Andreas-TAL
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Liebe Lesenden!
Nachdem es meine Premiere in diesem Board ist, trete ich den ersten Bericht etwas breit. Entschuldigt schon mal meine Ausführlichkeit - die nächsten (wenn die Zeit dafür reicht), werden sicher kürzer. Aber beim ersten Mal sei´s mir hoffentlich verziehen ...
Danke und CS, Andreas
****************
Nach fast 3 Monaten Pause bot sich am 16.01.2011 endlich die Gelegenheit meinen TAL-250K genauer (in der Realität) zu prüfen. Gleichzeitig wollte ich meine jüngste Neuerwerbung, drei TAL-UWA Okulare, die laut TAL besonders gut mit Klevtsov Cassegrains harmonieren sollen einsetzen.
Vorrangig wollte ich aber die optische Leistung – nachdem alles oft genug gemessen, justiert, kollimiert … wurde (habe stundenlang Polaris beobachtet) endlich in der Realität sehen.
Um 17 Uhr am Beobachtungsplatz angekommen und alles aufgebaut, tauchte schon das erste Problem auf. ZS oder Verlängerungshülsen lagen irgendwo zuhause. So musste wieder einmal die beste Ehefrau von allen die Kastanien aus dem Feuer holen und zumindest den ZS nachliefern.
Zwischenzeitlich stellte ich fest, dass man ein Alignment auch ganz gut mit defokussierten Sternscheibchen machen kann. Materialmäßig vervollständigt und im Fokus lockte aber zunächst Jupiter. Nachdem durch die Jupitermonde keine Ereignisse anstanden, konnte ich mich ganz auf das Jupiterscheibchen konzentrieren. Zunächst 20mm / 106x (Genuine) ein schönes ruhiges, fast schon zu helles Scheibchen, bei dem die Rückkehr des SEB jetzt schon deutlich zu sehen war. Die Vergrößerung konnte mit den Baader Eudiaskopic und Genuine Ortho noch bis auf 283x gesteigert werden ohne Details zu verlieren. Das SEB erschien als dunkler, knotiger Streifen. Auch weiter südlich waren noch zwei Bänder (STB und SSTB) zu erahnen.
Auf der nördlichen Halbkugel dominierte das klar erkennbare NEB mit einigen dunkel eingelagerten Wirbeln. Anstelle von zwei Bändern wie im Süden, war aber nur ein dunkles Band, recht weiter im Norden zu sehen (eher nicht NTB, sondern noch weiter nördlich). Bei über 300x war aber kein großer Gewinn mehr festzustellen.
Der Grund lag wohl in der enormen Feuchtigkeit in der Luft, die schon jetzt gegen 18 Uhr stark kondensierte und alles einnässte. Noch ein Grund mehr mich an den eigentlichen Zweck dieses Abends zu erinnern. Da Orion noch nicht hoch genug stand, nutze ich die Gelegenheit die noch sichtbaren Epsilon Lyrae-Sterne im Westen zu suchen.
Epsilon1/2 waren schnell gefunden. Mit 118x (18mm - Genuine Ortho) zeigten sich die beiden Sterne jeweils länglich, aber definitiv nicht getrennt. 12,5mm Ortho verbesserte sich die Situation etwas, vor allem die zwei fast gleich hellen Komponenten Epsilon2 mit 5.2 / 5.5mag erschienen manchmal getrennt (oder Wunschdenken?), bei 215x schlug die mäßige Transparenz im Westen dann gnadenlos zu und ein Trennung war nicht möglich. Etwas ernüchtert und besorgt (2,3“ nicht getrennt), hoffte ich dass vor allem die geringe Höhe über dem Horizont (ca. 20 Grad) dafür verantwortlich war.
Anschließend zeigte sich, dass ich die Auswirkung der Helligkeit des Mondes (der oberhalb von Orion im Taurus stand) stark unterschätzt hatte. Die Grenzhelligkeit im Orion lag bei rund 3-3.5mag und meine zwei ausgesuchten Testobjekte 52 Orionis und 32 Orionis blieben mit bloßem Auge verschwunden. Zur Beruhigung wurde zunächst einmal die Trapezsterne (Theta Orionis) betrachtet. Angesichts der Abstände von rund 22-12“, natürlich keine Auflösungsherausforderung. Aber die klare und scharfe Abgrenzung und Darstellung beruhigten mich wieder etwas. Von den Nebelstrukturen von M42 war ob nahen Mondes auch sehr wenig Kontrastreiches zu erkennen. Auf die Suche nach den Komponenten E und F habe ich mich erst gar nicht begeben, dafür gibt es bessere Nächte.
