Einige Fragen zum Bino-Ansatz für meine Teleskope

Caine

Mitglied
Hallo zusammen,

da ja langsam Weihnachten vor der Tür steht, überlege ich grad, was ich für das Christkind auf meinen Wunschzettel schreiben soll :).
Schon länger liebäugle ich mit einem Bino-Ansatz für meine beiden Teleskope (10" Dobson f/4,7 und 81 mm Apo f/7,7). Ich hab mich im Internet ein bisschen schlau gemacht.

Was ich verstanden habe (oder glaube, verstanden zu haben):

- Ein Bino-Ansatz geht grundsätzlich bei beiden Teleskopen
- Ich benötige für jedes Teleskop einen (unterschiedlichen) Glaswegkorrektor
- Zwei Zoom-Okulare für den Bino-Ansatz sind nicht zu empfehlen

Wo ich mir noch unsicher bin:

- Welche Glaswegkorrektoren brauche ich für die obigen Teleskope jeweils?
- Welche Okulare sind für Mond/Planeten für den Bino zu empfehlen? Dachte an (jeweils) zwei Pärchen, jeweils für mittlere und hohe Vergrößerung. Ich hab zwar Speers Waler Okulare, aber ob ich da noch gebraucht jeweils zweite bekomme, ist fraglich...
- Ist der Bino-Ansatz am Apo auch mit einem Zenitprisma einsetzbar und hat das Auswirkungen auf den benötigten Glaswegkorrektor?
- Welche Bino-Ansätze sind empfehlenswert (bis ca. 200 Euro)?

Vielleicht hat der ein oder andere einen Bino-Ansatz im Einsatz und kann mir mit ein paar Tipps weiterhelfen.
Vielen Dank und CS!

Christian
 

silver

Mitglied
Bis ca. 200€... "empfehlenswert" ... aus UK liefert immer jemand welche für ~155€ inkl. Versand. Die enthalten 2x30mm, 1.8x und 2.5x barlow. Der Shop ist auf ebay. Heisst irgendwas mit BST. Suche nach "Binoviewer" sollte erfolgreich sein.

Wenn's etwas mehr sein darf? Es gibt einen Kroatischen Hobbybastler, der in engl.sprachigen Foren ZEISS-binoviewer anbietet, die er als gebrauchte Mikroskop-Köpfe einkauft und dann, ziemlich genial, auf Astro trimmt. So werden die Teile dann T2-kompatibel und bekommen einen breiteren und reflektionsarmen Lichtweg. Ein fertiges "Deluxe" Bino von dem kostet derzeit USD 660 oder sowas in der Art, inklusive Versand. Mit Baader Okularhaltern und Pipapo.
Der hat die aber nicht immer auf Lager, sondern ist abhängig davon, ob er Zeiss-Mikroskopköpfe findet. Derzeit hat er von seiner Serie noch 10 oder so. Wenn ich könnte wie ich wollte, würde ich mittlerweile davon eins nehmen. Cloudy Nights Mitglieder mit vielen Beiträgen und langjähriger Mitgliedschaft haben sehr gute Rückmeldungen für seine Angebote gegeben, daher ist mein Vertrauen in den Kroaten entstanden. ***NEW MODEL*** Carl Zeiss binoviewer - 25mm prisms + accessories - CN Classifieds - Cloudy Nights
Hier ist ein langer Thread im CN Forum mit vielen Rückmeldungen von Kunden; Review: Binoviewers (Zeiss, Baader, William Optics, Siebert, Denkmeier......) - Page 24 - Binoviewers - Cloudy Nightszur Zeit macht er keine Umbauten von Binos, die man ihm schickt, weil er erst seine aktuelle ZEISS Serie verkaufen möchte.

Dazu brauchst Du noch die barlows/GWK für Deine beiden Scopes. Sorry, aber sicher bin ich mir da nicht. Ich glaube, 1.6x für Apo und 2.5x für den Newton. Auf den deutschen Shop-Seiten steht das aber oft in der Beschreibung von den mini(!) Barlows dabei.

Ich habe selbst auch noch keinen Binoviewer. Daher keine Empfehlung für Okulare in deinen beiden Skopes. Ich bin ganz verliept in Binoviewing! Viel Erfolg beim Christkind!
 

arago

Mitglied
Hallo Christian

Bei der Verwendung eines Binos ist als aller erstes einmal auf den benötigten Lichtweg zu achten und ob man damit noch in den Fokus kommt.
Für den Dobson eignet sich als aller erstes dieses "Nullwegbino". Dieses benötigt keinen zusätzlichen Lichtweg und sollte direkt auch ohne Glaswegkorrektor passen. Nachteil ist aber hier die geringe lichte Weite von 17,3MM Durchgang welches nur Feldblenden bis 22MM Ausleuchtet und der schon recht herbe Preis.
Als nächstes bietet sich ein altes 60°-Bino mit einem Lichtweg von nur 110MM an. Es benötigt keinen Zenitspiegel und ginge vielleicht noch am Refraktor. Für den Dobson ist es aber eher nichts ( Einblick). Fällt also Raus.
Alle anderen Binos benötigen zwischen etwa 100-120MM Lichtweg plus Zenitprisma / Zenitspiegel ( am Refraktor ).
Der Lichtweg betägt für ein T2 Prisma mit Steckhülse 64MM mit Kurzkupplung ( Ringschwalbe siehe Anwendungsbild 2 ) fürs Großfeldbino ca.38MM. Da liegen wir dann etwa bei 158MM ( Großfeldbino ) bis 164MM ( Billigbino ). Ein 2" Zenitspiegel ist hier fehl am Platz, der "frisst" alleine schon mal 112MM Lichtweg.
Die Lichtwegkorrektoren von Baader gleichen leider nicht den ganzen Lichtweg vom Bino aus sondern nur 20-80MM
je nach Ausführung. Hier ist rechnen angesagt. Korrektoren für den gesamten Bino-Lichtweg finden sich bei Siebert Optics.
Eine Möglichkeit währe noch am Newton die Koma korregierende "Düringbarlow". Wie weit die aber den Fokus verlängert und ob das schon ausreicht, keine Ahnung?
Für die Beobachtung im Höchstvergrößerungsbereich bieten sich Okulare für 1-1,5MM Austrittpupille an. Bitte hierbei nicht vergessen den Verlängerungsfaktor vom Glaswegkorrektor mit einzurechnen.
Höhere Vergrößerungen lohnen sich erfahrungsgemäß nicht, da die Motive beim beidäugigen Sehen größer wahrgenommen werden als beim einäugigen sehen! Die Beugungsgrenze kommt hier daher früher in Sicht!

Gruß Peter
 
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P_E_T_E_R

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- Ist der Bino-Ansatz am Apo auch mit einem Zenitprisma einsetzbar?
Dabei musst Du bedenken, dass der Bino-Ansatz dann ein erhebliches Drehmoment ausüben kann, wenn er schräg und nicht genau mittig über dem Okularauszug steht.

Bei altazimutaler Montierung ist das kein Problem, wohl aber bei einer parallaktischen Montierung: wenn Du da nicht aufpasst, kann Dir die Chose bei einem Teleskopschwenk seitlich abrutschen und im schlimmsten Fall herausfallen.
 
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Sselhak

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Ich habe schon viele Binoansätze ausprobiert und muss sagen: Empfehlenswert bis 200 Euro?
Keiner!

Alle die bei mir ein gutes Bild lieferten waren deutlich teurer!

Wie schon gesagt wurde, haben die billigen einen sehr geringen Linsendurchmesser, so dass du daran nur Okulare mir kleiner Feldblende verwenden kannst.
Und genau hier liegt das Problem.
Entweder du nimmst dann Okulare mir sehr geringem Sichtfeld oder welche mit starker Vergrößerung.
Beides ist nicht gut!
Geringes Gesichtsfeld ist gerade am Dobson echt mies, da du nur am nachschubbsen bist (außerdem hasse ich den Röhren-Effekt)! Und hohe Vergrößerung = geringe AP = dunkles Bild (vor allem, da am Bino das Licht ja auf zwei Wege aufgeteilt wird und damit das Bild sowieso dunkler wird).

