Docter, Zeiss, Leica erste Beobachtungen

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binofan

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Viel Fernglas fürs Geld, erste Beobachtungserfahrungen mit der Docter Nobilem Reihe.


Ich habe mir vor einiger Zeit ein Docter Nobilem 8x50 für Naturbeobachtung bei schlechten Lichtverhältnissen und auch für die Astrobeobachtung zugelegt. Mein 7x50 B/GA T* Zeiss war mir von der Vergrößerung her zu schwach für Naturbeobachtungen und außerdem zu lichtstark für das Astrospechteln. Aus Kostengründen entschied ich mich für ein 8x50, dieses Glas wird (leider) nicht mehr gebaut und ist ab und an im Internet preiswert (neu, unter 400€ ) zu bekommen. Ich konnte es kurz mit einem 8x56 Dialyt und ausgiebig mit einem 8x50 Leica Trinovid vergleichen, zwei Gläsern mit denen ich lange geliebäugelt habe, die mir aber zu teuer waren (ich habe bereits ein 8x32 und 10x42er Dachkant von Leica).
Hier meine Ergebnisse:
Zuerst die Nachteile: das Docter ist groß und klobig (schwer, aber gut ausbalanciert), wenn man es bequem hält kommt man kaum noch an den Mitteltrieb zum Scharfstellen, mit Handschuhen muss man umgreifen. Die Gummiarmierung stört, so finde ich, bei diesem Glas mehr als sie nutzt. Die Dioptrieeinstellung ist zu leichtgängig und verstellt sich sehr leicht. Ein Umstand, der mich vor allem bei der Astro- und Dämmerungsbeobachtung sehr stört, zumal man keine ordentliche Fühlmarke oder Raster etc. bei „O“ hat. Es ist leider nicht wasserdicht und ich finde es hässlich..... Aaaaber es ist von der Optik her insgesamt nur geringfügig dem Leica unterlegen, das Leica ist für mich hingegen von der Größe, Ergonomie und Bedienerfreundlichkeit nahezu perfekt.
Das Docter ist überraschenderweise von der Optik her besser als das 8x56 Zeiss Dialyt (zu diesem Preis!!), dieses hat aber oben erstgenannte Nachteile des Docter nicht. Hier verstellt sich nichts, es ist „leicht“, gut zu halten und zu bedienen.
Der Kontrast die Schärfe und eingeschränkt die Detailerkennbarkeit ist bei beim Docter geringfügig besser als beim Zeiss Dialyt und ungefähr gleich dem Leica, dies ist besonders bei Stativbeobachtungen festzustellen. Das Dialyt hat ein helleres aber nicht „besseres“ oder gar kontrastreicheres Bild bei fortschreitender Dämmerung. Das Docter hat deutlich weniger Streulichteinfluss etc. als das Dialyt und das Leica , besonders bei Seitenlicht, diffusem Licht, tiefstehender Sonne, etc.. Das Leica scheint subjektiv weitwinkliger zu sein als die anderen beiden Gläser. Das Docter hat etwas, wie auch das Zeiss 7x50 ausgeprägter, einen „Ofenrohreffekt“ obwohl die Größe des Sehfeldes dies eigentlich nicht vermuten lässt.
Verglichen mit dem 7x50 B/GA T* hat das Docter eine bessere Randschärfe, ein besser „überschaubares“ Sehfeld und eine bei weitem weniger ausgeprägte Bildfeldwölbung. Das Zeiss 7x50 kostet 1250€!!! Mit der auf Dämmerungssehen abgestimmten Vergütung kann aber in Sachen Bildhelligkeit den beiden Zeissgläsern kein anderes Glas das Wasser reichen.
Durch ein 56er Steiner Nighthunter konnte ich kurz hindurchblicken und habe zuerst vermutet, dass das Glas einen Schaden hat. Aber anscheinend ist diese Optikqualität Standard von Steiner und kann mit der Oberklasse allenfalls langsam (aber sicher) im Preis mithalten.....
Astrobeobachtungen unter Optimalbedingungen konnte ich noch nicht durchführen, auch würde ich mich hier eher als Anfänger bezeichnen. Was ich aber in diesem Bereich festgestellt habe: das Docter ist hier besser geeignet als das Zeiss 8x56 Dialyt und auch dem Leica z. T. leicht überlegen !! Das Docter zeigt bei helleren Objekten kein so starkes Koma und bildet Sterne besser Punktförmig ab als die Dachkantgläser. Feine Strukturen sind geringfügig besser zu erkennen, hier warte ich aber noch auf optimalere Bedingungen..
Für den Astrobereich würde ich das Porrosystem als das besser geeignete bezeichnen, allerdings ist hier auch die Einzelokulareinstellung für mich besser geeignet als die Zentralfokussierung.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Docter Nobilem 8x50 ein Spitzenglas mit nur kleinen Schwächen ist. Es ist je nach Gewichtung der Eigenschaften sowie des Einsatzzwecks und der subjektiven Eindrücke für mich zumindest optisch gleich, wenn nicht besser als das Zeiss 8x56 T* P*, 7x50 B/GA T und auch dem Leica 8x50 insgesamt nur geringfügig unterlegen. Das Preis- Leistungsverhältnis des Docter ist wohl unschlagbar und ich frage mich ernsthaft warum diese Gläser (wenn die anderen Modelle ebenso gut sind) ein solches Nischendasein führen.
Als Universal- sprich einziges Glas kann ich es mir aber nicht vorstellen, auch als Immerdabeiglas ist es sicher nicht geeignet, hier haben die Dachkantmodelle bei mir die besseren Karten.

Wer hat Erfahrungen mit dem 8x56 Nobilem Glas?

Robert
 
Hallo Robert,

danke für Deinen aufschlussreichen Bericht! Von den drei beschriebenen Ferngläsern habe ich nur das Docter. Deine Beobachtungen zu diesem Glas stimmen im wesentlichen mit meinen überein - ausser, dass mein Docter etwas anfällig für Streulicht zu sein scheint. Diesen Effekt sehe ich aber nur in der 8x50 Version, das 10x50, das ich mal zum Testen hatte, besass eine verbesserte Innenlackierung. Es kann daher sein, dass irgendwann in der Produktion umgestellt wurde und ich noch eine frühere Version des 8x50 besitze als Du. Dazu fällt mir auch ein, dass mein Nobilem 8x50 einen leichten Gelbstich hat, der in dem Leica sicher nicht vorhanden ist (bei dem Zeiss 7x50, einem Marineglas, könnte aber auch ein Gelbstich vorhanden sein, ein Nebeneffekt der Beschichtung, die eingesetzt wird, um den UV Anteil zu reduzieren).

Gruss,
Holger
 
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