Einsteiger Equipment als Geschenk

Nethelion

Neues Mitglied
Liebes Astronomie Forum.

Ich würde gerne euer wissen anzapfen. Einige von euch sind so unglaublich zuvorkommend die immer wiederkehrende Frage "was kaufe ich zum Einstieg" zu beantworten.
Viele davon habe ich gelesen und versucht die Möglichkeiten mittels Gemini Chat einzuschränken.
Da die chatbots aber manchmal dazu neigen abzudriften und Unwahrheiten zu erzählen würde ich das gerne mit euch Profis gegenchecken um nicht am Ende einen Fehlkauf zu tätigen.

Immerhin besitze ich selbst null Vorwissen.

Zu Beginn mal die Basis Infos.

Das ganze soll als Geschenk für meine langjährige Partnerin dienen, welche sich immer schon für den Himmel interessiert hat aber sich nie passendes Equipment besorgt hat. Regelmäßig versucht mit Kamera/Handy schöne Bilder zu machen aber natürlich die Ergebnisse nicht den Wunsch erfüllen.
Darum die Geschenk idee die im Idealfall nicht 400€ Budget übersteigt.

Somit ist die Anforderung für den Start gut Planetenbeobachtung mit der Möglichkeit zur photographie.
Eventuell etwas Deepsky schnuppern das wäre aber nur Addon.

Im Zuge des ForenArtikel und Chatbot Gespräche bin ich am Ende beim "Skymax-102 auf StarQuest-DX Montierung "welches mit Mondfilter und T2-Ring im Budgetrahmen läge. im Set wären "Starpointer, 20mm und 10mm Okular, Zenitspiegel, Handy-Adapter" enthalten

Meine Fragen hierzu.
Ist das overdone? ist das zu wenig? Preis Leistung schlecht? für Anfänger lieber etwas anderes? Denn es sieht schon recht wuchtig aus.
macht ein simpleres setup wie ein "Teleskop AC 90/900 EvoStar AZ-3" mehr Sinn?

zum Beispiel bin ich mir unsicher bei der Starquest Montierung welche anscheinend immer eine Justierung zu Beginn erfordert. Es fällt mir schwer einzuschätzen wie fidellig das ganze ist und ob es, für blutige Anfänger, eventuell die euphorie bremst wenn man unsicher ist ob alles richtung eingestellt ist. Im vergleich zu einer Az-Pronto welche diese Ausrichtung anfangs wohl nicht braucht? Habe auch gelesen dass man das Starquest-DX leicht auf die Bedienung wie ein AZ-Pronzo umbauen könnte?

Was mir am skymax gefallen hat, dass man anscheinend upgrades kaufen könnte wie einen kleinen motor der die nachführung übernimmt.

Wie gesagt ich selbst hab leider absolut kein Vorwissen zu dem Thema, versuche mich für das geschenk an meine Freundin einzulesen um keinen Blödsinn zukaufen.
Somit bin ich für jeden Input eurerseits Dankbar!!!

mfg
Nethelion
 
Hallo Nethelion,

willkommen im Forum und viel Spaß hier.

Schon mal gut, vorher gefragt :y: und noch kein Geld ausgegeben.

leider etwas knapp, in der Kombination
gut Planetenbeobachtung mit der Möglichkeit zur photographie.
So ein Maksutov (MC) wird allgemein schon als Planetenmaschine bezeichnet.
In der Kombination mit einer manuellen parallaktischen-, deutschen- oder auch EQ-Montierung, wie in Deiner Auswahl, wird das mit der Fotografie nichts.
Planeten werden nicht geknippst ;), es werden Videos über mehrere Minuten mit tausenden von Bildern im ms-Bereich erstellt. Diese Videos werden mit einer Planeten- oder Astrokamera gemacht und dann nach bearbeitet.
Dafür braucht eine Monierung aber eine motorisierte Nachführung oder gleich GoTo.
Schnappschüsse mit dem Smartphone sind aber mit etwas Übung möglich.

