Einstieg Astrophotographie - das Teleskop

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Liebe Sternenfreunde,

leider muss ich Euch (wie Hunderte zuvor) mit Fragen zur Einstiegsausrüstung in die Astrophotographie quälen - alles Mitlesen als Gast und das Bücherstudium hat mich noch nicht so richtig schlau gemacht...

Bevor einige von Euch (vermutlich berechtigterweise) die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, möchte ich Euch etwas von mir und meinen Ambitionen erzählen.

Dass die Astrophotographie die Königsdisziplin ist, dessen bin ich mir bewußt, es hilft aber nichts ;-)

Als Jugendlicher hatte ich einen kleinen Newton auf einer einfachen, parallaktischen Montierung (Quelle hatte die damals im Programm - nach Recherche 6"/900mm) und neben schlechten Beobachtungsbedingungen viel Freude an der visuellen Beobachtung. :)
Astrophotographie war zu analogen Zeiten absolut außerhalb der Reichweite "normaler" Jugendlicher.

Aber genau dies kam auf die Lebensagenda - "später mal würde ich M31, M42 und all die anderen "Klassiker" selber ablichten..."

Nun bin ich einige Jahrzehnte weiter und dabei die Agenda abzuarbeiten. Meine Kenntnisse im "normalen" fotographischen Bereich (People, Beauty, Fashion, etc.) sind inklusive der Bildbearbeitung sehr gut. Die technische Seite schreckt mich nicht ab, ich kenne die Lernkurven der Fotographie.

So, jetzt zum Kern der Frage:

Welches Teleskop sollte mittelfristig anvisiert werden?

Plan A zur schnellen Umsetzung ist es, meine Canon 5D MkIII (unmodifiziert) mit 70-200mm Teleobjektiv (und ggf. 2x Konverter) auf eine NEQ-3 zu montieren und mittels MGEN-2 an 60mm-Leitrohr zu guiden (die Motoren bekommen eine Handbox mit ST-4-Eingang spendiert).

Ich denke für die ersten Bilder sollte es reichen - dass der MGEN an 60mm Baader Vario-Sucher etwas an Overkill ist, ist mir klar, aber ich plane ja weiter...

Als zukünftige Montierung soll etwas in der Liga EQ-6 ins Spiel kommen (irgendwo zwischen Celestron AVX und AZ-EQ6 wird geplant) - mir ist klar, dass die Stabilität der Montierung das A und O der Fotographie ist, aber es muss auch transportabel sein, da die Lichtverschmutzung in meine Bochumer Heimat schon ein Thema ist und das Equipment zur Aufnahme vielleicht mal ab und an ins Sauerland reisen möchte :)

Aber bei der Wahl der Belastbarkeit kommt ja auch das Teleskop in die Rechnung rein und da hänge ich sehr in den Überlegungen fest... Das Motiv heißt "Deep Sky" mit Ziel formatfüllender Nebel und Galaxien und als Kamera kommt mittelfristig vermutlich eine astromodifizierte DSLR zum Einsatz.

Refraktor - wenig finanzierbare Öffnung, daher recht hohe Blendenzahlen oder kurze Brennweiten
Newton - Komakorrektor und anderer adaptierender Schnickschnack ist einzuplanen
Ritchey-Chretien - preislich kommt da nur die China-Variante in Betracht, dafür kein Koma-Korrektor

Der Preis für das Teleskop (exkl. Montierung) soll so "um" die 1000€ liegen, Carbontuben bei den Reflektoren bevorzugt...

Und nun spiele ich den Ball zu Euch - ich hoffe, dass Ihr seht, dass ich mich nicht komplett blauäugig hineinstürze, aber ich bin etwas von den pros und contras der einzelnen Systeme verwirrt.

