Eine Frage der Ballance

Mr. Spock

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Hallo,

wieder so eine Anfängerfrage, auf die man erst kommt, wenn man erstmals selbst mit einem Teleskop zu tun hat: Angenommen Ihr wollt Euren Newton Reflektor für eine Astrofotonacht vorbereiten und seid gerade dabei das Teleskop auszuballancieren, so dass es bei geöffneter Bremse zu keiner Seite abkippt. So weit so gut. Aber an einer Seite hängt der Okularauszug, womöglich noch mit einer Verlängerungshülse oder gar eine dicke DSLR als Vorbereitung für eine Okularprojektion ... wie auch immer: Die eine Seite des Newton ist massiv schwerer (gerne mal 2 kg oder noch mehr) als die andere Seite mit sehr ungünstigen Hebelverhältnissen und das lässt sich erstmal mit Bordmittel der Montierung oder des Teleskop nicht ausgleichen. Was macht Ihr da? Ich denke daran, das (über welches Schienensystem auch immer) das Guide Skope auf die andere Seite zu verlagern, so dass es als Gegengewicht fungieren könnte. Was machen da die Profis?

Ciao und Danke
 

SkyBob

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Und bedenke, das der Newton für Fotografie leicht Kopflastig (Oazseitig) tariert sein sollte (wenn er Richtung Osten zeigt). Hat den Hintergrund, das dadurch die Zahnräder immer leicht auf Druck arbeiten und somit das Zahnradspiel (last-keine Last) unterbunden wird.

Gruß
Markus
 

Mr. Spock

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@ Markus: vielen Dank, das hatte ich so noch gar nicht auf dem Schirm. Macht aber absolut Sinn.

@ Toni: Ja stimmt, etwas optimieren kann man immer: Aber wir leben halt in einer dreidimensionalen Welt und da sind zwei Achsen zur Justage ... einfach eine Achse zu wenig. OAZ und Okular und/oder Kamera bringen den Schwerpunkt von beiden Achsen weg (das macht sonst quasi keine Masse am Teleskop) und das erzeugt ein Drehmoment.
Man könnte den Tubus (abhängig von der Beobachtungsrichtung) immer so in der Halterung drehen, dass die Anbauteile kein Moment erzeugt, aber das ist mir ehrlich gesagt auf Dauer zu aufwändig. Und ... na ja, ich bin nicht der allergrößte und habe ohnehin schon Probleme, das Okular mit dem Auge in allen Lebenslagen zu erreichen. In der genannten Variante wäre - mindestens für die visuelle Beobachtung - immer ein Zenitspiegel/-prisma erforderlich, was für das Gewicht ungünstig, die Hebellänge aber ggf. günstig wäre.

Danke
Peter
 

raziel28

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Hallo Peter,

nun, bei der Fotoanwendung muss ja das Stativ nicht so hoch, sodass Du in allen Lebenslagen an die Kamera heran kommst.
Tubus in den Rohrschellen drehen ist zu aufwändig? Du musst doch nur die Schellen etwas lösen und den Tubus in den Schellen etwas drehen?
Zenitspiegel funktioniert am Newton in aller Regel nicht, dafür hat der Nowton nicht genügend Backfokus.
 

Achim_B

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Man könnte den Tubus (abhängig von der Beobachtungsrichtung) immer so in der Halterung drehen, dass die Anbauteile kein Moment erzeugt, aber das ist mir ehrlich gesagt auf Dauer zu aufwändig.
Hallo Peter,
warum "immer"? Einmal drehen reicht doch. Wenn der Tubus so austariert ist, daß er in der Horizontalen stehenbleibt, stellst Du ihn senkrecht und verdrehst ihn so in den Rohrschellen, bis er sich auch hier nicht mehr von selbst weiterbewegt. Das ist alles, egal welches Zubehör wie auf dem Tubus angeordnet ist.

Gruß
Achim
 

eckehardt70

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Hallo Peter,

bin weit von einem Profi entfernt ;)
Mein Sucher mit MGEN wiegt ca. 1,6kg und wird gegenüber des Auszuges montiert. Dazu habe ich rundum Gewindehülsen in die Rohschellen eingebracht. Das Kompensiert das Gewicht des Auszuges +Korrektor und Kamera.
Kannst ja auch ein Gegengewicht am Tubus selbst anbringen. Befestigung z.B.als Magnetgewicht bei Metalltubus oder mit Klettband.
Vielleicht solltes du auch über eine alternative Kamera bei der Okularprojektion nachdenken. Da ist die DSLR nicht das Ideale.

Gruß und CS
Thomas
 

Mr. Spock

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Hallo Thomas,

interessant! Also ist die Idee eines Gewichtsausgleich auf der gegenüberliegenden Tubusseite doch nicht so abwegig. In wie weit (bzw. oft) ich die Okularprojektion einsetzen werde, ist noch völlig offen. Das hängt von der Qualität der Ergebnisse ab. Und Ergebnisse habe ich momentan noch gar keine. Die DSLR war der erste Versuch. Mittelfristig soll eine "richtige" (gekühlte) Astrokamera zum Einsatz kommen. Aber die sind auch nicht so sehr viel leichter als eine DSLR. Mit Webcams & Co anzufangen habe ich (ehrlich gesagt) keine so große Lust.

Meine Rohrschellen sind mit Befestigungsmöglichkeiten sehr sparsam ausgestattet. Selber daran herum zu bohren, traue ich mich (noch) nicht. Ich finde es aber eine gute Idee, die ganzen Bauteile, die ohnehin mit dem Tubus mitbewegt werden müssen, an eine Stelle zu plazieren, an denen sie auch ein günstiges Ausgleichsmoment erzeugen.

Viele Grüße
 
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