Ein kleines Deep-Sky-Fenster...

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Hallo!

Nein, in den 1980ern war der Mond so gar nicht mein Freund. Er tauchte immer dann auf, wenn ich Galaxien und schwache Nebel beobachten wollte. Das Mondgesicht schien dabei irgendwie noch hämisch zu grinsen :devilish:: So, jetzt ist Schicht im Schacht mit Deep-Sky...

Und ja, natürlich gab es die Jahrbücher mit den Auf- und Untergangszeiten. Aber irgendwie wäre eine kleine Grafik praktischer gewesen, ein "Deep-Sky-Fenster". Erste Ideen dazu versuchte ich, mit dem damals neuen C 64 auf den Fernseher(!) zu bringen. Monitore waren zu dieser Zeit richtig teuer, sowas konnte ich mir nicht leisten. Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, was dieser kleine Kasten ausgelöst hat. Astronomieprogramme gab es dafür aber (noch) nicht.

Für einen Monat machte ich ein Diagramm, welches Sonnenauf- und -untergang sowie die Zeiten für die astronomische Dämmerung (Sonne 18° unter dem Horizont) berechnete. War außerdem der Mond über dem Horizont, wurde noch ein kleiner Kreis gezeichnet. War die Mondhöhe kleiner als 5°, wurde dieser Kreis noch schwarz ausgefüllt. Im Diagramm liegt das jeweilige Datum auf x-Achse, die jeweiligen Uhrzeiten auf der y-Achse. Ich hatte es so gemacht, dass pro Spalte eine Beobachtungsnacht berechnet wird, um 0:00 wechselt also auch das Datum auf den neuen Tag.

Lustig ist, dass ich diese Diagramme heute immer noch benutze(!) :). Nach der C 64-Zeit passte ich das Programm auf den Atari ST an (Omikron-Basic), später dann in Visual Basic für den PC. Heute läuft das Programm noch in der Entwicklungsumgebung von VB6 unter Windows 10, hier ein Beispiel für den Januar 2022:

dsf_jan_22.png
 
Hallo Volker,

feine Sache das!
Ich programmiere auch gerne solche kleinen Tools. Allerdings konnte ich das noch nicht in den 80ern in Ermangelung eines Computers. Ich erinnere mich nur an einen ZX81 und einen Fernseher, auf dem Kreise, Dreiecke und andere geometrische Figuren herumschwirrten. Hatte ein Bekannter. Astronomische Berechnungen waren mir damals fremd. Später in der Schule hatte ich dann eine Bekanntschaft mit Pascal (also der Sprache :LOL:).

Dass du das Tool immer noch nutzt ist lustig, musste wohl einige Male portiert werden auf die entsprechende Plattform. Würde mich interessieren, welchen Originalcode du für die Erstversion benutzt hast und wo du den her hattest?

Also die oberste und unterste Linie sind der Sonnenauf- bzw. untergang, die anderen beiden die astronomische Dämmerung. Deep-Sky Fenster müssen demnach die "freien Flächen" sein, also diese "Dreiecke" links und rechts.
Man sieht z.B. sofort, dass man am 25.1.2022 von 19:00 bis ca. 02:00 am nächsten Tag beobachten könnte, danach kommt der Mond daher. Oder am 5.1.2022 ab 20:00 Uhr bis zum Morgengrauen.

Nicht schlecht! Manchmal sind die einfachsten Dinge die besten.

cs,
harald

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Hallo Harald,

danke für dein nettes Feedback. Den ZX81 kenne ich auch noch, der hatte glaube ich nur 1k Speicher, vielleicht ja der Anfang der Heimcomputer. Ein Astrokollege besaß damals noch den VC 20...

Würde mich interessieren, welchen Originalcode du für die Erstversion benutzt hast und wo du den her hattest?
ganz zu Anfang ging Punktesetzen mit dem C64 nur in Assembler, was die Sache sehr schwierig :eek: machte. Die Originalprogramme schrieb ich in Simon´s Basic. Dieses einsteckbare Modul erweiterte den kargen C64-Basic-Wortschatz richtig gut, vor allem waren jetzt einfache Grafiken möglich (Punkte setzen, Linien, Kreise...).

Den Code habe ich selbstentwickelt, dabei benutzte ich für Sonne und Mond nur die wichtigsten zeitabhängigen Glieder, da es hier nicht sooo auf Genauigkeit ankam. Alles ist modular aufgebaut (jul. Datum, Zeitgleichung...). So kann ich diese Module auch schnell für andere Programme verwenden.

Visual Basic 6 war zu Zeiten von Windows XP aktuell. Ab Windows Vista gab es dann aber richtig Probleme, sogar mit der Entwicklungsumgebung. Seit Windows 7 lasse ich die alten Programme nur noch in der Entwicklungsumgebung laufen. Es hat auch den Vorteil, dass man den Code aktualisieren kann, z.B. bei den Planetenprogrammen mit den neuesten oskulierenden Bahnelementen.

