Du siehst was, was ich nicht sehe?

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas anbuman
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

anbuman

Aktives Mitglied
Hallo Spechtelgemeinde,
vor 4 Jahren bin auch ich (wieder) auf dieses besondere Hobby gestoßen und versuche mich seitdem an Deep Sky, wie Planeten gleichermassen. Die eingeschränkte Zeit erlaubt mir nicht, jeden halbwegs nutzbaren Abend zu Spechteln - mal abgesehen von den Wetter- und Sichtbedingungen, die die Möglichkeiten weiter einschränken.

Immer wieder lese ich begeisterte Berichte, von Sternfreunden, die z.B. bei 150x oder auch bis 600x oder noch höherer Vergrößerung diverse Strukturen in den Jupiterbändern gesehen haben wollen und demzufolge wahrscheinlich auch gesehen haben.

Also, bei 150x sehe ich durchaus die beiden Streifen, bei genauem Hinschauen auch schon mal den GRF, so er grad da ist - aber für deutlich erkennbare Strukturen in den Bändern ist mir das Bild einfach zu klein. Bei einer Steigerung der Vergrößerung ab 180x fängt der Planet aufgrund der Sichtbedingungen schon oft zu wabern an - am letzten Sonntag konnte ich erstmals nach 4 Jahren auf 420x vergrößern, wobei das Bild zumindest kurzfristig stillstand - nach 4 Jahren!!!
Wohlgemerk - vielleicht gabs auch in den letzten Jahren einzelne solcher Tage, die ich dann nur nicht nutzen konnte. Doch auch am Sonntag war es mit den knackigen Strukturen in den Bändern eher naja...

Nun meine Fragen: Erwarte ich zuviel zu sehen (hochaufgelöste Fotos im Hinterkopf) ?

Oder ist die Atmosphäre im Flachland an der Waterkant für Spechtler eher ungünstig? 7m über NN, der Greifswalder Bodden / Ostsee in der Nähe - Vermischung/Verwirbelung der Luftmassen? Hat jemand Erfahrung?

An der Ausrüstung sollte es eher nicht liegen - 102mm Vixen Fluorit-Refraktor und gut justierter 10 Zoll ICS-Dobson - eigentlich Geräte für Jahrzehnte...

Oder sehen andere vielleicht auch nicht viel mehr?

Gruß André
anbuman
 
Hallo André,

also ich kann nur sagen, daß ich bei 150facher Vergrößerung schon
einige Strukturen in den Hauptbändern selbst sehe. So sehe ich
dabei die dunklen BAR's im NEB, oder auch die hellen Wirbel im
Schlepptau des GRF bei dieser Vergrößerung ohne Probleme.
In der EZ sind fast immer einige blaue FEST's zu sehen und auch
das WO-BA ist bei dieser Vergrößerung schon auszumachen, allerdings
schon etwas schwieriger.
Das gesagte gilt für meinen Vixen 80L und auch für meinen 102mm MC.

Bino-Tom
 
Hallo Binoviewer,
danke für deine Nachricht.
Ich hatte fast erwartet, dass aus dem tiefen Festland Europas, wozu ohne Frage Österreich, Süddeutschland usw. gehören, solche Erfahrungen kommen.

Wie gesagt, ich bin nicht sehr häufig am Spechteln, möglicherweise waren meine Nächte auch noch nie wirklich optimal.

Dennoch habe ich den Eindruck, dass an der Küste durch die Meeresnähe und der fast immer vorhandene Wind die Sichtverhältnisse doch beeinträchtigt werden, obgleich auf dem Land unweit von Greifswald in Richtung Neubrandenburg es regelmäßig dunkler als 6 mag im Zenit ist.

Es ist ja nicht so, dass ich KEINE Strukturen in den Jupiterbändern sehe, doch zumeist erscheinen sie eher verschwommen; unscharf.

Leider habe ich noch keine Vergleiche mit dem Beobachten im tiefen Hinterland (oder besser Festland - manche meinen ja, hier ist man doch im Hinterland :-) , geschweige denn im Gebirge. In die Alpen müßte ich wohl über 1000 km fahren ...

Hat denn jemand Erfahrung mit der Beobachtung an der Küste im Vergleich zum Innenland oder gar Gebirge?

Laut Grenzgrößenkarte müssten bei uns ideale Bedingungen herrschen, doch offensichtlich spielt da doch mehr rein.

Oder kann es auch eher mit meiner (relativ) geringen Beobachtungserfahrung liegen?

Gruß André
 
Oder kann es auch eher mit meiner (relativ) geringen Beobachtungserfahrung liegen?
Das spielt mit Sicherheit eine Rolle!

Mir ging und geht es immer noch so:
Man schaut jahrelang ein Objekt an, und plötzlich sieht man
trotzdem neue Sachen. Erst denkt man, ja, besonders gute Bedingungen
heute, aber nein, man sieht das "neue" dann eigentlich regelmässig.

Man weiss dann, worauf zu achten ist.

Sonnige <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> Grüsse vom (küstennahen) MittelMeerDobservatorio
Thorsten
 
Hallo Binoviewer,

also, den Refraktor habe ich seit ca. 18 Monaten, den Dobson ca. 15 Monate. Der Refraktor fristet seit Anschaffung des Dobson eher ein Schattendasein, in den 10-Zöller habe ich mich von Anfang an "verliebt". Zum einen wegen der größeren Lichtsammelmenge zum anderen läuft das Rohr in der Rockerbox superbutterweich, der Okularauszug ist einmalig, auch bei höherer Vergrößerung kann ich phantastisch fokussieren, ohne, dass da was wackelt oder vibriert, der Hauptspiegel hat einen Strehlwert von 97%.

Der Refraktor dagegen auf einer Vixen GP-Montierung ist da doch etwas anfälliger, z.B. bei Okularwechsel, dann wieder scharf zu stellen, dauert schon einen Tick länger, grad bei höheren Vergrößerungen. Wenn dann noch Wind dazukommt ...

Der Dobson steht dagegen felsenfest, ist übrigens ein Volltubus, 3mm Alublech, nicht aktiv belüftet, im Gegenteil, zwecks Verunreinigungsvorsorge ist das gute Stück unten um den Hauptspiegel vollständig mit Schaumgummi abgedichtet.

Du meinst, dass das Gerät jeweils nicht richtig ausgekühlt ist, oder?

Wie beobachten denn die Spechtlerkollegen Planeten - mit Farbfiltern, UHC o.ä. Bislang habe ich mit Filtern kaum Erfahrung...

Gruß nochmals
 
Also wenn du einen 10"-Spiegel nicht nur nicht belüftest, sondern sogar
noch extra rundum zumachst, mußt du auf jeden Fall mit deutlichen
Einbußen aufgrund von Tubusseeing rechnen.
Selbst ein seitlich und hinten offener 10er kommt im Volltubus nicht
zu Ruhe und verursacht Wärmeschlieren. Aktive Belüftung ist ein Muß!

Befrei den armen Spiegel mal aus seinem Käfig und setz dahinter einen
12cm saugenden Lüfter, dann gibts ein großes Aha-Erlebnis, da bin
ich mir zu 100% sicher.

Schmutz kannst du so wie du es jetzt machst auch nicht verhindern,
eine gute Abbildung aber schon.

Zieh dir mal diese Links rein:
http://www.fpi-protostar.com/bgreer/may2004s%26t.htm
http://www.fpi-protostar.com/bgreer/sep2000s%26t.htm
http://www.maxon.net/~sternkucker/bastelecke/_anleitungen/belueftung/belueftung.html

Bino-Tom
 
Hallo Tom,
danke für die Links, werd es erst mal ohne dem Schaumgummi versuchen, mal sehen, ob dann noch ein Lüfter zusätzlich Not tut.

Die Frage mit dem Standort Vergleich / Küste / Binnenland / Gebirge werd ich wohl nochmal direkt unter dem Thema stellen müssen ...

Gruß André
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben