HelmutLang
Aktives Mitglied
Hallo Astrogemeinde!
Nach arbeitsreicher Winterpause melde ich mich im Forum zurück. Vor Jahren schrieb ich einen Artikel, der jedoch nicht veröffentlicht wurde. So stelle ich ihn nun hier ins Netz, dass er wenigstens hier seine Aufgabe erfüllt - nämlich "unter die Leute zu kommen".
Zwar steht mehr eine philosophische Betrachtungsweise der Astronomie im Vordergrund und die Beobachtung ist nur sekundär, aber ich fand keinen besseren Platz hier im Forum.
Außerdem handelt er über die sommerlichen Kugelhaufen.
Hier nun der erste Teil:
Eine kurze Philosophie über Astronomie und
ein kleines ABC über kugelige Sternhaufen
Nett Sie hier zu treffen! Lassen Sie mich hier in der sommerlichen Abenddämmerung ds Alpenvorlandes etwas
erzählen, während ich meine Gerätschaft aus meinem VW-Bus lade und aufbaue, damit wir zu fortgeschrittener
Stunde auf dieser Wolldecke ein sommerliches Bad in den schillernden Tropfen von Kugelsternhaufen nehmen
können!
Der Weg zu den Sternen ist ein weiter, darum hole ich etwas aus.
Das Spektrum der Sternfreunde ist groß. Es reicht vom geselligen Vereinsmitglied einer Sternwarte, bis zum
kauzigen Einzelgänger, der seine Gerätschaft ins Gebirge schleppt, vom einsamen Astrofotografen bis zum
tatenlos staunenden Starwalker, vom hell auf begeisterten Sonnenverehrer, Planeten- und Kometenjäger, bis
zum dunkelnächtigsten Deep-Sky-Beobachter und Supernovajäger, der die Tage nur noch sonnenbebrillt überlebt,wenn er denn nicht Schlaf tankt.
So, die Bodenplattform kommt als Teleskopstandort, auf die Mitte der Wolldecke!
Manche lieben, in Pelz gehüllt, die starr-kalten, klaren Winternächte, dem Jäger auf der Spur,
oder wenden den Blick abseits der Milchstraße, hinaus zu anderen Galaxien, in die Tiefe des Kosmos.
Manche liegen lieber in lauen T-Shirtsommernächten im Konzert der Grillen oder zwischen blinkenden Glüh-
würmchen im Gras, blicken in das Zentrum unserer Galaxis und richten ihr Fernglas oder Fernrohr dorthin,
wo sich die kugeligen Haufen so konzentrieren, wie die Sternfreunde auf dem ITT.
Alle haben wir etwas gemeinsam: Den wunderbaren Himmel über uns, den unsichtbaren unter unseren Füßen.
Er schließt uns in sich ein, vereint uns. In unserer unendlichen Sehnsucht nach Ferne und Sternen,
verlieren wir uns in den Weiten des Kosmos, wie in einem nächtlichen Traum. Das Deep-sky-fever liegt bei
knapp drei Kelvin! Wer glaubt, wir sehen da im All den Großteil der Materie und Energieflüsse, der täuscht sich. Keine fünf Prozent offenbaren sich uns!
-Wie? Der Rest ist Dunkle Energie und Dunkle Materie, die unseren Geist im Dunkeln läßt.
-Was? Das Teil hier nennt sich "Rockerbox"!
Bezüglich der aufgezählten Vorlieben der Sternfreunde, gehöre ich, wenn überhaupt zu einer Gruppe,
zur zweiteren. Nicht dass ich gesellschaftlichen Umgang scheue, nein, ich will in die Stille des Alls
gucken und lauschen, um vielleicht den ein oder anderen fernen Crash einer Supernova oder eines Starbursts
zu vernehmen. Ich liebe das Unhörbare in der Stille, das Unsichtbare im Dunkel.
Als sechzehnjähriger wurde ich vom "Blick ins Weltall" (2) gefesselt und träumte von da an von einem Fernrohr
mit viel Öffnung und möglichst ballastfreier Montierung. Doch ich hatte nicht genug Geld für einen achromatischen
Kometenucher von Kosmos. Aber im Laufe der Jahre erarbeitete und ersparte ich mir ein 8" SC. Die Zeit der achziger
in der Jugendgruppe der nächstliegenden Sternwarte war schön und lehrreich für mich.
Die darauffolgenden Jahre wurden der Verteidigung des Vaterlands (Erwachsenenkriegsspiele), dem Studium
und nächtlichem Ausgehen gewidmet.
Erst Anfang der Neunziger während meines Aufenthalts in Franken, ich verbrachte einen Teil meiner Referendarszeit (II. Staatsexamen) in Nürnberg, kam ich wieder zu "sternzeit"-lichen Stunden: Beim Nürnberger Hobbyastronomen Bund (=NHAB) wurde ich fündig. Den Sternfreunden Frank, Michael und Christian folgend, wurde aus mir ein begeisterter Dobsonianer und Teleskopbauer!
Uff, wenn dieser Hauptspiegelkasten nur schon in der Rockerbox wäre!
