Lucifugus
Aktives Mitglied
Servus beinand,
gestern Nacht hat der Wetterbericht klaren Himmel angesagt – am Wochenende! Und ohne störenden Mond! Also muss beobachtet werden! Mein Freund René hat für seinen 24"-Dobson ("Diva") eine EQ-Plattform gebaut, die wir nutzen wollten, um u.a. IC 4593, die Weißäugige Erbse, zu beobachten. Also blieb mein "Dino" daheim und ich bin nur mit meinen Ethos-Okularen nach Murnau zu René gefahren, denn mit denen kann ich am besten zeichnen (auch wegen des großen Sehfelds).
Es war noch nicht ganz dunkel, das SQM-L zeigte gerade 21m0 an, aber warum einfach nur die Zeit verstreichen lassen? In der Nähe von Arcuturus, an dem wir den Dobson kollimiert haben, gibt es ja Galaxien. Eigentlich wollten wir IC 983 aufsuchen, aber beim Suchen und Rühren mit dem Dobson kamen wir bei einem (anderen) hellen Wattebausch an. Wir hatten das Ziel einfach nur im Triatlas rausgesucht und sind dann blind losgehoppelt (Sternhüpfen). Und da war dann ein deutlicher Wattebausch. Und da zeigt sich ein riesiger Vorteil des Zeichnens: man kann im Nachhinein anhand der eingezeichneten Sterne das Objekt leicht identifizieren. Und siehe da, wir waren knapp daneben bei NGC 5490 angekommen. Die Galaxie ist 218 Millionen Lichtjahre entfernt und 12m0 hell. Es ist eine elliptische Galaxie, die auch als Radiogalaxie klassifiziert ist. Schön war, dass sie einen helleren Kern zeigte:
Es sind weitere Galaxien aus dem LEDA-Katalog in der näheren Umgebung, die bei knapp über 16 mag anfangen. Leider haben wir von denen nichts sehen können. Der Himmel war aber auch vermutlich zu hell. Etwas weiter nördlich wäre das angedachte Zielgebiet gewesen. Das ist mal was für's nächste Frühjahr bei richtig dunklem Himmel.
Nun gut, vom Bärenhüter in den Kopf der Schlange und von dort aus in den Herkules – die weißäugige Erbse ruft, IC 4593! Das Sternhoppeln hat etwas gedauert, denn René hatte natürlich seinen kleinen Sucherrefraktor am Dobson. In dem ist aber immer zu viel zu sehen, zu viele Sterne, nur verwirrend. Selbst der Kopf der Schlange geht da unter. René hatte dann ein Einsehen und holte einen Leuchtpunktsucher. Bis er zurück war, konnte ich aber auch im Sucher gamma Serpentis festmachen und von dort aus loshoppeln. Hier ein kleiners Muster, von dort zu einem Doppelstern, daneben der zweite - passt... und so schleicht man sich an, bis man einfach nur ein Bisserl nach Rechts muss und schon ist der PN im Bildfeld. Im 10 mm-Ethos (212×) sieht man bereits eine kleine Fläche mit hellem,herausblitzendem Zentralstern. Also gleich den OIII-Filter rein. Und schon ist der Halo erkennbar, der helle Zentralbereich ist definierter. Aber es ist alles noch zu klein. Wir haben gleich probiert, hochzuvergrößern und Renés 3,3mm-Okular (641×) verwendet (davor auch ein 7mm-Okular und eine 2× Barlow). Das war dann zu viel, das Seeing war nicht gut genug, der helle Zentralbereich waberte zu sehr. Also wieder runtervergrößern. Wir haben mein 4,7mm-Ethos verwendet und dann damit bei 450× beobachtet. Und das hat sich dann gelohnt. Wir haben abwechselnd lange am Teleskop gestanden. Dank EQ-Plattform bliebe das Nebelchen an seiner Position und wir hatten viel Zeit, zuzuschauen, wie es plötzlich ein klareres Bild gibt, das wieder weg ist usw. Als ich am Teleskop stand, zeigte sich kurzzeitig im Halo eine hellere, abgesetzte Kante. Der Halo wirkte jetzt auch etwas asymmetrisch, nicht kreisrund, sondern etwas zusammengestaucht. Der Zentralbereich hell, eigentlich zu hell, den Halo übertstrahlend und eckig, wie eine Raute, an einer Seite minimal engedellt.
