Deneb
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
gestern Nacht war wieder einmal wundervoll. Schon den ganzen Tag über hatte sich ein sehr klarer Himmel angedeutet, auch die Vorhersagen gaben grünes Licht. Laut Bolam sollte es zwar gegen 3 Uhr zuziehen (was dann auch so kam), aber es blieb immer noch genügend Zeit, um sich am Himmel umzuschauen.
Nachdem ich abends zuerst einmal von zuhause aus die Venus beobachtet und ein bisschen was für die Uni gelernt hab, ging es um 21.20 Uhr von zuhause los. Da immer noch Wolken am Himmel waren, wusste ich nicht genau, ob sich der 40km Hohloh rentieren würde. Andererseits lösten sich die Wolken auf dem Satbild auf, so dass ich dann doch nach oben gefahren bin. Und es hat sich mehr als gelohnt. Auf 980mNN wehte mir dann ein recht frischer Wind ins Gesicht, was bei den Temperaturen von knapp über 0°C nicht sehr angenehm war. Obwohl der Mond am Himmel stand, war die Nacht schon sehr klar und als er dann weg war, lag die Grenzgröße bei ca. 6m3. So war es auch kein Problem, die Kugelsternhaufen M3 und M13 mit bloßem Auge recht einfach am Himmel zu sehen.
Zuerst wollte ich mal mein neues Lidl- Fernglas ausprobieren, das ich mir für 18 Euro gekauft hatte. Nachdem ich ein paar Sternhaufen und Galaxien damit aufgefunden hatte, war ich mir sicher, dass das kein Fehlkauf war. Außerdem kann man für 18 Euro sowieso nichts falsch machen!!! Dann war das Teleskop ausgekühlt und es ging zu meinem ersten Projekt:
Der Comahaufen:
Dieser Galaxienhaufen befindet sich wie der Name schon sagt im Sternbild "Coma Berenices". Über eine Fläche von ca. 3° verteilen sich hunderte von Galaxien. Im Gegensatz zum Virgohaufen ist dieser aber nicht wirklich auffällig, da sich die Galaxien in einer Entfernung von 250 bis 370 Mio. Lichtjahren befinden. Daher sind die einzelnen Mitglieder recht lichtschwach.
Angefangen hab ich mit den beiden elliptischen Riesengalaxien NGC 4874 und NGC 4889, die sich im Haufenzentrum in einer Entfernung von 310 bzw. 290 Millionen Lichtjahren befinden. Beide haben einen Durchmesser von knapp 350.000 Lichtjahren, sind also 3 mal so groß wie unsere Galaxie, die ja auch nicht wirklich klein ist. Das sind auch die beiden auffälligsten Galaxien des Coma- Haufens, wenngleich sie mit 12m6 nicht sonderlich hell sind. Das liegt aber halt an der Entfernung.
Dann kamen die schwierigen Brocken an die Reihe. Die folgenden Galaxien hatten nur Helligkeiten von 13m5 bis 14m2, gehören also zu den schwachen Objekten. Aber obwohl der Mond immer noch knapp 30° über dem Horizont stand, waren sie recht einfach erkennbar. Da sieht man ganz deutlich, wie wahnsinnig klar die Luft war. In den nächsten anderthalb Stunden konnte ich in diesem Haufen knapp 20 Galaxien beobachten. Ein besonderes Highlight war die Entdeckung der Galaxie NGC 4898AB, wo sich zwei kleine Galaxien fast berühren. Diese war zwar nicht in der Karte eingezeichnet, ist mir aber bei der Beobachtung von NGC 4889 aufgefallen. Ihre Helligkeit wird von Guide mit 14m5 angegeben. Mich hat es wirklich gewurmt, dass meine Karten nur bis 14m2 gingen, denn die Nacht war so klar, dass noch wesentlich mehr gegangen wäre. Vielleicht beim nächsten Mal dann.
Und als ich da so saß, kam auf einmal jemand von oben den Weg heruntergelaufen. Ich hab mir noch so gedacht, dass es eigentlich schon Wahnsinn ist, was nachts auf einem Berg so alles los ist. Aber dann war es Tom, der sich ebenfalls mit seinem Teleskop auf den Weg gemacht hatte. Hat mich dann sehr gefreut, da ich nun nicht mehr alleine war.
Um noch ein paar Objekte zu beobachten, bin ich in den "kleinen Löwen" gehüpft, der nun endlich ein kleines bisschen tiefer stand, so dass man die Objekte darin bequem beobachten konnte.
Nach ein paar Galaxien zeigten sich aber tief im Horizont die ersten Wolken, so dass ich noch schnell in den "Bärenhüter" wollte, wo ein besonderes Objekt auf mich wartete: die Galaxie PGC 53765. Aber was machte sie zu etwas besonderem?? Ich bin ja immer noch auf der Suche nach der entferntesten Galaxie, die man mit 20cm beobachten kann. Mein Rekord lag bei 440 Mio. Lichtjahren, den eine Galaxie im Sternbild "Herkules" aufgestellt hatte, aber PGC 53765 sollte eine Entfernung von 485 Mio. Lichtjahren haben, also den Rekord brechen. Leider hatte ich beim letzten Mal vergeblich nach dieser Galaxie gesucht, aber ein Vergleich mit dem DSS brachte schnell die Ursache ans Licht. Die Galaxie hat eine so kleine Ausdehung, dass sie auch bei 150x noch stellar erscheint. Nachdem ich die Position gefunden hatte, war bei 150x ein recht helles Sternchen zu sehen, das mit indirektem Sehen kein Problem darstellte. Auch Tom konnte die Galaxie zweifelsfrei erkennen.
Somit: Rekord gebrochen!! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
Dann bin ich nochmal in den kleinen Löwen abgetaucht, aber schon bald zogen die angekündigten Wolkenfelder herein und wir mussten unsere Beobachtung abbrechen. Deshalb kam der gemütliche Teil mit Kaffee, heißer Schokolade und was zum Knabbern an die Reihe. Wir hofften noch, dass sich die Wolken verziehen würden, aber da wir beide Bolam kennen, wissen wir, dass sich Bolam eigentlich nie irrt. Leider...
Alles in allem war das mal wieder eine wunderschöne Nacht mit vielen neuen Objekten, einem wunderbarem Himmel und der Gewissheit, das es kaum etwas schöneres gibt, als mit seinem Teleskop auf einen Berg zu fahren und die Sterne zu beobachten.
Jetzt muss ich nur mal noch meine ganzen Berichte schreiben, denn 5 Nächte stehen immer noch aus. Und wenn die Vorhersagen recht haben, dann wird es heute Nacht wieder klar. Es wird Zeit, dass mal wieder Vollmond wird, damit ich endlich mal wieder Zeit aufholen kann <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Bis bald,
Christian
gestern Nacht war wieder einmal wundervoll. Schon den ganzen Tag über hatte sich ein sehr klarer Himmel angedeutet, auch die Vorhersagen gaben grünes Licht. Laut Bolam sollte es zwar gegen 3 Uhr zuziehen (was dann auch so kam), aber es blieb immer noch genügend Zeit, um sich am Himmel umzuschauen.
Nachdem ich abends zuerst einmal von zuhause aus die Venus beobachtet und ein bisschen was für die Uni gelernt hab, ging es um 21.20 Uhr von zuhause los. Da immer noch Wolken am Himmel waren, wusste ich nicht genau, ob sich der 40km Hohloh rentieren würde. Andererseits lösten sich die Wolken auf dem Satbild auf, so dass ich dann doch nach oben gefahren bin. Und es hat sich mehr als gelohnt. Auf 980mNN wehte mir dann ein recht frischer Wind ins Gesicht, was bei den Temperaturen von knapp über 0°C nicht sehr angenehm war. Obwohl der Mond am Himmel stand, war die Nacht schon sehr klar und als er dann weg war, lag die Grenzgröße bei ca. 6m3. So war es auch kein Problem, die Kugelsternhaufen M3 und M13 mit bloßem Auge recht einfach am Himmel zu sehen.
Zuerst wollte ich mal mein neues Lidl- Fernglas ausprobieren, das ich mir für 18 Euro gekauft hatte. Nachdem ich ein paar Sternhaufen und Galaxien damit aufgefunden hatte, war ich mir sicher, dass das kein Fehlkauf war. Außerdem kann man für 18 Euro sowieso nichts falsch machen!!! Dann war das Teleskop ausgekühlt und es ging zu meinem ersten Projekt:
Der Comahaufen:
Dieser Galaxienhaufen befindet sich wie der Name schon sagt im Sternbild "Coma Berenices". Über eine Fläche von ca. 3° verteilen sich hunderte von Galaxien. Im Gegensatz zum Virgohaufen ist dieser aber nicht wirklich auffällig, da sich die Galaxien in einer Entfernung von 250 bis 370 Mio. Lichtjahren befinden. Daher sind die einzelnen Mitglieder recht lichtschwach.
Angefangen hab ich mit den beiden elliptischen Riesengalaxien NGC 4874 und NGC 4889, die sich im Haufenzentrum in einer Entfernung von 310 bzw. 290 Millionen Lichtjahren befinden. Beide haben einen Durchmesser von knapp 350.000 Lichtjahren, sind also 3 mal so groß wie unsere Galaxie, die ja auch nicht wirklich klein ist. Das sind auch die beiden auffälligsten Galaxien des Coma- Haufens, wenngleich sie mit 12m6 nicht sonderlich hell sind. Das liegt aber halt an der Entfernung.
Dann kamen die schwierigen Brocken an die Reihe. Die folgenden Galaxien hatten nur Helligkeiten von 13m5 bis 14m2, gehören also zu den schwachen Objekten. Aber obwohl der Mond immer noch knapp 30° über dem Horizont stand, waren sie recht einfach erkennbar. Da sieht man ganz deutlich, wie wahnsinnig klar die Luft war. In den nächsten anderthalb Stunden konnte ich in diesem Haufen knapp 20 Galaxien beobachten. Ein besonderes Highlight war die Entdeckung der Galaxie NGC 4898AB, wo sich zwei kleine Galaxien fast berühren. Diese war zwar nicht in der Karte eingezeichnet, ist mir aber bei der Beobachtung von NGC 4889 aufgefallen. Ihre Helligkeit wird von Guide mit 14m5 angegeben. Mich hat es wirklich gewurmt, dass meine Karten nur bis 14m2 gingen, denn die Nacht war so klar, dass noch wesentlich mehr gegangen wäre. Vielleicht beim nächsten Mal dann.
Und als ich da so saß, kam auf einmal jemand von oben den Weg heruntergelaufen. Ich hab mir noch so gedacht, dass es eigentlich schon Wahnsinn ist, was nachts auf einem Berg so alles los ist. Aber dann war es Tom, der sich ebenfalls mit seinem Teleskop auf den Weg gemacht hatte. Hat mich dann sehr gefreut, da ich nun nicht mehr alleine war.
Um noch ein paar Objekte zu beobachten, bin ich in den "kleinen Löwen" gehüpft, der nun endlich ein kleines bisschen tiefer stand, so dass man die Objekte darin bequem beobachten konnte.
Nach ein paar Galaxien zeigten sich aber tief im Horizont die ersten Wolken, so dass ich noch schnell in den "Bärenhüter" wollte, wo ein besonderes Objekt auf mich wartete: die Galaxie PGC 53765. Aber was machte sie zu etwas besonderem?? Ich bin ja immer noch auf der Suche nach der entferntesten Galaxie, die man mit 20cm beobachten kann. Mein Rekord lag bei 440 Mio. Lichtjahren, den eine Galaxie im Sternbild "Herkules" aufgestellt hatte, aber PGC 53765 sollte eine Entfernung von 485 Mio. Lichtjahren haben, also den Rekord brechen. Leider hatte ich beim letzten Mal vergeblich nach dieser Galaxie gesucht, aber ein Vergleich mit dem DSS brachte schnell die Ursache ans Licht. Die Galaxie hat eine so kleine Ausdehung, dass sie auch bei 150x noch stellar erscheint. Nachdem ich die Position gefunden hatte, war bei 150x ein recht helles Sternchen zu sehen, das mit indirektem Sehen kein Problem darstellte. Auch Tom konnte die Galaxie zweifelsfrei erkennen.
Somit: Rekord gebrochen!! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
Dann bin ich nochmal in den kleinen Löwen abgetaucht, aber schon bald zogen die angekündigten Wolkenfelder herein und wir mussten unsere Beobachtung abbrechen. Deshalb kam der gemütliche Teil mit Kaffee, heißer Schokolade und was zum Knabbern an die Reihe. Wir hofften noch, dass sich die Wolken verziehen würden, aber da wir beide Bolam kennen, wissen wir, dass sich Bolam eigentlich nie irrt. Leider...
Alles in allem war das mal wieder eine wunderschöne Nacht mit vielen neuen Objekten, einem wunderbarem Himmel und der Gewissheit, das es kaum etwas schöneres gibt, als mit seinem Teleskop auf einen Berg zu fahren und die Sterne zu beobachten.
Jetzt muss ich nur mal noch meine ganzen Berichte schreiben, denn 5 Nächte stehen immer noch aus. Und wenn die Vorhersagen recht haben, dann wird es heute Nacht wieder klar. Es wird Zeit, dass mal wieder Vollmond wird, damit ich endlich mal wieder Zeit aufholen kann <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Bis bald,
Christian