Ich wohne zwar nur 15 Minuten von hier entfernt, aber in den schneereichen Wintern des Alpenvorlandes scheue ich
die Fahrt hierher, zu dieser Sennerei, die auf 980 m.ü.NN. liegt.
In den verschneiten Wintern träume ich vom sonnigen Süden tieferer Breiten und greife meist erst bei angenehmer
Witterung zu Fernglas und Teöeskop. In derartiger Höhe, exponiert nach allen Seiten, herrscht meist ein eisiger
Wind und ich bleibe nicht gern an Fernrohr, Alustangen und Okularen kleben.
Auch bin ich kein CCD-Chip,...., sondern ein..... Lastenschlepper...! So, das wäre geschafft!
Astronome ist für mich nicht mehr, als ein Teil meiner Weltanschauung, eine meditative Betrachtung des
allumfassenden Kosmos, ein Bestaunen des Übermächtigen, das uns Primaten Verbindet.
-Hier, halten Sie ´mal die Alustangen! Gleich ist es dunkel und ich muß mich beeilen, den oberen Tubus noch im
letzten Dämmerlicht an den Gitterrohren festzuschrauben! Bei Dunkelheit ein ziemliches Gefummel!
-Oh, das war eine Sternschnuppe! Wie Sie selbst sehen, fallen hier Meteoriten herab, aber mehr noch fällt der
Lichtdom der Stadt Kempten, dort im SO auf! Durch diese Lichtverschmutzung, wenn das überhaupt das richtige Wort
dafür ist, erreicht die Standortgüte nur Bortle 4!
-Was? Ja, natürlich, bei Föhn herrscht hier schönster Alpenblick und bei diesen Inversionslagen zeigt der
Himmel sein bestes Gesicht.
Puh! Somit wäre der grobe Aufbau erledigt!
Vor Jahren waren ein 20" und eine Leiter mein Begleiter. Aber nur kurzzeitig.
Seither bin ich, wie so mancher (auch ein Thomas Jäger), vom Öffnungswahn, vom Aperture Fever, geheilt!(3)
Mein 18"/f4.45, den ich hier aufgebaut habe, heißt "Monocoloss" (vom italienischen "monocolo" und dem griechischen "Colossos" abgeleitet) und wurde mir ein treuer Begleiter. Er und ich sind von der Größe her in etwa gleich und ein gutes Team geworden. Nur tragen muß ich ihn alleine. Aber mit einem Sohn, bin ich als Vater gut in Übung!
Außerdem habe ich jetzt immer festen Boden unter den Füßen!
-Ob ich Profi bin? Im Tragen irdischer Lasten schon, in himmlischen Gefielden weniger. Ich bin leidenschaftlicher
Sterngucker und beim Betrachten mit Allem verbunden. Lassen Sie mich ja mit Zahlen und "Wissen schaffen" in Ruhe!
Das Wissen verpflichtet den Menschen zu nichts! Darum sieht es auf unserem Planeten so aus und wir planen Marsmissionen!
Die vorgebliche Suche nach dem Kugelhaufen G1, gibt mir, kleinem Sternfreund mit großer Öffnung zum Glück die
Rechtfertigung, auch die prächtige Andromeda-Galaxie bewundern zu dürfen!
Fragen Sie mich jetzt nicht nach der IC 342/Maffei - Galaxiengruppe (4) oder den Shakhbazian-Galaxiengruppen (5)!
Wie Sie hören besagen die Namen schon, was einen da erwartet! Derartige Objekte belese ich nur, wobei dann mein
Mund beachtliche Öffnung erreicht. Manche werden vom Wahn der Grenzenlosigkeit beherrscht und schaffen das
Unglaubliche, oder glauben es zu schaffen!
So, das hier ist mein zweites Fernrohr: Der Sternfinder.
Der Markt macht es möglich (6): Hier sehen Sie meinen
einstigen Jugendtraum: Was ich jetzt huckepack auf meinem Monocoloss festklemme, blieb für mich vor zwanzig Jahren
noch unerschwinglich: Ein achromatischer 6"-Kometensucher nach Fraunhofer, zeitgemäß "Richfieldtelescope" kurz RFT
genannt. So einen 6"/750mm (f/5) hat Ronald Stoyan vor Jahren getestet. (7)
Wissen Sie, man verbringt einfach zu viel Zeit an einem Sucher! Mit dem Sternfinder eröffnet sich ein weites Feld
von 3,4° nadelförmiger Sterne. Die Okulare dienen beiden Fernrohren, wobei ich, ich gebe es gerne zu, das 6-3mm
Zoomokular nur bedingt im unteren Vergrößerunsbereich (150x) des 6-Zöllers einsetzen kann.
So, der wird jetzt mit einem Amiciprisma bestückt. Leider ist ein Zenitspiegel/Prisma an meinem RFT obligatorisch,da sich sonst, wegen falsch eingestelltem Fokusierbereich kein Okular scharf stellen läßt. Unglaublich! Finden Sie nicht auch? Wieder eine Fehlerquelle mehr! Da lobe ich mir meinen Newtonfangspiegel! Obstruktion? Ja,ich habe nur einen 14,5"!
-Was ich mit meinem Sternfinder so alles aufspüre? Gut, es wird sowieso erst um Mitternacht richtig dunkel!
Also, mei Interesse und meine Konzentration gilt vorwiegend der Milchstraße und ihren Objekten, darunter vor allem
den sterngeballten Kugelhaufen, jenen vielfältigen Gebilden, welche sich so hartknäckig weigern, auf Film gebannt
zu werden und auch CCD-Chips bloomen, sprich überlaufen lassen!
Auch lassen sie sich nicht so recht einordnen, posieren galaxienhaft, ´mal mit spiraligen Ketten, dann als flächen-
hafte Nebel, so dass mancher Kugelhaufen schon ´mal falsch identifiziert und irrtümlich zur Galaxie erklärt wurde,
wie z.B. in den Fällen Pal 12 (Cap) und Pal 15 (Oph). Auch verwischen sie den Übergang zu den Offenen Haufen, wie im
Fall M71 in Sagitta. Sie treten ´mal konzentrierter, ´mal locker mit mehr oder weniger Metallizität auf.
Manche lassen sich auflösen, manche nicht, wie etwa M 15, der da jetzt gerade im O beim Delphin, am Rande des Pegasus
steht. In ihm gibt es nämlich nicht nur einen PN, sondern auch einen Bereich höchster Sternkonzentration, welcher nur
22 Lj vom Zentrum entfernt ist und ca. 30000 Sterne aufweist! Ach diese Zahlen!
Nicht einmal das HST konnte eine derartige Sternverdichtung auflösen! Dabei ist der Haufen gar nicht so konzentriert
(KL. IV), abgesehen von derartigen Partien.
Aber die Konzentrationsklasse sagt einem nur wenig über die Auflösbarkeit in Einzelsterne. Vielmehr ist die Helligkeit
der hellsten Sterne im Zentrum dafür ausschlaggebend. Im Hertzsprung-Russel-Diagramm, auf welchem Farben und Hellig-
keiten der Sterne aufgetragen sind, sind dies die Sterne des Horizontalastes, in welchem sich zahlenmäßig die größte
Gruppe von Sternen findet. (8)
-Was? Nein, die galaktischen Kugelhaufen sind durchwegs sehr alt, so um die 8 Mrd. Jahre (wie Pal 12, der im Capri-
cornus ca. 2° nördlich von M 30 steht, und Ruprecht 106).(8)
Sie können aber auch um einiges älter werden, wie etwa NGC 6397 der neueste Rekordhalter. Im Sommer gelang es italie-
nischen Forschern, anhand des Beryllium-Gehaltes dieses Kugelhaufens, ihm ein Alter von 13.4 Mrd. Jahren nachzuweisen.(9)
Damit entstand er fast gleichzeitig mit dem Kosmos!
-Ob es nicht auch jüngere Kugelhaufen gibt?
Bezieht man die extragalaktischen mit ein, dann schon:
"In Galaxien mit heftiger Sternentstehung (starbursts) wurden KH entdeckt, die in normalen Galaxien nicht vorkommen.
Es sind sehr junge Objekte: "Superstarclusters" (SSC) oder "blue globulars". Ihre Leuchtkraftverteilung ähnelt eher
der von Offenen Haufen. Das Besondere an diesen Objektren ist, neben ihrem geringen Alter von wenigen Mio bis 100 Mio.
Jahren, ihre enorme Leuchtkraft und Kompaktheit.(8)
-Was? Ach, Sterne sind alle kugelig! Aber wenn Sie die Kugel nicht auf den Stern, sondern auf den Haufen beziehen, dann
können Sie ruhig auch von Kugel-Sternhaufen sprechen!
-Was? Kugelförmig? Na ja, das ist zwar üblich, aber doch etwas doppelt gemoppelt!
-So, da wäre der Okularkoffer! Jetzt brauche ich den Kollimaster und den 13er Schlüssel, um das spiegelnde Riesenauge scharfstellen zu können.
Den Faible für KH teilen übrigens auch viele Hobbyastronomen mit mir. Neulich las ich im Praxishandbuch, welches von der Vereinigung für Sternfreunde herausgegeben wurde,zu diesem Objekttyp: "Für viele Beobachter sind Kugelsternhaufen
das Schönste, was der Himmel zu bieten hat." Dagegen ist unter "Offene Sternhaufen" zu lesen: "Erfahrungsgemäß werden Offene Sternhaufen eher stiefmütterlich behandelt, abgesehen von den hellen,prominenten Exemplaren, die als "Sterndusche"
benutzt werden." (10)
Ich gestehe Ihnen, ich fühlte mich ziemlich betroffen, obwohl oder gerade weil mich gerade jene Objekte, welche im Deep Sky Field Guide (11) mit der Bemerkung "strong central concentration" versehen sind, immer wieder ´mal verlocken.
Aber KH besitzen halt doch einen unübertroffenen Reichtum an Sternen.
Daher lachen sie sich über den zeichnenden Deep-Sky Beobachter kugelig und lassen ihn zu Sisyphos werden - der bei seiner Arbeit jedoch zweifellos wächst. Da heißt es schon "genau hinsehen"! Bei steigender Vergrößerung lassen sie ihn in sich tauchen und sein Vorhaben zu einer
unendlichen Fleißaufgabe anwachsen, während sie ihm immer schneller davonlaufen!
Ein Wunder, dass es überhaupt Zeichnungen bei stärkeren Vergrößerungen gibt! Wissen Sie, ob da parallaktisch montierte Newtons oder Dobsonianerpäarchen am Werk sind?!
Letztens habe ich einige sehenswerte, zeichnerische Fleißarbeiten in Stoyans "Deep Sky Reiseführer" bewundert!
Was? Die sind alle bei 80x angefertigt! Die Zeichnungen der zwei funkelnsten aller Sternenkristalle, 47 Tucanae und omega Centauri, aber auch die von NGC 288 im Sculptor, haben mir seeehr gefallen! (12)
Wahrscheinlich, weil ich zu viel von ihnen träume! Der Südhimmel ruft! Darum bin ich Herbert Schupke gefolgt! Mit diesen herrlichen Aufnahmen von Sebastian Voltmer! Zum Träumen schön! (13)
Dieser David Malin (14) bekommt allmählich so richtige Amateurkonkurrenz! Bin schon gespannt, was da noch folgt!
Dank der technischen Entwicklung mischen heute auch schon Amateure in High-end-aufnahmen mit! Auch am Südhimmel!
-Was? Die Folgen des Flugreiseverkehrs? Ja, schlimm! Nach dem 11. Septmber 2001 hatten die Amerikaner, dank des sich
anschließenden Flufverbotes, ihre drei klarsten Tage und Nächte! Vor allem über den Großstädten! Wußten Sie das?
So, die Galaxy-Optik ist kollimiert! Jetzt müssen wir in den Städten nur noch die Lichter ausschalten lassen, die
astronomische Dunkelheit abwarten und unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnen!
Nach so einem hell gleißenden, staubig-trockenen Sommertag wie heute, genieße ich hier das Konzert der Grillen und die
Stille des Himmels über uns. Was wollen wir mehr? Da zieht schon Gaias Milchstrasse dahin. Der aus der Ferne glitzernde
Sternenstaub erinnert mich daran, dass auch wir, ja alles, aus ihm gemacht sind. Auch der Staub, der im Laufe der Zeit
auf das Auge des Monocoloss herabgefallen ist! Dieses Riesenauge kühlt jetzt allmählich ab, akklimatisiert sich.
Machen wir es uns doch auf der Decke am Boden neben dem Okularkoffer bequem, um im Sternfinder mit dem 31mm Okular in der aufgehenden Sternenfülle des Schwans zu wandern:
Da, sehen Sie, der Nordamerikanebel. Am deutlichsten die Partie von Mexico. Jetzt noch mit OIII-Filter: Da wird auch der Pelikannebel daneben sichtbar!
Durchstreifen Sie ruhig einmal die Milchstrasse, verweilen Sie ´mal hier, ´mal dort. Da, im Norden werden Sie auf die
Schatzkammer der Königin stoßen.
Geht es Ihnen auch so, dass Sie beim Aufsuchen der Offenen Haufen "ha und chi", von den Schenkeln des W´s ausgehend,
die Strecke gamma Cas zu delta Cas einfach noch zweimal verlängern, um zu dem schönsten Offenen-Haufen-Paar zu gelangen, und dann glauben, da funkelten die Juwelen der Cassiopeia?
-Nein? Tatsächlich liegen sie dicht neben ihr, bei Perseus. (15) Geht man von Cassiopeias besagter Mitte gamma Cas die Linie bis zur Mitte des Perseus weiter, also bis zu dessen Hauptstern alpha, genannt Algenib, verbindet also die Mitten der beiden, so steht das Juwelenpaar dazwischen.
-Da, sehen Sie nur! Der Himmel lohnt uns den Anblick mit bloßem Auge mit einem prächtigen Spektakel: Das war ein Perseid.
Inzwischen ist die Teekanne des Schützen am Horizont aufgegangen. Besuchen wir also die herrlichste Nebelgegend unseres Himmels. Jetzt, nahe dem Horizont können wir uns zum Beobachten auf den Okularkoffer hinter den 6" Sternfinder setzen!
Bei 24x mit OIII-Filter haben wir sie alle in einem Gesichtsfeld: Lagunen- und Trifidnebel, M 21 und IC 1274/5.
Was? Ja, der Anblick ist himmlisch. Immer schön am lichtschwachen Objekt vorbeigucken! Mit diesem "indirekten Sehen" sieht man mehr! Man sollte diese geheimnisvoll nebelumhangenen Sternenfelder länger genießen, zwischen durch auch ohne Filter, um die Sternhaufen mehr zur Geltung zu bringen!
So, jetzt schwenken wir 2° weiter in den Süden, zu den Globulars 6544 und 6553. Mit 8 mag sind beide gleich hell,
6544 jedoch etwas größer und von der Konz...
-Was? Ach, Sie wollen nur Highlights und keine solchen "Nebelfleckchen" sehen?
Gut, ich wollte Ihnen sowieso noch die drei Renner unter den KH zeigen und Sie fragen, welcher ihnen am besten gefällt.
Aber jetzt machen wir erst ´mal Pause!
Teil 2 folgt!
