Ein Rundgang über die Photokina...

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas avak
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

avak

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

bei meinem Besuch der Photokina habe ich es mir nicht nehmen lassen, auch durch so manches ausgestellte Fernglas zu schauen. Meine teilweise überraschenden Eindrücke, die natürlich subjektiv sind und keinesfalls den Anspruch eines Tests haben sollen, möchte ich Euch nicht vorenthalten:

Am Stand von Tasco / Bushnell habe ich durch die verschiedensten Gläser geschaut, keines konnte mir gefallen. Wüste Reflexionen und mangelhafte Schärfe. Selbst die teuer angebotene Bushnell-Dachkanten waren meiner Meinung nach von minderwertiger optischer Qualität.

Die teuren, neuen Dachkantgläser von der klassischen tschechischen Firma Meopta waren mir unbedingt einen Blick wert. Die optische Leistung in Sachen Schärfe und weites Gesichtsfeld war super, ebenso die nahezu perfekte Streulichtunterdrückung. Starke Lichtquellen außerhalb des Gesichtsfeldes ignorieren diese Gläser völlig. Das 8x42 war schärfemäßig nicht schlecht, das 10x50 dagegen noch einen Tick besser. Die Fokussiermechanik hat mir hingegen nicht gefallen, denn das separat einzustellende rechte Auge läuft offensichtlich nicht gleichmäßig mit und musste beim Hin- und Herfahren der Gesamtfokussierung immer ein wenig nachgestellt werden. Hier liegt offensichtlich ein Konstruktionsfehler vor, denn das 8x42 und das 10x50 waren davon gleichermaßen betroffen. Für das Geld dann lieber einen anderen Hersteller, schade, denn die Optik hat was.

Bresser konnte mich überhaupt nicht überzeugen. Was ich da gesehen habe, war Schrott.

Diverse japanische und chinesische Kleinhersteller hatten mangelnde Schärfe, Tunnelblick, heftige Reflexionen oder sonstige Mängel bis hin zur fehlerhaften Kollimation. Da würde ich mein Tento nicht mal für hergeben wollen. Dachkanten waren hier besonders schlimm. Einzig die schweren 7x50 "Marine" Gläser waren gut bis hin zu ganz hervorragend, die erreichten dann gar Docter Nobilem-Niveau.

Nikon war für mich eine große Überraschung. Die preiswerten Action EX-Gläser konnte ich leider bisher noch nicht ausprobieren, hier war die Gelegenheit. Wertige Verarbeitung und eine solide optische Leistung, insbesondere beim 10x50, die ich gerne direkt mit einem Zeiss Jena Dekarem verglichen hätte. Ich glaube, das Nikon liegt damit mindestens gleichauf. Ich konnte hingegen genau vergleichen zwischen dem Action EX 8x42 und dem mehrfach teureren Dachkant HG 8x42, und habe keinen signifikanten Unterschied festgestellt! Da macht sich Nikon selber Konkurrenz, aber manche Kunden wollen um jeden Preis ein Dachkant. Schade, das Nikon die Edel-Porros nicht gezeigt hat, denn die genießen hier ja einen legendären Ruf, und ich hätte sie gerne gesehen.

Leica, die Edelmarke, konnte meinen hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Ich habe durch verschiedene Gläser geschaut, keins war schlecht, aber begeistert hat mich auch keins. So viel Geld würde ich dafür nicht ausgeben wollen.

Richtig begeistert hat mich dagegen ein Glas von Zeiss. Die Kompaktgläser haben mich nicht vom Hocker gehauen, die Conquest-Serie war gut, die teuren Victory aber ganz wesentlich besser. Das absolute optische Sahnestück mit einer herausragenden, bisher nicht gesehenen Schärfe und einem nicht beschreibbaren optischen Genuss beim Durchblick war das Zeiss Victory 7x42! Das kann süchtig machen. Hier zeigt sich mal wieder, dass die niedrige 7-fache Vergrößerung sehr vernünftig sein kann, denn das Teil war ein wahrer Augenschmaus mit seinem knackscharfen und ruhigen Bild und dem äußerst angenehmen Einblick.

Stabigläser habe ich mir nur von Fuji angeschaut. Sehr schön, bis auf das Design. Die Stabilisierung tut, was sie soll, auch beim Schwenken geht sie gut mit, hat dann aber leichte Schwankeffekte. Die Standardgläser von Fuji fand ich sehr schwer und mit ihrer Einzelokulareinstellung umständlich zu bedienen. Das 10x50 hat nicht die beste Randschärfe, dagegen hat mir das 7x50 besser gefallen.

Für das Geld würde ich aber ein Docter Nobilem vorziehen. Schade, dass die Firma Docter auf der Photokina durch Abwesenheit glänzte.

So weit mein Bericht. Wie gesagt, ein flüchtiger und sehr subjektiver Eindruck. Mein persönliches Fazit: Statt dubioser Fernost- Billigmarken (die manchmal auch zu Preisen über 500 Euro angeboten werden) favorisiere ich gebrauchte Tentos, und wenn es edel und teuer sein darf, dann sollte man schon auf ein Zeiss Victory sparen, sofern man sich das leisten will. Nikon Action EX scheinen mir hingegen die Gläser mit dem mit Abstand besten Preis/Leistungsverhältnis und damit ein sehr vernünftiger Kompromiss zu sein.

Ciao,

Christof
 
Hallo Christof,

ein schoener Bericht! Ich bin manchmal erstaunt, was ich so auf Ebay (besonders in US) an super teuren Fernglaesern sehe: Unbekannte Phantasienamen mit teuren Preisschildern, die aber einigen chinesischen Billigfernglaesern verdaechtig aehnlich sind. Versuchen kann man's ja mal: Kauf billige Fernglaeser ein und verkloppe sie zum 10-fachen Preis. Es gibt vielleicht Kunden mit viel Geld und wenig Ahnung von Optik, die denken, mit einem grossen Geldschein wuerden sie auch ein gutes Fernglas bekommen. Leider machen es diese Betrueger denjenigen Herstellern schwer, die wirklich mal ein neues und gutes Fernglas auf den Markt bringen wollen. Man muss diese erst einmal identifizieren unter all dem Schrott, und ich haette keine Lust, mir all diese Teile schicken zu lassen, um sie dann zu testen.

Das Zeiss 7x42 hat Dir also gefallen, aber keines der Leica - was hat Dich an den Leica Fernglaesern denn gestoert, oder, besser gesagt, was fehlte ihnen, das Dich begeistern wuerde?

Viele Gruesse,
Holger
 
Hallo Holger,

es waren nur 3 Stück Leica-Gläser, die ich mir angesehen habe, und ich erinnere mich leider nicht mehr, welche es waren. Die Gläser waren alle nicht schlecht und hatten keine bösen Fehler. Es ist mehr eine subjektive Sache, die vielleicht auch mit meiner Erwartungshaltung an ein so hochpreisiges Produkt zusammenhängt. Mir fehlte einfach der "Wow"-Effekt, den ich speziell beim Zeiss Victory 7x42 erlebt hatte, trotz der auch hier hohen Erwartungshaltung.

Im Nachhinein hätte ich mir vielleicht etwas mehr Zeit nehmen sollen, aber ich war nicht primär wegen der Ferngläser auf der Photokina. So habe ich es leider versäumt, bei Zeiss nach dem stabilisierten 20x60 zu fragen, und auch bei Canon habe ich mir die Stabigläser leider nicht angeschaut. Die Photokina ist halt riesig, das ist nicht komplett zu schaffen, wenn man so vielseitige Interessen hat.

Ciao,

Christof
 
Link zur Grafik: http://www.bruchwettern.de/pics/hmm.gif

Mal meine Gedanken dazu:
Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, 3 Optiken für ca. eine Woche zu 'testen'.

Ich fand, dass selbst diese 7 Tage nicht ausreichten, um die Ferngläser richtig kennenzulernen und sie bzgl. der optischen Eigenschaften kritisch und möglichst objektiv zu würdigen.

Ich traue es mir nicht zu, eine belastbare Aussage zu formulieren, wenn ich über eine Messe renne und hier und da kurz durch ein Fernglas gucke. Hut ab, muss ich sagen ! (ernstgemeint)

Grüße

Carsten
 
Hallo Carsten,

kritisch bin ich auch im Schnelldurchgang, denn ich habe sehr gute Augen. Aber objektiv kann und soll so ein Kurzreport natürlich nicht sein! Nun, auch beim mal-schnell-durchschauen entdecke ich so manche Überraschung, wenn auch aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen wie Umgebungslicht, persönliche Verfassung etc. kein echter Vergleich möglich ist. Und natürlich ist mir auch klar, dass erst nach ausgiebigem, mehrtägigem Test vielleicht ein abschließendes Urteil erst möglich werden kann. Manches störende Detail entpuppt sich ja erst unter bestimmten Bedingungen oder bei längerer Benutzung.

Clear Skies,

Christof
 
Zitat:
Stabigläser habe ich mir nur von Fuji angeschaut. Sehr schön, bis auf das Design. Die Stabilisierung tut, was sie soll, auch beim Schwenken geht sie gut mit, hat dann aber leichte Schwankeffekte. Die Standardgläser von Fuji fand ich sehr schwer und mit ihrer Einzelokulareinstellung umständlich zu bedienen. Das 10x50 hat nicht die beste Randschärfe, dagegen hat mir das 7x50 besser gefallen.
Zitat Ende.


Kurzer Hinweis aus meinem Urlaub: Wir hatten an unserem Fujinon-Fernglas-Quader nicht ein einziges 10x50-Glas, daher weiß ich nicht, auf welches Teil sich der Hinweis mit der Randschärfe beziehen mag...

Schöne Grüße,

Stefan Korth
Fujinon Europe GmbH
 
Hallo Christof,

erstaunt bin ich über die Aussage, daß das Fujinon 10x50 nicht die beste Randschärfe zeigt. Das deckt sich wirklich nicht mit meiner Erfahrung.

Seit vielen Jahren besitze ich ein Fujinon 16x70 und bin bis heute außerordentlich zufrieden damit.

Als Ergänzung zum großen Fujinon habe ich mir gleich nach Markteinführung des 10x50er Fujinons FMT SX-2 dieses auch noch zugelegt. Nach vielen Jahren vergeblichen Suchens nach einem wirklich gutem 10x50er Glas wurde ich fündig: Endlich ein Glas mit perfekter Randschärfe. Auch das Einblickverhalten für Brillenträger und das große Gesichtsfeld überzeugte mich.
Die Randschärfe ist sogar so gut, daß sie alle anderen ( mir bekannten Ferngläser ) übertirfft.

Sterne sind bis zum äußersten Bereich absolut punktförmig. Die gute Randschärfe des Fujinons überzeugt auch immer wieder Vertreter von Leica, Zeiss usw. die zu uns ins Haus kommen.
Viele Grüße
Fernrohrland
Rudolf Idler
 
>>>Die Randschärfe ist sogar so gut, daß sie alle anderen ( mir bekannten Ferngläser ) übertirfft.

---------------------------------------------------------

Das sehe ich auch so. Das Fujinon 10x50 FMTR-SX ist, gerade in der Randschaerfe, ueberragend, da sehe ich keinen Grund zu klagen.

Holger
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben