Ein Schmankerl für helle Nächte: Das Dreifachsystem Xi Sco

Schiefspiegler

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Was beobachtet man Ende Juni mit einem fetten Mond an einem Himmel dessen mäßige Transparenz das Mondlicht überall hin streut? Na, den Mond selbst! Aber in einer Hitzewelle und bei einer Horizonthöhe selbst im Meridiandurchgang über Süden von nur 22° ist das blubbernde Mondbild mäßig erfreulich.

Doch gestern Nacht konnte ich erfahren, dass Doppelsterne, sofern sie hell genug sind, in gewisser Weise weniger anfällig für die Luftunruhe sind als der Mond. Es hilft auch sehr, dass überall am Himmel - folglich auch im Zenith - Doppelsterne zu finden sind. Diese Logik spricht nicht für den Skorpion. Doch halt - die IAU-Sternbildgrenze für den Skorpion macht eine merkwürdige, dünne und lange Ausbuchtung Richtung Norden. Dort sitzt Xi Sco, der immerhin im Meridian 30° Höhe in Mitteldeutschland erreicht.

Ich finde dieses System sehr interessant weil es ein physikalisches, gut beobachtbares Dreifachsystem ist. C läuft langsam um AB und braucht etwas anderthalb Tausend Jahre für eine Umrundung. AB ist seinerseits ein enges Paar, das ziemlich schnell in nur 46 Jahre eine Umrundung macht. Dadurch ist es hervorragendes Testobjekt für 5 oder 6 Zoll Teleskopöffnung.

Denn heuer hat AB einen Komponentenabstand von 1,08". 2030 wird der Abstand unter 1" sinken, 2034 0,8" erreichen, 2038 0,5". Irgendwann kommt in diesem Verlauf der 5-Zöller an seine Grenzen, dann der 6-Zöller, dann unsere Amateurinstrumente überhaupt. Das zu verfolgen wird interessant sein über die nächsten zehn Jahre. Schaut hier:
https://www.stelledoppie.it/index2.php?menu=29&iddoppia=64864
Oben auf "Complete" klicken um die Bahnkurve sowie den Verlauf des Komponentenabstands über die Jahre zu sehen.

Die fast identischen Helligkeiten der Komponenten A und B - nämlich 4m8 und 4m9 - machen das Paar besonders geeignet für Grenzbeobachtungen. Hier spielt Delta-Mag keine Rolle. Es hilft auch, dass sowohl A als auch B gelblich-weiß sind. Differenzen in der Beobachterphysiologie zwischen Blau und Rot spielen auch keine Rolle. Es geht rein um die Komponentenabstände.

So habe ich gestern Nacht, nach einem etwas frustrierenden Versuch die Kleinkrater in Stadius zu sehen, das 130mm Apo auf Xi Sco gerichtet. Bei 40x wunderschön mit C deutlich von AB getrennt, das Paar AB natürlich noch nicht getrennt. Als besonderes Schmankerl stand der Doppelstern Struve 1999 nur 5 Bogenminuten südlich und zeigte einen hübschen Farbkontrast: der vorausfahrender Stern zart orange, sein Begleiter zart bläulich. Bei dieser geringen Vergrößerung bilden Xi Sco und Struve 1999 einen regelrechten Doppel-Doppel.

Bei 80x wurde auffällig, was bei 40x schon im Ansatz spürbar war: ich konnte nicht auf AB scharfstellen, denn die Streckung des Paares fing an deutlich zu werden. Daher nahm ich fortan den - schön eisblauen - Stern C zum Fokussieren nach Okularwechsel. Beim langsamen Steigern der Vergrößerung blieben die Farbeindrücke stabil: Struve 1999 orange/blau, Xi Sco C eisblau.

Bei 196x wurde die Trennung von AB hauchfein erreicht - wunderschön in Verbindung mit Struve 1999, das auch im orthoskopischen Okular gut mit ins Gesichtsfeld passte! Aus meiner Erfahrung heraus würde ich erwarten, dass ich mit meinem Visus und diesem Teleskop dieses Paar bei 140x trennen könnte wenn es im Zenith stünde. Tut's aber nicht, und ich bin sehr zufrieden damit, dass bei 30° Horizonthöhe 196x die Trennung liefert.

Xi Sco könnte ein Projekt für die nächsten Jahre werden. Hoffentlich erinnere ich mich nächstes Jahr an diesen Thread und liefere einen Update mit einer Beobachtung des dann schon etwas engeren Paares Xi Sco AB. Oder vielleicht erinnert sich ein Anderer und hält diesen Thread als Dauerläufer am Leben? Es wäre schön, das Schrumpfen von AB gemeinsam beobachterisch zu dokumentieren.

Gruß, Christopher
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Christopher,

vielen Dank für diese Anregung, sie kam genau zur rechten Zeit! Ich hatte ohnehin vorgehabt, gestern abend trotz hellem Mond und Dunst am Himmel mit meinem neuen Spielzeug in den Garten zu gehen. Besonderer Ansporn war Deine Einschätzung, dass es für Xi Sco mindestens 5" Öffnung braucht, um AB zu trennen. Ich wollte sehen, wie nahe man mit 2x4" an eine Trennung heran kommen kann, oder diese vielleicht sogar schafft?

Zum Glück ist Xi Sco hell genug, um trotz Mondnähe leicht gefunden zu werden und der erste Eindruck war tatsächlich: Epsilon Lyr in anders ;-) Sehr schön das dezente Farbenspiel! AB ist tatsächlich schon bei 90x (weniger habe ich nicht probiert) länglich zu erkennen. Ich bin über 120x bis auf 185x und sogar 210x gegangen und sah die Einschnürung zwischen A und B mit jeder Stufe deutlicher, aber tatsächlich keine vollständige Trennung. Ob mit besseren Okularen mehr gegangen wäre? Unterhalb von 6 mm habe ich derzeit nur zwei SVBony Zoom 3-8 mm, kann diese Frage also nicht beantworten.

Um die weitere Bewegung von AB umeinander zu verfolgen, müsste ich dann wohl doch größeres Equipment heranziehen...

Viele Grüße
Andreas
 
Hallo Christopher,

vielen Dank für deinen Hinweis. Gestern Abend habe ich Xi Sco in 4" f/11 ED Refraktor beobachtet. In 6 mm orthoskopischen Okular passten Xi Sco und Struve 1999 gut in das Gesichtsfeld und boten einen schönen Anblick. Die Komponenten Xi Sco AB waren die meiste Zeit als gestecktes Beugungsscheibchen zu sehen. Die Vergrößerung wurde auf 280x gesteigert. Blickweise ließen sich zwei Intensitätsmaxima darin erkennen. Bei einer Höhe von 26° war der Einfluss des Seeings deutlich. Es sah so aus, als ob AB manchmal zu zwei Beugungsscheibchen auseinandergerissen und manchmal zu einen Beugungsscheibchen vereint wird.

Die vergangenen hellen Nächte habe ich genutzt um die Doppelsterne aus den Deep Sky Reiseatlas von Westen nach Osten von Com, CVn, Boo, CrB, Her und Lyr zu beobachten. In der 4. Auflage ist Xi Sco auf der Karte als einfacher Stern eingezeichnet und nicht bei den Mehrfachsternen aufgelistet. Struve 1999 fehlt ganz.

Das macht Deinen Hinweis für mich besonders hilfreich.

Viele Grüße

Henning
 
Lieber Andreas, ich freue mich, dass Du meinen Bericht handlungsanregend fandest. Der subtiler Farbkontrast von Struve 1999 profitiert bestimmt von der zweiäugigen Beobachtung.
Lieber Henning, auch Dir danke ich für Deinen interessanten und präzisen Bericht.

Beobachtungen von Xi Sco AB mit vier Zoll Öffnung haben ihren besonderen Reiz. Denn es geht dann nicht um die eigentliche Trennung, sondern um die Streckung oder Einschnürung des doppelten Beugungsscheibchens. Und überhaupt: Nur wer das Unmögliche probiert erreicht das Mögliche!

Beste Grüße, Christopher
 
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