Hallo Ulf,
zuerst einmal: Willkommen hier bei Astronomie.de!
Also, unser Jüngster (9 Jahre) wünscht sich zu Weihnachten ein Teleskop (weil er sich „sehr für das Weltall interessiert“). Ein solches Anliegen kann der Weihnachtsmann ja eigentlich nur befürworten, weil pädagogisch ungemein wertvoll.
Leider muß ich Sven zustimmen:
Mit einem Budget von 100 Euro kannst du der Spielzeugklasse
der Teleskope nicht entfliehen. Eventuell klappt das beim Gebrauchtkauf.
Damit dein Sohn nicht nur 1x sondern danach auch noch beobachtet
muß das Teleskop mehrere Anfoderungen erfüllen:
1) es muß ihm am Himmel etwas zeigen was ihn interessiert
2) es muß in der Praxis für ihn verwendbar sein.
Was fasziniert einen jengen Sternfreund am Anfang?
Ich glaube aus meiner Erfahrung sagen zu können daß das sehr oft
der Mond (Krater, Schattenwürfe, Rillen, etc) ist, sowie Saturn (Ringe!)
und Jupiter (wechselnde Ansichten der Mondpositionen, Wolkenbänder auf Jupiter).
Dazu kommen dann (unter ausreicend dunklem Himmel!) einige Deep Sky Highlights
wie Orionnebel, offene Sternhaufen wie Plejaden oder Krippe,
Kugelsternhaufen wie M13 (wenn man mindestens 114mm Öffnung
und einen dunklen Himmel hat!) und ein par helle Galaxien
(M31, M81/82, etc).
Die Optik des Teleskopes muß ausreichend leistungsfähig sein.
Und sie muß in der Praxis anwendbar sein.
Die "Montierung" muß das Teleskopes ausreichend stabil tragen
und das Teleskop in eine für deinen Sohn angenehme Position bringen.
So banal sich das anhört so wenig erfüllen die billigsten Einsteigergeräte
diese Grundanforderungen.
Optik:
Die "Öffnung" bildet dir Grundlage der Leistungsfähigkeit.
Zum einen für das Lichtsammelvermögen, zum anderen für das Auflösungsvermögen.
Aber:
Öffnung alleine reicht nicht, das Teleskop muß das einfallende Licht
dann auch auf einen Punkt bündeln können.
Da versagen versagen lichtstarke Kugelspiegel,
in geringerem Maße aber auch lichtstarke (A)chromate.
Dazu gibt es Teleskope mit lichtstarkem Kugelspiegel
die eine Korrekturlinse imm Auszug haben.
Auch diese erfüllen nur in seltenen Fällen die Grundanforderung.
Was fuktioniert sind etwas lichtschwächere Kugelspiegel wie im 114/900mm Anfängernewton".
Oder lichtschwächere Linsenteleskope wie etwa 70/700mm.
70/900mm, 80/900mm, 100/1000mm.
Auch da sieht man als Normalsichtiger Mensch noch einen Farbfehler,
aber diese Teleskope sind geignet kontrastreiche Ansichten
(im Rahmen eines Einsteigerteleskopes!) von Jupiter, Mond
und Saturn zu liefern.
Nun muß es etwas geben was das TEleskop in der Position hält
in der man (dein Sohn, Du, etc) einigermaßen entspannt beobachten kann.
Das nennt sich Montierung und Stativ, oder aber "Rockerbox",
welche nichts anderes als eine alt-az Montierung aus Holz ist.
Leider sind die Montierungen und die Stative die bei Einsteigerteleskopen
mitgeliefert werden sehr schwach dimensioniert (damit das Teleskop
eben billig bleibt).
An den paralaktischen Montierungen ist dann eine biegsame Welle dran, mit der man der Sternbewegung bei korrekter Aufstellung
des Teleskopes in nur einer Achse (Rektaszension) folgen kann.
Dabei wackelt das Teleskop dann immer etwas. Ein einfacher RA-Motor
wäre das schon hilfreich, kostet aber zusätzlich und will
natürlich auch eine Stromversorgung haben.
Ein Newton hat auf parallktischer Montierung den Nachteil
daß man je nach Position des Beobachtungsobjektes das Teleskop
in den Rohrschellen drehen mußß um eine angenehme Einblickposition zu bekommen.
Ein ausreichend langer Achromat hat den Nachteil daß man
das flimsige Stativ weit ausfahren muß um bei der Beobachtung
zenitnaher Objekte nicht auf der Grasnarbe kauern zu müssen.
Dann ist das Stativ noch wackelanfälliger.
Kleindobsons haben den Nachteil daß die "Rockerbox" nicht hoch genug ist damit man damit sitzend oder stehend beobachten kann.
Man braucht einen Tisch, einen ca 1 Meter hohen abgesägten Baumstumpf,
eine Säule, etc um das Teleskop da drauf zu stellen.
Zweiter Nachteil:
Die kleinen f/4 Newtons mit Parabolspiegel sind zwar brauchbar,
sie verlangen aber erstens eine extrem genaue Justage
und zweitens nach Okularen welche mit dem extremen Öffnungsverhältnis
solch eines f/4 Newtons zurecht kommen. Solche Okular sind
teuer.
Wenn der Tubus des Newtons auf der Rockerbox aber lang genug ist
dann kommt die Position der Okulares bei den üblichen Objekten
in eine günstige Höhe, so daß man sitzend bequemmbeobachten kann.
Für kleinere Menchen so wie mich oder deinen Sohn
reichen dafür in etwa 110cm bis 120cm Tubuslänge aus.
Ein 150/1200mm Dobson wäre solch ein Teleskop.
Das Öffnungsverhältnis betägt f/8 was eine gute Kolllimation (Justage)
des Teleskopes leichter macht. Einfache Okulare können an f/8
auch leichter gut abbilden.
150mm Öffnung ermöglichen sehr gute beobachtungen des Mondes,
der o.g. Planeten sowie vieles Deep Sky Objekte.
Das einzige Problem ist daß das Teleskop nicht für 100 Euro
zu bekommen ist, sondern schon 200 Euro kostet:
www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p2493_Skywatcher-Skyliner-150P---Parabol-Dobson-150-1200mm.html
Das wäre meine Empfehlung. Alternativ ein 114/
900mm Newton
auf parallaktischer Montierung (die Nachteile habe ich oben genennt):
http://www.teleskop-express.de/shop...-Newton-Teleskop-mit-Montierung---Stativ.html
Dieser kleine Dobson
http://www.teleskop-express.de/shop...Scanner-100mm-f-4-Newton-Spiegelteleskop.html
würde einen stabilen Tisch, Säule, Baumstumpf etc brauchen.
Er ist mit f/4 extrem lichtstark ausgelegt und damit eher ein Zweitgerät
für den erfahreren Sternfreund mit üppiger Okularausstattung
als ein gut geignetes Einsteigergerät.
Ich habe einen 112,5mm f/4 Newton (der wird als 114/500mm verkauft!)
mit Parabolspiegel für diesen Zweck.
Mein Rat:
1) besucht eine Volkssternwarte in eurer Gegend
2) trefft euch mit Sternfreunden aus eurer Umgebung
und beobachtet einfach mal mit. Viele Sternfreunde sind hilfsbereit
und schlagen so einen Wunsch nicht ab.
So könnt ihr euch einen Eindruck von den verschiedenen Teleskopen verschaffen
und danach mit höherer Warsacheinlichkeit eine
für euch gute Wahl treffen!
MfG, Karsten