Re: nochmal Nikon 8x36 Monarch
Ich habe das Monarch aber direkt mit dem 8x32 Highgrade vergleichen können und wüsste nicht, wofür ich den Mehrpreis bezahlen sollte.
Hallo Matthias,
da ich das jetzt zum dritten mal lese, muss ich mich doch mal zu Wort melden. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> So ganz teile ich Deine Einschätzung nicht. Aufgrund Deiner Stellungnahmen zum kleinen Monarch hatte ich mir das Glas vor einigen Wochen bei meinem Fotohändler zur Ansicht bestellt. Für Reisen war ich noch immer auf der Suche nach einem kompakten Fernglas mit 30, 32 oder zur Not auch 36mm Öffnung und 8-facher Vergrößerung. Nur wollte ich keinen "High-End" Preis für die aktuellen "Nobelgläser" von Zeiss, Leica oder Swarovski bezahlen. Die Suche nach einem guten 8x30/32 für einen vernünftigen Preis ist halt nicht so einfach und so habe ich meinem Fotohändler gesagt, er soll ein Zeiss Conquest 8x30 und ein Nikon Monarch 8x36 bestellen, eins der beiden würde ich ihm abkaufen. Gekauft habe ich was anderes. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" /> Wie der Zufall es wollte, war gerade kein Conquest lieferbar. Dafür wurde mir mitgeteilt, dass noch eine kleine Zahl der alten 8x30 ClassiC Ferngläser auf Lager war. Mein Händler bot mir dann eins dieser schönen Zeiss Gläser für 800 Euro an (neu mit Garantie) und ich hatte die Wahl zwischen Zeiss 8x30 ClassiC und Nikon 8x36 Monarch. Das bringt mich zu obigem Zitat. Meine Vermutung, dass sich das Zeiss ClassiC und das Nikon HG in etwa auf demselben Niveau bewegen, wird wohl so abwegig nicht sein. Nun interessierte mich, ob das kleine Monarch dem alten Zeiss für deutlich weniger Geld das Leben schwer machen würde ...
Meine Eindrücke beschränken sich auf Beobachtungen am Tag, am Sternhimmel habe ich das Monarch nicht ausprobiert. Einen kurzen Vergleich mit dem 8x30 Conquest konnte ich etwas später noch machen. Müsste ich mich zwischen Conquest und Monarch entscheiden, dann würde ich wahrscheinlich das Monarch nehmen. Wer sich für die Vor- und Nachteile des Conquest interessiert, der findet im Jülich-Forum einen fundierten Bericht von Walter E. Schön. Diesem Bericht hätte ich nur noch die für meinen Geschmack zu starke Vignettierung am Rand des Sehfeldes als Schwachpunkt hinzuzufügen. Das Conquest zeigt nach meinen Eindrücken zwar die bessere Schärfe im Zentrum des Sehfeldes, unterm Strich finde ich die optische Leistung aber nicht so überzeugend, dass ich dafür mehr als 500 Euro auf den Tisch legen würde (zumindest nicht noch mal). Am meisten stören mich die Vignettierung und die Anfälligkeit des Fernglases für Streulicht und Reflexe. Beim 8x36 von Nikon (China) bekomme ich, gemessen am Preis, das rundere Paket.
Damit beschränkte sich die Auswahl auf Nikon Monarch und Zeiss ClassiC. Zur Verarbeitung des Monarch gibt es nicht viel zu sagen, das Glas macht einen wirklich guten Eindruck und mit Ausnahme des Mitteltriebs gibt es äußerlich nichts zu meckern. Die Gummierung gefällt mir sehr gut, sie fasst sich angenehm an und sie sammelt auch nicht gleich jedes Staubkorn, dessen sie habhaft werden kann. Für ein Fernglas mit 36mm Öffnung ist das Monarch erstaunlich kompakt. Der Vorgänger (das 8x36 Sporter I) war nach meiner Erinnerung etwas größer und deutlich schwerer. Von der optischen Leistung des Sporter I reden wir lieber nicht. Zur Verarbeitung des 8x30 ClassiC gibt es auch nicht viel zu sagen, es ist halt noch ein richtig gutes Zeiss Glas. Die Justage des Zeiss war tadellos, an der des Nikon Monarch hatte ich auch nichts auszusetzen. Zuerst bin ich mit dem Monarch allein durch die Landschaft getigert. Ich wollte sehen, ob mich das Fernglas ohne direkten Vergleich überzeugen würde. Das hat es dann auch getan. Das Bild ist sehr hell, gemessen am Sporter I wahrscheinlich extrem hell, Schärfe und Kontrast schienen mir auf hohem Niveau angesiedelt und die fürs Geld gebotene optische Leistung fand ich wirklich ansprechend. Einzig der Mitteltrieb überzeugte nicht so recht, er zeigte etwas Spiel und er war für meinen Geschmack viel zu leichtgängig. Mit dem Finger "am Abzug" (sprich am Mitteltrieb) bestand immer die Gefahr, dass sich selbiger unabsichtlich verstellte. Nach einer runden halben Stunde ging ich zurück zu meinem Fotohändler, um das 8x30 ClassiC auszufassen. Hätte ich das nicht getan, dann hätte ich vermutlich eine Menge Geld gespart.