Meine Erfahrung: Unter etwa 600/700 Euro ist der Binobeobachtung die monokulare vorzuziehen - zumindest geht es mir so.
Ist aber das Geld für ein Großfeldbino wie ein Baader Mark V, ein Denkmeier Binotron, usw. mit 27mm offenem Durchmesser vorhanden, dann ist Binobeobachtung toll!
Ich bin von meinem Denkmeiner Binotron mit zwei 24mm TeleVue Panoptics und im Bino eingebautem komakorrigierendem OCS am Dobson mehr als begeistert!

Welchen Glaswegkorrektor du brauchst kann man nicht wirklich vorhersagen. Das kommt sehr auf den Fokuspunkt deiner Teleskope an.
Außerdem muss der jeweilige Korrektor zum Bino passen (also zuerst entscheiden welches Bino und dann welchen Korrektor).
Und ziemlich sicher wirst du zwei brauchen, denn der Dobson braucht sicher einen anderen als dein Refraktor. Und auch ob es sich mit Zenitprisma ausgeht musst du probieren (mit dem richtigen Korrektor sollte es aber klappen).

Und zu den Okularen: Zoom Okulare gehen nur, wenn sie in Schritten verstellt werden können, denn sonst erwischt man nie 100% den selben Zoom-Faktor und dann verschwimmt das Bild.
Aber allgemein: Ich hab noch kein Zoom-Okular am Bino gesehen, dass mich überzeugt hätte! (Ich hab aber auch monokular noch kein Zoom-Okular gesehen dass mich überzeugt hätte ;-) )

Grüße, Mario
 

silver

Mitglied
uhm, ich kann auch keinen 600€ bino kaufen. Aber ich bin der Meinung, lieber ein bisschen Bino als gar nicht. Bino ist TOTAL TOLL! Auch durch einen 200-€. :love: Einen anderen hab ich noch gar nicht ausprobieren können und ich bin begeistert!
 

Caine

Mitglied
Erstmal vielen Dank für eure Einschätzungen, die sehr hilfreich für mich sind.

@ Peter: Da meine Skytee eine altazimutale Montierung ist, sollte ich mit dem Zenitprisma bzw. der Festigkeit kein Problem haben.

@ Mario: Deine Argumente kann ich nachvollziehen. Da ich die Bino-Ausstattung aber größtenteils für Mond und Planeten nutzen will, sollte das Thema geringes Gesichtsfeld und dunkles Bild bei günstigen Binos (dachte da an ein Baader MaxBright einen Lacerta Binoansatz) zu vernachlässigen sein?

Viele Grüße

Christian
 

arago

Mitglied
Hallo Christian

Der Preis für das "Nullwegbino" relativiert sich da hier nicht in einen Glaswegkorrektor oder zusätzliches Zenitprisma investiert werden muß. Auch der kleine Bildkreis von 22MM relativiert sich da hier ohne Glaswegkorrektor keine Brennweitenverlängerung in Kauf genommen werden muß. Man erreicht schon mit kurzen Okularbrennweiten ein vergleichsweise großes wahres Gesichtsfeld! Man benötigt bei Verwendung von Glaswegkorrektoren durch den Verlängerungsfaktor grundsätzlich für das gleiche wahre Gesichtsfeld längere Okularbrennweiten und damit auch einen größeren Durchgang im Bino! Da Du mit dem "Nullwegbino" keine Brennweitenverlängerung hast kannst Du Deine bisherigen Okularbrennweiten für 1-1,5MM Austrittpupille weiter verwenden und brauchst nur Deine vorhandenen Okulare um ein zweites Okular ergänzen.

Gruß Peter
 

P_E_T_E_R

Mitglied
Apropos "Nullwegbino", das ist wohl baugleich mit dem TecnoSky Horizon Binocular, welches unlängst von Markus Ludes im Marktforum hier vorgestellt wurde. Die Strahlaufteilung wird dort nicht mit dem sonst üblichen Strahlteilerwürfel, sondern stattdessen durch Außenreflexion an einer Dachkante erreicht.

Dadurch entfällt zwar die bei konventionellen Binokularen erforderliche Glaswegkompensation mit brennweitenverlängernden GWKs oder Barlows, dafür hat man aber die unschönen Beugungserscheinungen von Dachkanten an hellen Sternen und Planeten. Dieses Binokular ist deshalb wohl eher für Anwendungen bei niedrigen Vergrößerungen prädestiniert.

TecnoskyBino.jpg
 

Sselhak

Mitglied
@ Mario: Deine Argumente kann ich nachvollziehen. Da ich die Bino-Ausstattung aber größtenteils für Mond und Planeten nutzen will, sollte das Thema geringes Gesichtsfeld und dunkles Bild bei günstigen Binos (dachte da an ein Baader MaxBright einen Lacerta Binoansatz) zu vernachlässigen sein?
Hallo!

Für den Mond und helle Planeten sind sicher kleines Gesichtsfeld (wegen dem geringeren Lichtdurchlass des Binos) und dunkleres Bild verschmerzbar - ja.
Inwieweit das kleine Gesichtsfeld am Dobson beim Nachführen unangenehm ist, musst du für dich selbst beantworten.

Aber insgesamt: Ja, in dem Fall ist sicher ein billigeres Bino besser als keines!

Viel Spaß, ich hoffe du findest das Passende für dich,
Mario
 

Sven_Wienstein

Mitglied
Hi Zusammen,

ich denke man muss sich klar machen, was man vom Bino erwartet, vor allem an Objekten, somit an Disziplinen. Will man ohnehin nur helle Objekte mit hoher Vergrößerung anschauen, dann ist ein GWK mit starker Brennweitenverlängerung absolut wünschenswert, da dies dafür sorgt, dass bereits schlanke Strahlenkgegel in das Prismensystem eines klassischen Binos eintreten.
Der oben gezeigte Tecnosky sorgt hingegen für eine Strahlteilung in "rechte und linke Öffnungshälfte", mit den entsprechenden Beugungseffekten, kommt aber je Strahlengang mit nur zwei optisch planpolierten Flächen aus, die noch dazu dielektrisch mit 99% verspiegelt werden können. (Wird bei sowas eigentlich der direkte Kantenbereich der Dachkante so einen halben Millimeter weit geschwärzt?) Das Linsensystem bringt zwar einige Flächen ein, da diese aber normal optisch polierte Sphären sein dürften, wäre das mit moderner Vergütungstechnologie genauso unproblematisch, wie auch bei hochwertigen Okularen eine Linse mehr oder weniger ist. Ist dieses System für schnelle Optiken gerechnet, dann bekommt man durch eine große nutzbare AP noch eine gute Bildhelligkeit hin. Mal an f/5 gedacht: Mit einem 30mm bekommt man in etwa die Helligkeit eines 20mm geliefert - nur passt der oben angegebene Felddurchmesser von 17mm nicht wirklich zu einem 30mm, da so ein Okular dazu tendiert, 1,25" voll zu nutzen, also bis zu 27mm Feldblende.

Letztendlich ist ein Bino am zufriedensten, wenn man schlanke Strahlenkegel durch schickt. Kann man das sicherstellen, dann gibt es auch mit einem billigen Bino gute Möglichkeiten - und auch etwas Ausschuss durch Serienstreuung. Einfach mal mit dem besten (starken) Beobachtungsauge in jede Seite einzeln mit demselben Okular schauen und gucken, ob es da eine Seite mit erkennbar schlechterem Bild gibt. Helligkeitsunterschiede meine ich damit nicht, sondern wirklich mangelnde Schärfe und Grauschleier.

Clear Skies
Sven
 

Astrozoom GM

Mitglied
Hallo Christian,

eventuell hilft Dir mein Weg zum

Binoansatz

noch ein weing weiter.
Dazu ergänzend kann ich sagen, dass ich an 12" f/5,3 und 6" f/4,8 Newtons in der komakorrigierenden Düring-Barlow das Top Zubehör als Ersatz für einen Glaswegkorrektor (vor dem Binoansatz) gefunden habe. Die Vergrößerung des beugungsbegrenzten Feldes durch Komakorrektur macht sich an schnellen Newtons überaus positiv bemerkbar.

Ob diese Komakorrektur dann im Umkehrschluss am kleinen f/7,7 Refraktor sichtbar stören könnte wage ich mal zu bezweifeln, aber für konkrete/theoretische Aussagen dazu gibt es berufenere Leute als mich.

Gruß
Günther
 
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