Fokusprobleme haben...

Komplett unschlüssig bin ich aber bei den Okularen <10mm. Auch hier kommen für mich wieder die ES oder die Speers Waler in Betracht. Eventuell auch ein XWA, wie Antares sie vorgeschlagen hat. Welche Vergrößerungen sind denn eigentlich unter Standardbedingungen (also bei "normalen" Nächten, in der Vorstadt oder auch außerhalb der Stadt) möglich/realistisch? Hab da leider keine Vorstellung, bei meinem alten 70mm Teleskop war nämlich spätestens bei 140x Schluss.

Danke schonmal
Andreas
 
Hallo Andreas,

normalerweise sind in unseren Regionen im Flachland Vergrößerungen bis maximal etwa 200-fach möglich. Ich erreiche in Berlin (zwar nicht am Stadtrand, aber schon etwas weiter weg vom Zentrum) fast immer 150-fach gut, bei ca. 180-fach ist meist Schluss. Dann gibt es noch eine Handvoll Nächte, bei denen man bei 300-fach den Eindruck hat, ein Foto zu betrachten. Das ist aber leider die Ausnahme.

Stelle dich am besten auf eine durchschnittliche Maximalvergrößerung von 180- bis 200-fach ein.

Wobei die Frage, ob Stadtrand oder nicht eher zweitrangig ist. Viel wichtiger sind keine Wärmequellen in Blickrichtung des Teleskops und die Bodenbeschaffenheit. Ideal ist eine Wiese ohne Gebäude in unmittelbarer Nähe. Betonfußboden ist eine starke Seeing-Quelle. Eine kleine Anhöhe eliminiert das direkt bodennahe Seeing beträchtlich.

Edit: Beim 70mm-Refraktor ist 140-fach ohnehin die maximal sinnvolle Vergrößerung. Beim Mond kann ich nur in seltenen Ausnahmenächten mit meinem 70/900er (einem meiner Lieblingsteleskope) auch mal etwas darüber hinaus gehen.

VG Christian
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Andreas,

< 10 mm gefällt mir das ES 9 mm; darunter das TS XWA 5 mm wobei das ES 5,5 mm auch eine Alternative wäre, die ich aber nicht kenne.
Die TS XWA sind seit Ende 2015 fast schon "unverschämt" günstig geworden; insbesondere wenn man das TS XWA 20 mm mit dem ES 20 mm vergleicht.
Der breite Ring der TS XWA bietet eine gute Auflage, wenn das eigene Gesicht "passt"; ES und Televue haben dagegen eine kleine umklappbare Muschel, quasi nur als eine Art Abstandshalter, minimal fummeliger bei Auf- und Abstecken der Schutzkappe; alles Geschmacksache...

P.S.: Gerade bei höherer Vergrößerung möchte ich die 110 - 100° nicht mehr missen, denn da laufen die Objekte schon sehr schnell durch's Gesichtsfeld.

 
Hallo,

danke Christian & Peter für eure Infos, habe mich jetzt nach längerem Überlegen für folgende Okulare entschieden:

ES 82° 30mm
ES 82° 14mm
ES 82° 8,8mm
ES 110° 5,5mm

Zusätzlich werde ich dann noch einen Telrad Sucher dazukaufen. Damit wäre ich fürs erste ausgerüstet, danke :)

LG
Andreas
 
Hallo Andreas,

eine schöne Palette hast du dir da ausgewählt.
Ich habe alle genannten Okulare und kann dir bestätigen, dass du da sicher nichts falsch machen wirst. :-)

Irgendwann mal, wenn der Wunsch aufkommt, kannst du die 14mm und 8,8mm noch gegen ES 100° Typen austauschen (14mm & 9mm).
Das 5,5mm hat übrigens auch "nur" 100°, nicht 110°.


Viele Grüße
Alex
 
Hallo Andreas,

mit dem Telrad kann ich Peter nur zustimmen. Die (bequeme) Benutzbarkeit hängt bei ihm meiner Erfahrung nach mehr als bei anderen Suchersystemen von der Anbringung ab. Ich habe mit mehreren beobachtet (teilweise an Selbstbau-Dobsons), und die Spanne reichte bei mir von völlig unbrauchbar bzw. nur mit extrem starkem und sehr unangenehmem Nackenverdrehen bis hin zu sehr gut.

Der Telrad muss daher meines Erachtens nach individuell angebracht werden.

VG Christian
 
Ok, danke für die Infos, das werde ich mir auf jeden Fall auch ansehen :)

Stimmt, mit den 110° hatte ich die XWA von TS im Kopf. Am liebsten würde ich die 100° gleich nehmen, nur mein Budget lässt das nicht zu :D

Würdet ihr sonst noch was empfehlen, was es sich lohnt gleich mal anzuschaffen (oder in nächster Zeit)? Einen Filter zB?

LG
Andreas
 
Hallo Andreas,

Zitat von AndreasH_91:
Würdet ihr sonst noch was empfehlen, was es sich lohnt gleich mal anzuschaffen (oder in nächster Zeit)? Einen Filter zB?

gutes Kartenmaterial, Rotlichtlampe, höhenverstellbarer Hocker und wenn nicht vorhanden, sehr warme Klamotten.
Wenn du den Mond intensiv beobachten möchtest, empfehle ich noch zwei einfache Polfilter, um das Licht zu dämpfen (ein Graufilter geht auch, ist aber weniger komfortabel).

Wenn es Richtung Sommer geht, der Schwan ins Visier gerät und du schon etwas Erfahrung gesammelt hast, kannst du über einen UHC- oder OIII-Filter nachdenken. Dann gibt es tolle Dinge zu entdecken (bei dunklem Himmel).

Ich habe mir noch eine EQ-Plattform und einen Koma-Korrektor gegönnt. Möchte beides keinesfalls mehr missen, aber das hat noch Zeit. Viele kommen auch ein Beobachterleben ohne diesen Luxus aus.


Grüße
Alex
 
Hallo Alex,

Rotlichtlampe und Hocker hatte ich eh schon mit einkalkuliert, danke :)

Noch eine Frage zu den Filter: Ich habe ja 1.25" und 2" Okulare. Es gibt Adapter von 2" auf 1.25" mit Filtergewinde - gibt es da einen Qualitätsverlust, wenn ich den Filter an diesen Adapter schraube und nicht direkt an das Okular? Dann müsste ich nur 2" Filter kaufen.

LG
Andreas
 
Hallo Andreas,

du wirst keine Qualitätsverluste haben, wenn du einen 2"-Filter an ein 1,25"-Okular adaptierst. Du schraubst den Filter dann einfach in die Reduzierhülse des OAZ und steckst das Okular in die Hülse.
Verwendest du ein 2"-Okular, wird der Filter direkt hineingeschraubt.

Bei der Mondbeobachtung kannst du ja bei einem 2" Graufilter bleiben. Meine Idee mit den zwei einfachen Polfiltern würde bei dir nur für 1,25"-Okulare funktionieren.


Viele Grüße
Alex


EDIT, da Blödsinn geschrieben...
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Zu den Filtern, die ein (teures) Thema für sich sind, hat Sven Wienstein einiges dokumentiert:

http://www.svenwienstein.de/HTML/nebelfilter.html

http://www.svenwienstein.de/HTML/uhc_oder_oiii.html

http://www.svenwienstein.de/HTML/nebelfilter_visuell.html


Welch optisches Wunder, dass wieder mal die teureren recht gut abschneiden:

Ich genüge mich bislang mit den "günstigen" Baader 2" UHC-S und OIII, auch wenn Lumicon und Astronomik besser zu sein scheinen, dafür aber Pi mal Daumen fast das Doppelte kosten.
 
Hallo

jetzt muss ich mich auch mal zu Wort melden, was ich ja selten mache.
Aber folgenden Hinweis muss ich einem Anfänger geben, da ich den oberigen Vorschlag mit dem einschrauben eines Filters in die Okularreduzierung gelesen habe. Ist mir selber auch als Anfänger öfters passiert . Einen 2" Filter in die Okularreduzierung zu 1,25" einzuschrauben und damit zu beobachten geht, aber vorsicht ist geboten, einige Okulare haben längere Klemmhülsen als die Reduzierung lang ist. Es könnte dann wenn man nicht aufpasst beim einsetzen des Okulares die Hülse auf den Filter schlagen und ihn eventuell beschädigen.

Gruß Tilo
 
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