Gruß, Sterngucker Helmut
Nach arbeitsreicher Winterpause melde ich mich im Forum zurück. Vor Jahren schrieb ich einen Artikel, der jedoch nicht veröffentlicht wurde. So stelle ich ihn nun hier ins Netz, dass er wenigstens hier seine Aufgabe erfüllt - nämlich "unter die Leute zu kommen".
Zwar steht mehr eine philosophische Betrachtungsweise der Astronomie im Vordergrund und die Beobachtung ist nur sekundär, aber ich fand keinen besseren Platz hier im Forum.
Außerdem handelt er über die sommerlichen Kugelhaufen.
Hier nun der erste Teil:
Eine kurze Philosophie über Astronomie und
ein kleines ABC über kugelige Sternhaufen
Nett Sie hier zu treffen! Lassen Sie mich hier in der sommerlichen Abenddämmerung ds Alpenvorlandes etwas
erzählen, während ich meine Gerätschaft aus meinem VW-Bus lade und aufbaue, damit wir zu fortgeschrittener
Stunde auf dieser Wolldecke ein sommerliches Bad in den schillernden Tropfen von Kugelsternhaufen nehmen
können!
Der Weg zu den Sternen ist ein weiter, darum hole ich etwas aus.
Das Spektrum der Sternfreunde ist groß. Es reicht vom geselligen Vereinsmitglied einer Sternwarte, bis zum
kauzigen Einzelgänger, der seine Gerätschaft ins Gebirge schleppt, vom einsamen Astrofotografen bis zum
tatenlos staunenden Starwalker, vom hell auf begeisterten Sonnenverehrer, Planeten- und Kometenjäger, bis
zum dunkelnächtigsten Deep-Sky-Beobachter und Supernovajäger, der die Tage nur noch sonnenbebrillt überlebt,wenn er denn nicht Schlaf tankt.
So, die Bodenplattform kommt als Teleskopstandort, auf die Mitte der Wolldecke!
Manche lieben, in Pelz gehüllt, die starr-kalten, klaren Winternächte, dem Jäger auf der Spur,
oder wenden den Blick abseits der Milchstraße, hinaus zu anderen Galaxien, in die Tiefe des Kosmos.
Manche liegen lieber in lauen T-Shirtsommernächten im Konzert der Grillen oder zwischen blinkenden Glüh-
würmchen im Gras, blicken in das Zentrum unserer Galaxis und richten ihr Fernglas oder Fernrohr dorthin,
wo sich die kugeligen Haufen so konzentrieren, wie die Sternfreunde auf dem ITT.
Alle haben wir etwas gemeinsam: Den wunderbaren Himmel über uns, den unsichtbaren unter unseren Füßen.
Er schließt uns in sich ein, vereint uns. In unserer unendlichen Sehnsucht nach Ferne und Sternen,
verlieren wir uns in den Weiten des Kosmos, wie in einem nächtlichen Traum. Das Deep-sky-fever liegt bei
knapp drei Kelvin! Wer glaubt, wir sehen da im All den Großteil der Materie und Energieflüsse, der täuscht sich. Keine fünf Prozent offenbaren sich uns!
-Wie? Der Rest ist Dunkle Energie und Dunkle Materie, die unseren Geist im Dunkeln läßt.
-Was? Das Teil hier nennt sich "Rockerbox"!
Bezüglich der aufgezählten Vorlieben der Sternfreunde, gehöre ich, wenn überhaupt zu einer Gruppe,
zur zweiteren. Nicht dass ich gesellschaftlichen Umgang scheue, nein, ich will in die Stille des Alls
gucken und lauschen, um vielleicht den ein oder anderen fernen Crash einer Supernova oder eines Starbursts
zu vernehmen. Ich liebe das Unhörbare in der Stille, das Unsichtbare im Dunkel.
Als sechzehnjähriger wurde ich vom "Blick ins Weltall" (2) gefesselt und träumte von da an von einem Fernrohr
mit viel Öffnung und möglichst ballastfreier Montierung. Doch ich hatte nicht genug Geld für einen achromatischen
Kometenucher von Kosmos. Aber im Laufe der Jahre erarbeitete und ersparte ich mir ein 8" SC. Die Zeit der achziger
in der Jugendgruppe der nächstliegenden Sternwarte war schön und lehrreich für mich.
Die darauffolgenden Jahre wurden der Verteidigung des Vaterlands (Erwachsenenkriegsspiele), dem Studium
und nächtlichem Ausgehen gewidmet.
Erst Anfang der Neunziger während meines Aufenthalts in Franken, ich verbrachte einen Teil meiner Referendarszeit (II. Staatsexamen) in Nürnberg, kam ich wieder zu "sternzeit"-lichen Stunden: Beim Nürnberger Hobbyastronomen Bund (=NHAB) wurde ich fündig. Den Sternfreunden Frank, Michael und Christian folgend, wurde aus mir ein begeisterter Dobsonianer und Teleskopbauer!
Uff, wenn dieser Hauptspiegelkasten nur schon in der Rockerbox wäre!
Ich wohne zwar nur 15 Minuten von hier entfernt, aber in den schneereichen Wintern des Alpenvorlandes scheue ich
die Fahrt hierher, zu dieser Sennerei, die auf 980 m.ü.NN. liegt.
In den verschneiten Wintern träume ich vom sonnigen Süden tieferer Breiten und greife meist erst bei angenehmer
Witterung zu Fernglas und Teöeskop. In derartiger Höhe, exponiert nach allen Seiten, herrscht meist ein eisiger
Wind und ich bleibe nicht gern an Fernrohr, Alustangen und Okularen kleben.
Auch bin ich kein CCD-Chip,...., sondern ein..... Lastenschlepper...! So, das wäre geschafft!
Astronome ist für mich nicht mehr, als ein Teil meiner Weltanschauung, eine meditative Betrachtung des
allumfassenden Kosmos, ein Bestaunen des Übermächtigen, das uns Primaten Verbindet.
-Hier, halten Sie ´mal die Alustangen! Gleich ist es dunkel und ich muß mich beeilen, den oberen Tubus noch im
letzten Dämmerlicht an den Gitterrohren festzuschrauben! Bei Dunkelheit ein ziemliches Gefummel!
-Oh, das war eine Sternschnuppe! Wie Sie selbst sehen, fallen hier Meteoriten herab, aber mehr noch fällt der
Lichtdom der Stadt Kempten, dort im SO auf! Durch diese Lichtverschmutzung, wenn das überhaupt das richtige Wort
dafür ist, erreicht die Standortgüte nur Bortle 4!
-Was? Ja, natürlich, bei Föhn herrscht hier schönster Alpenblick und bei diesen Inversionslagen zeigt der
Himmel sein bestes Gesicht.
Puh! Somit wäre der grobe Aufbau erledigt!
Vor Jahren waren ein 20" und eine Leiter mein Begleiter. Aber nur kurzzeitig.
Seither bin ich, wie so mancher (auch ein Thomas Jäger), vom Öffnungswahn, vom Aperture Fever, geheilt!(3)
Mein 18"/f4.45, den ich hier aufgebaut habe, heißt "Monocoloss" (vom italienischen "monocolo" und dem griechischen "Colossos" abgeleitet) und wurde mir ein treuer Begleiter. Er und ich sind von der Größe her in etwa gleich und ein gutes Team geworden. Nur tragen muß ich ihn alleine. Aber mit einem Sohn, bin ich als Vater gut in Übung!
Außerdem habe ich jetzt immer festen Boden unter den Füßen!
-Ob ich Profi bin? Im Tragen irdischer Lasten schon, in himmlischen Gefielden weniger. Ich bin leidenschaftlicher
Sterngucker und beim Betrachten mit Allem verbunden. Lassen Sie mich ja mit Zahlen und "Wissen schaffen" in Ruhe!
Das Wissen verpflichtet den Menschen zu nichts! Darum sieht es auf unserem Planeten so aus und wir planen Marsmissionen!
Die vorgebliche Suche nach dem Kugelhaufen G1, gibt mir, kleinem Sternfreund mit großer Öffnung zum Glück die
Rechtfertigung, auch die prächtige Andromeda-Galaxie bewundern zu dürfen!
Fragen Sie mich jetzt nicht nach der IC 342/Maffei - Galaxiengruppe (4) oder den Shakhbazian-Galaxiengruppen (5)!
Wie Sie hören besagen die Namen schon, was einen da erwartet! Derartige Objekte belese ich nur, wobei dann mein
Mund beachtliche Öffnung erreicht. Manche werden vom Wahn der Grenzenlosigkeit beherrscht und schaffen das
Unglaubliche, oder glauben es zu schaffen!
So, das hier ist mein zweites Fernrohr: Der Sternfinder.
Der Markt macht es möglich (6): Hier sehen Sie meinen
einstigen Jugendtraum: Was ich jetzt huckepack auf meinem Monocoloss festklemme, blieb für mich vor zwanzig Jahren
noch unerschwinglich: Ein achromatischer 6"-Kometensucher nach Fraunhofer, zeitgemäß "Richfieldtelescope" kurz RFT
genannt. So einen 6"/750mm (f/5) hat Ronald Stoyan vor Jahren getestet. (7)
Wissen Sie, man verbringt einfach zu viel Zeit an einem Sucher! Mit dem Sternfinder eröffnet sich ein weites Feld
von 3,4° nadelförmiger Sterne. Die Okulare dienen beiden Fernrohren, wobei ich, ich gebe es gerne zu, das 6-3mm
Zoomokular nur bedingt im unteren Vergrößerunsbereich (150x) des 6-Zöllers einsetzen kann.
So, der wird jetzt mit einem Amiciprisma bestückt. Leider ist ein Zenitspiegel/Prisma an meinem RFT obligatorisch,da sich sonst, wegen falsch eingestelltem Fokusierbereich kein Okular scharf stellen läßt. Unglaublich! Finden Sie nicht auch? Wieder eine Fehlerquelle mehr! Da lobe ich mir meinen Newtonfangspiegel! Obstruktion? Ja,ich habe nur einen 14,5"!
-Was ich mit meinem Sternfinder so alles aufspüre? Gut, es wird sowieso erst um Mitternacht richtig dunkel!
Also, mei Interesse und meine Konzentration gilt vorwiegend der Milchstraße und ihren Objekten, darunter vor allem
den sterngeballten Kugelhaufen, jenen vielfältigen Gebilden, welche sich so hartknäckig weigern, auf Film gebannt
zu werden und auch CCD-Chips bloomen, sprich überlaufen lassen!
Auch lassen sie sich nicht so recht einordnen, posieren galaxienhaft, ´mal mit spiraligen Ketten, dann als flächen-
hafte Nebel, so dass mancher Kugelhaufen schon ´mal falsch identifiziert und irrtümlich zur Galaxie erklärt wurde,
wie z.B. in den Fällen Pal 12 (Cap) und Pal 15 (Oph). Auch verwischen sie den Übergang zu den Offenen Haufen, wie im
Fall M71 in Sagitta. Sie treten ´mal konzentrierter, ´mal locker mit mehr oder weniger Metallizität auf.
Manche lassen sich auflösen, manche nicht, wie etwa M 15, der da jetzt gerade im O beim Delphin, am Rande des Pegasus
steht. In ihm gibt es nämlich nicht nur einen PN, sondern auch einen Bereich höchster Sternkonzentration, welcher nur
22 Lj vom Zentrum entfernt ist und ca. 30000 Sterne aufweist! Ach diese Zahlen!
Nicht einmal das HST konnte eine derartige Sternverdichtung auflösen! Dabei ist der Haufen gar nicht so konzentriert
(KL. IV), abgesehen von derartigen Partien.
Aber die Konzentrationsklasse sagt einem nur wenig über die Auflösbarkeit in Einzelsterne. Vielmehr ist die Helligkeit
der hellsten Sterne im Zentrum dafür ausschlaggebend. Im Hertzsprung-Russel-Diagramm, auf welchem Farben und Hellig-
keiten der Sterne aufgetragen sind, sind dies die Sterne des Horizontalastes, in welchem sich zahlenmäßig die größte
Gruppe von Sternen findet. (8)
-Was? Nein, die galaktischen Kugelhaufen sind durchwegs sehr alt, so um die 8 Mrd. Jahre (wie Pal 12, der im Capri-
cornus ca. 2° nördlich von M 30 steht, und Ruprecht 106).(8)
Sie können aber auch um einiges älter werden, wie etwa NGC 6397 der neueste Rekordhalter. Im Sommer gelang es italie-
nischen Forschern, anhand des Beryllium-Gehaltes dieses Kugelhaufens, ihm ein Alter von 13.4 Mrd. Jahren nachzuweisen.(9)
Damit entstand er fast gleichzeitig mit dem Kosmos!
-Ob es nicht auch jüngere Kugelhaufen gibt?
Bezieht man die extragalaktischen mit ein, dann schon:
"In Galaxien mit heftiger Sternentstehung (starbursts) wurden KH entdeckt, die in normalen Galaxien nicht vorkommen.
Es sind sehr junge Objekte: "Superstarclusters" (SSC) oder "blue globulars". Ihre Leuchtkraftverteilung ähnelt eher
der von Offenen Haufen. Das Besondere an diesen Objektren ist, neben ihrem geringen Alter von wenigen Mio bis 100 Mio.
Jahren, ihre enorme Leuchtkraft und Kompaktheit.(8)
-Was? Ach, Sterne sind alle kugelig! Aber wenn Sie die Kugel nicht auf den Stern, sondern auf den Haufen beziehen, dann
können Sie ruhig auch von Kugel-Sternhaufen sprechen!
-Was? Kugelförmig? Na ja, das ist zwar üblich, aber doch etwas doppelt gemoppelt!
-So, da wäre der Okularkoffer! Jetzt brauche ich den Kollimaster und den 13er Schlüssel, um das spiegelnde Riesenauge scharfstellen zu können.
Den Faible für KH teilen übrigens auch viele Hobbyastronomen mit mir. Neulich las ich im Praxishandbuch, welches von der Vereinigung für Sternfreunde herausgegeben wurde,zu diesem Objekttyp: "Für viele Beobachter sind Kugelsternhaufen
das Schönste, was der Himmel zu bieten hat." Dagegen ist unter "Offene Sternhaufen" zu lesen: "Erfahrungsgemäß werden Offene Sternhaufen eher stiefmütterlich behandelt, abgesehen von den hellen,prominenten Exemplaren, die als "Sterndusche"
benutzt werden." (10)
Ich gestehe Ihnen, ich fühlte mich ziemlich betroffen, obwohl oder gerade weil mich gerade jene Objekte, welche im Deep Sky Field Guide (11) mit der Bemerkung "strong central concentration" versehen sind, immer wieder ´mal verlocken.
Aber KH besitzen halt doch einen unübertroffenen Reichtum an Sternen.
Daher lachen sie sich über den zeichnenden Deep-Sky Beobachter kugelig und lassen ihn zu Sisyphos werden - der bei seiner Arbeit jedoch zweifellos wächst. Da heißt es schon "genau hinsehen"! Bei steigender Vergrößerung lassen sie ihn in sich tauchen und sein Vorhaben zu einer
unendlichen Fleißaufgabe anwachsen, während sie ihm immer schneller davonlaufen!
