Edmund Astroscan: Okularauszug & Gummi-Trumm

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Phreedle

Aktives Mitglied
Liebe Astrogemeinde,

vor einigen Jahren habe ich mir gebraucht ein Edmund Astroscan 4,5" /445mm gekauft. Obwohl das Gerät wie eine Blumenvase aussieht und aufgrund seiner Gebrauchspuren keinen Schönheitspreis auf dem Teleskoptreffen gewinnen wird, konnte ich damit sehr schöne Großfeld-Beobachtungen machen (zuletzt bei Holmes).

Nun macht allerdins der Okularauszug Zicken.

Bei näherer Untersuchung fand ich eine recht rustikale Technik vor... Eine Metallhülse, die das Okular trägt, steckt in einer Öffnung. Die Fokussierung erfolgt über einen geriffelten Metallstab, auf dem eine Art Gummischlauch aufgesteckt ist. (Siehe Bild)
Link zur Grafik: http://englischseite.gmxhome.de/astroscan/Astroscan1.jpg

(Hier nochmal Detailfoto)
Link zur Grafik: http://englischseite.gmxhome.de/astroscan/Astroscan2.jpg

Das hat bislang wunderbar funktioniert, aber nun rutscht dieses Gummi-Trumm (alterungsbedingt?) durch. Die Drehknöpfe an diesem Metallstäbchen sind demontierbar - so weit, so gut. Aber dann? Ausbauen, Gummitrumm festkleben? Baumärkte nach passenden Gummitrümmern durchforsten? Oder gar einen "richtigen" Okularauszug hinbasteln? (Nein, ich denke da *nicht* an einen Crayford ;-)

Hat jemand hier schon mal so was gebastelt oder kreative Vorschläge?

Vielen Dank für alle sachdienlichen Hinweise,

Wolfgang F.
 
Servus!

Ein ähnliches Problem gibt es oft bei den Gummiwalzen von Druckern, das Papier ruscht dann durch. Abhilfe schafft hier das leichte Anrauhen der Walze mit feinem Schmiergelpapier. Könnt mir vorstellen,dass das hier auch funzt. Zusätzlich würde ich Auszugsrohr noch mit Alkohol oder was Ähnlichem entfetten.

CS Heinrich
 
Hallo Wolfgang,

wenn der Gummischlauch auf der gerändelten Welle durchrutscht würde ich Ihn festkleben.
Falls er aber am Auszugsrohr durchrutscht wird nur der Austausch gegen einen ähnlichen Schlauch auf Dauer was
bringen. Aufrauhen mit Schmirgelpapier wird nicht lange vorhalten.

Da die Knöpfe ja demontierbar sind kann die Welle mit Sicherheit aus dem Gehäuse und dem Schlauch herausgedrückt werden.

Solch ein dünner Gummischlauch, oder Vinyl, oder Polyurethan
wird sich nach einigem suchen finden lassen.
Zb. Baumarkt, KFZ Gewerbe, Benzinleitung usw. Im Durchmesser ein paar zehntel größer wählen als der alte, dann flutscht das Ding wieder.

Eventuell könnte man auch mehrere Elektroschrumpfschläuche übereinander aufschrumpfen bis der richtige Durchmesser erreicht ist.

Der Auszug wirkt übrigens schon nach dem Crayfordprinzip.

Hoffe etwas geholfen zu haben.

Gruß
Hans
 
Hallo, Wolfgang,

ich hatte auch mal einen Astroscan, der mich auf alle Urlaubsreisen begleitet hat und war sehr zufrieden mit dem Gerät. Er hatte allerdings auch diesen dämlichen Okularauszug, der gerade an der Stelle, an der für mein 4,8er Nagler der Focus lag, Probleme machte. Da der Auszug sowieso nicht genau auf der optischen Achse lag (verkippt), was ich beim Sterntest feststellte, habe ich mutig selbst Hand angelegt.

Ich kaufte mir bei Meade einen normalen 1 1/4" Okularauszug aus Metall, sägte mit einem mulmigen Gefühl den Auswuchs am Astroscan ab und schraubte den neuen Okularauszug nach stundenlanger Justier-Vorarbeit direkt am Tubus fest.
Das Loch, das noch im Tubus offen stand, klebte ich mit einer dünnen ABS-Platte zu, die ich vorher sauber angepasst hatte.
Eine abschließende rote Lackierung der beim Umbau in Mitleidenschaft gezogenen Bereiche des Tubus sowie der ABS-Platte gab dem ganzen ein annehmbares Aussehen.

Ich kann Dir sagen, der Umbau hat sich gelohnt!
1. Fokussieren ist jetzt eine Freude!
2. Der Sterntest zeigt, dass der Auszug jetzt gerade sitzt!

Ich habe übrigens die Filzauflagen der Basis entfernt, da vor allem bei höheren Vergrößerungen die Bewegung zu ruckelig war. Stattdessen habe ich, nach längerem Experimentieren, drei Deckel des Medikament Perenterol dort hingeklebt. Ich habe später sogar vom Hersteller in Holland noch eine Anzahl Deckel nachgeliefert bekommen, da diese mit der Zeit verschleissen und das Nachführen nicht mehr so weich ist. Mit diesen Deckeln ist jedenfalls sogar bei 200-facher Vergrößerung (das geht!) ein sauberes Nachführen möglich.

Ich hab noch was vergessen:
Der neue Okularauszug ist natürlich schwerer als die Original-Konstruktion, deshalb habe ich auf die Gewichte, die sich im Astroscan neben dem Hauptspiegel befinden, einige Bleiplatten aus dem Modellbau geschraubt.

Beim Umbau entstehen natürlich jede Menge Plastikspäne, deren Eindringen Richtung Spiegel ich weitgehend durch Zustopfen mit Küchenpapier verhindert habe. Anschließend habe ich den Tubus mit dem Staubsauger von innen gereinigt.

Natürlich geht man mit diesen Aktionen ein gewisses Risiko ein. Wenn man aber umsichtig und vorsichtig zu Werke geht, ist es halb so schlimm.

Vielleicht hilft Dir meine Beschreibung etwas weiter.

Gruß

Peter
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Vielen Dank an alle für die Vorschläge! Ich werde wohl erst mal als Minimallösung versuchen, das Gummiteil wieder festzukleben und etwas aufzurauhen.

@PFR: Bin beeindruckt von der mutigen Optimierungsmaßnahme - aber allein beim Gedanken, eine Säge an meine "Blumenvase" anzusetzen, wird's mir mulmig! Ich fürchte, das übersteigt meine handwerklichen Fähigkeiten deutlich.

Aber wenn's nicht zuviel Mühe macht: ein Bild vom getunten Astroscan würde mich sehr interessieren... ;-)

Grüße, phreedle
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben