Ein Feuervogel aus Namibia

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frasax

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Hallo

Es gibt viele Namen für den Nebel, den ich euch heute zeigen möchte. Rim Nebula, Feuervogel, Great Wall of Ara oder Figthing Dragons of Ara. Natürlich sind das alles Trivialnamen, tatsächlich wirkt das Objekt auf mich aber wie eine Gestalt aus einem Fantasy Film.

Hier das Bild und auch noch eine reine Ha Variante. Der Komet C/2013 X1 (PanStarrs) ist mir auch noch durchs Bildfeld geflogen, fiel aber radikal der Ausreisserstatistik zum Opfer.

Link zur Grafik: http://astrophotocologne.de/astrophotocologne/bilder/NGC6188_Small.jpg

50% Ansicht
100% Ansicht


Link zur Grafik: http://astrophotocologne.de/astrophotocologne/bilder/NGC6188Ha_Small.jpg

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30x600s L
12x600s R
12x600s G
12x600s B
30x600s Ha

Aufgenommen im Juni/Juli 2016 auf der Kiripotib Guest Farm in Namibia
Takahashi FSQ 106 ED
Moravian G3-16200
Baader LRGB und Ha Filter

Etwas zur Aufnahme und Bildbearbeitung.
Die Belichtungszeit ist natürlich schon üppig. Man könnte sich fragen, ob man nicht auch mit weniger ausgekommen wäre. Ich habe den Luminanzkanal gar nicht entrauscht, und die Farben nur leicht von einem Farbrauschen befreit. Es gab zudem nicht einen (!) Gradienten im Bild. Die Bildbearbeitung war daher fast trivial:-)
Das Bild wurde mit Theli, PixInsight und Adobe Photoshop bearbeitet. Es handelt sich um ein LR(ha)GB.

Zum Objekt:

Great Wall oder Rim Nebula sind nahe liegende Bezeichnungen für NGC 6188, auf Grund der Struktur des Nebels. Man erkannt diesen Rim, der von Norden (unten) nach Süden durchs Bild läuft. Die HII Region hört auf den Namen NGC6188, viel interessanter ist aber der Sternhaufen NGC 6193, der den zentralen Teil des Nebels bildet. Der Sternhaufen beinhaltet etliche B und O Sterne. Es sind diese heißen O Sterne (hier im Bild die Gruppe der hellsten Sterne im Zentrum) die den Gasnebel zum leuchten anregen. Außerdem pusten sie mit ihrem Strahlungsdruck das Material fort, wodurch sich überhaupt erst der Bright Rim bildet.

In der KW 52 2016 war das Objekt Astrofoto der Woche hier auf Astronomie.de https://www.astronomie.de/neuigkeiten/detail/News/52-woche-ngc-6188-ein-suedlicher-emissionsnebel/

Im Text von Peter Riepe erfährt man weitere interessante Details über die hier im Bild gezeigten Objekte. Sehr spannend ist dabei natürlich der sonderbare S-förmige Nebel rechts oben im Bild, NGC 6164-5. Es handelt sich zwar nicht um einen Wolf Rayet Stern wie es Peter Riepe im AdW Text schreibt, aber um eine Vorstufe eines WR Sterns. Der Zentralstern dieses bipolaren Nebels, ein sogenannter Of Stern, ist sehr massereich und schleudert Masse und Strahlung in seine Umgebung. Ganz leicht erkennt man in meinem Bild einen sichelförmigen Bogen, links unterhalb des Nebels. Hätte ich auch noch Aufnahmen mit [OIII] Filter gemacht, würde man erkennen, dass diese Sichel Teil eines äußeren Halos ist, den der Stern wohl gebildet hat. Nun wird es aber, wie ich finde, erst richtig spannend. Peter Riepe hat nochmal etwas recherchiert, wobei ihm aufgefallen ist, dass HD148937 (der zentrale Stern) einen noch viel weitreichenderen Einfluss auf seine Umgebung hat.

Link zur Grafik: http://astrophotocologne.de/astrophotocologne/bilder/NGC6188Blase.jpg

In diesem Bild erkennt man eine ringförmige Struktur in der HII Region. Dieser Ring verläuft exakt durch die feinen Filamente von NGC 6188 im oberen Teil des Bildes, und auch entlang des Rims. Also wirkt der Sternhaufen auf der einen Seite (und innerhalb des Nebels) auf NGC 6188 und der Of Stern von der anderen Seite. Wir erkennen also die große kosmische Dynamik die hier von statten geht.

Beim fertigen Bild fiel mir dann irgendwann ein kleiner, knallig roter Punkt in der unteren rechten Bildhälfte auf. Ich hielt das zunächst für ein Artefakt, doch als ich näher rein zoomte, war ich erstaunt über die Struktur, und darüber dass sich das Objekt nur im Ha Kanal zeigt. Ein Vergleich mit dem SDSS Katalog zeigte das Objekt auch, allerdings mit überhaupt gar keinem Eintrag. Ganz kurz sah ich schon die Publikation von Sackenheim-1 vor meinem geistigen Auge, doch vorher wollte ich noch den Astronomen meines Vertrauens konsultieren. Und wenige Minuten später bekam ich schon Antwort. Es ist der planetarische Nebel Hen 2-169. Der Entdecker, Karl Gordon Henize, hat eine interessante Biografie. Aber ich beende hier mal meinen Aufsatz.

Ich hoffe das Bild und die Informationen gefallen euch. Ich hatte sehr viel Spaß beim bearbeiten und zusammenstellen.

CS Frank
 
Ein Augenschmaus Frank!
Das würde ich mir schön groß ins Wohnzimmer hängen.
Ich sehe da ein fiesen Drachen der gerade im Flug angreift.
Immer wieder unglaublich was die Natur für Formen hervor bringt und wir da rein interpretieren können ;)
Toll

Grüße Flo
 
Hallo Frank

Da hast du viel Zeit investiert und die Tiefe kann schon etwas. Das Bild gefällt mir echt gut (die Farbintensität ist mir persönlich zu stark - nur meine Meinung!).

Im rechten unteren Bereich der H-Alpha Aufnahme ist so etwas wie ein kleines Rauchringerl zu sehen - ist das nur eine zufällige Anordnung von Sternen - im Farbbild ist es nur sehr schwach zu erkennnen.
Hänge das Bild dazu was ich meine
Link zur Grafik: http://astrob.in/286614/0/rawthumb/gallery/get.jpg
 
Hallo Frank,

Du präsentierst hier einen sehr schönen Thread. Angefangen von den tollen Bildern bis über die Informationen zum Objekt ist Dir alles sehr gut gelungen.
Die Geschmäcker gehen was die Intensität der Farbe betrifft sicher auseinander, mir wiederum gefällt es so sehr gut. Der Link zum AdW zeigt ein recht fades, schwach farbiges Bild für meinen Geschmack. Wir reden ja von leuchtenden Emmissions- Nebeln, da darf es auch etwas leuchten im Bild. :-)
Was mir sonst noch gut gefällt ist deine gewählter Bild Ausschnitt, er unterstützt die Form des Objekts und sieht einfach nur klasse aus.

Gruß Frank
 
hallo Frank,

ein sehr ansprechendes Projekt, das Farbbild ist toll geworden, die Positionierung unterstützt die Bildwirkung wie Frank_ auch schon anmerkt. Farben, Formen, Intensitäten sind gut ausgewogen, die Stoßfronten und die Filamente fein im Detail. Fein auch die Hintergrundinfos, jetzt weiß man mehr was da abgeht und sieht den fast-WR richtig sprudeln :-)

lg Tommy
 
Hallo Stefan, Flo, Markus, Reinhard, Frank, Tommy und Jens.

Vielen Dank für eure Kommentare. Mir bereitet das Bild ebenfalls viel Freude.

@Reinhard: Was das für ein Kringel sein könnte, weiß ich nicht. Tatsächlich ist es aber real, und ich habe ihn in anderen Schmalbandaufnahmen gefunden. Das könnte auch wieder auf einen PN oder SNR hindeuten.

Bezüglich der Farbsättigung: Ich habe diese Diskussion eigentlich erwartet. Ich habe hier auch wirklich die Sättigung bis an die Grenze getrieben. Mehr, und es wäre für mich geschmacklos.
Ich hatte zuerst eine deutlich andere Bildbearbeitung mit einer deutlich geringeren Sättigung. Aber das hat mir gar nicht gefallen (obwohl es solche Aufnahmen auch im Netz gibt). Ich habe die Bildbearbeitung dann aber nochmal anders gemacht, und dadurch wurde es überhaupt erst möglich diese Sättigung zu erreichen. Viel wichtiger war es, die Farbdifferenzierung zu erhalten, und das hat trotz Ha einigermaßen geklappt.

Früher war ich kein Fan von soviel Farbe, aber heute machen viele Astrofotografen für meinen Geschmack zu blasse Aufnahmen.

CS Frank
 
Hallo Frank,

ein sehr schönes Bild dieser Region, von der Farbe her gefällt es mir sehr gut, noch mehr muss aber nicht sein, da stimme ich dir zu :-)
Hier zeigt sich schön, dass gerade in den dichten Sternbereichen die Halpha-Aufnahme den schwächeren Nebelteil nochmal deutlich nach vorne bringt. Die reine s/w-Aufnahme finde ich von den Strukturen her fast noch besser, da gerade das Rot in den hellsten Bereichen im Farbbild schnell an die Sättigungsgrenze kommt, vor allem bei den im Vergleich zum Rest verdammt hellen "Henkeln" von 6164/5 und an der Ionisationskante.

CS
Franz
 
Hi Franz,

auch dir vielen Dank für die netten Worte. Man könnte natürlich auch hier wieder mit Masken arbeiten und die äußeren Bereiche stärker betonen, als die ohnehin hellen. Die gelben und orangen Sterne habe vielleicht auch etwas viel Ha abbekommen, ach Bildbearbeitung ist ein nicht endendes Thema:-)

Der von Reinhard entdeckte Kringel (Chapeau, den habe ich übersehen) heisst PCG 11 , ein Wolf Rayet Nebel, der erst 2005 entdeckt wurde.

CS Frank
 
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