Ein Wunder, dass es überhaupt Zeichnungen bei stärkeren Vergrößerungen gibt! Wissen Sie, ob da parallaktisch montierte Newtons oder Dobsonianerpäarchen am Werk sind?!
Letztens habe ich einige sehenswerte, zeichnerische Fleißarbeiten in Stoyans "Deep Sky Reiseführer" bewundert!
Was? Die sind alle bei 80x angefertigt! Die Zeichnungen der zwei funkelnsten aller Sternenkristalle, 47 Tucanae und omega Centauri, aber auch die von NGC 288 im Sculptor, haben mir seeehr gefallen! (12)
Wahrscheinlich, weil ich zu viel von ihnen träume! Der Südhimmel ruft! Darum bin ich Herbert Schupke gefolgt! Mit diesen herrlichen Aufnahmen von Sebastian Voltmer! Zum Träumen schön! (13)
Dieser David Malin (14) bekommt allmählich so richtige Amateurkonkurrenz! Bin schon gespannt, was da noch folgt!
Dank der technischen Entwicklung mischen heute auch schon Amateure in High-end-aufnahmen mit! Auch am Südhimmel!
-Was? Die Folgen des Flugreiseverkehrs? Ja, schlimm! Nach dem 11. Septmber 2001 hatten die Amerikaner, dank des sich
anschließenden Flufverbotes, ihre drei klarsten Tage und Nächte! Vor allem über den Großstädten! Wußten Sie das?
So, die Galaxy-Optik ist kollimiert! Jetzt müssen wir in den Städten nur noch die Lichter ausschalten lassen, die
astronomische Dunkelheit abwarten und unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnen!
Nach so einem hell gleißenden, staubig-trockenen Sommertag wie heute, genieße ich hier das Konzert der Grillen und die
Stille des Himmels über uns. Was wollen wir mehr? Da zieht schon Gaias Milchstrasse dahin. Der aus der Ferne glitzernde
Sternenstaub erinnert mich daran, dass auch wir, ja alles, aus ihm gemacht sind. Auch der Staub, der im Laufe der Zeit
auf das Auge des Monocoloss herabgefallen ist! Dieses Riesenauge kühlt jetzt allmählich ab, akklimatisiert sich.
Machen wir es uns doch auf der Decke am Boden neben dem Okularkoffer bequem, um im Sternfinder mit dem 31mm Okular in der aufgehenden Sternenfülle des Schwans zu wandern:
Da, sehen Sie, der Nordamerikanebel. Am deutlichsten die Partie von Mexico. Jetzt noch mit OIII-Filter: Da wird auch der Pelikannebel daneben sichtbar!
Durchstreifen Sie ruhig einmal die Milchstrasse, verweilen Sie ´mal hier, ´mal dort. Da, im Norden werden Sie auf die
Schatzkammer der Königin stoßen.
Geht es Ihnen auch so, dass Sie beim Aufsuchen der Offenen Haufen "ha und chi", von den Schenkeln des W´s ausgehend,
die Strecke gamma Cas zu delta Cas einfach noch zweimal verlängern, um zu dem schönsten Offenen-Haufen-Paar zu gelangen, und dann glauben, da funkelten die Juwelen der Cassiopeia?
-Nein? Tatsächlich liegen sie dicht neben ihr, bei Perseus. (15) Geht man von Cassiopeias besagter Mitte gamma Cas die Linie bis zur Mitte des Perseus weiter, also bis zu dessen Hauptstern alpha, genannt Algenib, verbindet also die Mitten der beiden, so steht das Juwelenpaar dazwischen.
-Da, sehen Sie nur! Der Himmel lohnt uns den Anblick mit bloßem Auge mit einem prächtigen Spektakel: Das war ein Perseid.
Inzwischen ist die Teekanne des Schützen am Horizont aufgegangen. Besuchen wir also die herrlichste Nebelgegend unseres Himmels. Jetzt, nahe dem Horizont können wir uns zum Beobachten auf den Okularkoffer hinter den 6" Sternfinder setzen!
Bei 24x mit OIII-Filter haben wir sie alle in einem Gesichtsfeld: Lagunen- und Trifidnebel, M 21 und IC 1274/5.
Was? Ja, der Anblick ist himmlisch. Immer schön am lichtschwachen Objekt vorbeigucken! Mit diesem "indirekten Sehen" sieht man mehr! Man sollte diese geheimnisvoll nebelumhangenen Sternenfelder länger genießen, zwischen durch auch ohne Filter, um die Sternhaufen mehr zur Geltung zu bringen!
So, jetzt schwenken wir 2° weiter in den Süden, zu den Globulars 6544 und 6553. Mit 8 mag sind beide gleich hell,
6544 jedoch etwas größer und von der Konz...
-Was? Ach, Sie wollen nur Highlights und keine solchen "Nebelfleckchen" sehen?
Gut, ich wollte Ihnen sowieso noch die drei Renner unter den KH zeigen und Sie fragen, welcher ihnen am besten gefällt.
Aber jetzt machen wir erst ´mal Pause!
Teil 2 folgt!
Gruß, Sterngucker Helmut