Starquest Montierung welche anscheinend immer eine Justierung zu Beginn erfordert
EQ-Montierungen müssen immer eingenordet werden, das ist wohl das was Du meinst.
Die Az-Pronto ist eine Alt/AZ Monierung. Diese braucht nicht eingenordet zu werden.
Eine Alt/AZ Montierung ist nicht so der Knaller für die Fotografie, zumindest in der Langzeitbelichtung.
Bei Planeten sicherlich, mit Abstrichen, möglich. Hier ist das Zauberwort Gesichtsfelddrehung bei einer Alt/AZ Montierung.

Visuelle Beobachtung und Fotografie sollte man auch tunlichst voneinander trennen, da jeweils andere Ansprüche an das Equipment gestellt werden.

Maksutov-Cassegrain (MC) wie auch Schmidt-Cassegrain (SC) Teleskope sind für die Fotografie ambitionierte Teleskope. Dies ist bedingt durch ihre große Brennweite, die dann wiederum eine sehr genaue Nachführung verlangt.

Auch mit MCs oder SCs auf Alt/AZ Montierung ist es möglich zu Fotografieren. Sowohl Planeten als auch Deep Sky. Da wäre das Zuberwort EAA. Da liegt der finanzielle Aufwand aber ein gutes Stück über den 400,- €.
EAA ist meine Herangehensweise an das Ablichten von Himmelsobjekten.

Alternativ gibt es die Möglichkeit über ein Smart-Scope zu gehen. Da habe ich aber die Preise nicht im Kopf und habe selbst auch keines.

Grundsätzlich, eignet Euch Grundlagenwissen über Teleskope, Montierungen, Okulare und Kameras an.
Wenn möglich Kollegen in der näheren Umgebung suchen und Kontakt aufnehmen.
Volkssternwarten besuchen, wenn was in der Nähe ist.
Teleskop- oder Sternentreffen aufsuchen.
All diese Möglichkeiten haben den Vorteil das man eine Vielzahl an Equipment/Setup in Aktion sehen kann. Wenn man freundlich fragt darf man auch beobachten und auch bekommt man einiges erklärt.

Das ganze nicht überstürzen. Ruhe und Geduld sind angesagt.
Die Sterne laufen so schnell nicht weg ;).

So mal ein grober rundum Schlag :D.

Gruß
Mathias
 
Hallo und herzlich Willkommen,
Mit dem Budget glaube ich nicht, dass im Bereich Astrofotografie etwas gutes zu finden ist, was Euch Zufriedenheit geben würde.
Daher meine Empfehlung, sucht Kontakt zu Hobbyastronomen in Eurer Nähe. Vielleicht eine Sternwarte in der Nähe?
Da könnt ihr sicherlich gute Informationen bekommen und live vor Ort sehen, was geht und was dazu benötigt wird.
Alternativ schau Dir mal soetwas an:


Gibt es natürlich bei fast allen Astrohändler.
Gruß und
Cs
Hans
 
Das ganze soll als Geschenk für meine langjährige Partnerin dienen, welche sich immer schon für den Himmel interessiert hat aber sich nie passendes Equipment besorgt hat. Regelmäßig versucht mit Kamera/Handy schöne Bilder zu machen aber natürlich die Ergebnisse nicht den Wunsch erfüllen.

Hi Nethelion,

aus dem geschriebenen geht nicht hervor, was die tatsächliche Motivation Deiner Freundin ist - schöne Bilder vom Weltall? Tatsächliches Interesse am Weltall? Der Wunsch sich näher damit zu befassen? Folgt daraus ein komplexes, sehr sensibles Teleskop zu bedienen? Das dann noch astrofotografisch zu betreiben - also mit noch mehr Komplexität? Du hast auch keine Vorerfahrung oder schreibst, wie affin Du zum Thema bist.

Vom ersten Gefühl rate ich Euch daher zu einem Smart Telescope. Da kommst Du mit 400€ ganz knapp hin oder nur leicht drüber.

