Eine Stunde Wolkenloch-Hüpferei...

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aths

Aktives Mitglied
Ort: Stadtrand von Wismar (M/V)

Datum: 19.10.2003, ca. 1:00 - 2:00 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Hoch stehender Mond (beinahe Vollmond), anfangs großflächig freier Himmel, dann aufziehende Wolken (die schließlich zum Abbruch zwangen.)

Besonderheiten: e Lyrae das erste mal gesehen, Doppelkomponenten jedoch nicht getrennt.


Eine kurze, und vergleichsweise hektische Beobachtungsnacht. Mein ungenügendes Managment, den Kühlschrankinhalt betreffend, führte zunächst zur Einnahme eines Spät-Abendbrots bei McDonalds. Auf dem Hinweg fiel der fast völlig freie Himmel auf (und das nach verregneten Tagen mit einer undurchdringlichen Wolkendecke) sowie der hell strahlende Mond, nebst Mars. Außerdem war es für die Jahreszeit erstaunlich mild, also nicht klirrend kalt. Das machte Hoffnung auf eine lange Beobachtungsnacht. So hell hatte ich Vollmondnächte gar nicht in Erinnerung, da hätte man ja fast ein Lichtbad nehmen können (jedenfalls wurden richtige Schatten geworfen) aber selbst der gute alte Mond kann ja nicht alles am Himmel überstrahlen...

Ich fragte Georg, ob er mitkommt, er sagte zu und ich druckte noch fix mit Cartes du Ciel zwei Karten. Auf den Ausdrucken fehlten leider die Verbindungslinien für die Sternbilder. Auf einer der Karten malte ich dann selbst die wichtigsten Sternbilder ein. In der Eile waren weder die drehbare Sternkarte, noch der Karkoschka auffindbar, ich würde mich also auf mein beschränktes Wissen und auf die CdC-Karten verlassen müssen, wo die meisten Linien fehlten... naja. Dann das Fernrohr gemeinsam runtergetragen, aufgebaut und frei nach Schnauze "eingenordet" (der Polarstern war wolkenbedingt gerade nicht sichtbar. Wolken verdeckten auch den Großen Wagen.) Vollmond kostet wohl mindestens eine Größenklasse, jedenfalls konnte man mit bloßem Auge nur die sehr hellen Sterne sehen.

Der Mars zeigt sich, obwohl gar nicht mal so sehr tiefstehend, bei 131x verwabert, Dunkelgebiete gabs nur blickweise und auch dann nur verschwommen (wovon Georg gar nichts sah), der Planet stand leider bereits niedrig genug um exzellente atmosphärische Refraktion zu zeigen (was Georg sehr gut sah.)

Entschädigung mit einem Blick auf den Mond und testweise mal die Austrittspupille fotografiert. Der Rükl ist wieder nicht dabei, früher oder später werde ich aber wohl mein eigenes "Mond-Programm" fahren (dort also auf Erkundungstour gehen.) Ich vergaß, speziell auf die Farbreinheit zu gucken, aber am Terminator bzw. Mondrand trat bei 131x kein Farbsaum auf, den man hätte bemerken müssen. Wie sich ein gleich langer Fraunhofer da schlägt, weiß ich allerdings nicht.

Unser Trabant verschwand kurzzeitig hinter den Wolken, und es war dann doch so kühl dass ich nochmal hoch ging, um die in der Eile vergessene Jacke zu holen. Dabei hatte ich mir dann auch das Programm überlegt: Albireo, e Lyrae (dessen relative Position zur Leier schnell noch mit CdC festgestellt wurde) und Sterntest an Vega.

Nun, die Wolken zogen zum Teil mit einem Affenzahn über den Himmel, und offensichtlich gab es verschiedene Wolkenschichten: Innerhalb von Minuten änderten sich die Beobachtungsmöglichkeiten. Wir sahen uns um, ich hatte die Formation der drei Gürtelsterne vom Orion erkannt. Also den Feldstecher Richtung M42 gehalten und trotz der Vollmond-Laterne den Orion-Nebel schwach gesehen. M42 im Rohr eingestellt; natürlich war nur das Zentralgebiet des Nebels als solcher erkennbar. Mein Begleiter hatte Probleme beim Nachführen, den Nebel aber als solchen gesehen.

