Engl_Thomas
Aktives Mitglied
Letzten Mittwoch rief mich ein Kumpel an und fragte mich so unverblühmt, was ich davon halten würde, die Nacht auf der Zugspitze zu verbringen. Meine erste Frage war, was wir an astronomischen Geräten mitbringen sollten. Schnell einigten wir uns auf die Kombination von EQ6 und den 4“ Takahashi Refraktor. Tja, und dann ging´s auch schon los. Oben eingetroffen, verließen die letzten Angestellten der Bergbahnen den Gipfel, und wir 3 waren alleine, mit Ausnahme einiger Bergdohlen, die uns neugierig beobachteten. Rundherum herrschte eine Stille, die ihresgleichen suchte, nur vom öffnen 3er Bierflaschen unterbrochen. Gegen 17:00 Uhr war die Sonne noch so stark, dass Sonnenschutzcremes zwingend notwendig waren. Um 21:00 Uhr wurde es merklich dämmriger und es erfasste uns eine eigenartige Stimmung (nein, nicht wegen des Bieres!!). Am westlichen Horizont veränderten sich die Farben von hellorange in ein unglaublich schönes rot. Die am Horizont stehenden Zirren trugen ein übriges zur Stimmung bei. Erstmals konnten wir gegen 21:30 Jupiter erblicken. Danach widmeten wir uns dem gigantischen Schauspiel, als sich die Alpen zu verfärben begannen, und die Dunkelheit vom Tal herauf alles bedecken wollte. Erst gegen 21:45 Uhr sank die Sonne „unter uns“ dem Horizont entgegen. Kurz darauf wurde die Venus sichtbar, die der Sonne in respektvollem Abstand folgte. Inzwischen war die Temperatur auf 0°C gesunken und immer noch keine Spur vom Wind, außer man stand genau auf der Brüstung der Aussichtsplattformen. Dort spürte man den letzten Gruß vom Tal herauf, der aber im Laufe der Nacht auch spürbar zurückging. Nun wurden auch die ersten Sterne sichtbar, allen voran Arcturus. Bei genauer Betrachtung dieses Sternes fiel uns auf, dass er absolut nicht flackerte, was ja von einem guten Seeing zeugen sollte. Mittlerweile stellten wir die Montierung auf, nordeten sie ein, und richteten alles weitere her. Gegen 23:00 Uhr war es schon beinahe dunkel, nur die markantesten Alpengipfel waren noch immer sichtbar. Nun noch schnell die Steuerung angebracht, dann kam der einzige Rückschlag in dieser Nacht. Tags zuvor wurden über einen Heim-PC die Daten in die Steuerung übertragen, was auch soweit funktionierte. Leider schien es aber so, dass die Steuerung aus irgendwelchen Gründen auch immer, die Daten nicht behalten hat. Fazit: nachdem mehrere Versuche, die Steuerung zum Laufen zu bringen scheiterten, nahmen wir das einfach zur Kenntnis und müssen händisch in Rektaszension nachfahren. Unser erster Blick durch das Teleskop galt natürlich Jupiter und bestätigte die Vermutung, dass das Seeing wirklich außergewöhnlich war (sch..... Steuerung). Schon bei 91fach präsentierte sich der Planet von seiner schönsten Seite. Strukturen wie ich sie in den letzten 20 Jahren nie sah, waren einfach da. Bänder, Knoten, Verwirbelungen.... einfach unbeschreiblich. Trotzdem mussten wir diese Beobachtungen unterbrechen, da der Mond sich am südlichen Horizont ankündigte. Noch schnell ein Blick auf die Polsequenz, um die visuelle Grenzgröße festzulegen. Diese lag gegen 23:30 Uhr (trotzdem, dass leichte Zirrenschleier den Himmel ab und zu durchquerten) bei rd. 6,9mag. Die Zange des Scorpions war schon weit über dem Horizont, als sich der Mond ohne Vorwarnung über die „unten“ liegenden Berggipfel schob. Es verschlug uns die Sprache bei dem nun kommenden. Es ging ein eindeutiges „Ei“ auf, mit einer rot-orangen Färbung, die man nicht beschreiben kann. Die restlichen Zirren in der Nähe des Mondes schufen ein bizarres Farbenspiel, das sicherlich nicht mehr zu Toppen ist. Es dauerte rund 1 Stunde, bis der Mond so weit über den Horizont war, dass der eiförmige Eindruck verschwand. Nun blickten wir mal kurz in alle Himmelsrichtungen talwärts. Auffallend war natürlich die Ortschaft Garmisch Partenkirchen und gegen Nordosten die Lichtglocke von München. Über Innsbruck war nichts zu erkennen, aber Richtung Süden deutete sich die Lichtglocke von Mailand an, die aber maximal 3-4° über den Horizont zu erkennen war. Nachdem wir dieses Naturschauspiel auf uns einwirken gelassen haben, widmeten wir uns wieder Jupiter. Diesmal verwendeten wir eine 164fache Vergrößerung. Noch immer war keinerlei Bewegung der Planetenscheibe festzustellen. Nicht mal am Rand konnte irgendwelche Verformung (auch nicht kurzfristig) festgestellt werden. Ich selbst beobachtete ihn rd. 20 Minuten durchgehend, was ich wohl im nachhinein betrachtet mein ganzes Leben nicht mehr vergessen werde. Man konnte alle Strukturen in Ruhe erfassen, nie bestand die Gefahr, dass sie durch schlechter werdendes Seeing zu verschwinden drohten. Kurz gesagt, als hätte man ein Bild betrachtet. Trotz, dass jetzt der Mond schon ein Stück über dem Horizont war, beobachteten wir noch ein paar bekannte DS-Objekte, wie M51, M57, M81, M82, M13 (der bis in das Zentrum sternenübersät war). Der Hammer war aber noch der Zirrusnebel mit dem 41er Pan und O-III Filter. Dieser wurde dann auch sorgfältigst aufgesogen (für schlechtere Zeiten). Ein letzter Blick auf die Polsequenz sagte uns, dass die visuelle Grenzgröße trotz Mond immer noch 6,4mag betrug. Dann sanken wir langsam in unsere Schlafsäcke und alle „irdischen“ Probleme schienen so unendlich weit entfernt zu sein..........
Leider holte uns aber die Wirklichkeit so gegen 7:00 Uhr morgens wieder ein, als die ersten Bergsteiger den Gipfel erklommen, und es sich wieder langsam der Alltag einstellte.
Fazit: die Zugspitze ist wohl einer der besten Beobachtungsstandorte, die man sich wünschen kann. Knapp 3000m hoch (in isolierter Lage) überragt sie alle unmittelbar danebenliegenden Gipfel. Hat man die Möglichkeit, in der Nacht sowohl die bayrische als auch die Tiroler Seite zu begehen, so bietet sich eingrandioser 360° Rundumblick, nur durchbrochen vom eigentlichen Berggipfel, der Richtung Osten etwa 10° den Blick etwas versperrt.
Grüße aus Innsbruck
Tom
Leider holte uns aber die Wirklichkeit so gegen 7:00 Uhr morgens wieder ein, als die ersten Bergsteiger den Gipfel erklommen, und es sich wieder langsam der Alltag einstellte.
Fazit: die Zugspitze ist wohl einer der besten Beobachtungsstandorte, die man sich wünschen kann. Knapp 3000m hoch (in isolierter Lage) überragt sie alle unmittelbar danebenliegenden Gipfel. Hat man die Möglichkeit, in der Nacht sowohl die bayrische als auch die Tiroler Seite zu begehen, so bietet sich eingrandioser 360° Rundumblick, nur durchbrochen vom eigentlichen Berggipfel, der Richtung Osten etwa 10° den Blick etwas versperrt.
Grüße aus Innsbruck
Tom