Das DWARF mini für 410€ DWARF mini Intelligentes Teleskop

oder das ZWO Seestar S30 für 420€ ZWO Smart Telescope AP 30/150 Seestar S30 - Foto Erhardt

Alle sind quasi All-in-one Systeme für assistierte Himmelserkundung/Fotografie mit Schwerpunkt auf Deep Space Objekte wie Sternennebel, Galaxien usw., auch Mond ist gut abbildbar. Man findet im Netz genügend Videos, was mit diesen Geräten möglich ist. Die Geräte richten sich automatisch aus und folgen den eingestellten Himmelsobjekten und sind in 3min von jeder halbwegs freien Fläche startklar. Für wirklich adäquate Aufnahmen der weiteren Planeten des Sonnensystems benötigt es ein Setup, was grundlegend über Dein Budget geht.

Von einem echten Teleskop rate ich Dir beim aktuellen Kenntnisstand zur Motivation und Bedienung eher ab. Wenn es tatsächlich ein Teleskop im klassischen Sinne sein soll, nimm Deine Freundin vor einem Kauf mal mit zu einem Teleskoptreffen oder zu einer Sternenwarte - und schau, wie das Interesse bzw. die Zugänglichkeit zu solch einem Gerät "in echt" ist.

Daher der Tipp zu den "Smarties". Sie sind Preis-Leistungs-technisch kaum zu schlagen und bieten für den Einsteiger eine niedrigschwellige Möglichkeit sehr einfach schöne Bilder zu machen. Bedient wird das alles via App am Smartphone. Wenn Deine Freundin und Du diese Geräte regelmäßig ausreizt, wird der Wunsch nach einem leistungsfähigeren Teleskop-/Astrofotografie-Setup von ganz alleine kommen. Abseits der Smarten Teleskope geht ein kleines und eher bescheidenes Setup zur Astrofotografie schwer unterhalb 1000€, und auch dann nur in sehr grundlegender Basis - da die smarten, kleinen Bildmaschinen für ihren Preis wirklich viel rausholen. Zudem stehen dann auch schlichtweg physikalisch bedingte Entscheidungen hinsichtlich Beobachtungspräferenz, Investition usw. an.

CS
Thomas
 
Hallo Nethelion,

das mit der Fotografie würde ich erst mal hintenan stellen. Das ist nicht trivial und verschlingt ganz schnell jede Menge Geld.

Wenn man sich für die Himmelsguckerei begeistert, dann ist zum Einstieg etwas einfaches aber solides das richtige. Die AZ3 Montierung ist leicht und trägt entsprechende Instrumente zuverlässig. Die Bedienung ist intuitiv. Ein 90/900 Linsenfernrohr dürfte mit seinem langen Hebelarm die Grenze sein.
Ich benutze mit der AZ3 regelmäßig einen 102/500 Refraktor, das ist ein schönes Gerät für große Felder (Sternhaufen u.ä.), man kann damit aber durchaus mit Gewinn auch Mond und Planeten schauen. Dafür blende ich die Öffnung auf 50mm ab, dann ist der Farbfehler praktisch verschwunden. Gut funktioniert auf der AZ3 auch mein kleiner Newton TAL M mit 80mm Öffnung und 525mm Brennweite. Mit einem 100/800 Newton gerät die Montierung aber schon an ihre Grenzen, den setzte ich inzwischen auf etwas anderes.

Sucht euch in der Nähe Anschluss an einen Verein oder hilfsbereite Sterngucker und probiert mit deren Hilfe mal etwas aus. Für den Einstieg muss es auch nichts neues sein; der Gebrauchtmarkt hier im Forum bietet immer wieder gute Gelegenheiten.

CS Gerhard
 
Zuerst einmal vielen Lieben Dank dass ihr euch alle soviel Zeit genommen habt und so ausführlich geantwortet habt.
Ich weiss das wirklich zu schätzen!

Als erstes möchte ich mich auf die Antwort von Thomas beziehen.
Sorry hier hätte ich sicher genauer sein können.

Was die tatsächliche Motivation meiner Freundin ist, kann ich so gar nicht beantworten da ich es nicht weiss :D es ist lediglich in den letzten Jahren der Gedanke gefestigt worden dass sie mit soetwas große Freude haben könnte. Ob sie das am Ende hat steht , vorsicht, in den Sternen.