Ich habe nichts von meiner Beobachtung gesagt, damit René unvoreingenommen seine Eindrücke schildern kann. Er stand auch relativ lange an der Diva und meinte, dass der Halo nicht rund, sondern etwas zusammengedrückt erscheint und dass er am Rand eine etwas hellere Kante sehen konnte. Er hat die hellere Kante an zwei Stellen gesehen, ich nur an einer. Also wieder zurück ans Okular und wieder das Spielchen: direkt, indirekt, direkt (Blinking-Effekt), dann indirekt mit Bewegung der Diva ("Field Sweeping"), naja, alles,w as möglich ist. Und ja, ich meine zu sehen, was René beschrieb. Aber nie lange zu halten, immer nur kurzzeitig. Und dann wurde es still, das Summen der EQ-Plattform hörte auf – was? Ist die Stunde schon um? (Die Plattform läuft eine Stunde lang). Wir haben eine komplette Stunde mit dem kleinn Winzling verbracht. Das SQM-L zeigte übrigens 21m3 an (besser wurde es die ganze Nacht nicht), mit 18 °C war es extrem mild (am Ende dann 17°C, aber auch noch zu warm, kaum abkühlend, da die Luft doch etwas schwül war.
Zurück zur Diva: Zum Vergleich wollten wir die Erbse nochmal ohne Filter anschauen. Also Plattform zurückgefahren, den PN wieder per Sternhoppeln eingestellt (dauerte gfeühlt nur eine Minute) und nochmal drauf. Wieder der helle Zentralstern, vom Halo nichts zu sehen, aber der helle Innenberiech ist klar erkennbar. Er erscheint aber etwas kleiner als vorher. Filter wieder rein... naja, so viel kleiner auch nicht, etwas größer, oder nur klarer definierte Kanten?
Uns hat es gereicht. Zum Glück sind zumindest Sterne mit 16 mag in der Nähe, an denen man immer wieder scharfstellen kann.
Hier das Endergebnis von über einer Stunde am Okular mit Ausnutzen jedes kleinen Sichtfensters mit besserem Seeing:
Als nächstes stand NGC 6012 auf dem Programm. Es handelt sich um eine Balkenspirale in 86 Millionen Lichtjahren Entfernung und mit 11m9 visueller Helligkeit. Die Spiralarme haben sich zu einer Ellipse vom Balken abgelöst (Kollison mit einer kleinen Galaxie? Daher auch Asyymetrie im Balken?). Auch NGC 6012 ist ein Wiederbesuch. Im Vergleich zum 21.6.2025 habe ich / haben wir nun hochvergrößert. Ich hatte letzte Woche nur mein Arbeitspferd einegsetzt, das 10 mm Ethos, dann aber nicht weiter "reingezoomt". Jetzt, mit EQ-Plattform, ging es der Galaxie an den Kragen.
Die Nachbeobachtung ergab: der Stern nördlich der Galaxie ist ein schöner, optischer Doppelstern (TYC 955-47-1, nicht in Stelledoppie enthalten). Jetzt konnten wir den Galaxienkern erkennen (immerhin eine LINER-Galaxie). Und dann ging es an den Rest. Der Balken hatte wieder eine geradere Seite, die Form war höher vergrößert klar asymmetrisch, auch was die Balkendicke angeht. Und dann wurde es schwierig. Muss erneut wiederholt werden, dann aber bei Alpenhimmel. Wir beide meinten unanbhängig voneinander, einen Teil des Spiralarmellipsoids rund um den Balken gesehen zu haben. Ich auf der Ostseite, René auf der Westseite. Dann meinte ich, in Verlängerung des Balkens auf der Südseite etwas glimmen sehen zu können, dann war das wieder weg, dann wieder da und heller als die Bereich parallel zu dem Balken. Die Aufhellungen kamen und gingen. Schwierig. Im Nachhinein macht mich skeptisch, dass auf auf Fotos der Ellipse nördlich in Verlängerung des Balkens heller als südlich aussieht. Vielleicht täuscht das auch. Dafür haben wir nördlich einen Stern (?) gesehen, der aufblitze. Nur ist dort kein Stern. Ich habe den Lichtpunkt mal mit eingezeichnet:
Die Grundlage ist meine Zeichnung vom 21.6.2025 mit dem Dino. Ich hatte sie invertiert ausgedruckt und mitgenommen und in diese haben wir beide direkt reingezeichnet. Es ist quasi visuelles Stacking. Zwei Augenzeugen, aber "to be confirmed" unter alpinen Bedinungen.