Als nächstes (und weil auch leicht zu finden) waren Alnitak (Zeta Orionis) und Rigel (Beta Orionis) Ziel meiner Beobachtungen. Bei Alnitak war ich mir nicht so sicher, ob dieser nicht seinen 4m hellen Begleiter überstrahlen würde, der Abstand zwischen beiden beträgt 2,3“. Aber schon bei 96fach (22mm Vixen LVW) war dieser, zwar knapp, aber deutlich, neben seinem helleren Hauptstern zu erkennen. Höhere Vergrößerungen(erneut bis 283x) dunkelten das Bild weiter ab und machten die Erkennbarkeit noch deutlicher.
Auch Rigel zeigte bei dieser hohen Vergrößerungsich sehr schön und vor allem erstaunlich ruhig und klar mit seinem 6.7mag hellen Begleiter in 9“ Entfernung.
Nun kamen die eigentlichen Herausforderungen die Sterne 52 Orionis und 32 Orionis. Letzterer konnte im 50mm TAL-Sucher im extrem aufhellten Hintergrund gerade noch erkannt werden. Erneut zeigten die ersten niedrigen Vergrößerungen (bis 170x) nur eine längliche Form. Problematisch war auch, dass die beiden Komponenten mit 4.2 und 5.5 mag doch deutlich unterschiedliche Helligkeiten aufwiesen. Eine Steigerung der Vergrößerung auf 212x, 283x ließen schließlich einen Hauch von Trennung zwischen den beiden funkelnden Komponenten ahnen – aber nicht sehr deutlich. Orion war immer noch nicht sehr weit über dem Horizont, was das Seeing doch deutlich minderte.
Nach einer 30minütigen Pause hatte der Taufall jedes nicht abgedeckte Teil eingenässt. Der Sucher war eingetaut (der Spiegel meines TAL-250K jedoch nicht
) – auf der Ablageplatte hatte sich mittlerweile eine geschlossene Wasserfläche gebildet.
So wandte ich mich (eher resignierend) noch 52 Orionis zu – zwei gleich hellen Komponenten von 5.3mag in rund 1,1“-1,3“ (je nach Quelle) Entfernung. Zunächst zeigte sich das gleiche Verhalten wie bei 32 Orionis – längliche Darstellung, angedeutete Trennung (etwas deutlicher bei 283x) – die Beugungsscheibchen um die Airydisk berührten jeweils die andere Airydisk, so dass sich eher das Bild einer winzigen 8 mit jeweils einem Airdisk-Punkt in der Mitte der Schleife ergab. Bei 425x (5mm Genuine) veränderte sich dann die Ansicht allerdings deutlich. Die beiden Komponenten rückten auseinander! Ein klar erkennbarer dunkler Zwischenraum zwischen beiden Sternen war nun dauerhaft und stabil zu sehen. Der Zwischenraum war sogar so „breit“, dass man den Eindruck hatte die beiden könnten durchaus noch ein Stück zusammen rücken, ohne dass die Trennung verloren geht.
OK, das beruhigt jetzt schon einmal. Das war schließlich vor allem als Testfall für die Optik gedacht und hatte nicht allzu gut angefangen aber zur vollsten Zufriedenheit geendet: Rund 1.2“ getrennt, drei Tage vor Vollmond, mit einer Monddistanz von 25 Grad, bei einer wirklich ziemlich dicken Luft.
Nachdem mittlerweile wirklich alles, inkl. meiner Brille, unter Wasser stand (erstaunlicherweise immer noch außer HS und Korrektoreinheit des TAL-250K) und ich meine gute Stimmung nicht schmälern wollte, beschloss ich gegen 21.15 Uhr abzubauen.
Anscheinend hat mein TAL-250K, trotz – zwar keiner schlechten, aber durchaus durchwachsenen Leistung auf der optischen Bank – eine recht ordentliche Leistung in der Realität. Irgendwo ist mir über den Weg gelaufen, dass rund 1,1“ Bogensekunden Auflösung in Europa das sind, was man (Ausnahmesituationen außer vor) mit den vorherrschenden Seeingbedingungen gut erreichen kann. Na, das habe ich gerade unter nicht allzu optimalen Bedingungen erreicht.
Allein, dass das Beugungsscheibchen für meinen Geschmack etwas (zu) hell war, ist so ein kleines Haar in der Suppe. Anscheinend schiebt die sphärische Aberration doch etwas mehr Energie da rein, als mir lieb ist – die unvermeidliche Obstruktion trägt natürlich ihren Teil auch noch dazu bei. Aber da fehlt mir einfach der Vergleich mit unobstruierten Systemen (OK, das wird mit 10“ schwierig) und mit anderen vergleichbaren Systemen.