In erster Instanz ist das Ziel ein Einstieg in die Beobachtung. Das es bei der ersten Auswahl meinerseits eine schnelle kostengünstige Möglichkeit zum Upgrade gab um unsere Kamera anzuschließen war das verlockend für Mondbilder und war nicht als ernsthafte Astrofotografie Lösugng gedacht. Für ambitionierte Hobby Astrofotografie muss sie dann selber tiefer in die Tasche greifen, sollte mit dem Geschenk die Lust so massiv geweckt worden sein

Vielleicht sind die empfohlenen Dwarf oder Seestar eine Option sollte sie auf Fotografie reinkippen

Soweit habe ich gelernt und verstanden dass es bei entfernteren Objekten aufgrund der Lichtschwäche Langzeit Belichtung benötigt und das in dem Budgetrahmen nicht möglich sein wird. Aber das ist beim Mond

Das ist aber auch gar nicht so schlimm weil damit erst der Beginn einer Reise starten soll. Das Restrisiko dass sie es als Geschenk fehlschlägt ist ja immer noch gegeben wodurch das Budget ein Limit hat.
 
Hi
ohne die Motivation zu kennen, ist es quasi nicht möglich halbwegs zielgerichtet zu beraten.
Es macht einen großen Unterschied ob und was sie beobachten will, ob sie zusätzlich oder nur fotografieren und wenn ja, wie und was sie fotografieren will.
Das erste Ziel: In erster Instanz ist das Ziel ein Einstieg in die Beobachtung ist aus meiner Sicht der richtige Ansatz.
Alles andere wird Erfahrung und eine gewisse Entwicklung brauchen.
Smartteleskope nehme ich hier aus, weil das für mich weder "Astrofotografie" geschweige denn Beobachtung ist. Hier machen Miniteleskope fast alles automatisch und addieren am Ende Licht im Rahmen der kleinen Öffnung. Die Bilder kuckt man am Handy, Tablet und Co an. Das kann man auch via Google haben und es kostet nichts. Es gibt bestimmt Menschen die das für praktische Astronomie halten und damit zufrieden sind.
Für mich ist praktische Astronomie aber was ganz anderes.
Und schon sind wir bei der Motivation und Zielsetzung die es als Basis braucht.

Mein Tipp bereitet Euch vor, geht Probekucken und startet rein visuell, wenn es denn nach ersten Erfahrungen und Eindrücken dem entspricht, was die nachhaltige Motivation ist.
Dann sind für 400 EUR insbesondere auf dem Gebrauchtmarkt einige Möglichkeiten vorhanden, die auch perspektivisch Freude machen können.
Einige davon werden mit weiteren Investitionen die über dem Startbudget liegen realisierbar.

Billig ist leider oft nicht preiswert und ohne Vorbereitung mit einer hohen Fehlkaufchance versehen.
Es braucht am Ende Eure Anforderungen und Beschreibungen und Erwartungen, um daraus einen zielgerichteten Beratungsansatz zu entwickeln.
CS
 
Was die tatsächliche Motivation meiner Freundin ist, kann ich so gar nicht beantworten da ich es nicht weiss :D es ist lediglich in den letzten Jahren der Gedanke gefestigt worden dass sie mit soetwas große Freude haben könnte. Ob sie das am Ende hat steht , vorsicht, in den Sternen.

In erster Instanz ist das Ziel ein Einstieg in die Beobachtung. Das es bei der ersten Auswahl meinerseits eine schnelle kostengünstige Möglichkeit zum Upgrade gab um unsere Kamera anzuschließen war das verlockend für Mondbilder und war nicht als ernsthafte Astrofotografie Lösugng gedacht. Für ambitionierte Hobby Astrofotografie muss sie dann selber tiefer in die Tasche greifen, sollte mit dem Geschenk die Lust so massiv geweckt worden sein

Vielleicht sind die empfohlenen Dwarf oder Seestar eine Option sollte sie auf Fotografie reinkippen

Soweit habe ich gelernt und verstanden dass es bei entfernteren Objekten aufgrund der Lichtschwäche Langzeit Belichtung benötigt und das in dem Budgetrahmen nicht möglich sein wird. Aber das ist beim Mond

Das ist aber auch gar nicht so schlimm weil damit erst der Beginn einer Reise starten soll. Das Restrisiko dass sie es als Geschenk fehlschlägt ist ja immer noch gegeben wodurch das Budget ein Limit hat.