Eins noch zum Abschluss - mir ist bewusst, dass ich zu einem Astrotreffen gehen sollte, oder bei Sternenfreunden an der nahen Sternwarte aufschlagen sollte, aber ich bin kein Vereinsmensch und genieße es dieses Projekt ohne großes Reden zu planen (ich rede in meinem Beruf ohnehin mehr als genug ;)

Ich danke Euch für das Lesen und harre Eurer Fragen oder Ratschläge

lg aus Bochum

Christian
 
Servus Christian,

dann zeige ich Dir mal zwei Bilder, die ich mit zwei verschiedenen Geräten aufgenommen habe:
http://www.astrobin.com/full/179446/C/

Die Optik, mit der ich dieses Bild aufgenommen habe, ist ein chinesischer 10" f4,7 Skywatcher Newton, den ich gebraucht für 250 Teuros an Land ziehen konnte. Auf einer EQ6 hat der nix zu suchen, mit allem Zubehör sind da über 20 kg am Start. Deshalb wohnt derauf einem 60kg schweren Achsenkreuz, das ein Tüftler bei Paderborn selbst gebaut hat und mir mit Steuerung für etwa 1700 Teuros überlassen hat. Siehst Du hier: http://www.astrobin.com/57807/
Weiterhin im Spiel ist ein gebraucht erworbener mpcc Koma Korrektor, ein gebraucht erworbener 9mm OAG, eine Alccd 5IIc, ein Netbook zwecks autoguiding und eine Fujifilm xa1 mit entsprechenden Timerauslöser und Adapter auf Canon-Bajonett.

Mein anderes Equipment ist ein 130mm PDS Newton von Skywatcher (neu gekauft beim Intercon Spacetec), der auf einer HEQ5pro wohnt, die ich mal gebraucht für ein paar hundert Euro an Land ziehen konnte, das ist mein transportables Eqipment, mit dem ich in dunkle Gegenden pilgere. Kameramäßig ist dann der gleiche mpcc im Einsatz, der 9mm OAG, die Alccd5IIc als guidingcam und das Netbook als Autoguider. Damit geht so was:
http://www.astrobin.com/full/193042/B/
das ist auch mit der Fujifilm, oder, damals noch mit der Canon 1000da:
http://www.astrobin.com/164474/C/
http://www.astrobin.com/107854/D/
Achtung, ich suche mir immer Plätze, wo 220V verfügbar sind. Das ist gefährlich (Nässe!), aber günstiger als jede Menge Akkus.

Hoffe geholfen zu haben

Gottfried
 
Hi Christian,

als erstes mußt Du Dir drüber klar werden, wie groß die einzelnen Motive auf dem Chip Deiner Kamera bei welcher Brennweite herauskommen. Das geht mit fast jedem Planetariumsprogramm. Ich nutze dafür Guide8.

NEQ-3, MGEN und Teleobjektive spielen hervorragend zusammen.

Schau mal, das alles hab ich mit 300 mm Teleobjektiv geschossen:
http://www.sternwarte-zollern-alb.de/mitarbeiterseiten/kowollik/nebulae/orestegor/index.htm

Und das ist mein Aufbau:
http://www.sternwarte-zollern-alb.de/mitarbeiterseiten/kowollik/deepskyfotografie/index.htm

Damit bist mehrere Jahre beschäftigt, ehe Du alle machbaren Motive abgelichtet hast. :)

Mit der gewonnenen Erfahrung (Guiding, Bildbearbeitung, Filter) kannst dann ne dickere Montierung kaufen und durch ein Teleskop fotografieren. :D
 
Liebe Fee,
lieber Gottfried,

vielen Dank für Eure netten Antworten und die grandiosen Bilder...

Eure Gedanken haben mir schon sehr geholfen.

Ich denke, dass es ein guter Ansatz ist, dass ich zunächst mit der DSLR auf der NEQ-3 mit Teleobjektiven arbeite.
Wahrscheinlich kann ich mit Guiding und Einsatz des 70-200/2.8 (ggf. mit 2x Telekonverter) schon gute Ergebnisse erzielen.

Ich habe mich entschieden einer astromodifizierten EOS 1200D mit Baader-IR-Filter und Astronomik-UHC-Clipfilter eine Chance zu geben :)
Dank des Cropfaktors von 1.6 kann ich mit Brennweitenäquivalenzen von maximal 320mm bis 640mm (mit Telekonverter) arbeiten (bei minimalen Blenden von 2.8, respektive 5.6).

Leider ist unser (ansonsten sehr schönes) Grundstück nicht für eine Festinstallation geeignet, so dass große Montierungen/Säulen und damit große Reflektoren ausscheiden.

Aber dennoch bin ich mit der gefundenen Lösung sehr zufrieden und denke, dass ich, wie Fee meinte, damit erst einmal gut beschäftigt bin...

Und wer weiß, vielleicht rode ich einen ungünstigen Haselnussstrauch doch irgendwann und kann die Familie von der Schönheit einer kleinen Observationshütte überzeugen :)

Ich danke Euch nochmals für die wertvollen Tips...

lg und CS

Christian
 
Hi Christian,

bitte laß zuerst den Telekonverter weg. Der verlängert die notwendige Einzel-Belichtungszeit massiv. Krieg erstmal alles mit Originalbrennweite zum Laufen. Du unterschätzt immernoch den Einfluß der "Flächenhelligkeit" der mit doppelter Brennweite 4x so lange Belichtungszeiten erfordert!

Also ohne Telekonverter z.B. 5 Minuten notwendig, mit dann 20 Minuten für ne Einzelne Aufnahme. Und dann 20, 30 oder 40 davon? An dieses Ziel solltest Dich erst herantrauen, wenn es mit 5, 10 und auch 15 Minuten Autoguiding perfekt runde Sterne gibt...

Ein Bäckerlehrling lernt auch erstmal Brot zu backen, ehe er alleine Pralienen oder ne Hochzeitstorte fabriziert... ;)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Einverstanden ;)

Ich gehe wahrscheinlich zu stark von meinen "normalen" fotografischen Umständen aus - ob ich da mit Blende 2.8 oder 5.6 arbeite ist unter Tageslichtbedingungen, oder im Studio "relativ" unerheblich, die Belichtungszeiten bleiben ja im Allgemeinen deutlich unter einer Sekunde... (Und Darks, Bias' und Flats gibts da nicht)

Des Weiteren finde ich ja bei vielen, gängigen Astrofotografie-Teleskopen (in der Klasse unter 2.000€) Öffnungsverhältnisse um 1:6, daher fühlte ich mich mit 1:5.6 eigentlich gut aufgestellt ;)

Aktuell warte ich einerseits auf klaren Himmel und den Autoguider, damit ich mich damit vertraut machen kann - die Tücken der korrekten Polausrichtung scheine ich langsam intellektuell begriffen zu haben :) :) :)

Die ganze Hast ist dem Umstand geschuldet, dass ich als Jugendlicher mir vorgenommen hatte "irgendwann im Laufe des Lebens" selber Fotos von M31 und M42 zu machen - und als dann Hubble die Säulen der Schöpfung so fantastisch abgebildet hatte, kamen die mit auf die Agenda drauf ;) (Mir ist der Unterschied zwischen Hubble und allem, was ich als - selbst engagierter - Amateur jemals hier auf der Erde anstellen kann schon klar).
Das Verständnis für die Vorgänge am Himmel und visuelle Beobachtungserfahrungen (lange her) sind da. Ebenso beherrsche ich meine Kameras ziemlich gut und Photoshop ist für mich ein vertrautes Werkzeug.

Im Endeffekt ist es der Traum des Bäckerlehrling von der Hochzeitstorte, nachdem er schon häufiger Goldmedaillen für das beste Brötchen gewonnen hat... ;)

Keine Sorge, ich werde schon schnell genug wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, wenn Dithern und Stacking nicht alle meine Probleme löst...

Vielen Dank für Eure Nachsicht!

lg und CS

Chris
 
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