Es war nun nicht mehr zu leugnen, dass die Zeit durch Wolken begrenzt sein würde, deshalb wurde erst mal der Sterntest an Vega gecancelt und lieber Beta Cygni gesucht. Vom Schwan waren jedoch nur die 4 oberen Sterne sichtbar, wie bestätigt wurde. Albireo zeigte sich nur im Fernglas. Ehe da jetzt lange rumprobiert würde, entschied ich, zunächst Epsylon Lyrae zu suchen, der sich ja ganz in der Nähe von der Vega herumtreiben müsste. Also den Sucher auf den Hauptstern der Leier gerichtet, und nach kurzem Suchen den Epsylon schon "länglich" wahrgenommen, mit dem 25-mm-Okular wurde zunächst der Doppeltstern natürlich ohne Probleme getrennt. Aber mit dem 9 mm war keine Trennung der einzelnen Komponeten möglich. Das Rohr zittert leider, und damit auch das Bild im Okular.

Die Stativ-Füße waren beim Aufbau nicht in den Rasen gestochen worden, dafür kam eine Brise auf. (Beim nächsten mal wird wieder darauf geachtet, das Stativ so sicher aufzustellen, wie es geht.) Wenn überhaupt, wurde eher der untere Stern getrennt, das aber nicht mit Sicherheit. Mein Freund will den unteren (rechten) Stern tatsächlich mehrfach getrennt gesehen haben, doch die ziehenden Wolken stören immer wieder die Sicht (und zwar ausgerechnet dann, wenn ich gucken will.) Noch gibt es zusammenhängende Wolkenlöcher, noch gibt es Hoffnung, aber unerbittlich bläst der Wind eine geschlossene, dichte Wolkendecke zu uns. Die Uhr tickt.

Bloß nicht gleich die Flinte ins Korn werfen! Mit dem Feldstecher im Himmel gerührt, um Andromeda zu suchen. Das hatte aber keinen Zweck, wegen dem hellen Mond, und etlichen Wolken-Zipfeln, aber so ein Feldstecher ist im Feldeinsatz als schnell schwenkbarer (auch noch binokularer) Weitwinkelsucher unentbehrlich. Vielleicht kaufe ich auch mal ein Stativ dafür, aber 10x40 bekommt man noch gerade so gehalten.

Das verbleibende Loch im Himmel wird kleiner, noch bleibt der Mond. Schnell, schnell!! Fix einige Fotos über dem Okular gemacht, und ein kleines "Video", wie schon die Wolken vor dem Mond ziehen. Nun ist der Himmel fast völlig zu, aber, hähä, Orion noch frei. Also den Tubus geschwenkt, einmal gedreht um das Gegengewicht nach unten zeigen zu lassen, und dann die Optik auf M42 gerichtet. Da ich über der Hose eine als Arbeitshose ausrangierte Jeans trug, konnte ich mich reuelos in den Rasen knien, um mit dem Sucher zu suchen. Den Nebel gefunden und eingestellt. Natürlich ist der Nebelfleck wegen dem hellen Himmel sehr schwach, das Trapezium bei 102x aber klar zu erkennen, ein Stern davon allerdings nur schwach. Die charakteristischen drei Sterne auf der "anderen Seite" im Nebel ließen keinen Zweifel daran, M42 im Okular zu haben. Der Fleck wirkte mit indirektem Sehen kaum heller. Meinen Freund habe ich natürlich auch noch gucken lassen, sowohl mit 1 mm AP als auch mit 2,8 mm AP.

(Kleines Abschweifen. M42 und die Zahl 3: Zunächst suche ich immer von den drei Gürtelsternen ausgehend, bis ich zu einer anderen charakteristischen "Linie" von 3 Sternen komme, in der Mitte ist dann der Orionnebel. Im Nebel selbst gibt es dann noch mal drei helle Sterne auf einer Linie zu sehen...)

Letztlich, die Wolkendecke hat gewonnen. Schnüff, das war jetzt alles? Mars wäre zwar noch sichtbar, aber der steht schon sehr tief. Ich ärgere mich wegen der kurzen nutztbaren Beobachtunsgzeit. Inzwischen war es dunkler (da der Mond jetzt durch Wolken verdeckt war) aber noch immer hell genug um problemlos abbauen zu können. Habe trotzdem extra noch mal die Taschenlampe geholt um sicherzustellen, auf der Wiese nichts vergessen zu haben. (Tatsächlich sind noch alle Kappen etc. vorhanden - toi, toi, toi.) Auf den letzten Schritten zur Tür hin begann es zu regnen. Auch das noch! Gut, dass wir schon abgebaut hatten.

