Einer geht noch

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stefand

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Servus und moin, moin,

als ehemals norddeutscher Muschelkicker bin ich dem Karneval nur rudimentär verbunden. Aus dem Fernsehen kannte ich diverse Karnevalssitzungen, welche aber keine intensiveren Bindungen zum närrischen Treiben herstellen konnten.
Was tut der Hobbyastronom also, wenn die Frau mit dem AuPair eine chinesische Projektwoche für die Schule vorbereitet und der Himmel derart funkelt, dass einem das Wort Namibia im Kopf rumschwirrt?
Genau, er zieht sich was an, packt ein paar astronomische Sachen zusammen und geht in die Kälte. Der Himmel hatte 5mag, ganz oben einen Tick mehr, im Süden etwas weniger, denn da ist die große Stadt.
Zwei Fototaschen, eine mit dem 4" RuMak, die andere mit diversem Zubehör, sowie Okularen, ein 8*50 Sucher zusätzlich in eine Tasche geschoben, ein wenig zu lesen und die Montierung. In diesem Fall eine AZ4.
Aus der Garage einen altern Blumenständer (mit Velour bezogen, damit das Buch nicht friert...) und einen kleinen Hocker für die Zubehörtasche.
Danach ging der Blick nach oben.
Eigentlich hatte ich mir in den Kopf gesetzt den intergalaktischen Wanderer zu finden, doch der um 20 Uhr steht im Zenit. Daher habe ich mich in die Nähe gewagt und versucht den NGC2371 (PN) zu finden.
Ein Ausdruck aus dem TriAtlas vom letzten Jahr war noch ganz brauchbar und diente als Aufsuchhilfe. So haben ich mich an das Objekt herangepirscht ... und ... tja, das Ding ist schon ziemlich dunkel. Mit dem 12mm Radian habe ich die Augenmuschel hochgezogen, um alles Streulich abzudecken. Die Händer davor und inderekt die Augen verdreht, dass mein Augenarzt eingeschritten wäre. Zwei Punkte waren zu sehen, von denen einer sowas wie einen bläulichen Halo gehabt haben könnte. Nun gut, erstmal die Augen wieder in Grundstellung bringen. Bevor ich jetzt zum Wanderer gehe, noch schnell beim M35 und dem kleinen Begleiter NGC2158 vorbei schauen.
Bereits im 32mm TV-Plössl war neben den Sternen des M35 auch der neblige Fleck des NGC2158 gut zu erkennen. Er steht auf dem Weg zu einem helleren Stern und eine V-förmige Sternformation zeigt direkt drauf. Trotzdem ein Versuch hier Einzelsterne zu erkennen ... das 8mm Radian kam recht weit, es zeigten sich nahe Stern (12m), aber der Nebel des 2158 blieb. Ein 9mm orthoskopisches Okular von Baader war nicht besser - es war auch zu unbequem und vor allem klappt bei mir das indirekte sehen nicht so gut, wenn das Gesichtsfeld klein ist. Bevor ich jetzt zum Wanderer gehe, noch schnell das 32mm Okular rein und beim M37 vorbei - der 8*50 Sucher zeigt diesen bereits, herrliche diese vielen Sterne im größeren Teleskop. Einer geht noch, als schnell M36 angefahren (naja) und M38. Dessen feine Sterne und diese Sternenarme, sowie der nahe NGC1907 sehen immer wieder interessant aus. Schön eine solche Vielfältigkeit am Himmel sehen zu können.
Aber einer geht noch, als runter zum Orionnebel, welcher sich schon recht nahe an Dach des Nachbarn kuschelt. Das Trapez kein Problem mit dem 15mm TV-Plössl - sogar im 32mm ist es schon zu erkennen. Das 6mm Radian sollte jetzt das Trapez so richtig lang machen - aber das Bild war schlechter, als ich es von anderen Session kannte, nur der Orionnebel wusste an dieser Stelle zu beeindrucken. Schließlich war ich mit einer AP von 0.6 mm unterwegs ... die dunklen Partien und die Fasern konnten beeindrucken. Wo ich schonmal da war gleich noch den NGC1971, welcher über dem Orionnebel liegt. Mit dem 32mm und einem UHC-Filter glaubte ich das beste Ergebnis erzielt zu haben. Ein hellerer Schein um drei Sterne, welche ein sehr flaches Dreieck bilden, welcher unterhalb der Sterne recht schnell aufhört, mehr ging nicht.
Bevor ich jetzt zum Wanderer gehe (einer geht noch), schaue ich beim M67 vorbei. Ein wunderbarer Himmel, die Sterne des Krebses sind erkennbar, also kann ich den Stern nahe M67 direkt anfahren und der Sucher zeigt mir sogar den nebligen Fleck des M67. Im Teleskop mit dem 32mm Plössl sind einige Sterne zu erkennen - geschätzt so um die 15-20.
so, bevor ich jetzt zum Wanderer gehe, noch ein Blick nach Osten, zwischen den Hausgiebeln hindurch. Das müsste doch M3 sein, denn Akrturus ist unten zu sehen, wenn ich mich strecke und alpha-Cvn lümmelt auf halber Höhe. Auf dieser Linie steht der M3 - also die Montierung mit Sucher auf den Zwischenraum gezielt und ... Treffer, der Sucher zeigt einen kleinen unschrafen Fleck, in der Nähe zwei Sterne. Das Teleskop zeigt auch nur einen Fleck, wenn auch größer. Jetzt nicht kleckern und das 6mm Radian eingesetzt (170x) - etwas zu kleine AP für Kugelsternhaufen, wenn man den Meinungen folgen darf, aber ich will's halt wissen. Jetzt hieß es wieder Augendrehen und abdecken, um ein Granulation zu erkennen. Das war schwierig, es zeigte sich hin und wieder eine Körnigkeit, aber mehr war mit 4" nicht drin. Das schreit nach mehr Öffnung für den Garten oder dem C14 in der Sternwarte Heilbronn. Wo wir gerade da sind, wollte ich noch die NGC4490 anvisieren - das längliche, neblige Etwas zeigte sich im 25mm TV-Plössl am Besten, was aber relativ zu sehen sein dürfte. Galaxien sind nicht die Paradedisziplin eines 4" Maksutovs.
Mir ist kalt, gings durch den Kopf.
Da ich mich an den M97 im C14 am letzten Freitag in der Sternwarte erinnerte, wollte ich die 10Zoll Differenz mal live erleben. Schließlich habe ich im Garten bestimmt 1.5mag "Vorsprung" und ich werde kämpfen. Das Suchen mit dem Sucher und dem 32mm Plössl ging schnell, aber jetz sollte aus dem Fleck noch was herausgeholt werden. Das 19mm Pano bracht das dunklere Bild, aber Fleck wurde auch blasser. Das 32mm Plössl mit einem OIII brachte das schönste Bild, ein abgegrenzter runder Fleck aber dunkle Höhlen habe ich keine gesehen - meine Ausdauer am Objekt begann jetzt auch zu sinken. Das C14 hatte übrigen gewonnen, die Reserven mei 100x zusammen mit OIII-Filter zeigten einfach einen größeren M97 und dunklere Flecken darin.
Mir ist immernoch kalt - aber ich gehe jetzt nicht rein ...
Einer geht noch - schnell zur M51. Im 32mm Plössl ein Fleckchen - oje, ein 5 - 5.5mag-Himmel ist halt doch nicht Namibia. Aber so schnell geht das nicht, wozu habe hier ich einen Haufen Okulare herumliegen. Das 19mm Okular zeigte einen hellen Punkt in der M51 und die NGC5195 war auch als neblig, ungefähr rundlicher Fleck zu sehen. Ich pfiff mal wieder auf die AP und nahm das 15mm Plössl rein (AP 1.5). Der Punkt in der M51 wurde heller und beim indirekten Sehen war auch ein schwacher Punkt in der NGC5195 zu sehen. Dieser war eher länglich, jedenfalls nicht so klar rundlich, wie in der M51. Auch der Halo nahm zu. Der Einsatz eines Baader Neodym dunkelte den Himmel noch etwas mehr ab, zeigte aber weiterhin diese kleine Dreieck aus Sternen nahe dem GX-Paar (schließlich hat einer davon ca. 12mag). Der Halo der GX bleib erhalten, die Punkte in den Zentren waren auch noch zu erkennen - vielleicht ein wenig einfacher, als ohne Neo?
So, jetzt frieren mir die Beine ab - ah ... der Wanderer ... steht immernoch recht hoch ...
Den nehme ich mir im Spätherbst wieder vor, da geht der Zwilling im Osten auf und dort haben wir den dunkleren Himmel.

CS,
Stefan

P.S.: Tippfehler sind Bestandteil dieses BB und bleiben erhalten, wie die Erinnerungen an die Bilder im Teleskop
 
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