Ein grünes Monster - IC 4628

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frasax

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Hallo,

doch noch nicht mein letztes Bild aus der Namibia Serie, aber das vorletzte. Es handelt sich um IC 4628 auch als Prawn Nebula (Garnelennebel) bekannt. Andere Namen bzw. Objekte die mit dieser HII Region assoziiert werden sind: RCW 113 (damit ist vermutlich die weit größere HII Region gemeint), Gum 56, Trumpler 24 (womit der Offene Sternhaufen gemeint ist, der für die Ionisation verantwortlich ist. Unter anderem ist das der O Riese HD 152723, im Bild sichtbar als zentraler, heller Stern mittig in IC 4628 ).

Bei der Bildbearbeitung habe ich dieses mal recht "brav" die Hubble Palette verfolgt. [SII] ist also rot, Ha grün und [OIII] blau. Ich habe beim bearbeiten natürlich experimentiert, und zunächst mal versucht die "goldbraune" klassische Hubble Färbung hin zu bekommen, aber mich letztendlich für die hier gezeigte Variante entschieden. Man erkennt so sehr deutlich die Differenzierung der Elemente. Der Sauerstoff benötigt viel mehr Energie zur Ionisation als der Wasserstoff. Darum ist die Ausdehnung des [OIII] Anteils, lokal viel begrenzter (sog. Stroemgren Spähre). Hier im Bild deutlich sichtbar, der blaue Anteil beschränkt sich ausschliesslich auf die "Höhle" in unmittelbarer Umgebung der UV Strahler. Etwas anders verhält sich das alles mit dem Schwefel, aber darauf werde ich bei meinem nächsten Bild eingehen.

Die Bearbeitung war, wie so oft bei Schmalbandaufnahmen, experimentell. D.h. anfangen, verwerfen, neu machen und anders probieren. Genau da zeigt sich ein Manko meiner Bildbearbeitung. Nach all den Jahren schaffe ich es immer noch nicht die Zwischenschritte sauber zu dokumentieren und ab zu speichern. So ist das hier gezeigte Bild ein Produkt aus einer Improvisation :-) Mit einigen Schwächen:

1. Ich konnte keine künstliche Luminanz einbauen um ggf. noch mehr Details heraus zu kitzeln.
2. Die Sterngrößen der einzelnen Kanäle waren unterschiedlich. Daraus ergeben sich Halos, die leider im Zentralbereich zu sehr merkwürdigen Artefakten führen.

Aus diesen Gründen gibt es dieses mal keine ganz große Version für Detailverliebte.

Genug gesagt, ich hoffe das Bild gefällt, trotz seiner ungewöhnlichen Farbgebung (Grün ist ja eigentlich ein No Go:-))


Link zur Grafik: http://astrophotocologne.de/astrophotocologne/bilder/IC4628_Final_Small.jpg

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Aufnahmedaten:
Juni/Juli 2016 auf der Kiripotib Farm in Namibia
Takahashi FSQ 106ED
Moravian G3-16200
8400 s Ha
8400 s [OIII]
8400 s [SII]
Baader Filter
Bildbearbeitung mit Theli, PixInsight und Adobe Photoshop CC

CS Frank

 
Hallo Frank,

für Objektauswahl und den gewählten Bildausschnitt gibt's ein sehr gut, Farbe ist Geschmacksache, mir gefällt es nicht so sehr. Wo du aber nochmal bei gehen solltest sind die Sterne. Sie wirken wie rein kopiert. Weiß nicht wie du du da vorgehst aber vielleicht bekommst du das noch besser hin. :)))

Gruß

Frank
 
hallo Frank,

der Nebel gefällt mir auch in Grün sehr gut, mit ein bissl Selbstüberredung gehts ja ins Gelb. Die Details sind super!

Mit den Sternen hab ich auch Probleme, erstens die dunklen Höfe, und zweitens rote und blaue Sterne in diesem komplett anderen Farbraum, das schlägt sich finde ich.

Sterngrößen im RGB muss man halt anpassen. So mancher macht Decon mit der Lumi, und wenn dann die Farbe kommt gibts die Krise.

lg Tommy
 
Hallo Frank, Markus und Thommy,

danke schonmal für eure Kommentare. Ich sehe schon, das Bild wirft Fragen auf:-)

@Frank: Ich glaube das mit den Farben würde ich selber auch kritisch sehen, wenn es nicht mein eigenes Bild wäre. Es ist beim rumexperimentieren plötzlich so gewesen, und mein Bauchgefühl sagte mir: So muss das. Aber vielleicht mache ich auch nochmal eine andere Version.
Was die Sterne angeht: Die sind gar nicht geschärft. Es mag so aussehen, eben aus genannten Gründen. Perfekt ist das nicht, aber ich sehe keinen anderen Weg im Moment.

@Tommy: Ja wie gesagt, kein Decon hier, einfach bedingt durch die unterschiedlichen Größen der Sterne in den Filtern. Ich arbeite eigentlich mit Sternlosen Versionen und füge dann nachher die Sterne ins fertige Bild ein. Problem ist: Keine der Sternentfernungsmethoden funktioniert mehr bei mir. Weder Staub und Kratzer noch Straton. Es kommt wirklich nur absoluter Murks raus. Muss am neuen Setup liegen und/oder an Namibia. Vielleicht zu sehr undersampled? Ich verzweifel fast dran.
Was die Sternfarben angeht: Ich hatte schlicht keine RGB Sterne, da das Objekt sozusagen die Zugabe war, als ich mein eigentliches Programm durch hatte. Ich finde aber, wenn man schon falschfarben Nebel hat, kann man auch falschfarben Sterne haben:-) Ich mags irgendwie.

CS Frank
 
Hallo Frank,

ich glaube, in Deinen Rohdaten steckt noch viel mehr drin.
Die grüne Farbe ist sehr dominant und schluckt so die mögliche Farbdifferenzierung. Kurzum: Leider ist das Bild überhaupt nicht mein Fall. Das kannst Du besser.

Mein Tipp:
Auch wenn es schwer fällt: Die dominanten H-alpha Bereiche müssen bei solchen Bildern bei der EBV deutlich abgeschwächt werden, sonst besteht solch ein Bild immer nur aus einer Farbe. In diesem Fall eben Grün.

Abschwächen aber dahingehend, dass nur die Helligkeit relativ zu den anderen Farben zurückgefahren wird, aber nicht die Dynamik. Diese kann man zu Lasten der Helligkeit (ist ja gewünscht) sogar noch verstärken, was dem Endergebnis gut tut.

Sterne stören bei der Bearbeitung erheblich, darum müssen diese rigoros raus. Man kann auch aus den Schmalbandaufnahmen saubere Farbsterne ohne Höfe erstellen, diese etwas weichzeichnen und dann einigermaßen harmonisch einfügen. Dabei kannst Du Sternfarben frei wählen. Sterne bei der Nebel-EBV sind immer ein Klotz am Bein.
Bei der Hubble-Palette ist es ja prinzipiell egal, welche Farben die Sterne haben. Man kann auchmal überlegen, die Sterne ganz rauszulassen.

Viele Grüße
Rolf
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Rolf,

danke auch dir für dein Feedback, wenn es auch kein positives ist.

Wo ich dir, und den anderen Schreibern uneingeschränkt Recht gebe, ist, dass die Sterne in dem Bild misslungen sind. Das sollte ich in der Tat besser können. Werde mich die Tage noch einmal dran setzen.

Dein Vorschlag ist mir allerdings zu dogmatisch. Was heisst man muss die Ha Bereiche abschwächen? Letztendlich gibt ja das Objekt vor, welche Anteile stark und schwach sind. Das extreme pushen der schwachen [OIII] und [SII] Kanäle (bei solchen Objekten, wo diese Kanäle nicht ohnehin schon stark sind) erschien mir zuletzt immer unästhetischer, nicht zuletzt, weil es nichts mit der Physik der Objekte zu tun hat.

Meiner Meinung nach hat das Bild die Schwäche, dass ich mir im vor hinein nicht schon genug Gedanken gemacht habe, was ich eigentlich erreichen will. Die Hubble Palette macht m.E. nur bei sehr hellen Nebeln Sinn, nicht bei diesem hier. Ein HaLRGB wäre hier die bessere Wahl gewesen. Werde ich evtl. nachholen.

CS Frank


CS Frank
 
Hallo Frank,

Das knallt rein !
Aber mir gefällt es auch wenn das mit den Sternen sicherlich
noch besser geht !
Die Details sind jedenfalls Klasse !

Grüße
Rocky

 
Hi Frank,

Ich kann dich verstehen. Manchmal sitz ich auch vor der Bearbeitung einer Hubble Palette, alles ist noch grün, aber irgendwie finde ichs geil. Nur lass ich es dann am Ende nicht so :D
In sofern schon mal Respekt für deinen Mut. Sterne hin oder her, das Motiv hat was zu bieten und mir gefällt auch deine Version hier.

Viele Grüße
Jens
 
hi Frank,

immer dasselbe Procedere ist eh fad, es ist sehr gut wenn du andere Wege probierst und die auch zeigst wenn sie nicht so perfecto sind! Dann maulen halt welche, ist auch richtig so, aber wir haben eine Diskussion. Bringt uns alle weiter als "hey super, weiter so" und finito.

Die undersampelten Sterne sind schwer raus zu bekommen, ich verwende hemmungslos alle mir erreichbaren Mittel in Kombination.
- star reduction script in PI (das geht gut, aber nicht komplett)
- Sternmasken machen und Stern Helligkeiten dann reduzieren
- Staub&Kratzer Kaskade (dann mit kleineren Radii anfangen)
- Straton (selten, das macht mühsame Artefakte)
- Bereichsreparaturwerkzeug in PS für den Rest

Wundermittel gibts keine... PS: Ich kenne auch einen sehr prominenten Kollegen der sagt
"ach was, ich stemple einfach alle weg, dann gehen keine Details verlorn.
Auch in der Milchstrasse, ich tu dabei Fernsehen dann ist es nicht so fad"

lg Tommy
 
Hallo Frank,

die Aufnahme gefällt mir sehr gut, die Details in deinem Bild sind erstklassig.

Warum dürfen die Ha-Anteile bei einer Falschfarbenaufnahme eigentlich nicht grün sein,
auch die Hubble-Palette ist leztendlich eine Falschfarbenaufnahme, nur ist man halt da die Farben so gewohnt.


LG
Michael
_____________________
www.galaxyphoto.de
 
Hi Tommy und Michael,

@tommy: Sterne wegstempeln mit solchen Bildern, das ist meines Erachtens Folter:-) Das PI Script kannte ich noch gar nicht, werde ich mal testen. Das Sampling scheint mir aber einen gehörigen Streich zu spielen.

@Michael: Danke für den Kommentar, genau genommen muss Ha sogar grün sein, um die größtmögliche Spreizung der Farben zu bekommen (Im "Farbrad" liegen rot, grün und blau ja am entferntesten auseinander). Nur wie Rolf schon geschrieben hat, wenn das Ha so stark dominiert ist eine Differenzierung schwierig. Das wird allerdings dann noch schwieriger wenn man Ha und [SII] roten Tönen zuordnet.

Für mich eine der schönsten Aufnahmen der letzten Jahre ist die von PanStarrs gewonnene Aufnahme der M8/M20 Region:
https://apod.nasa.gov/apod/ap121012.html

CS Frank
 
Hallo Frank,

der Titel mit dem grünen Monster trifft genau den Ersteindruck :-)
Auf den zweiten Blick beeindrucken die phänomenalen Details in dem Nebel.
Von mir aus hättest du das ganze auch noch in einer weiteren Version in "herkömmlichem" Rot darstellen können (als Ha:OIII:OIII), dann würdest du den konservativen Sternfreunden wie mir eine Freude machen.

Ich finde es jedenfalls durchaus schön, mal eine Hubble-Palette mit realistischer Wiedergabe der Strahlungsanteile zu sehen. Es wird ja oft für die Hubble-Palette (die ich von der Ästhetik her manchmal durchaus schön finde) ins Feld geführt, dass sie besonders gute Rückschlüsse auf die physikalischen Verhältnisse in einem Nebel gestatte. In der Praxis haben die meisten Hubble-Paletten aber rein gar nichts mit der Realität zu tun, sondern es wird einfach so lange an den Reglern gedreht, bis das Ergebnis gefällt.
Das mag wie gesagt durchaus nett aussehen, gibt aber definitiv nicht die Temperaturverteilung in dem Nebel wieder. Insofern finde ich dein Experiment mit dem "natürlichen" grünen Monster spannend.
 
Hallo Stefan,

danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich habe noch ein Objekt für eine Hubble Palette auf der Festplatte, evtl. werde ich das hier gezeigte Bild in einem Rutsch nochmal mit bearbeiten. Dann in der roten Version.

Die Hubble Palette ist ein besonderes Spielfeld, da sie so ziemlich alles erlaubt. Das macht das Thema auch so spannend. Freejazz sozusagen:-)

CS Frank
 
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