KayAlf
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
meine Affinität für Low-Budget Teleskope aus (alten) Fotoobjektiven hat sich wahrscheinlich schon herumgesprochen
Vor kurzem ist mir wieder so ein Kandidat ins Netz gegangen, das Walimex 5,6/330. Um das Objektiv kreiste ich wochenlang bei ebay herum und versuchte, ein paar Hintergrundinfos zu bekommen. Die einzigen Infos, die ich im Netz finden konnte, waren diese hier zum Walimex 330/440 sowie ein Hinweis auf der Olypedia-Seite.
Die Firma Foto Walser in Deutschland hat Mitte 2008 wohl zwei recht simple Teleobjektive auf den Markt gebracht, Berichten zufolge sollen beide aus der Schmiede von Samyang stammen. Diese Info wird im Netz von der Olypedia-Seite ebenfalls bestätigt, unten bei 'Kleine Produktauflistung' sind das 330er und 440er als Fernobjektiv gelistet.
Es handelt sich um einfache, doch solide gebaute Objektive mit einem achromatischen Dublett mit Festblende 5,6, also ohne Irisblende. Zwei Versionen sind verfügbar, eins mit 330mm Brennweite (-> knapp 60mm Öffnung) und eins mit 440mm Brennweite (-> knapp 80mm Öffnung). Das Gewicht der Objektive ist sehr moderat, was sie für die Verwendung als Rucksackteleskope sehr attraktiv macht, die gesamten technischen Details bitte dem oben angegebenen Link entnehmen. Die Fokussierung erfolgt durch Drehen des vorderen Objektivteils mittels griffigem Gummiring, es gibt keine Entfernungsskala, nur Richtungspfeile für NEAR und FAR. Der Fokushub des Fokussiergewindes beträgt beim 330er knapp 10,5mm über ca. 100 - 110° und die Fokussierung läuft angenehm satt und gedämpft, es wird sich um ein mehrgängiges Schneckengewinde handeln.
Objektivseitig sind beide Tele's mit Standard-Filtergewinde ausgestattet, Streulichtblenden sind also auch problemlos zu finden. Kamera- bzw. okularseitig sind beide Objektive erstmal mit T2 Gewinde ausgestattet, der Backfokus beträgt also vorerst einmal 55mm. Das kann i.d.R. bei Verwendung von Umlenkspiegeln oder -prismen für visuelle Beobachtung zu Problemen mit dem Unendlich-Fokus führen, geradsichtig macht es aber kein Problem.

Doch auch bei diesen Objektiven gibt es ähnlich wie bei den bekannten Wundertüten von Beroflex und deren Varianten die Möglichkeit, hinter der Stativschelle ein Stück Tubus abzuschrauben, um mehr Backfokus zu erhalten. So erhält man zum T2-Backfokus von 55mm zusätzliche 26,5mm, in Summe also 81,5mm.

Ein bischen exotisch ist das nach Abschrauben des Tubusstücks zum Vorschein kommende männliche Gewinde von M47x0,75, leider eben nicht das bei den Wundertüten übliche Gewinde mit M48x0,75. Nach etwas Recherche im WWW fand ich heraus, dass dieses Gewinde wohl auch an dem Takahashi FOA60 Refraktor hinten am Auszug verwendet wird. Von RAFCAMERA bzw. dem oesterreichischen Distributor MJKZZ Europa für Makro-/Stacking Zubehör, der auch diverse Adapter von RAFCAMERA im Portfolio hat, ist ein Adapter von M47x0,75 (female) auf M42x0,75 (= T2, male) erhältlich, und schon lässt sich z.B. problemlos ein Baader T2 90° Zenitprisma ans Objektiv ansetzen, welches wegen seines Glaswegs zusätzlich den Unendlich-Fokuspunkt weiter nach außen legt.
Mit diesem sehr kurz bauenden Baader-Prisma inkl. der kurzen 1,25" Okularklemme komme ich mit dem Baader-Hyperion Zoom, dem Svbony 3-8mm Zoom und auch mit meinen Celestron X-Cel LX sowie den Vixen LVW Okularen problemlos in den Fokus, eventuell kann/muss sogar eine kurze T2 Verlängerung von 5 - 8mm eingesetzt werden, verlängern geht ja immer...

