Dunkeladaption des Auges

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Pteng

Aktives Mitglied
Hallo,

zumindest jeder Deepskyler weiss, was mit Dunkeladaption gemeint ist und wie sie sich beim Beobachten auswirkt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />

Und jeder kennt den Effekt, wenn denn mal doch Weisslicht kurz in´s Auge gefallen ist <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smirk.gif" alt="" />

Aber bei der Frage, wie sich Rotlicht auswirkt scheiden sich etwas die Geister.
Mit Rotlicht meine ich reines Rotlicht wie aus roten LEDs.
Also keine normale Taschenlampe mit roter Folie davor, da in dem Spektrum nicht nur rotes Licht ist.

Meine Erfahrung ist, daß ich bei Dunkelanpassung und Verwendung von Rotlicht beim suchen im Karkoschka wohl nur kurzzeitige Beeinträchtigungen merke.
Ich führe das darauf zurück, daß sich nur die Pupille verengt und nach ca. 15-20 Sekunden wieder öffnet.
Die Dunkelanpassung scheint unberührt.

Nun behaupten manche, daß die Dunkelanpassung wahrscheinlich beeinträchtigt wird, wenn das Rotlicht zu hell ist, andere wiederum sagen, daß ist unerheblich, solange das Rotlicht nicht zu extrem hell ist.

WELCHE ERFAHRUNGEN HABT IHR DA?
GIBT ES DAZU WISSENSCHAFTLICHE FAKTEN?
 
Hi
ich bin mir da auch nicht ganz klar.
Sicher ist, dass ich eine Weile benötige, wenn ich die Lampe (LED) an hatte, bis ich wieder gut sehe. Ansich geht es ja nur um die Stäbchen, die uns das Sehen bei Nacht ermöglichen und diese sind wohl im Roten unempfindlich, oder haben die doch noch eine geringe Restempfindlichkeit bei den Roten Wellenlängen, die dazu führt, dass zu helles Rotlicht eine Blendung bewirkt? Das ist es wohl, was ich vermute.

Gruß
Martin
 
Hallo,

ich habe mal folgende Erklärung gelesen - ist aber vielleicht schon bekannt?:
Das Auge nimmt Wellenlängen von ca. 380 - 800 Nanometer auf, dies entspricht den Farben violett bis dunkelrot. Es empfängt und bünelt natürlich auch Wellenlängen unter 380 Nanometer (ultraviolett) und über 800 Nanometer (infrarot). Das dunkeladaptierte Auge nimmt SCWACHES(!!) rotes Licht nicht mehr so gut wahr wie schwaches blaues Licht. Deshalb werden für Fadenkreuzbeleuchtungen und andere Lichtquellen gerne rote Leuchtdioden mit einer Wellenlänge grösser 660 Nanometer zur Beleuchtung eingesetzt, da das dunkeladaptierte Auge dadurch praktisch nicht geblendet wird.
Je näher man von der Wellenlänge also an den infraroten Bereich herankommt wird die Dunkeladaption beibehalten. Warum das so ist - da sollte man mal einen fragen, der sich mit der Biologie des Auges auskennt!

Gruss Eric
 
Nach meinen Erfahrungen ist es völlig unerheblich ob
man nun weißes oder rotes Licht einsetzt. In beiden
Fällen sollte das Licht gerade so hell sein, daß man
Sternkarten noch einigermaßen gut lesen kann.
Wenn ich 2 Lampen mit gleicher Helligkeit verwende,
dann stört zwar die weiße etwas mehr die Dunkeladaption,
aber dafür sehe ich auch mehr. Wenn ich mit der roten
genauso viel sehen will, wie mit der weißen, dann muß
ich eine dementsprechend hellere verwenden, und der
Dunkeladaptionserhaltungsgewinn ist wieder dahin.
Also: Nicht die Farbe des Lichts entscheidet, sondern
die Intensität.
 
Hallo Schwachlichtspechtler,

ich habe mal irgendwo aufgeschnappt, daß auch die Stäbchen Farben wahrnehmen können, diese Info aber nur als "farbloses" Signal im Gehirn verarbetet wird.

Generell hat helles Licht (sei es auch rot) einen schlechten Einfluß auf die visuelle Beobachtung (Lampe vom Typ "demontiertes Fahrradrücklicht").

Teleskopmontage und das Lesen der Sternkarte ist bei mir ohne Rotlicht nicht möglich, aber wenn die eigentliche Beobachtung beginnt, ist striktes Lichtverbot angesagt. Später beim zeichnen oder skizzieren wird dann wieder ein wenig Licht gemacht - aber erst dann, wenn ich vorher Objektdetails erkannt habe.


Gruß, Jens
 
Hallo Jungs,

erstmal Danke für eure Antworten.

Ich habe mal VERSUCHT die Spektren zu fotografieren, meine Digicam hat aber den Fokus nicht richtig getroffen.
Ich denke, man kann es trotzdem sehen

Hier eine rote LED:

Link zur Grafik: http://www.pteng.de/temp/ledrot.jpg

Der rote Balken ist bei 630nm-660nm.
Im Hintergrund kann man seeeeehr undeutlich die Skala erahnen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/blush.gif" alt="" />

Hier eine weisse LED mit durkelroter Folie davor:

Link zur Grafik: http://www.pteng.de/temp/folierot.jpg

Hier ist das rote links bei 620nm-680nm, orange bei 590nm-610nm, grün bei 550nm-580nm und violett bei 440nm-470nm.
 
Hallo Ekkehard,

soviel ich weiss gibt es im Auge Stäbchen und Zäpfchen.

Die Zäpfchen sind für's Farbsehen, die Stäbchen für die Luminanz und Nachtsicht zuständig. Daher sind Nachts alle Katzen grau.

Die Empfindlichkeit der Zäpfchen ist in drei Wellenlängen unterschiedlich (siehe Bild Link zur Grafik: http://www.zm-online.de/zm/1_04/images2/graf5.jpg

Die schwarze Kurve ist die, welche eintritt, wenn volle Adaption, also reines Stäbchensehen vorhanden ist.

Es ist zu sehen, dass bei 650nm (rote LED) die Kurve nahe bei 0% liegt. Daher bekommen die Stäbchen die rote LED überhaupt nicht mit und es erfolgt KEIN Wechsel zuwischen Stäbchen und Zäpfchensehen! Ebenso ist die rote Kurve nur zu 10% beteiligt und die anderen Zäpfchen für grün und blau werden überhaupt nicht reaktiviert - es fehlt einfach der Reiz zum "umschalten".

Natürlich reagiert die Pupille bei zu hellem LED-Rotlicht, aber nach 10-20 Sekunden ist die Pupille wieder voll geöffnet.

@Ekkehard: Das Licht einer weissen LED ist sehr interessant, weil das weisse Licht aus einer blauen oder UV-LED gewonnen wird und in einem "Umwandler"-Kristall VOR dem LED Chip in sichtbares weisses Licht umgewandelt wird - ähnlich der Funktion einer Leuchtstoffröhre mit Innenbeschichtung. Das weisse LED-Licht setzt sich immer aus mehreren (meist zwei) Wellenlängen zusammen.

Gruss,
Max
 
Das Dunklesehen ist für Rot unempfindlich. Deshalb können wir auch die im roten kräftig leuchtenden Gasnebel nicht sehen (sondern nur ihren grünen Anteil).

Für das Dunkelsehen ist das sog. Sehpurpur notwendig, welches sich im Auge nur langsam bildet. Bei Eintreffen von hellem (weißen Licht) wird es zerstört (ausgebleicht).

Bei rotem Licht tritt dieser Effekt nicht oder nur sehr schwach ein. Es ist also auf jeden Fall besser, rotes Licht anstelle von weißem zu nehmen. Und außerdem: Diese Effekte laufen für jedes Auge getrennt ab. Man kan zum Kartenlesen das andere Auge negmen, dann ist sogar Weißlich möglich.
 
