Hallo Stern- und Wolken-(?) freunde!
-Wie wahr, Werner (!):
"Mondhelle Nächte haben ja eine eigene Stimmung und ein wenig Beobachtung ist ja trotzdem möglich."
-Ja! Und man sollte nicht nur an Sterne denken! Auch an den Mond und dessen Begleiter!
"Und bevor man Entzugserscheinungen bekommt, nutzt man lieber so eine Nacht. (hab ich gestern auch gemacht)"
-Ich auch!
Bei uns im Gau (Allgäu) regnete es gestern um 22 Uhr noch, nachdem das Wetter an Nachmittag noch blau-weiß durchwachsen gewesen war. Dann tauchte der Mond aus den Wolken auf.
Wolken und Vollmond! Des Astronomen größter Feind? - oder manchmal auch Freund?
Der tiefstehende Sommervollmond sollte die umliegenden Wolken noch auf bizzarste Weise durch/be-leuchten und ich daher in dieser Nacht "die Wolken bei Vollmond" lieben lernen! Jetzt weiß ich: "Wolkenumhangene Vollmondnächte sind eine Sache für sich!
Eigentlich wollte ich ja nur den neuen OAZ meines 6"/f5 FH justieren
(nicht etwa den reparierten, meines Dobson, den ich zu Hause gelassen hatte!),
aber der Himmel wollte es anders.
Nach dem Regen, es war so etwa 23 Uhr (und das Gewitter nach Osten weiter gezogen), als die ersten freien Wolkenlücken sich zeigten, packte ich erst einmal meinen Schaukelstuhl und mein 5x32 FG aus und sah mir die fernen Blitze und ersten freien Sternfelder (in Cygnus und Cassiopeia) im Fernglas an.
Wir waren nur noch am Rande des vorbei gezogenen Gewitters.
Dann riß die Decke der teils schwarzen Stellen, teils weißen Wattebauschwolken des Himmelsgewölbes auf, und spannte ein Netz aus Sternen über den Himmel, als mich plötzlich die Wolken im Umkreis des Mondes in den Bann zogen.
Nicht mich - ich wurde nicht zum Werwolf - meine Augen!
Der niedrig stehende Sommer-Vollmond sah mir immer wieder einmal kurz entgegen, be-/durch-leuchtete jedoch meist die umliegenden Wolken, in einem Kreisdurchmesser von etwa 10°. Ein strukturiertes farbiges Wolkenpanorama, welches als Ganzes, (teils fast unbeweglich statisch, dann wieder in Umgestaltung), langsam von W nach O zog!
Jetzt und die folgende dreiviertel Stunde gab es für meine Augen und auch mein FG, nur noch den Umkreis des tiefstehenden Mondes:
War das ganze Spektakel schon für´s bloße Auge beeindruckend, wurde es im 5x32 Fernglas zur Offenbarung!:
Bei dahinterliegendem Mondlicht wurden Wolkenkanten und viele andere feinste Strukturen sichtbar.
Auf´s detailierteste durchleuchtet erscheinen sie nicht nur von tiefstem Schwarz und sondern in Farben!
Aber zunächst einmal fiel mir ein "tief ins All gestufter Wolkenraum" ins Auge.
Je nach Perspektive zur/Stand der Wolke(n) teils scharfkantig, teils rund, teils feinst gefiedert, also mit einem Spektrum an räumlichen Strukturen, die einen jeden Astronomen, beim Versuch, sie zu beschreiben, nur noch ins Grübeln gebracht hätten!
Ja, bei deren Angesicht selbst das kosmische Auge "Hubble" vor Neid erblaßt wäre!
Und wenn "ein Stern(enfeld) im leeren Raum hinter den weißen, geisterhaften Gestalten vorbeizog", dann wurde das ganze zu einem Deep Sky-Märchen:
Es war einmal... wieder ein unglaublicher Blick ins Weltall! Was da für riesige, plastische, farbige Nebel hinter den Sternen lagen!
Diese bunten Farben der Wolken, die da bei bloßem Auge und noch heller im Fernglas in Weiß, Blau, Ocker, Braun und Rot leuchteten!
Unglaublich, für denjenigen, der so etwas nicht selbst gesehen, selbst erlebt hat!
Zwischen durch immer wieder ein klares Vollmondgesicht, dann wieder ein neue, galaktisch tolle, terrestrische Nebel-wolken-landschafts-episode!
Es dauerte ein Weile, bis ich staunend hin blickend, herausfand, dass die Farbe einer Wolke vom Abstand zum Mond abhängt/ und daher wechselt.
Aber eigentlich ist es klar und ersichtlich!:
Es war jener farbige Halo (des Vollmondes), dessen Farbkreise schon bei dunstigem wolkenlosen Himmel sichtbar sind/werden:
Ein Vollkreisregenbogen!
In diesem Fall waren die Wolken in ihn getaucht, von ihm gefärbt!
Und da sie sich zu ihm hin oder von ihm weg bewegten, änderten sie ihre Farbe, was ihre Struktur, da in anderem Licht, noch plastischer erscheinen ließ.
Ganz krass wurde es dann, wenn weiße West-Wolken, gerade noch neben dem Mond, nun vor diesen zogen, und als schwarze Ostwolken davonflogen:
Es war, als ob der Mond sie kurzzeitig schwärze - Magie! Das kennt ein jeder!
Farbige Wolkenstrufturen, plastisch, hell und räumlich, wie ich sie nur mit Hubble-Weltraumbildern vergleichen kann!
Teils mit Sternen durchsetzt, teils aber auch (durch unsichtbare, da schwarze Wolken) so dunkel, dass sie sternleere Felder (DN) vorgaukeln.
Oder waren (es) gar echte DN darunter?
Zogen die Wolken schneller dahin, dann schien es, der Mond wandere in der Wolkenlandschaft - so, wie wir auch nicht der Meinung sind, das Auto fahre nicht, sondern die gesamte Landschaft (Erde) bewege sich unter ihm hinweg! Zauberhaft!
Nur durch Sterne, wenn sie denn in einem Wolkenloch "auftauchten", wurde besser erkennbar, dass die "Wolkenschaft" wanderte, nicht der Mond.
Eine folgende, geschlossene Wolkendecke beendete leider das Schauspiel kurz vor Mitternacht.
Mond und Sterne waren plötzlich weggewischt und so wurde es auch mit dem Justieren des OAZ´s nichts mehr.
Ein andermal!
Hat schon jemand ein ähnliches, derart beeindruckendes Vollmond-Wolken-Schauspiel erlebt?
Sicherlich gibt es den ein oder anderen "Wolkenliebhaber" (der sich aus diesem Grund den tollen Wolkenatlas von Winfried Berberich) gekauft hat!
Also, liebe Wolken, zieht am besten nur in den Vollmondnächten auf.
Da(nn) werde ich auch euch meine größte Aufmerksamkeit schenken!
Gruss, Vollmond-wolken-beobachter Helmut