Specht
Aktives Mitglied
Hallo zusammen!
Ich hatte zu meinen Handy-Aufnahmen vom Mond ein paar Nachfragen, deshalb möchte ich hier etwas näher darauf eingehen, wie diese Aufnahmen entstanden sind.
Es ist nun schon ein halbes Jahr her, seit ich diese wunderschöne Mondsichel gesehen habe, aufgenommen mit einem Smartphone an einem Dobson. Sie hat mich fasziniert und ich fragte mich, was wohl mit dieser Technik möglich ist.
Es gibt zwar im Handel fertige Handy-Halterungen für´s Teleskop zu kaufen, als "Dobsonaut" kam für mich aber nur eine Selbstbaulösung mit Gebrauchtteilen in Frage. Aus einer Fahrradrahmenklemme, einem Metallwinkel und einer alten Universalhandyhalterung bastelte ich meine Selbstbauklemme, die beliebige Projektionsokulare und Handytypen aufnehmen kann:
Die Halterung muss stabil sein (keine Vibration), das Handy darf auf keinen Fall zu Boden fallen. Ich habe nur mit vorhandenem Material experimentiert, nichts wurde neu gekauft. Für den Anfang eigneten sich Plössl-Okulare mit Brennweiten zwischen 15mm und 30mm sehr. Schwach schnitten dagegen Weitwinkel-Okulare (Gesichtsfelder größer als 80°) ab. Die besten Erfahrungen machte ich mit einem alten 10mm Radian. Wichtig ist, dass die Handykamera genau mittig über der Augenlinse des Okulars liegt. Auch der Abstand zur Augenlinse ist wichtig, sonst bekommt man schnell unnatürliche Farben ins Bild, oder auch Abschattungen (Kidney-Bean-Effekt). Bereits kleine Verkippungen des Handy (seitlich oder länglich) verursachen Unschärfen im Bild. Ein teures Handy der Oberklasse ist nicht nötig, manchmal überraschen hier preiswerte Geräte. Das Wichtigste ist gutes Seeing.
Problematisch kann die große Helligkeit des Mondes sein. Hier hilft ein Neutralgrau-Filter im Projektionsokular. Je nach Mondphase kann man die Belichtungszeit um zwei bis drei Stufen reduzieren. Beim Fokussieren wähle ich "mittenbetont", bei der Auflösung die höchste Stufe. Wichtig ist auch die zeitverzögerte Auslösung, ich stelle da drei Sekunden Verzögerung ein. Den Blitz stelle ich ab, den Weißabgleich lasse ich automatisch. Ich mache möglichst viele Bilder, stelle jedes einzeln scharf und belichte auch immer einzeln.
Bei solchen "single-shots" wird natürlich die seeingbedingte Unschärfe "mit eingefroren". Bei höheren Vergrößerungen findet man aber immer wieder Bildausschnitte, die davon weniger betroffen sind. Bilder zusammenrechnen möchte ich nicht, es soll so wenig Technik wie möglich zum Einsatz kommen. Eine umfangreiche nachträgliche Bildbearbeitung ist meist nicht nötig, etwas Drehen, ein Ausschnitt und evtl. ganz leicht unscharf maskieren reicht:
(Archimedes, darüber Montes Archimedes, darunter Montes Spitzbergensis, single-shot 1/187 sec, Nokia 3.1 am 12,5" Meade-Dobson)
salü+cs, volker.
Ich hatte zu meinen Handy-Aufnahmen vom Mond ein paar Nachfragen, deshalb möchte ich hier etwas näher darauf eingehen, wie diese Aufnahmen entstanden sind.
Es ist nun schon ein halbes Jahr her, seit ich diese wunderschöne Mondsichel gesehen habe, aufgenommen mit einem Smartphone an einem Dobson. Sie hat mich fasziniert und ich fragte mich, was wohl mit dieser Technik möglich ist.
Es gibt zwar im Handel fertige Handy-Halterungen für´s Teleskop zu kaufen, als "Dobsonaut" kam für mich aber nur eine Selbstbaulösung mit Gebrauchtteilen in Frage. Aus einer Fahrradrahmenklemme, einem Metallwinkel und einer alten Universalhandyhalterung bastelte ich meine Selbstbauklemme, die beliebige Projektionsokulare und Handytypen aufnehmen kann:
Die Halterung muss stabil sein (keine Vibration), das Handy darf auf keinen Fall zu Boden fallen. Ich habe nur mit vorhandenem Material experimentiert, nichts wurde neu gekauft. Für den Anfang eigneten sich Plössl-Okulare mit Brennweiten zwischen 15mm und 30mm sehr. Schwach schnitten dagegen Weitwinkel-Okulare (Gesichtsfelder größer als 80°) ab. Die besten Erfahrungen machte ich mit einem alten 10mm Radian. Wichtig ist, dass die Handykamera genau mittig über der Augenlinse des Okulars liegt. Auch der Abstand zur Augenlinse ist wichtig, sonst bekommt man schnell unnatürliche Farben ins Bild, oder auch Abschattungen (Kidney-Bean-Effekt). Bereits kleine Verkippungen des Handy (seitlich oder länglich) verursachen Unschärfen im Bild. Ein teures Handy der Oberklasse ist nicht nötig, manchmal überraschen hier preiswerte Geräte. Das Wichtigste ist gutes Seeing.
Problematisch kann die große Helligkeit des Mondes sein. Hier hilft ein Neutralgrau-Filter im Projektionsokular. Je nach Mondphase kann man die Belichtungszeit um zwei bis drei Stufen reduzieren. Beim Fokussieren wähle ich "mittenbetont", bei der Auflösung die höchste Stufe. Wichtig ist auch die zeitverzögerte Auslösung, ich stelle da drei Sekunden Verzögerung ein. Den Blitz stelle ich ab, den Weißabgleich lasse ich automatisch. Ich mache möglichst viele Bilder, stelle jedes einzeln scharf und belichte auch immer einzeln.
Bei solchen "single-shots" wird natürlich die seeingbedingte Unschärfe "mit eingefroren". Bei höheren Vergrößerungen findet man aber immer wieder Bildausschnitte, die davon weniger betroffen sind. Bilder zusammenrechnen möchte ich nicht, es soll so wenig Technik wie möglich zum Einsatz kommen. Eine umfangreiche nachträgliche Bildbearbeitung ist meist nicht nötig, etwas Drehen, ein Ausschnitt und evtl. ganz leicht unscharf maskieren reicht:
(Archimedes, darüber Montes Archimedes, darunter Montes Spitzbergensis, single-shot 1/187 sec, Nokia 3.1 am 12,5" Meade-Dobson)
salü+cs, volker.