Auch das hat Zeit gekostet und jetzt wurde es bereits etwas heller (gefühlt). Das SQM-L ist auf 21m2 gestiegen und das war irgendwie zu sehen / zu fühlen. Es stand aber noch ein Objekt auf unserer To-Do-Liste (die ganz vorne nur spontan um NGC 5490 ergänzt wurde, aber da war es eh zu hell). Sprich: das vorgesehene Programm war erst fast fertig.
Ziel war Parmasian 22 im Offenen Sternhaufen Dolidze 8 nördlich von Sadr im Schwan, direkt bei NGC 6914. Ob Parmasian 22 physikalisch zu Dolidz8 8 gehört, weiß ich nicht. Ich habe zwar Informationen zu Parmasian 22 finden können (dank Simbad und den dort verlinkten Artikeln), aber auf die Schnelle nichts zur Verbindung mit Dolidze 8 finden können. Es handelt sich um ein sog. Young Stellar Objekt, also einen sehr jungen Stern (hier knapp unter 5 Millionen Jahren), um den sich eine protoplanetare Scheibe entwickelt hat. Rund um den Stern ist noch Staub und Gas. Es ist also ein Herbig-Haro-Objekt. Uwe Glahn hat mich im Zusammenhang mit Dolidze 8 auf dieses Objekt gebracht – danke Uwe! Laut Oregon Star Party kann man ab 16 Zoll eine Beobachtung versuchen (bei entsprechendem Himmel). Ich hatte bisher immer nur auf vdB 131 geachtet. Um Parmasian 22 zu sehen, mussten wir hochvergrößern.
Der Nebel war dann eratunlich einfach und gut zu sehen. Aber er stand im Zenit. Bei 450× das Objekt in die Mitte zu stellen, übelst! Zu wenige Freiheitsgrade beim Teleskopbewegen. Normalerweise finde ich Dolidze 8 von Sadr ausgehend sofort – über NGC 6910 zu Collinder 421 zu Dolidze 9, dann im rechten Winkel rüber zu Dolidze 8. Nur wie solld as gehen, wenn man nur in einer Richtug kippen kann, in der anderen nur drehen. Ein Rumgefuhrwerke. Dafür der beste Himmelbereich. Wir haben schließlich Parmasian 22 rausvergrößern können und dann bei 450× klar als länglichen Nebelfleck, aber ohne Details im Nebel an sich, sehen können:
Auch hier wieder: Vorlage der Skizze von einer anderen Beobachtungsnacht (da auch mit der Diva), nur Ergänzung von Parmasian 22 – der kleine, dunkle Strich im Südosten von Dolidze 8 und vdB 131 um einen Stern deutlicher nachgezeichnet (war gut zu sehen).
Punktlandung! Die Dämmerung begann. Also Abbau und ab nach Hause. Es ist faszinierend, wie schnell der Himmel flau wird, wenn es zu dämmern gebinnt. Was für eine Nacht! Wenige Objekte, diese dafür intensiv zu zweit auseinandergenommen, anaylisert und dokumentiert. Und das in bester Sommerluft. Beobachten im T-Shirt, einfach genial.
Danke an René für die Gastfreundschaft und Respekt vor der selbstgebauten EQ-Plattform. Das Teil lohnt sich.
Liebe Grüße,
Christoph
gestern Nacht hat der Wetterbericht klaren Himmel angesagt – am Wochenende! Und ohne störenden Mond! Also muss beobachtet werden! Mein Freund René hat für seinen 24"-Dobson ("Diva") eine EQ-Plattform gebaut, die wir nutzen wollten, um u.a. IC 4593, die Weißäugige Erbse, zu beobachten. Also blieb mein "Dino" daheim und ich bin nur mit meinen Ethos-Okularen nach Murnau zu René gefahren, denn mit denen kann ich am besten zeichnen (auch wegen des großen Sehfelds).
Es war noch nicht ganz dunkel, das SQM-L zeigte gerade 21m0 an, aber warum einfach nur die Zeit verstreichen lassen? In der Nähe von Arcuturus, an dem wir den Dobson kollimiert haben, gibt es ja Galaxien. Eigentlich wollten wir IC 983 aufsuchen, aber beim Suchen und Rühren mit dem Dobson kamen wir bei einem (anderen) hellen Wattebausch an. Wir hatten das Ziel einfach nur im Triatlas rausgesucht und sind dann blind losgehoppelt (Sternhüpfen). Und da war dann ein deutlicher Wattebausch. Und da zeigt sich ein riesiger Vorteil des Zeichnens: man kann im Nachhinein anhand der eingezeichneten Sterne das Objekt leicht identifizieren. Und siehe da, wir waren knapp daneben bei NGC 5490 angekommen. Die Galaxie ist 218 Millionen Lichtjahre entfernt und 12m0 hell. Es ist eine elliptische Galaxie, die auch als Radiogalaxie klassifiziert ist. Schön war, dass sie einen helleren Kern zeigte:
Es sind weitere Galaxien aus dem LEDA-Katalog in der näheren Umgebung, die bei knapp über 16 mag anfangen. Leider haben wir von denen nichts sehen können. Der Himmel war aber auch vermutlich zu hell. Etwas weiter nördlich wäre das angedachte Zielgebiet gewesen. Das ist mal was für's nächste Frühjahr bei richtig dunklem Himmel.
Nun gut, vom Bärenhüter in den Kopf der Schlange und von dort aus in den Herkules – die weißäugige Erbse ruft, IC 4593! Das Sternhoppeln hat etwas gedauert, denn René hatte natürlich seinen kleinen Sucherrefraktor am Dobson. In dem ist aber immer zu viel zu sehen, zu viele Sterne, nur verwirrend. Selbst der Kopf der Schlange geht da unter. René hatte dann ein Einsehen und holte einen Leuchtpunktsucher. Bis er zurück war, konnte ich aber auch im Sucher gamma Serpentis festmachen und von dort aus loshoppeln. Hier ein kleiners Muster, von dort zu einem Doppelstern, daneben der zweite - passt... und so schleicht man sich an, bis man einfach nur ein Bisserl nach Rechts muss und schon ist der PN im Bildfeld. Im 10 mm-Ethos (212×) sieht man bereits eine kleine Fläche mit hellem,herausblitzendem Zentralstern. Also gleich den OIII-Filter rein. Und schon ist der Halo erkennbar, der helle Zentralbereich ist definierter. Aber es ist alles noch zu klein. Wir haben gleich probiert, hochzuvergrößern und Renés 3,3mm-Okular (641×) verwendet (davor auch ein 7mm-Okular und eine 2× Barlow). Das war dann zu viel, das Seeing war nicht gut genug, der helle Zentralbereich waberte zu sehr. Also wieder runtervergrößern. Wir haben mein 4,7mm-Ethos verwendet und dann damit bei 450× beobachtet. Und das hat sich dann gelohnt. Wir haben abwechselnd lange am Teleskop gestanden. Dank EQ-Plattform bliebe das Nebelchen an seiner Position und wir hatten viel Zeit, zuzuschauen, wie es plötzlich ein klareres Bild gibt, das wieder weg ist usw. Als ich am Teleskop stand, zeigte sich kurzzeitig im Halo eine hellere, abgesetzte Kante. Der Halo wirkte jetzt auch etwas asymmetrisch, nicht kreisrund, sondern etwas zusammengestaucht. Der Zentralbereich hell, eigentlich zu hell, den Halo übertstrahlend und eckig, wie eine Raute, an einer Seite minimal engedellt.