Die optische Qualität hat mich mehr als überrascht, das Svbony Zoom ist bis runter auf 3mm Brennweite (V=110x) sinnvoll einsetzbar und ein Farbsaum ist, wenn überhaupt, nur sehr gering ausgeprägt. Sonne, Mond, Planeten, aber auch das schnelle Absuchen von Sternfeldern mit Kugelhaufen, offenen Haufen oder prominenten Galaxien macht richtig Spass. Das kleine Wunderding zeigt alles, was ein 60mm Refraktor zeigen soll. Vermutlich hat Samyang hier recht moderne Glassorten verwendet, werbewirksam würde man heute das Ding vielleicht als Semi-ED-Apo anpreisen
Die Vergütung schimmert schön grün und gibt dem Kleinen das gewisse Etwas.

Eine kleine Spassbremse ist wieder einmal die Stativschelle, ein wenig wackeln verbleibt immer aufgrund der geringen Spannbreite der Schelle. Hier muss ich nochmal nach vernünftigen Lösungen, wie ich sie für die Beroflex-Tüten gefunden habe, suchen.
Ansonsten gibt's von mir für diesen kleinen Refraktor einen Daumen hoch
, ich bin schockverliebt
, die Kombi macht dem Begriff Grab'n'Go alle Ehre. Mit meinem Sirui Karbon-Stativ, einem Cullmann Kugelkopf, dem Baader T2 Zenitprisma und dem Baader Hyperion Zoom komme ich auf insgesamt knapp unter 3,5 kg Gewicht, das ist schnell gegriffen und unten im Garten aufgestellt. Auch im Auto oder in den Satteltaschen am Fahrrad findet es immer einen Platz und trägt gewichtsmäßig nicht stark auf.

Ich werde sicherlich auch die Augen nach dem großen Bruder mit 440mm f:5,6 Ausschau halten, immerhin ein Objektiv mit knapp unter 80mm Öffnung...die ursprünglich bei Markteinführung angesetzten Preise sind heute deutlich unterboten...ich habe für das 330er 20,-€ gezahlt, der M47x0,75 -> T2 Adapter war teurer
Viel Spass beim Lesen und viele Grüße
Kay
meine Affinität für Low-Budget Teleskope aus (alten) Fotoobjektiven hat sich wahrscheinlich schon herumgesprochen
Vor kurzem ist mir wieder so ein Kandidat ins Netz gegangen, das Walimex 5,6/330. Um das Objektiv kreiste ich wochenlang bei ebay herum und versuchte, ein paar Hintergrundinfos zu bekommen. Die einzigen Infos, die ich im Netz finden konnte, waren diese hier zum Walimex 330/440 sowie ein Hinweis auf der Olypedia-Seite.
Die Firma Foto Walser in Deutschland hat Mitte 2008 wohl zwei recht simple Teleobjektive auf den Markt gebracht, Berichten zufolge sollen beide aus der Schmiede von Samyang stammen. Diese Info wird im Netz von der Olypedia-Seite ebenfalls bestätigt, unten bei 'Kleine Produktauflistung' sind das 330er und 440er als Fernobjektiv gelistet.
Es handelt sich um einfache, doch solide gebaute Objektive mit einem achromatischen Dublett mit Festblende 5,6, also ohne Irisblende. Zwei Versionen sind verfügbar, eins mit 330mm Brennweite (-> knapp 60mm Öffnung) und eins mit 440mm Brennweite (-> knapp 80mm Öffnung). Das Gewicht der Objektive ist sehr moderat, was sie für die Verwendung als Rucksackteleskope sehr attraktiv macht, die gesamten technischen Details bitte dem oben angegebenen Link entnehmen. Die Fokussierung erfolgt durch Drehen des vorderen Objektivteils mittels griffigem Gummiring, es gibt keine Entfernungsskala, nur Richtungspfeile für NEAR und FAR. Der Fokushub des Fokussiergewindes beträgt beim 330er knapp 10,5mm über ca. 100 - 110° und die Fokussierung läuft angenehm satt und gedämpft, es wird sich um ein mehrgängiges Schneckengewinde handeln.
Objektivseitig sind beide Tele's mit Standard-Filtergewinde ausgestattet, Streulichtblenden sind also auch problemlos zu finden. Kamera- bzw. okularseitig sind beide Objektive erstmal mit T2 Gewinde ausgestattet, der Backfokus beträgt also vorerst einmal 55mm. Das kann i.d.R. bei Verwendung von Umlenkspiegeln oder -prismen für visuelle Beobachtung zu Problemen mit dem Unendlich-Fokus führen, geradsichtig macht es aber kein Problem.

Doch auch bei diesen Objektiven gibt es ähnlich wie bei den bekannten Wundertüten von Beroflex und deren Varianten die Möglichkeit, hinter der Stativschelle ein Stück Tubus abzuschrauben, um mehr Backfokus zu erhalten. So erhält man zum T2-Backfokus von 55mm zusätzliche 26,5mm, in Summe also 81,5mm.

Ein bischen exotisch ist das nach Abschrauben des Tubusstücks zum Vorschein kommende männliche Gewinde von M47x0,75, leider eben nicht das bei den Wundertüten übliche Gewinde mit M48x0,75. Nach etwas Recherche im WWW fand ich heraus, dass dieses Gewinde wohl auch an dem Takahashi FOA60 Refraktor hinten am Auszug verwendet wird. Von RAFCAMERA bzw. dem oesterreichischen Distributor MJKZZ Europa für Makro-/Stacking Zubehör, der auch diverse Adapter von RAFCAMERA im Portfolio hat, ist ein Adapter von M47x0,75 (female) auf M42x0,75 (= T2, male) erhältlich, und schon lässt sich z.B. problemlos ein Baader T2 90° Zenitprisma ans Objektiv ansetzen, welches wegen seines Glaswegs zusätzlich den Unendlich-Fokuspunkt weiter nach außen legt.
Mit diesem sehr kurz bauenden Baader-Prisma inkl. der kurzen 1,25" Okularklemme komme ich mit dem Baader-Hyperion Zoom, dem Svbony 3-8mm Zoom und auch mit meinen Celestron X-Cel LX sowie den Vixen LVW Okularen problemlos in den Fokus, eventuell kann/muss sogar eine kurze T2 Verlängerung von 5 - 8mm eingesetzt werden, verlängern geht ja immer...

Die optische Qualität hat mich mehr als überrascht, das Svbony Zoom ist bis runter auf 3mm Brennweite (V=110x) sinnvoll einsetzbar und ein Farbsaum ist, wenn überhaupt, nur sehr gering ausgeprägt. Sonne, Mond, Planeten, aber auch das schnelle Absuchen von Sternfeldern mit Kugelhaufen, offenen Haufen oder prominenten Galaxien macht richtig Spass. Das kleine Wunderding zeigt alles, was ein 60mm Refraktor zeigen soll. Vermutlich hat Samyang hier recht moderne Glassorten verwendet, werbewirksam würde man heute das Ding vielleicht als Semi-ED-Apo anpreisen

Eine kleine Spassbremse ist wieder einmal die Stativschelle, ein wenig wackeln verbleibt immer aufgrund der geringen Spannbreite der Schelle. Hier muss ich nochmal nach vernünftigen Lösungen, wie ich sie für die Beroflex-Tüten gefunden habe, suchen.
Ansonsten gibt's von mir für diesen kleinen Refraktor einen Daumen hoch

Ich werde sicherlich auch die Augen nach dem großen Bruder mit 440mm f:5,6 Ausschau halten, immerhin ein Objektiv mit knapp unter 80mm Öffnung...die ursprünglich bei Markteinführung angesetzten Preise sind heute deutlich unterboten...ich habe für das 330er 20,-€ gezahlt, der M47x0,75 -> T2 Adapter war teurer
Viel Spass beim Lesen und viele Grüße
Kay