Ja, die freien Flächen sind die Deep-Sky-Fenster. Man kann auch noch die nautische Dämmerung mit reinnehmen (Sonnenhöhe -12°), aber das wird dann leicht unübersichtlich. Ganz früher benutzte man für die astronomische Dämmerung mitunter auch den Wert -16° für die Sonnenhöhe, das mache ich gern im Sommer, da dann für Saarbrücken (n.B. 49.2°) noch ein kleines Streifchen Deep-Sky-Zeit bleibt. Der schwächste sichtbare Stern (fst) unterscheidet sich zwischen -16° Sonnenhöhe und -18° Sonnenhöhe praktisch kaum... ;-)
 
Ganz früher benutzte man für die astronomische Dämmerung mitunter auch den Wert -16° für die Sonnenhöhe, das mache ich gern im Sommer, da dann für Saarbrücken (n.B. 49.2°) noch ein kleines Streifchen Deep-Sky-Zeit bleibt. Der schwächste sichtbare Stern (fst) unterscheidet sich zwischen -16° Sonnenhöhe und -18° Sonnenhöhe praktisch kaum... ;-)
Interessant, das hier zu lesen. So eine "Sommernachtsdämmerung" gibt es auch bei E&T, dort hatte ich aufgrund eigener Beobachtungen die Sonnentiefe 15,5° genommen. Dann ist es zwar im Norden erkennbar undunkel, aber in Südrichtung schien mir dann der Himmel dunkel genug, um passabel beobachten zu können.

Tja, die ganze Heimcomputerei und was ihr hier geschrieben hat, ruft auch bei mir nostalgische Erinnerungen hervor. Für die Astronomie habe ich mich schon zu Schulzeiten begeistert und wollte als neugieriger Mensch wissen, wie die Leute ausrechnen können, wann es hell oder dunkel ist, wo der Mond steht etc. Zunächst hatte ich als Arbeitsmittel einen programmierbaren Taschenrechner (Casio FX602P), mit dessen 512 Programmschritten schon manches "ging". Etwas später hatte die Schule im Keller einen Commodore PET und zwei Teile mit 16kb RAM und grünem Bildschirm im klobigen Blechgehäuse. Solche Dinger haben Kraftwerk auf dem Cover des Albums "Computerwelt" abgebildet. Der erste eigene "PC" war dann ein Schneider CPC 464, mit dem man in Basic und auch Pascal programmieren konnte. An der Uni hatte ich dann einen Atari MegaST 2 (2 wegen 2 MB - nicht GB - RAM, für die jüngeren Leser) und staune heute noch, was man damit bei den begrenzten Resourcen alles machen konnte: Fortran programmieren für die Hausaufgaben in Numerik, die man sonst an der Konsole im RZ der Uni hätte machen müssen, Pascal und Modula-2 für die Ephemeridenrechnung, mit LaTeX konnte ich die Diplomarbeit setzen und auch an einem Buch arbeiten. Aber man hatte weder wirklich gute Grafik noch Internet noch Datenbanken. Heute merkt man auch wieder die Grenzen, wenn trotz vervieltausendfachter Resourcen das Stacken einiger hundert Bilder mal was dauert oder das Verrechnen eines Mondvideos. Die Diskettenkästen sind verschwunden, CDs habe ich schon seit vielen Jahren nicht mehr gebrannt, aber die Backups von einer Platte auf die andere erinnern auch heute noch an die Wartezeiten von früher.

Meine Variante des "Deep Sky Fensters" sieht so aus:

Dunkelheit.png

Die Darstellung ist gegenüber der oben gezeigten gedreht, der Inhalt ist derselbe. Inspiriert hatte mich dazu das "Himmelsjahr".

Viele Grüße
Tom
 
Atari ST sagt mir was, ein Bekannter hatte den damals (ich glaube so Anfang 90er). Er war/ist Musiker und spielte sich damit rum, ich glaube es gab sogar eine Art Sprachausgabe, sehr rudimentär, die englische Texte zitieren konnte. Wir hatten immer deutsch-englisch phonetischen Text eingegeben und uns zerwutzelt...

Mein Mathelehrer unterrichtete in den 80ern auch EDV, als sie den ersten Raum (Freigegenstand) einrichteten. Er hatte einiges mitzureden und hatte damals schon Richtung MacIntosh plädiert. Die geschätzte Obrigkeit hatte sich dann aber durchgesetzt und für IBM entschieden. Arbeitsspeicher 512k wenn ich mich korrekt erinnere ;)
Dazu 8 Terminals und winzige Bildschirme mit Grün auf Schwarz. Scheint damals Standard gewesen zu sein.

Wenn ich Zeit finde werde ich versuchen dein Deep-Sky Tool mal nachzubauen. Die Fummelei mit der <canvas> ist manchmal auch recht nervig. Natürlich kein Vergleich mit den 80ern...
Gibt ja einige gute Chart Bibliotheken in JS.


cs,
harald

--
 
Hallo zusammen,
ja, an den C64 kann ich mich auch noch erinnern, das "Beste" an dem Teil war die 'Datasette' , hau wech ...
ich fand diese Datasette gar nicht mal sooo schlecht. Eine einfache, bezahlbare Möglichkeit, Programme auf einer Musikkassette zu speichern. Die meisten "load error" waren einem schlecht oder schief sitzenden Tonkopf geschuldet, den konnte man aber justieren. Für Selbstgeschriebenes durchaus tauglich, später kam dann ja mit "turbo tape" ein richtiger Booster. Viele werden das noch kennen. Heute schmunzelt man darüber natürlich... ;-)

Atari ST sagt mir was, ein Bekannter hatte den damals (ich glaube so Anfang 90er). Er war/ist Musiker und spielte sich damit rum, ich glaube es gab sogar eine Art Sprachausgabe, sehr rudimentär, die englische Texte zitieren konnte.
Ja, ein Freund von mir hatte auch mit einem Atari ST angefangen, mehrere Keyboards über MIDI-Technik zusammenzuschließen. Was der alles machte und konnte, das habe ich immer bewundert. Am besten waren seine selbstgegossenen Boxen aus Beton, und immer Kabel in der ganzen Wohnung... ;-)

die ganze Heimcomputerei und was ihr hier geschrieben hat, ruft auch bei mir nostalgische Erinnerungen hervor. Für die Astronomie habe ich mich schon zu Schulzeiten begeistert und wollte als neugieriger Mensch wissen, wie die Leute ausrechnen können, wann es hell oder dunkel ist, wo der Mond steht etc.
Ja, die Möglichkeit, dass man sowas vielleicht wirklich selbst berechnen könnte...
An der Uni hatte ich dann einen Atari MegaST 2 (2 wegen 2 MB - nicht GB - RAM, für die jüngeren Leser) und staune heute noch, was man damit bei den begrenzten Resourcen alles machen konnte: Fortran programmieren für die Hausaufgaben in Numerik, die man sonst an der Konsole im RZ der Uni hätte machen müssen, Pascal und Modula-2 für die Ephemeridenrechnung
Wir hatten an der Uni in der physikalischen Chemie noch ziemlich lange einen Commodore SX-64 als Versuchs-Protokollrechner laufen. Mit dem eingebauten Bildschirm und Diskettenlaufwerk war er für einfache Messprotokolle ideal, die Geräusche des angeschlossenen Nadeldruckers habe ich heute noch im Ohr. Mein Begleiter im Hörsaal war der Casio FX-730P... ;-)
"Astronomie mit dem Personal Computer", ein richtiger Hammer :y::y:!
Solche Dinger haben Kraftwerk auf dem Cover des Albums "Computerwelt" abgebildet.
Ja, ich habe es gerade in der Hand. Sie waren (sind) ihrer Zeit immer um Jahrzehnte voraus gewesen. Ich höre Kraftwerk heute noch gern, die "Autobahn" liegt immer im Handschuhfach, bin ein großer Fan. Werke wie "Autobahn" und "Trans Europa Express" sehe ich als moderne elektronisch-technische sinfonische Dichtung, fast wie die Moldau von Smetana. Leider ist Gründungsmitglied Florian Schneider kürzlich verstorben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Übrigens, interessant finde ich die Namensgebung "Atari" aus dem japanischen Go-Brettspiel. Das bedeutet, die vorletze Freiheit einer Steingruppe zu besetzen. In anderen Worten: wer unter Atari steht (oder sich einen Atari gekauft hat, je nach Interpretation :LOL:) steht unter Druck und eindeutigem Zugzwang, sofern er keine Steine verlieren will ....
 
Hallo Sternfreunde,

na dann poste ich mal meine Varinate aus den Neuzigner. Damals mit Turbo Pascal erstellt an Anlehnung an's Buch Sterne, Welten und Planeten.
Wenn wir schon in den alten Zeiten verweilen... :)

cs
Lothar
 

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Hallo Lots,

ach krass, ist das rechte Bild aus dem Buch von A. Rükl? Kommt mir bekannt vor, aber alle solche Einsteigerbücher habe ich schon vor ca. 30 Jahren an einen interessierten Lehrer verschenkt.

VG Tom
 
Hi

ja das ist von Antonin Rükl. Das hatte ich damals im deutschen Museeum Anfang der Achtziger gekauft glaube ich (also schon über 40 Jahre her). Ein schönes Andenken für mich. War eines meiner ersten Astronomiebücher. Schon ein bisschen ramponiert, der Einband fehlt und ein paar Seiten am Anfang und am Ende. Ich behalte es.

cs
Lothar
 
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