Hi Nethelion,

dann würde ich Dir dringend raten, die Motivation wirklich präzise zu eruieren. Es wäre sonst schlicht schade um das Geld. Weiterhin solltest Du Dir - wie hier auch schon erwähnt - folgende Dinge wirklich klar machen:

1. Visuelle Astronomie mit einem Teleskop ist ein völlig anders zu betrachtendes Thema als elektronisch gestützte Astrofotografie (EAA). Da unsere Augen keine "Langzeitbelichtung" können, sind die Sichtergebnisse nach dem verwendeten Teleskop, Okular auch wesentlich stärker von den Sichtbedingungen (Stadt, Land - Thema Lichtverschmutzung/Bortle Skala -> es gibt Maps dazu im Netz) abhängig und insgesamt auch einfach anders einzuordnen wie gestackte oder Videoaufnahmen mittels astronomischer Kameras. Zudem erfordert besonders visuelle Astronomie intensive Auseinandersetzung mit dem Gerät, optischen und physikalischen Eigenschaften sowie eine gewisse Sensibilität in der Bedienung, technisches Verständnis und viel Geduld, um Erfahrung zu sammeln. Dies ist ein Aspekt, der gerade in jüngeren Generationen maßlos unterschätzt wird - bei visueller Astronomie geht nichts "mal eben schnell". Auch hier ist Dein Budget mit 400€ relativ schmal - daraus resultieren auch ableitbare Beobachtungsergebnisse und zugegebenermaßen auch qualitativ schlechteres Equipment.

2. Thema "Upgrade". Ich muss dabei immer etwas schlucken, weil häufig genau dieser Gedanke kursiert, man könne mit einem soliden Kauf im unteren Preissegment eine Basis setzen, die man dann über die Jahre sukzessive sinnvoll erweitert. Praktisch ist das nicht völlig falsch, jedoch auch nicht wirklich zutreffend. Die meisten Sternenfreunde besitzen mehrere Teleskope. Warum das so ist, erklärt sich aus der Spezialisierung der Optiken. Das erwähnte Maksutov ist ein ausgewiesener "Planetenspezialist", in seiner Reihe das erwähnte 100er aber einer mit einer eher kleinen Öffnung. Rein praktisch siehst Du damit bei optimale Handhabung Jupiter etwa wie eine 5 mm große Kugel auf Armlänge, Saturn wie einen winzigen Ring-Anhänger und Mars wie eine kleine rote Murmel - je nach Okular - wovon Du mehrere, möglichst gute brauchst. Hinzu kommt, Planeten sind - wie alle Himmelsobjekte - nicht immer sichtbar, es braucht also definitiv Auseinandersetzung damit, wann und wie Beobachtung sinnvoll ist. Neben dem Teleskop ist der "Unterbau" - die Montierung mindestens genau so wichtig, weil sie die Präzision und Möglichkeiten der Steuerung/Nachführung bestimmt. Und zuletzt sind Okulare oder Kameras der dritte Baustein, die in Qualität (und damit Kosten) großen Einfluss auf das Ergebnis haben. Der entscheidende Aspekt steht aber hinter dem Teleskop - der Nutzer, der sich mit dem Gerät und dem Hintergründen auseinandersetzt und nötige Geduld mitbringt.

4. Thema Erwartungshaltung: In Zeiten von Hubble- und Webb, und dem boomenden Thema EAA (elektronisch gestützte Astronomie/Astrofotografie) ist das Netz voll mit tollen Bildern von Mond, Planeten und den Tiefen des Weltalls. Das weckt mitunter Begehrlichkeiten und generiert Vorurteile und falsche Erwartungen. Zum ersten: Was sehe ich womit? Häufig kursieren Laienmeinungen, man wolle "erstmal" mit Planeten des Sonnensystems beginnen, um sich dann an Deep Space Objekte zu wagen. Weil dies in der Wahrnehmung - warum auch immer - ein ansteigender Anspruch wäre. Astronomisch ist diese Herangehensweise wenig nachvollziehbar. Eine gute Aufnahme oder Sichtung des Jupiter oder Mars (Geduldsprobe) wird je nach Equipment (Thema Spezialisierung) wesentlich herausfordernder sein, als die des beeindruckend wahrgenommenen Orionnebels oder der Plejaden. Schlussendlich hängt es vom verwendeten Gerät ab, den Bedingungen und nicht zuletzt von Anwender. Eine möglichst genaue Kenntnis über die Erwartungshaltung und Möglichkeiten der Technik bringt hier also Klarheit, ob Du mit 400€ hier Freude oder eher Leid bringst.