Ich habe nichts von meiner Beobachtung gesagt, damit René unvoreingenommen seine Eindrücke schildern kann. Er stand auch relativ lange an der Diva und meinte, dass der Halo nicht rund, sondern etwas zusammengedrückt erscheint und dass er am Rand eine etwas hellere Kante sehen konnte. Er hat die hellere Kante an zwei Stellen gesehen, ich nur an einer. Also wieder zurück ans Okular und wieder das Spielchen: direkt, indirekt, direkt (Blinking-Effekt), dann indirekt mit Bewegung der Diva ("Field Sweeping"), naja, alles,w as möglich ist. Und ja, ich meine zu sehen, was René beschrieb. Aber nie lange zu halten, immer nur kurzzeitig. Und dann wurde es still, das Summen der EQ-Plattform hörte auf – was? Ist die Stunde schon um? (Die Plattform läuft eine Stunde lang). Wir haben eine komplette Stunde mit dem kleinn Winzling verbracht. Das SQM-L zeigte übrigens 21m3 an (besser wurde es die ganze Nacht nicht), mit 18 °C war es extrem mild (am Ende dann 17°C, aber auch noch zu warm, kaum abkühlend, da die Luft doch etwas schwül war.
Zurück zur Diva: Zum Vergleich wollten wir die Erbse nochmal ohne Filter anschauen. Also Plattform zurückgefahren, den PN wieder per Sternhoppeln eingestellt (dauerte gfeühlt nur eine Minute) und nochmal drauf. Wieder der helle Zentralstern, vom Halo nichts zu sehen, aber der helle Innenberiech ist klar erkennbar. Er erscheint aber etwas kleiner als vorher. Filter wieder rein... naja, so viel kleiner auch nicht, etwas größer, oder nur klarer definierte Kanten?
Uns hat es gereicht. Zum Glück sind zumindest Sterne mit 16 mag in der Nähe, an denen man immer wieder scharfstellen kann.
Hier das Endergebnis von über einer Stunde am Okular mit Ausnutzen jedes kleinen Sichtfensters mit besserem Seeing:
Als nächstes stand NGC 6012 auf dem Programm. Es handelt sich um eine Balkenspirale in 86 Millionen Lichtjahren Entfernung und mit 11m9 visueller Helligkeit. Die Spiralarme haben sich zu einer Ellipse vom Balken abgelöst (Kollison mit einer kleinen Galaxie? Daher auch Asyymetrie im Balken?). Auch NGC 6012 ist ein Wiederbesuch. Im Vergleich zum 21.6.2025 habe ich / haben wir nun hochvergrößert. Ich hatte letzte Woche nur mein Arbeitspferd einegsetzt, das 10 mm Ethos, dann aber nicht weiter "reingezoomt". Jetzt, mit EQ-Plattform, ging es der Galaxie an den Kragen.
Die Nachbeobachtung ergab: der Stern nördlich der Galaxie ist ein schöner, optischer Doppelstern (TYC 955-47-1, nicht in Stelledoppie enthalten). Jetzt konnten wir den Galaxienkern erkennen (immerhin eine LINER-Galaxie). Und dann ging es an den Rest. Der Balken hatte wieder eine geradere Seite, die Form war höher vergrößert klar asymmetrisch, auch was die Balkendicke angeht. Und dann wurde es schwierig. Muss erneut wiederholt werden, dann aber bei Alpenhimmel. Wir beide meinten unanbhängig voneinander, einen Teil des Spiralarmellipsoids rund um den Balken gesehen zu haben. Ich auf der Ostseite, René auf der Westseite. Dann meinte ich, in Verlängerung des Balkens auf der Südseite etwas glimmen sehen zu können, dann war das wieder weg, dann wieder da und heller als die Bereich parallel zu dem Balken. Die Aufhellungen kamen und gingen. Schwierig. Im Nachhinein macht mich skeptisch, dass auf auf Fotos der Ellipse nördlich in Verlängerung des Balkens heller als südlich aussieht. Vielleicht täuscht das auch. Dafür haben wir nördlich einen Stern (?) gesehen, der aufblitze. Nur ist dort kein Stern. Ich habe den Lichtpunkt mal mit eingezeichnet:
Die Grundlage ist meine Zeichnung vom 21.6.2025 mit dem Dino. Ich hatte sie invertiert ausgedruckt und mitgenommen und in diese haben wir beide direkt reingezeichnet. Es ist quasi visuelles Stacking. Zwei Augenzeugen, aber "to be confirmed" unter alpinen Bedinungen.
Auch das hat Zeit gekostet und jetzt wurde es bereits etwas heller (gefühlt). Das SQM-L ist auf 21m2 gestiegen und das war irgendwie zu sehen / zu fühlen. Es stand aber noch ein Objekt auf unserer To-Do-Liste (die ganz vorne nur spontan um NGC 5490 ergänzt wurde, aber da war es eh zu hell). Sprich: das vorgesehene Programm war erst fast fertig.
Ziel war Parmasian 22 im Offenen Sternhaufen Dolidze 8 nördlich von Sadr im Schwan, direkt bei NGC 6914. Ob Parmasian 22 physikalisch zu Dolidz8 8 gehört, weiß ich nicht. Ich habe zwar Informationen zu Parmasian 22 finden können (dank Simbad und den dort verlinkten Artikeln), aber auf die Schnelle nichts zur Verbindung mit Dolidze 8 finden können. Es handelt sich um ein sog. Young Stellar Objekt, also einen sehr jungen Stern (hier knapp unter 5 Millionen Jahren), um den sich eine protoplanetare Scheibe entwickelt hat. Rund um den Stern ist noch Staub und Gas. Es ist also ein Herbig-Haro-Objekt. Uwe Glahn hat mich im Zusammenhang mit Dolidze 8 auf dieses Objekt gebracht – danke Uwe! Laut Oregon Star Party kann man ab 16 Zoll eine Beobachtung versuchen (bei entsprechendem Himmel). Ich hatte bisher immer nur auf vdB 131 geachtet. Um Parmasian 22 zu sehen, mussten wir hochvergrößern.
Der Nebel war dann eratunlich einfach und gut zu sehen. Aber er stand im Zenit. Bei 450× das Objekt in die Mitte zu stellen, übelst! Zu wenige Freiheitsgrade beim Teleskopbewegen. Normalerweise finde ich Dolidze 8 von Sadr ausgehend sofort – über NGC 6910 zu Collinder 421 zu Dolidze 9, dann im rechten Winkel rüber zu Dolidze 8. Nur wie solld as gehen, wenn man nur in einer Richtug kippen kann, in der anderen nur drehen. Ein Rumgefuhrwerke. Dafür der beste Himmelbereich. Wir haben schließlich Parmasian 22 rausvergrößern können und dann bei 450× klar als länglichen Nebelfleck, aber ohne Details im Nebel an sich, sehen können:
Auch hier wieder: Vorlage der Skizze von einer anderen Beobachtungsnacht (da auch mit der Diva), nur Ergänzung von Parmasian 22 – der kleine, dunkle Strich im Südosten von Dolidze 8 und vdB 131 um einen Stern deutlicher nachgezeichnet (war gut zu sehen).
Punktlandung! Die Dämmerung begann. Also Abbau und ab nach Hause. Es ist faszinierend, wie schnell der Himmel flau wird, wenn es zu dämmern gebinnt. Was für eine Nacht! Wenige Objekte, diese dafür intensiv zu zweit auseinandergenommen, anaylisert und dokumentiert. Und das in bester Sommerluft. Beobachten im T-Shirt, einfach genial.
Danke an René für die Gastfreundschaft und Respekt vor der selbstgebauten EQ-Plattform. Das Teil lohnt sich.
Liebe Grüße,
Christoph
Zuletzt bearbeitet: