ThN
Aktives Mitglied
Datum: 4.8.2008, 0:00-1:00
Ort: Bayerwalddörfchen
Standort: Innenhof
Gerät: Fernglas Nikon Action EX 10x50
Zubehör: Fahrradrücklicht, Voicerecorder, Starguide-Atlas
Hallo!
Hier ein kurzer Stimmungsbericht. Seit meinen letzten Milchstraßenbeobachtungen Ende Juni bin ich nicht mehr zum Spechteln gekommen. Gestern Abend war ich auch auf Grund reichlichen Mountainbikens (incl. leichter Rippenprellung und Abschürfungen) arg müde und hatte eigentlich keine Lust (dachte ich zumindest) als ich so gegen Mitternacht über den Innenhof zu meinem Schlafgemach im Nebengebäude schlurfen wollte. Das Hoflicht war aus. Und:
Der Nachthimmel haute mich fast um und ließ die Müdigkeit / Unlust sofort verfliegen! Schnell suchte ich mir meine Gerätschaften zusammen und machte es mir auf einem Gartenstühl gemütlich.
Wie schon im Juni war der Himmel erstaunlich transparent (man konnte es tagsüber schon an Hand der gut zu beobachtenden Flugzeuge erkennen) und diemal noch dunkler. Die Milchstraße war reich strukturiert und wirkte sehr elegant als matt-grau glänzendes Band. Unten, jetzt schon mehr Richtung Südwesten, brillierte Jupiter aufs feinste - ob der wohl der Nachtsicht abträglich ist? :gruebel: Auf unserem Innenhof haben wir nicht gerade Rundumsicht, aber die Sicht Richtung Süden ist nicht schlecht.
Dort stehen jetzt sehr schön und bequem die Sternbilder Adler, Pfeil, Delfin und Füchschen. Der Kleiderbügel Sternhaufen, Cr399 ist auch unübersehbar. Immer wieder schön im Fernglas zu beobachten: Die schnurgerade Kleiderstange und der Bügel, der etwas schief dranhängt. Der Pfeil ist so hübsch und kompakt, dass man mit dem Fernglas gleich draufhalten möchte - dann sieht er allerdings ein bisserl anders aus. Der eigentlich recht schwache Kugelsternhaufen M71 war heute gut zu erkennen. Man findet ihn leicht neben dem kleinen Sternenmuster um den Stern 9 Sge. Indirektes Schauen tut ihm gut.
Vom Pfeil aus ist der Hantelnebel M27 leicht zu finden. Im Fernglas schwebt er als ziemlich große (etwa 1/4 Monddurchmesser) silbrig-graue Scheibe.
Weiter gings in den Adler. Nördlich vom orangenen Tarazed, Gamma Aql, finden sich eine ganze Menge kleiner, aber ziemlich heller Sterne die tolle Sternenmuster bilden. Sie befinden sich etwa in der Linie Phi-Pi-Chi Aql. Rechts neben der Linie Gamma-Chi konnte ich deutlich Dunkel-Strukturen erkennen. Faszinierend diese schwarzen, bizarren Flecken und Schläuche, die sich vom milchigen Gewimmel der Milch(sic!)straße abheben. Besonders gut wird der Kontrast, wenn man indirekt an ihnen vorbeischaut. Heute morgen konnte ich dann Dank CdC und des eingebunden LDN-Katalogs (= Lynds' Dark Nebulae) herausfinden, dass es sich um die Dunkelnebel B142 und B143 handeln musste.
Als nächstes war dann der Schwan dran. Der Nordamerikanebel NGC7000 war wieder sehr detailreich zu erkennen: Golf von Mexiko und Lateinamerika hob sich gut ab, auch die Westküste (Kalifornien) hob sich schwach ab. Alles ohne Nebelfilter. An der nördlichen Grenze konnte ich deutlich eine dunkle Auskerbung erkennen. Es ist dies B153.
Letztens las ich im Interstellarum einen kurzen Bericht zum planetarischen Nebel NGC7027(Hi Nico!). Ausgangspunkt für die Suche war der markante rötliche Xi Cyg, knapp außerhalb des Nordamerikanebels. Von diesem Stern peilte ich in südliche Richtung zu einem winzigen Sternendreieck (war schwierig die drei gleichzeitig zu halten). Verlängert man zwei von ihnen, dann stößt man auf einen schwachen aber deutlichen Stern. Unterhalb davon ein ähnlich heller Stern. Das stand etwas im "Widerspruch" zum Starguide-Katalog. Da war nur NGC7027 abgebildet. Die Erklärung fand ich heute morgen. Der Starguide geht bei *Sternen* nur bis zur 9. Größe. Der eine Stern war also gar nicht abgebildet. Das führte dazu, dass ich bestimmt eine 1/4 Stunde mit dem Vergleich von anderen Sternenmuster und Peilen beschäftigt war um schließlich sicher zu sein, dass der *untere* der beiden NGC7027 sein musste. Ganz schön viel Aufwand!
Schließlich, zum Abschluss, war Jupiter dran. Wie immer hübsch im Fernglas - da wirkt er wie ein kleiner Vollmond. Gestochen scharf und brilliant die Jupitermonde. Ich meinte zunächst links drei und rechts einen Mond zu erkennen. Bei näherem Gucken waren es dann links doch nur zwei. Wenn ich nicht so genau hinguckte wieder drei. Freihändig FG-Gucken, selbst mit Aufstützen und ruhig atmen im "Zen-Modus", ist dann in Grenzbereichen doch nicht so einfach. Heute Morgen im CdC nachgeguckt: Ganymed und Callisto standen ganz dich (16") bei einander.
So! Mehr ging leider nicht wegen Müdigkeit. Außerdem entpuppten sich einige große Milchstraßenwolken dann als echte Wolken und es ging (glücklich) ins Bett!
Thomas
Ort: Bayerwalddörfchen
Standort: Innenhof
Gerät: Fernglas Nikon Action EX 10x50
Zubehör: Fahrradrücklicht, Voicerecorder, Starguide-Atlas
Hallo!
Hier ein kurzer Stimmungsbericht. Seit meinen letzten Milchstraßenbeobachtungen Ende Juni bin ich nicht mehr zum Spechteln gekommen. Gestern Abend war ich auch auf Grund reichlichen Mountainbikens (incl. leichter Rippenprellung und Abschürfungen) arg müde und hatte eigentlich keine Lust (dachte ich zumindest) als ich so gegen Mitternacht über den Innenhof zu meinem Schlafgemach im Nebengebäude schlurfen wollte. Das Hoflicht war aus. Und:
Der Nachthimmel haute mich fast um und ließ die Müdigkeit / Unlust sofort verfliegen! Schnell suchte ich mir meine Gerätschaften zusammen und machte es mir auf einem Gartenstühl gemütlich.
Wie schon im Juni war der Himmel erstaunlich transparent (man konnte es tagsüber schon an Hand der gut zu beobachtenden Flugzeuge erkennen) und diemal noch dunkler. Die Milchstraße war reich strukturiert und wirkte sehr elegant als matt-grau glänzendes Band. Unten, jetzt schon mehr Richtung Südwesten, brillierte Jupiter aufs feinste - ob der wohl der Nachtsicht abträglich ist? :gruebel: Auf unserem Innenhof haben wir nicht gerade Rundumsicht, aber die Sicht Richtung Süden ist nicht schlecht.