Kurze Nacht, kurzes Fazit: Einerseits spürte ich zum ersten male sowas wie einen Astro-Alltag (auch wenn noch längst nicht jeder Handgriff sitzt.) Das mit der Gewöhnung finde ich aber gut, letztlich hoffe ich, pro Jahr auf etwa 20-30 sinnvolle Beobachtungs-Sitzungen zu kommen, davon bin ich momentan allerdings noch weit entfernt. Im Himmel kennt man sich inzwischen teilweise aus, durch das Hobby erkenne ich Sternbilder die ich früher höchstens vom Namen her kannte. Aber auch hier wieder Selbstkritik: Von den fünf hellsten Sternen am Himmel wusste ich nur einen zu benennen.

Zum Karkoschka und der drehbaren Sternkarte: Die hatte jemand versehntlich bei der letzten (Gruppen-) Beobachtung mitgenommen. Kein Wunder, dass ich hier vergeblich suchte. Werde diese Helfer bald wieder in meinen Händen halten.


Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_c06.jpg

Georg am Teleskop. Das Rohr ist zwar "falsch rum" gedreht, aber egal, jede Sekunde ist kostbar...


Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_c08.jpg

Der Mooond <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />


Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_c07.jpg

Schwache Kontraste, wenig Details: Freihändige Aufnahmen mit einer auf "Automatik" gestellten Einsteiger-Digicam lassen zu wünschen übrig. Doch besser das, als gar nichts.


Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astro_c10.jpg

Nachbearbeitung ermöglicht, das Bild etwas aufzupolieren.
 
Hallo aths,

toller Bericht, man leidet so richtig mit Dir - wie aus dem richtigen Astroleben.

Jedem von uns ging es bestimmt ab und zu ähnlich und das Wetter, der Wind und
die Wolken können einen schon das Leben schwer machen.

Mach weiter so und lass Dich nicht unterkriegen, als Empfehlung:

Kauf dir bei Wolfi die TS 2-fach Barlow für 45 Euro, eine sehr gute Barlow,
sie hilft ungemein beim Trennen von Doppelsternen.
Ich selbst nutze sie am 60/700 Celestron Refraktor, an meinem FL 80S
und am VIXEN 102M mit einem 10mm und einem 7mm Ortho.

Eine Qualitätsverschlechterung ist bei Sternen keinesfalls zu erkennen; im
Gegenteil an hellen Sternen kommen bei einer AP von 0,5mm die Beugungsringe
im Focus erst richtig zum Vorschein.

Eine Trennung von e-Lyra ist damit immer sehr gut möglich, Doppelsterne kannst
Du mit 9 mm und Barlow mit großem Zwischenraum trennen.
Die Barlow lässt sich auch direkt ins Okular schrauben, dann hast Du eine 1,5-fache Barlow.

Weiterhin viel Erfolg und halt uns auf dem Laufenden.
 
Hallo Aths,

bei brauchbarer Optik und nicht gerade nur 10 Grad hoch stehendem
Epsilon Lyr - 100x als Richtwert, dann müssen sie entzweit sein. Bei
150x *darf* es keine Zweifel mehr geben.

Ciao,
Roland
 
da hängt in erster linie von der öffnung ab.

je mehr öffnung, umso höher mußt du vergrößern?
komisch? nein, sondern nur deshalb, weil sich
die komponeten sonst überstrahlen.
man könnte natürlich auch einen graufilter verwenden.

ein guter 60mm refraktor oder ein tschibo-newton
trennen e lyrae ab 70fach mit zwischenraum.
(natürlich selbst getestet).

aber wie roland schon sagt, ist 100fach für den
anfang mal ein richtwert. sind sie da noch nicht
doppelt, dann ist was im busch <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

c.s. tom
BINOVIEWER
(Member of Albireo)
 
Hi,

ich habe festgestellt, dass die Trennung bei e Lyr oft vom Seeing abhängt. Ich nutze einen
8" Dob und habe desöfteren Probleme gehabt, die beiden Sterne deutlich zu trennen. Und das
bei 8" !! Erst dachte ich, es liegt am Teleskop. In anderen Beobachtungsnächten war die Trennung
aber dann spielend leicht und sehr deutlich. Also Aths: Öfters mal testen!

Marco
 
Inzwischen ist die Trennung gelungen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> Siehe hier.
 
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