Ciao,

ich kann das leider auch nicht recht qualifiziert beurteilen.

Aber ich muss sagen, dass JEDES - wenn auch sehr schwache - Licht mich stört, wenn es um wirkliche Hardcore-Sachen am Sichtbarkeitslimit geht. Wenn ich mich voll konzentrieren muss und sehr schwache Details sehen will, dann ziehe ich mir üblicherweise ne dunkle Kapuze über den Kopf und schliesse auch nochmal einige Zeit entspannend die Augen. Erst danach geht es dann ans Eingemachte. Den roten Laptop-Screen auch nur indirekt zu sehen stört mich dabei eigentlich schon, muss ich sagen.

Ich habe aber auch den subjektiven Eindruck, dass Rotlicht i.a. hilft. Aber das mag auch allein an der dadurch erfolgten Abdunklung als solcher liegen und nicht am Spektrum der Beleuchtung. Oder gar daran, dass es jeder so sagt. Oder daran, dass man es aus der Foto-Dunkelkammer auch als Schwachlicht gewöhnt ist (natürlich nimmt man es da wegen der fehlenden Empfindlichkeit der SW-Positiv-Emulsionen). Oder, oder ...

Eigentlich müsste es da (z.B. vom Militär :-) ja schon physiologische Untersuchungen geben...

Schöne Grüsse,
Peter
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Die Bemerkungen von Uwe treffen den 1. Nagel auf den Kopf. Aber es gibt noch einen zweiten Nagel. Rotlicht übersteigert Kontraste. Deshalb wird Rotlicht als Umgebungsbeleuchtung überall verwendet, wo es auf höchste Sensibilität des Auges und auf deutliche Unterscheidung geringster Kontraste ankommt (z.B. auch in Einsatzzentralen zur Luftraumüberwachung, Ubooten usw.). Manchmal ist die Überzeichnung von Kontrasten durch Rotlicht auch nachteilig - z.B. in der Dunkelkammer. Jeder der mal SW-Vergrößerungen gemacht hat und in der Dunkelkammer der Meinung war, dass der Kontrast stimmt, wird sich anschließend schon einmal über das flaue Ergebnis, bei Tageslicht betrachtet, geärgert haben. Aus diesem Grund hat man später auf Gelb-Grün gewechselt, da bei dieser Beleuchtungsfarbe die Kontrastbeurteilung realistischer ausfällt.

Walter
 
Hallo Walter,

das mit der Übersteigerung von Kontrasten verstehe ich nicht ganz.
Wenn ich mit rotem Licht schaue, muss ich meine dimmbare Lampe relativ weit aufdrehen unm feine Strukturen zu erkennen.
 
Man bekommt im Leben nichts geschenkt. Es stimmt schon, das Auflösungsvermögen leidet (vor allem, wenn das rote Licht streng monochromatisch ist). Würde man blau-violettes Licht nehmen, dann würde das von Uwe Gesagte nicht funktionieren und man bekäme ein Auflösungsvermögen, mit dem das Auge mangels Kontrast wenig anfangen könnte.

An dieser Stelle könnte man auch gleich wieder den ewigen Helligkeits/Transmissions/Auflösungs/Kontrast-Streit bei den Ferngläsern weiterführen. Man bekommt auch bei denen nicht alles gleichzeitig in optimaler Form serviert, obwohl es dabei nicht um monochromatisches Licht geht. Man muß sich schon entscheiden (wie Leica=Kontrast und Zeiss=Transmission). Schluß - jetzt ist es aber gut.

Kontrast ist unseren Augen (oder unserem Gehirn?) jedenfalls viel lieber, als Auflösungsvermögen. Oder besser - unser Oberstübchen reagiert entspannter, wenn der Kontrast sehr gut und die Auflösung mäßig ist. Dagegen wird mäßiger Kontrast und sehr gute Auflösung eher als "insgesamt schlecht" eingestuft.

Walter
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben