Drei Nächte hintereinander mit dem Dino (22" Dobson): Nacht 3 (13./14.8.2026)

Lucifugus

Aktives Mitglied
Servus beinand,

die Nacht vom 13. Auf den 14.8.2026 war die dritte klare Nacht in Folge – und das rund um den Neumond. Die zwei letzten Nächte steckten zwar noch etwas in den Knochen, aber wann gibt es noch so eine Gelegenheit? Diesmal konnte ich mangels Sonnenfinsternis früher raus.

Ich genoss den immer dunkler werdenden Himmel, die immer zahlreich erkennbaren Sterne, das Auftauchen des Milchstraßenbands, um dann um 23 Uhr mit der Beobachtungssession zu beginnen.

Als Start hatte ich NGC 6774 alias Ruprecht 147 im Schützen ausgewählt. Dieser Sternhaufen ist etwas Besonderes, denn er ist einer der oder der uns am nächsten gelegene, alte Sternhaufen. 891 Millionen Jahre hat er auf dem Buckel und ist nur 990 Lichtjahre von uns entfernt. Er hat noch 279 bestätigte Mitgliedssterne. Der Sternhaufen passt bei 108× noch in das Gesichtsfeld und besticht durch zahlreiche, locker verteilte Sterne ab ca. 9 mag. Einzelne deutlich hellere Sterne dürften Feldsterne sein. Das gesamte Umfeld ist sehr sternenreich, weshalb die schwächeren Mitgliedssterne vermutlich optisch untergehen. Trotzdem sehr hübsch im Übersichtsokular.

Da er so groß ist, musste ich ihn natürlich auch im 20 × 60 Fernglas anschauen. Rho und Ny Sagittarii sind leicht zu finden, westlich von Ny Sagittarii findet man den Sternhaufen. Mit einer Deklination von -15° steht er im Schützen hanz im Norden, also hoch über dem Horizont. Und was zeigte sich? Ein Steinbock- oder Ziegenkopf. Zwei Hörner, der Haufen bildet den Kopf. Witzig. Zusammen mit Vordergrundsternen bildet der Haufen ein Sternmuster. Coole Sache! Hier die Zeichnung dazu:

NGC_6774.jpg


Und hier die Assoziation mit dem Steinbock:

NGC_6774_Steinbock.jpg


(Foto von Thomas Then, allgemeinfrei unter Gnu-Lizenz)

Schön aufgewärmt wollte ich wieder ein Bisserl auf Galaxienjagd gehen und habe mir das Füllen als Zielort ausgesucht. NGC 7015 war das erste Ziel. Bei gamma Equulei geht das Sternhoppeln los. Wobei dieser Stern selbst schon sehr interessant ist. Er ist ein sog. Ap-Stern, ausführlich geschrieben A9VpSrCrEu – A9 ist klar, V steht für variabel (er pulsiert), Sr steht für Strontium, Cr für Chrom und Eu für Europium. Diese Elemente sind in ihm deutlich angereichert. Zudem ist er ein Doppelstern, aber die zweite Komponente ist sehr nah (0,4“) bei deutlichem Helligkeitsunterschied. Also los in Richtung Nordwesten und bald kommt man bei NGC 7015 an: Die Galaxie fällt schon beim Ankommen in der Region im Übersichtsokular bei 108× auf (scheinbare Helligkeit von 12m4). Bei 224× sieht man einen schönen, diffusen, breit elliptischen Nebelfleck. Spiralarme oder ein helles Zentrum konnte ich nicht ausmachen. Knapp südlich der Galaxie ist ein Stern mit 15m85. Die erkennbare Scheibe der Galaxie reicht fast bis dorthin, was den Anblick interessant macht. NGC 7015 ist 226 Millionen Lichtjahre entfernt und vom Typ Sbc. Da ich hier offenbar nur 8 Dateien einfügen kann, kann ich hier die Skizze nicht zeigen.