Dort stehen jetzt sehr schön und bequem die Sternbilder Adler, Pfeil, Delfin und Füchschen. Der Kleiderbügel Sternhaufen, Cr399 ist auch unübersehbar. Immer wieder schön im Fernglas zu beobachten: Die schnurgerade Kleiderstange und der Bügel, der etwas schief dranhängt. Der Pfeil ist so hübsch und kompakt, dass man mit dem Fernglas gleich draufhalten möchte - dann sieht er allerdings ein bisserl anders aus. Der eigentlich recht schwache Kugelsternhaufen M71 war heute gut zu erkennen. Man findet ihn leicht neben dem kleinen Sternenmuster um den Stern 9 Sge. Indirektes Schauen tut ihm gut.
Vom Pfeil aus ist der Hantelnebel M27 leicht zu finden. Im Fernglas schwebt er als ziemlich große (etwa 1/4 Monddurchmesser) silbrig-graue Scheibe.
Weiter gings in den Adler. Nördlich vom orangenen Tarazed, Gamma Aql, finden sich eine ganze Menge kleiner, aber ziemlich heller Sterne die tolle Sternenmuster bilden. Sie befinden sich etwa in der Linie Phi-Pi-Chi Aql. Rechts neben der Linie Gamma-Chi konnte ich deutlich Dunkel-Strukturen erkennen. Faszinierend diese schwarzen, bizarren Flecken und Schläuche, die sich vom milchigen Gewimmel der Milch(sic!)straße abheben. Besonders gut wird der Kontrast, wenn man indirekt an ihnen vorbeischaut. Heute morgen konnte ich dann Dank CdC und des eingebunden LDN-Katalogs (= Lynds' Dark Nebulae) herausfinden, dass es sich um die Dunkelnebel B142 und B143 handeln musste.
Als nächstes war dann der Schwan dran. Der Nordamerikanebel NGC7000 war wieder sehr detailreich zu erkennen: Golf von Mexiko und Lateinamerika hob sich gut ab, auch die Westküste (Kalifornien) hob sich schwach ab. Alles ohne Nebelfilter. An der nördlichen Grenze konnte ich deutlich eine dunkle Auskerbung erkennen. Es ist dies B153.
Letztens las ich im Interstellarum einen kurzen Bericht zum planetarischen Nebel NGC7027(Hi Nico!). Ausgangspunkt für die Suche war der markante rötliche Xi Cyg, knapp außerhalb des Nordamerikanebels. Von diesem Stern peilte ich in südliche Richtung zu einem winzigen Sternendreieck (war schwierig die drei gleichzeitig zu halten). Verlängert man zwei von ihnen, dann stößt man auf einen schwachen aber deutlichen Stern. Unterhalb davon ein ähnlich heller Stern. Das stand etwas im "Widerspruch" zum Starguide-Katalog. Da war nur NGC7027 abgebildet. Die Erklärung fand ich heute morgen. Der Starguide geht bei *Sternen* nur bis zur 9. Größe. Der eine Stern war also gar nicht abgebildet. Das führte dazu, dass ich bestimmt eine 1/4 Stunde mit dem Vergleich von anderen Sternenmuster und Peilen beschäftigt war um schließlich sicher zu sein, dass der *untere* der beiden NGC7027 sein musste. Ganz schön viel Aufwand!
Schließlich, zum Abschluss, war Jupiter dran. Wie immer hübsch im Fernglas - da wirkt er wie ein kleiner Vollmond. Gestochen scharf und brilliant die Jupitermonde. Ich meinte zunächst links drei und rechts einen Mond zu erkennen. Bei näherem Gucken waren es dann links doch nur zwei. Wenn ich nicht so genau hinguckte wieder drei. Freihändig FG-Gucken, selbst mit Aufstützen und ruhig atmen im "Zen-Modus", ist dann in Grenzbereichen doch nicht so einfach. Heute Morgen im CdC nachgeguckt: Ganymed und Callisto standen ganz dich (16") bei einander.
So! Mehr ging leider nicht wegen Müdigkeit. Außerdem entpuppten sich einige große Milchstraßenwolken dann als echte Wolken und es ging (glücklich) ins Bett!
Thomas