5. Zum Schluss noch ein paar Worte zum Thema "Smarte Teleskope". Ich habe über ein Seestar S50 den Einstieg in EAA gemacht. Für mich ist das die aktuell zeitgemäße Form des Einstiegs in die Astronomie. Hier im Forum begegnest Du - vor allem bei alten Hasen der visuellen Astronomie - dahingehend vielen Vorbehalten bis hin zu Geringschätzung. Oftmals wird aber vergessen, dass die Niedrigschwelligkeit des Einstiegs und der Aspekt, dass diese Geräte sehr autonom alle Einstellungen und Ausrichtung übernehmen, genau die Initialzündung und Bereitschaft für eine Lernkurve in der Astronomie starten. Denn die nötige Lernkurve ist gewaltig - wirklich! Zudem ist der All-in-one Charakter - d.h. die explizite Nicht-Upgrade-"barkeit" hier expliziter Vorteil zu überschaubaren Kosten. Ja, es sind Vollautomaten, die letztendlich "nur" astronomische Bilder aufs Handy bringen. Zugegebenermaßen reicht das für 80% der Astronomie-Hobby-Anwärter aber völlig aus. Wenn Ihr zu den 20% gehört, die "übrig" bleiben und die mehr wollen, kristallisiert sich dann aber auch recht häufig sehr klar heraus, in welche Richtung es geht - visuell, EAA oder manchmal auch beides. Dann investiert man aber wirklich überlegt in Lernkurve und mit mehr Weitblick in ein Setup, welches dann klar die Präferenzen abbildet.

Denn das ist eine essentielle Erkenntnis, je nach Komplexität des Gerätes zur Sternenbeobachtung, ist enorme Lernbereitschaft erforderlich. Das ist nichts was von alleine passiert - hier muss man Hirnschmalz investieren. Das sollte Dir in jedem Fall bewusst sein. Hier hat man schon viel erlebt und gelesen - von "Frau will Sterne sehen" -> Mann hat sich zu kümmern bis hin zu gescheiterten und frustrierten Versuchen der Inbetriebnahme von Teleskopen, was sich gestandene Männer irgend wie alles einfacher vorgestellt haben, um das ganze dann aus Rettung vor der Entsorgung bei ebay feilbieten. Der Markt ist voll davon!

Daher: Liest oder schaut Deine Freundin Bücher/Videos zu Fotografie/Kameratechnik/Astronomie, hat sie Affinität zu Optik/Physik/Mechanik? Läge ein Jagd-Fernglas rum, wäre Deine Freundin diejenige, die es eine halbe Stunde nicht aus der Hand gibt? Baut Deine Freundin beim Camping gern Equipment auf? Findet sie Freude an handwerklichen Messinstrumenten oder Werkzeugen? All das musst Du mir nicht beantworten - es wären aber gute Indizien! ;-)

Aber zum Schluss mal Hand aufs Herz: Warum nicht einfach mal fragen? Astronomie kann ein wunderbares Hobby sein - auch zu zweit. Mal ein gemeinsamer Ausflug zu einer Sternenwarte (bitte nicht mit Planetarium verwechseln) oder mal zu einem Teleskoptreffen, einem Verein in der Umgebung? Meine Frau bspw. will alle meine Bilder sehen und die Hintergründe dazu wissen - beschränkt sich aber im praktischen Aspekt im Umgang mit allen Geräten darauf, mir Heißgetränke zu bringen. Wir sind da fein mit.

CS
Thomas
 
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