Noch ein Stückerl weiter im Nordwesten ist mit IC 5083 eine weitere Galaxie, die mit 581 Millionen Lichtjahren mehr als doppelt so weit entfernt ist. 14m2, also erwartungsgemäß kein Scheinwerfer, aber Versuch macht klug. Bei 108× ist keine Galaxie als solche zu erkennen. Die lenticuläre Galaxie (E0) ist aber auch sehr klein. Dank einer genauen Aufsuchskarte ist die exakte Position leicht zu finden. Bei 224× im 10 mm Ethos zeigt sich nahe eines Sterns, der mit 15m8 selbst nicht der strahlendste ist, ein kleines Etwas, das aber zunächst nicht klar zu halten ist. Das Problem ist, dass das anschließende Zeichnen der Sterne der Umgebung immer wieder (trotz dezentem Rotlicht) die Dunkelanpassung der Augen etwas versaut. Mit viel Geduld und schließlich im 4,7mm Ethos bei 476× konnte ich die Galaxie ganz klar dingfest machen und dann in die Skizze mit den Sternen einzeichnen und verorten:

IC_5083.jpg


Weiter nordöstlich, bereits im Pegasus, ist noch ein Galaxienpärchen, NGC 7042/7043. Im interstellarum Deep Sky Atlas ist nur NGC 7042 eingetragen, also dürfte die zweite Galaxie schwierig sein. Nichts wie hin! Das Sternhoppeln ging einfach, dank einer Detailkarte (Triatlas C). NGC 7042 ins 12m0 hell, 235 Millionen Lichtjahre entfernt und vom Typ Sb. Schon bei 108× ist sie gut als rundlicher Nebelfleck zu erkennen. Bei 224× zeigt sich ein etwas hellerer Zentralbereich, Spiralarme sind aber nicht auszumachen.

NGC 7043 ist 229 Millionen Lichtjahre entfernt. Mit 13m8 ist sie nicht sehr hell, sollte aber gut machbar sein. Bei 108× ist sie allerdings erstmal nicht zu erkennen. Erst bei 224× zeigt sich deutlicher ein rund erscheinender, grauer Klecks, der nur der Zentralbereich der Galaxie ist. Sie ist gravitativ mit NGC 7042 verbunden und ist die kleinere, lichtschwächere Schwester. Beide zusammen im Gesichtsfeld sind ein schöner Anblick. Der Weg hat sich gelohnt. Auch hier zeige ich die Skizze nicht im Text, da ich nur 8 Dateien einfügen kann/darf.

Als Ausgleich zu den kleinen Wattebäuschen habe ich dann noch Alessi J2108.8+0731 besucht (Koordinaten statt Namen, ein ehemaliger Sternhaufenkandidat). Es ist eine im Übersichtsokular bei 108× sehr auffällige Sternverdichtung aus einzelnen Sternen zwischen 7m4 und ca. 10 mag, die von Hunt & Reffert (2024) aber nicht als Haufen anerkannt wird. Es ist ein Asterismus. Unabhängig davon ist das Sternmuster auffällig und lohnt den Besuch, zumal es leicht aufzufinden ist (am westlichen „Kastenrand“ des Füllens).

Jetzt stand der Steinbock im Süden. Die Transparenz war richtig gut. Im Juli hatte ich im Steinbock bereits IC 1319 angeschaut. In der Region sind aber weitere Galaxien, die ich da nicht erkannt/gesehen habe. Ich war da aber auch nicht vorbereitet. Diesmal habe ich mir die Gegend aus den Pretty Deep Maps ausgedruckt und war bestem Mutes, weitere Galaxien rauszukitzeln.

Bei pi Capricorni geht das Sternhoppeln los. Auf dem Weg zu IC 1319 befindet sich ein kleines, fluffiges Etwas, eine Galaxie des LEDA-Katalogs, LEDA 187364. Im B-Band hat sie 15m8, visuell sollte sie also um 15m0 herum zu verorten sein, also erreichbar. -18° Deklination ist da aber nicht sehr hilfreich, aber wie gesagt, die Luft war gut. Es gab auch keinen Tau mehr, der in der Nacht zuvor ja noch Thema war. 356 Millionen Lichtjahre ist jetzt nicht sooo weit entfernt, also ist die Galaxie an sich nicht die größte. Probiert habe ich es aber. Bei 108× ist nichts zu erkennen. Bei 224× ist sie indirekt zu erkennen, aber nicht dauerhaft zu halten. Sie erscheint aber immer wieder an der exakt gleichen Position. Also ja, ich habe Licht von ihr wahrnehmen können. Faint Fuzzy? Klar, aber ich finde es faszinierend, Objekte live im Okular sehen zu können, die nicht einmal im IC-Katalog stehen.

Weiter geht’s zu IC 1319, 333 Millionen Lichtjahre entfernt und mit 14m1 deutlich heller als der fluffige LEDA-Fleck. Wie schon im Juli empfinde ich diese kleine Galaxie als einfach. Schon im Übersichtsokular erkenne ich einen winzigen Fleck, der sich bei 476× als länglich herausstellt und ein helleres Zentrum zeigt. Hübsch!

Danebenliegt mit LEDA 64672 eine weitere Galaxie, 329 Millionen Lichtjahre entfernt, also tatsächlich „daneben“ bzw. in räumlicher Nähe. Sie ist im B-Band 15m3 hell. Interessanterweise wurde aber nur IC 1319 früh entdeckt und eben in den Index-Katalog aufgenommen, diese Galaxie wurde damals übersehen. Folglich sollte sie schwierig sein und im Juli hatte ich sie auch glatt übersehen. Sie war dann auch deutlich schwieriger als IC 1319, da lichtschwächer und flächenmäßig etwas größer, was das Licht eben auf eine größere Fläche verteilt. Bei 108× ist nichts zu erkennen. Am besten geht es bei 224×, bei 476× sumpft sie teilweise im Hintergrund ab. Ein diffuser, schwacher, aber erkennbarer Nebelfleck. Da beide im Gesichtsfeld sind ist der Helligkeitsunterschied zu IC 1319 schon deutlich. Ein nettes Pärchen.

Jetzt musste ich noch eine „Rechnung begleichen“ – NGC 6912 ist in der Nähe am Himmel, aber im Juli hatte ich die übersehen, was ich seltsam fand. Also nochmal hin zu ihr, etwas ostsüdöstlich von IC 1319. Mit 13m2 ist sie deutlich heller als IC 1319, sollte also ein Kinderspiel sein. 315 Millionen Lichtjahre ist sie von uns entfernt, also ungefähr gleich weit weg. Sie ist also auch physikalisch die größte der dort bisher angesteuerten Galaxien und eben die hellste. Bei 108× habe ich erstmal gar nichts gesehen! Sehr schräg. Bei 224× zeigt sich auch nichts! Häh, was soll das? Bin ich plötzlich nicht mehr dunkelangepasst? Ist der Himmel schlecht geworden? Das parallele Zeichnen der Sterne hilft natürlich nicht bei der Dunkelanpassung, aber ich habe mir hier viel Zeit gelassen. Schließlich klappt es dann im 4,7mm Ethos bei 476×: eine flächige Aufhellung, die sich durch Bewegen des Gesichtsfelds bestätigt und dann reproduzierbar zu sehen ist. Die Galaxie ist viel schwieriger zu sehen als IC 1319, obwohl sie mit 13m2 deutlich heller ist. Die Fläche, auf der sich das Licht verteilt, ist aber auch größer, trotzdem ist es krass, wie schwierig diese Galaxie zu erkennen war. Ein Geduldsspiel. Sehr seltsam, das hätte ich nicht gedacht.

Nordwestlich von NGC 6912 ist noch eine LEDA-Galaxie, LEDA 866656. Eigentlich wollte ich diesen faint fuzzy probieren, die in den Pretty Deep Maps mit 16m6 (B-Band) eingetragen ist. Das ist absolut grenzwertig bei einem flächigen Objekt, aber probieren kann man es ja und ich wollte prüfen, ob ich bei NGC 6912 einfach nur blind war. An ihrem Ort war aber absolut nichts zu sehen (was dafür sprechen würde, dass ich nicht mehr gut genug dunkelangepasst bin). Dafür habe ich weiter südwestlich einen kleinen Fleck erkennen können. Er fiel bei 224× auf und ich hatte das erst als Stern interpretiert. Bei 476× ist es aber dann doch ein fluffiges, flächiges Etwas, klein, aber erkennbar – eine Galaxie, die nicht in den Pretty Deep Maps eingetragen ist. Entweder halluziniere ich oder LEDA 866656 ist am falschen Ort eingezeichnet? Die Nachanalyse daheim ergab dann Aufschluss (gut, dass ich gezeichnet hatte, dadurch hatte ich den genauen Ort relativ zu den Sternen rundum). Es ist LEDA 187441. Ich habe keine Helligkeitsangabe im B- oder V-Band finden können, aber eine Entfernung von 920 Millionen Lichtjahren (Datenbank der NASA). Auf Fotos wirkt sie aber heller als LEDA 866656. Und ja, da war was, eigentlich nicht so schwer zu erkennen, jedenfalls bei 476×. Die Beobachtung war leichter als die von NGC 6912. Faszinierend! Hat jemand, der bis hierhin gelesen hat, eine Erklärung dafür?

Fünf Galaxien auf einen Streich. Das passte alles in eine Zeichnung (wobei ich nicht aller Sterne eingezeichnet habe, sonst hätte das ewig gedauert). In der Umgebung sind weitere faint fuzzies, ich werde also sicherlich wiederkommen, z. B. um IC 1321 aufzusuchen. Hier die Zeichnung als Endergebnis:

NGC_6912_IC_1319_LEDA_64672_LEDA_187341_LEDA_187364.jpg


Nach einer Perseidenpause ging es dann erstmal zu h & chi Persei (NGC 869 & 884). Sightseeing! Hierbei habe ich explizit auf die Roten Riesen geachtet. Zu NGC 884 habe ich notiert: Wunderschön! Auffällig sind insbesondere mehrere Rote Riesen, die schön orange wirken und sich deutlich von den anderen, kühl weißen Sternen unterscheiden. Beobachtet bei 108×. Zu NGC 869: Auffällig ist, dass fast keine Roten Riesen zu sehen sind, im Gegensatz zu NGC 884. Dafür fällt ein deutlicherer, nebeliger Hintergrund auf. Beobachtet bei 108×.

Von dort aus ging es erstmal zu Stock 2, dem Muskelmännchen: Das Muskelmännchen ist viel zu groß, um auch im Übersichtsokular ins Gesichtsfeld zu passen. Es macht aber Spaß, bei 108× die Sternenketten, z.B. die Arme oder die Beine, entlangzugehen oder den Kopf genauer anzuschauen.

ASCC 8 ist ein Teil des Muskelmännchens: Es ist der nördliche Fuß des Muskelmännchens, Stock 2. Bei 108× schön als Sternansammlung zu erkennen, wäre aber nicht von Stock 2 zu trennen. Hunt & Reffert (2024) nennen Stock 2 als Synonym und schmeißen beide wieder zusammen. Also wohl doch nur ein großer Haufen und kein zweiter, kleiner dabei.

Wenn man schon dort ist, sollte man Basel 10 nicht vergessen, sage ich mal so. Er liegt neben der gebogenen Sternkette, die von h & chi Persei zum Muskelmännchen führt. Im sternreichen Umfeld bei 108× erstmal unauffällig. Bei 224× sieht man eine kleine Raute mit Stiel, dazu viele, schwächere Sterne. Der Haufen wirkt sehr klein, da er immerhin 6800 Lichtjahre entfernt ist. Hübsch!

Da der Himmel wirklich gut war, habe ich nun versucht, Geister zu jagen/fangen. IC 59 und IC 63, die Geister der Cassiopeia, nahe Navi (Ivan, nur andern herum geschrieben, ein recht neuer Name für gamma Cassiopeiae). Navi blendet, aber IC 63 ist erstaunlich einfach zu erkennen. Schon im Übersichtsokular zeigt sich die gespenstische Form, bei 224× ist die helle Kante bzw. Spitze sehr gut und kontrastreich zu erkennen. Cool! Es fehlt nur der zweite Geist. IC 59 fand ich viel schwieriger als IC 63. Navi stört auch hier, aber erstmal ist nur IC 63 zu sehen. Mit Hin- und Herbewegen des Teleskops zeigt sich dann eine schwache, diffuse, flächige Aufhellung. Die Form ist nicht gut greifbar, es ist eher ein schwaches Glimmen, das am besten bei 108× zu sehen ist. Mit Mühe kann ich die ungefähre Form erahnen. Im 10 mm Ethos sieht man den Nebel schlechter als bei 108×. Hier meine Skizze:

IC_59_63.jpg


Nach den beiden fluffigen Geistern wollte ich mir jetzt noch den Pacman anschauen, NGC 281. Der Nebel ist bei 108× ohne Filter bereits auffällig, man erkennt die Form gut, auch die Dunkelwolke, die den Mund des Pacman definiert. Mit dem OIII-Filter wird der Nebel kontrastreicher und feiner strukturiert. Man sieht jetzt, dass er unterschiedlich deutlich auf den Filter reagiert. Der Dunkelnebel ist jetzt verzweigt, der helle Teil des Nebels zeigt nun zwei Bereiche, die sich hell absetzen, dazwischen wird der Nebel abgedunkelt. Sehr viele Details, die man da herausarbeiten kann. Für eine Zeichnung war ich aber mittlerweile zu müde. Ich wollte mehr Sightseeing betreiben. HD 5005 fällt im Pacmannebel als heller Mehrfachstern auf, aber der Sternhaufen selbst, der sich im Nebel versteckt, ist bei 108× nicht zu sehen. Da die hellsten Sterne bei 17 mag beginnen, kann man auch keinen grauen Sternhaufenwattebausch sehen, da dieser durch den hellen Pacman-Nebel überstrahlt wird. Bleibt aber auf der Bucket-List, da ich nicht hoch hineinvergrößert habe.

Drei Objekte wollte ich noch anschauen und skiziieren (Sternhaufen zeichnen sich schneller und leichter als große Nebelflächen mit Details).

Der erste war Berkeley 5. Im 4,7mm Ethos hatte ich 10 Sterne vor schwachem Nebelhintergrund gezählt, konnte davon aber nur 8 beim Zeichnen dingfest machen. Ich hatte den Haufen als schwieriger erwartet, aber schon bei 224× fällt eine kleine Gruppe schwacher Sterne auf. Die Position ist genau zwischen zwei helleren Sternen, näher an dem schwächeren der beiden, daher sehr gut zu lokalisieren. Der Haufen fällt da bereits bei 224× auf und zeigt da auch einen schwach grauen Hintergrund, der auf viele Mitgliedssterne schließen lässt. Trotzdem wird er von Hunt & Reffert (2024) nicht anerkannt, ist also wohl kein physischer Haufen.

Berkeley_5.jpg


Als nächstes Czernik 6. Bei Czernik 6 sehe ich keinen aufgehellten Hintergrund, obwohl es sich hier im einen echten, phyischen Offenen Sternhaufen handelt. 48 Mitgliedssterne sind aber viel zu wenig, um diesen Effekt hervorzurufen. Bei 224× und 476× sehe ich insgesamt ca. 15 locker verteilte Sterne, die eine dann doch erkennbare Sternverdichtung erzeugen.

Czernik_6.jpg


Und zu guter Letzt Czernik 7: Bei 108× ist hier nichts zu erkennen. Bei 224× zeigt sich ein feiner, aufgehellter Hintergrund und davor zarte Sterne. Bei 224× zähle ich ca. 15 Sterne vordem schwachaufgehellten Hintergrund. Die Sterne zerfallen in zwei kleinere Sterngruppen. Der Haufen wird von Hunt & Reffert (2024) abernicht anerkannt, ist also kein physisch zusammenhängendes Objekt, weshalb auch das dann wohl nur Zufall ist. Beobachtet bei 224× und 476×.

Czernik_7.jpg


Eine wunderbare Nacht ging zu Ende, ich habe einige Objekte anschauen können. Die kleinen Galaxien erscheinen auf den ersten Blick langweilig (hat man eine gesehen, hat man alle gesehen…), aber es geht ja mehr darum, sie überhaupt zu sehen und in der Lage zu sein, live am Teleskop mit den eigenen Augen ohne Fotos zu stacken und nachzubearbeiten tief in den Weltraum zu sehen diese Welteninseln einfach nur im Okular zu haben. Bei einer guten Nacht macht das richtig Spaß. Fst war ca. 6m4, die Luft war trocken und transparent, das Seeing gut, was will man mehr.

Es kam dann noch eine klare Nacht, aber der Geburtstag meiner Frau nebst Grillparty mit Freunden am Abend verhinderte ein nochmaliges Rausfahren. Die drei Nächte nacheinander waren aber anstrengend genug – ein bisserl Jetlag war zu spüren. Und das ist gut so. Erlebnisse mit allen Sinnen, dazu gehört auch Müdigkeit am Tag danach.

Liebe Grüße,
Christoph
 
Moin!
Wirklich schöne Berichte und scheint ja Spaß zu machen mit so einem Monster.
Da werde ich auf jeden Fall neidisch mit 8“ und Bortle 5 auf dem Balkon.
Wie wild ist das bei >400x per Hand den Dobson nachzuführen?

Ein wildes Experiment wäre ja mal eine Sternkarte abzutasten und schauen welche Objekte man zufällig findet, welche man dann im Nachhinein bestimmen kann oder welche vielleicht Einbildung waren.

Wie machst Du deine Zeichnungen genau?

CS
 
Hallo Christoph,

sehr schön dokumentiert und gezeichnet. :y:

Mehrere deiner beobachteten Objekte geben mir den Ansporn, diese ebenfalls einmal mit meinem 22er anzufahren. In ca. 2 1/2 Wochen werde ich wieder in den Alpen sein und hoffentlich ähnlich gute Bedingungen vorfinden wie vor etwas mehr als einer Woche.

Viele Grüße
Werner
 
Servus Erik,

das Nachführen ist kein Problem. Ich stubbse per Hand nach. Bei 476× ist das oft etwas frickelig, weshalb ich meist bei 224× ausführlich beobachte und zeichne. Ich habe keine EQ-Plattform und auch keine andere Nachführeinrichtung.

Das mit dem nicht wissen, wo welches Objekt ist, mache ich immer wieder gerne. Allerdings schaue ich mir vorher normalerweise schon an, was wo ungefähr zu finden wäre, aber die genaue Position weiß ich dann nicht. Das ist eine gute Übung, finde ich. Mein Respekt vor den Altvorderen, die all diese Objekte gefunden und in Kataloge eingetragen haben, ist dadurch sehr sehr groß.
Wenn's unübersichtlich ist, z. B. in Galaxienhaufen, dann nutze ich dieSkizzen, um daheim rauszubekommen, was ich gesehen habe. Ansonsten zum Überprüfen, ob ich das richtige Objekt gefunden habe.
Bei Grenzobjekten wie LEDA-Galaxien hilft aber das Wissen um die genaue Lage. Meist beobachte ich zu zweit, da kann dann der Mitbeobachter unvoreingenommen prüfen, ob das, was ich sehe, real ist und umgekehrt. Meist ist mein Spezl René mit seinem 24-Zöller mit dabei.
Meine Skizzen mache ich mit Bleistift auf weißem Papier am Okular. Daheim zeichne ich mein Ggekritzel mit Photoshop neu. In der Skizze sind auch Zeichenanweisungen, z.B. Helligkeiten relativ zueinander oder Markierungen, wo welche Struktur ist. Die Sternpositionen sind manchmal etwas verzogen (ich nutze geometrische Figuren, die die Sterne bilden, um sie zu zeichnen). Das kann ich dann nachträglich per Sternkarte oder Foto ausbessern. Ich erkenne die Sterne ja wieder, die ich gezeichnet habe. Ich lasse aber oft einige Sterne weg, da das Zeichnen sonst zu lange dauert. Zudem kostet das Rotlicht immer wieder Dunkelanpassung. Um die schwächsten Sterne rauszukitzeln, müsste ich dann immer wieder längere Pausen einlegen. Das mache ich dann für die Galaxie oder welches Objekt ich auch immer anschaue. Das zeichne ich dann in die vorher skizzierte Sternkarte ein.
Mit Photoshop kann ich, finde ich, ganz gut den visuellen Eindruck durch Weichzeichner, Grautonverläufe etc. hin bekommen. Es dient ja nur der Dokumentation. Richtige Zeichnungen z. B. mit weißem Stift auf schwarzem Grund macht René sehr gerne. Dasist mir zu aufwändig, aber seine Ergebnisse sehen toll aus.

Servus Werner,

danke für die Blumen! Ich wünsche dir besten Himmel mit deinem 22-Zöller. Der Mond wird aber leider immer dicker. Seine nächste Diät kommt ja erst noch.
Und wie oben erklärt: nein, ich habe keine Nachführung, stubbse immer per Hand. Das ist quasi Field Sweeping eingebaut. ;)

Liebe Grüße,
Christoph
 
Hallo Christoph
Danke für die tollen und aufwendigen Berichte!
Da sind einige Anregungen drin für meine nächsten Beobachtungsnächte.
CS
 
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