Im direkten Vergleich war das Bild im alten Zeiss ClassiC immer einen Tick schärfer und irgendwie brillanter. Die Farben erschienen mir intensiver, der Kontrast war etwas besser - das Bild war im Zeiss einfach "knackiger". Bei der Bildhelligkeit konnte ich keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Ferngläsern entdecken und auch der "Transmissionstest" nach Walter E. Schön bescheinigte dem Nikon Glas eine sehr gute Transmission. Aber eine hohe Transmission ist nur die halbe Miete. Man sieht es beim 8x30 Conquest, eine hohe Transmission macht noch kein erstklassiges Fernglas. Ob mein Exemplar des Nikon Monarch ein Ausreißer war, kann ich nicht sagen. Ich konnte nur ein Exemplar ausprobieren und auf dieses bezieht sich meine Einschätzung. Die Justage war in Ordnung, dem Glas fehlte aber im Vergleich zum Zeiss ClassiC immer das letzte Quäntchen Schärfe. Um sicher zu gehen, griff ich mir noch ein Nikon 8x40 Action VII aus der Vitrine und auch dieses Glas zeigte die bessere Mittenschärfe. Es gibt wahrscheinlich genügend Punkte, wo bei der Herstellung eines Dachkantglases etwas verbessert werden oder auch schief gehen kann. Woran es genau liegt, das weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, dass das Zeiss ClassiC und das Nikon Action VII bezüglich der Schärfe im Zentrum besser abgeschnitten haben.
Wer ein schnuckeliges, kompaktes Allroundglas für einen angenehmen Preis sucht, der macht mit dem kleinen Monarch wahrscheinlich keinen Fehler. Die Optik ist fürs Geld wirklich gut und die Qualität der Verarbeitung stimmt. Nur würde ich nicht erwarten, für runde 200 Euro ein Dachkantglas zu bekommen, welches in der Oberliga spielt. Für einen vergleichbaren Preis bietet sich als Alternative immer noch ein Nikon Action EX an. Das 8x40 aus dieser Reihe ist zwar größer und schwerer, dafür bringt es für Naturbeobachtungen den unschlagbaren Vorteil der besseren räumlichen Darstellung (Tiefenstaffelung) auf mittlere und nicht zu nahe Entfernungen mit sich. Hier muss man abwägen, welche Vorzüge am Ende den Ausschlag geben: kompakte Abmessungen, geringeres Gewicht und eine kürzere Naheinstellung beim 8x36 Monarch oder die (nach meiner Meinung) etwas bessere Schärfe und das plastische Bild beim 8x40 Porroglas. Mit Stickstoff gefüllt und für Brillenträger geeignet sind beide Nikon Gläser, was für das Zeiss ClassiC nicht bzw. nur eingeschränkt gilt.
Beobachtungen am Sternhimmel konnte ich mit dem 8x36 Monarch leider nicht anstellen. Mein Fotohändler wollte für das 8x30 ClassiC unbedingt Geld haben und für beide Ferngläser reichten die finanziellen Mittel dann doch nicht. Das Zeiss ClassiC hat mir aber eins sehr deutlich gezeigt: wenn man mit Einschränkungen bei der Abdichtung und bei der Tauchtiefe sowie bei der Brillenträgertauglichkeit leben kann, dann kann ein 8x30 Zeiss von gestern auch heute eine sehr gute Wahl sein.
Viele Grüße, Frank.