Aber, um mit Karl Valentin sprechen: Ich bin nicht völlig unzufrieden.
CS, Andreas
Nachdem es meine Premiere in diesem Board ist, trete ich den ersten Bericht etwas breit. Entschuldigt schon mal meine Ausführlichkeit - die nächsten (wenn die Zeit dafür reicht), werden sicher kürzer. Aber beim ersten Mal sei´s mir hoffentlich verziehen ...
Danke und CS, Andreas
****************
Nach fast 3 Monaten Pause bot sich am 16.01.2011 endlich die Gelegenheit meinen TAL-250K genauer (in der Realität) zu prüfen. Gleichzeitig wollte ich meine jüngste Neuerwerbung, drei TAL-UWA Okulare, die laut TAL besonders gut mit Klevtsov Cassegrains harmonieren sollen einsetzen.
Vorrangig wollte ich aber die optische Leistung – nachdem alles oft genug gemessen, justiert, kollimiert … wurde (habe stundenlang Polaris beobachtet) endlich in der Realität sehen.
Um 17 Uhr am Beobachtungsplatz angekommen und alles aufgebaut, tauchte schon das erste Problem auf. ZS oder Verlängerungshülsen lagen irgendwo zuhause. So musste wieder einmal die beste Ehefrau von allen die Kastanien aus dem Feuer holen und zumindest den ZS nachliefern.
Zwischenzeitlich stellte ich fest, dass man ein Alignment auch ganz gut mit defokussierten Sternscheibchen machen kann. Materialmäßig vervollständigt und im Fokus lockte aber zunächst Jupiter. Nachdem durch die Jupitermonde keine Ereignisse anstanden, konnte ich mich ganz auf das Jupiterscheibchen konzentrieren. Zunächst 20mm / 106x (Genuine) ein schönes ruhiges, fast schon zu helles Scheibchen, bei dem die Rückkehr des SEB jetzt schon deutlich zu sehen war. Die Vergrößerung konnte mit den Baader Eudiaskopic und Genuine Ortho noch bis auf 283x gesteigert werden ohne Details zu verlieren. Das SEB erschien als dunkler, knotiger Streifen. Auch weiter südlich waren noch zwei Bänder (STB und SSTB) zu erahnen.
Auf der nördlichen Halbkugel dominierte das klar erkennbare NEB mit einigen dunkel eingelagerten Wirbeln. Anstelle von zwei Bändern wie im Süden, war aber nur ein dunkles Band, recht weiter im Norden zu sehen (eher nicht NTB, sondern noch weiter nördlich). Bei über 300x war aber kein großer Gewinn mehr festzustellen.
Der Grund lag wohl in der enormen Feuchtigkeit in der Luft, die schon jetzt gegen 18 Uhr stark kondensierte und alles einnässte. Noch ein Grund mehr mich an den eigentlichen Zweck dieses Abends zu erinnern. Da Orion noch nicht hoch genug stand, nutze ich die Gelegenheit die noch sichtbaren Epsilon Lyrae-Sterne im Westen zu suchen.
Epsilon1/2 waren schnell gefunden. Mit 118x (18mm - Genuine Ortho) zeigten sich die beiden Sterne jeweils länglich, aber definitiv nicht getrennt. 12,5mm Ortho verbesserte sich die Situation etwas, vor allem die zwei fast gleich hellen Komponenten Epsilon2 mit 5.2 / 5.5mag erschienen manchmal getrennt (oder Wunschdenken?), bei 215x schlug die mäßige Transparenz im Westen dann gnadenlos zu und ein Trennung war nicht möglich. Etwas ernüchtert und besorgt (2,3“ nicht getrennt), hoffte ich dass vor allem die geringe Höhe über dem Horizont (ca. 20 Grad) dafür verantwortlich war.
Anschließend zeigte sich, dass ich die Auswirkung der Helligkeit des Mondes (der oberhalb von Orion im Taurus stand) stark unterschätzt hatte. Die Grenzhelligkeit im Orion lag bei rund 3-3.5mag und meine zwei ausgesuchten Testobjekte 52 Orionis und 32 Orionis blieben mit bloßem Auge verschwunden. Zur Beruhigung wurde zunächst einmal die Trapezsterne (Theta Orionis) betrachtet. Angesichts der Abstände von rund 22-12“, natürlich keine Auflösungsherausforderung. Aber die klare und scharfe Abgrenzung und Darstellung beruhigten mich wieder etwas. Von den Nebelstrukturen von M42 war ob nahen Mondes auch sehr wenig Kontrastreiches zu erkennen. Auf die Suche nach den Komponenten E und F habe ich mich erst gar nicht begeben, dafür gibt es bessere Nächte.
Als nächstes (und weil auch leicht zu finden) waren Alnitak (Zeta Orionis) und Rigel (Beta Orionis) Ziel meiner Beobachtungen. Bei Alnitak war ich mir nicht so sicher, ob dieser nicht seinen 4m hellen Begleiter überstrahlen würde, der Abstand zwischen beiden beträgt 2,3“. Aber schon bei 96fach (22mm Vixen LVW) war dieser, zwar knapp, aber deutlich, neben seinem helleren Hauptstern zu erkennen. Höhere Vergrößerungen(erneut bis 283x) dunkelten das Bild weiter ab und machten die Erkennbarkeit noch deutlicher.
Auch Rigel zeigte bei dieser hohen Vergrößerungsich sehr schön und vor allem erstaunlich ruhig und klar mit seinem 6.7mag hellen Begleiter in 9“ Entfernung.
Nun kamen die eigentlichen Herausforderungen die Sterne 52 Orionis und 32 Orionis. Letzterer konnte im 50mm TAL-Sucher im extrem aufhellten Hintergrund gerade noch erkannt werden. Erneut zeigten die ersten niedrigen Vergrößerungen (bis 170x) nur eine längliche Form. Problematisch war auch, dass die beiden Komponenten mit 4.2 und 5.5 mag doch deutlich unterschiedliche Helligkeiten aufwiesen. Eine Steigerung der Vergrößerung auf 212x, 283x ließen schließlich einen Hauch von Trennung zwischen den beiden funkelnden Komponenten ahnen – aber nicht sehr deutlich. Orion war immer noch nicht sehr weit über dem Horizont, was das Seeing doch deutlich minderte.
Nach einer 30minütigen Pause hatte der Taufall jedes nicht abgedeckte Teil eingenässt. Der Sucher war eingetaut (der Spiegel meines TAL-250K jedoch nicht
So wandte ich mich (eher resignierend) noch 52 Orionis zu – zwei gleich hellen Komponenten von 5.3mag in rund 1,1“-1,3“ (je nach Quelle) Entfernung. Zunächst zeigte sich das gleiche Verhalten wie bei 32 Orionis – längliche Darstellung, angedeutete Trennung (etwas deutlicher bei 283x) – die Beugungsscheibchen um die Airydisk berührten jeweils die andere Airydisk, so dass sich eher das Bild einer winzigen 8 mit jeweils einem Airdisk-Punkt in der Mitte der Schleife ergab. Bei 425x (5mm Genuine) veränderte sich dann die Ansicht allerdings deutlich. Die beiden Komponenten rückten auseinander! Ein klar erkennbarer dunkler Zwischenraum zwischen beiden Sternen war nun dauerhaft und stabil zu sehen. Der Zwischenraum war sogar so „breit“, dass man den Eindruck hatte die beiden könnten durchaus noch ein Stück zusammen rücken, ohne dass die Trennung verloren geht.
OK, das beruhigt jetzt schon einmal. Das war schließlich vor allem als Testfall für die Optik gedacht und hatte nicht allzu gut angefangen aber zur vollsten Zufriedenheit geendet: Rund 1.2“ getrennt, drei Tage vor Vollmond, mit einer Monddistanz von 25 Grad, bei einer wirklich ziemlich dicken Luft.
Nachdem mittlerweile wirklich alles, inkl. meiner Brille, unter Wasser stand (erstaunlicherweise immer noch außer HS und Korrektoreinheit des TAL-250K) und ich meine gute Stimmung nicht schmälern wollte, beschloss ich gegen 21.15 Uhr abzubauen.
Anscheinend hat mein TAL-250K, trotz – zwar keiner schlechten, aber durchaus durchwachsenen Leistung auf der optischen Bank – eine recht ordentliche Leistung in der Realität. Irgendwo ist mir über den Weg gelaufen, dass rund 1,1“ Bogensekunden Auflösung in Europa das sind, was man (Ausnahmesituationen außer vor) mit den vorherrschenden Seeingbedingungen gut erreichen kann. Na, das habe ich gerade unter nicht allzu optimalen Bedingungen erreicht.
Allein, dass das Beugungsscheibchen für meinen Geschmack etwas (zu) hell war, ist so ein kleines Haar in der Suppe. Anscheinend schiebt die sphärische Aberration doch etwas mehr Energie da rein, als mir lieb ist – die unvermeidliche Obstruktion trägt natürlich ihren Teil auch noch dazu bei. Aber da fehlt mir einfach der Vergleich mit unobstruierten Systemen (OK, das wird mit 10“ schwierig) und mit anderen vergleichbaren Systemen.
Aber, um mit Karl Valentin sprechen: Ich bin nicht völlig unzufrieden.
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