Einstieg in die Astrofotografie bis 2000 Euro

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Ben3001

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Hallo liebe Sternfreunde,

ich interessiere mich bereits seit einer ganzen Weile für Astronomie und möchte mir in nächster Zeit mein erstes Teleskop zulegen und würde mich freuen, wenn Ihr bei meiner Kaufentscheidung helfen könntet. Wie im Betreff bereits angedeutet reizt mich vor allem die Fotografie und da insbesondere Deep Sky Objekte.

Dabei ist mir in den letzten Tagen beim Lesen hier im Forum allerdings klargeworden, dass meine Vorstellungen von der Astrofortografie wohl doch recht naiv waren und mir

a) auch bei gutem Equipment eine erhebliche Lernkurve bevorsteht und

b) 2000 Euro für ein geeignetes Gesamtpaket letztlich vielleicht doch etwas knapp bemessen sind.

Ich habe mir deshalb überlegt zunächst einmal Fotografie nur direkt durch meine DSLR (D300) Huckepack zu betreiben um mich an die ganze Materie erst einmal vorsichtig heranzutasten.

Mein Budget wollte ich deswegen zunächst hauptsächlich in eine solide Montierung investieren und nur eine kleine Optik als Leitrohr für die Kamera erwerben. Mit einer guten Montierung als Basis könnte ich dann später auf eine größere Optik umsteigen.

Meine Fragen deshalb:
- Macht ein solches Vorgehen grundsätzlich Sinn?
- Bei der Wahl der Montierung bin ich etwas hilflos: Vom Preis-/Leistungsverhältnis würde ich zu einer EQ6 tendieren, habe aber auch immer wieder gelesen, dass diese fotografisch eher weniger zu gebrauchen sei.
- Noch unsicherer bin ich bei der Wahl der Optik. Ich dachte vielleicht an einen Orion 80ED - oder vielleicht doch ein Newton oder etwas kleineres?


An dieser Stelle schonmal tausend Dank für Eure Hilfe.
Beste Grüße

Benjamin
 
Hi Benjamin

Konkrete Tipps kann ich dir nicht geben, nur soviel, dass Du dich nach meiner Ansicht auf dem richtigen Weg befindest (Investitionsschwerpunkt bei der Montierung, vorerst Piggyback, später vielleicht kleiner ED...).
Schau dir mal das Programm CCDcalc an; vielleicht reichen Dir die Möglichkeiten DSLR + Objektiv aus deinem Bestand vorerst völlig aus.
ODER:
Du versuchst es erstmal mit einer einfachen Nachführplattform (Purus, Barndoor etc. Google spuckt dazu einges aus; oder schau mal auf http://www.fk-jena.de/phpBB2/index.php?sid=9705269746f517abcac25ce0301e9780 vorbei)

CS
Jürgen
 
Hallo Benjamin,

zunächst mal herzlich willkommen hier.
Es ist wohltuend, wenn sich ein Neuling Gedanken macht und die bereits bestehenden Einträge durchliest. :super:

Eigentlich hast Du die wesentlichen Punkte schon erfasst, dass gerade bei der Astrofotografie die Stabilität der Montierung das A und O ist und das man bei der Optik lieber Schritt für Schritt weitergeht.

Ich kenne nun Deine Erfahrungen nicht, aber da Du ja schreibst es ist Dein erstes Teleskop würde ich Dir trotzdem zu einem anderen Weg raten.

Ich würde mir zunächst eine gebrauchte Vixen GP als Basis besorgen. Dazu einen ED80. Falls es dazu noch mehr visuelles Deep Sky sein soll, dann würde ich mir noch einen Newton dazukaufen (6" auf die Monti oder evtl. 8" als Dobson Zweitgerät).

Damit bist Du dann zunächst Piggyback und dann fokal eine ganze Weile beschäftigt, bis die Kombination Deinen Anforderungen nicht mehr genügt.

Das restliche Geld würde ich sparen und dann später benutzen um eine passende bessere Kombination zu kaufen. Dann weißt Du auch genauer, was Du machen willst und kannst gezielter kaufen.

Und die GP kriegst Du bestimmt zu einem ähnlichen Preis wieder los, bzw. behälst Sie als "Unterwegs" Monti.
Der ED80 lässt sich ebenfalls als mobiles Gerät oder Leitrohr weiter benutzen.

Ansonsten gilt natürlich auch hier der wichtigste Rat. Such Dir am besten erfahrene Amateurastronomen in Deiner Umgebung. Im persönlichen Gespräch und beim Ausprobiereb lässt sich vieles besser klären, als in einem Forum.

Just my 2cent!

CS
Volker
 
Hallo Benjamin,

Ich habe mir deshalb überlegt zunächst einmal Fotografie nur direkt durch meine DSLR (D300) Huckepack zu betreiben um mich an die ganze Materie erst einmal vorsichtig heranzutasten.

Das ist schon mal sehr vernünftig!

Mein Budget wollte ich deswegen zunächst hauptsächlich in eine solide Montierung investieren und nur eine kleine Optik als Leitrohr für die Kamera erwerben. Mit einer guten Montierung als Basis könnte ich dann später auf eine größere Optik umsteigen.

Das ist ebenfalls sehr vernünftig.

Nimm die beste Montierung, die Du für das Geld kriegen kannst. Mein Empfehlung: Eine GP-DX oder vielleicht hast Du Glück und kannst eine gebrauchte G11 ergattern. Als Leitrohr reicht zunächst ein kleiner Achromat. Die gibt es für kleines Geld (kann auch ruhig gebraucht sein).

Gruß
Andreas
 
Hallo Benjamin,

vielleicht wäre es gut, wenn Du den dazugehörigen Aufwand noch genauer unter die Lupe nimmst.

Du hast noch kein Teleskop gehabt. Wie findest Du Dich am Himmel zurecht?

Du sprichst von einer eq6. Das Teil wiegt alleine 16Kg, das Stativ nochmal 8Kg, Gegengewichte je nachdem. Bist Du bereit das zu schleppen?

Deep Sky aufnehmen heisst minutenlang belichten bei genauer und kontrollierter Nachführung, entweder per Fadenkreuzokular oder per Autoguider mit entsprechendem technischen und finanziellem Aufwand. Gefällt Dir so eine Technikschlacht mehrere Stunden alleine auf dem Acker?

Was für Objekte sollens denn sein? Großflächige Objekte haben oft starke H-alpha-Anteile, die eine normale 300D kaum auf den Chip bringt. Kleinere Objekte brauchen höhere Brennweite und damit eine massive und präzise Technik.

Hast Du nen Computer und die entsprechenden Kenntnisse mit Software und Bildbearbeitung?

Soll das Teleskop wirklich nur als Fotooptik dienen, oder willst Du auch noch kucken? Dann wirds mit 2000EUR tatsächlich eng.

Vielleicht ist eine leichte Ausrüstung für den Anfang besser. Der Tipp mit der GP ist bestimmt gut. Den ed80 als Optik, die auch als Leitrohr benutzt werden soll, naja ... Mit Schellen, Spiegel und Schiene wiegt der auch schon ca. 3Kg und hat eben nur 80mm Öffnung.

Noch mehr Gedanken dazu:

http://www.svenwienstein.de/HTML/einsteiger-astrofotografie.html

Was Du jetzt schon tun kannst: Nimm doch mal Deine 300d, fahr ins dunkle und lichte die Milchstrasse ab, einfach so auf nem Stativ mit nem Fernauslöser. 10-30 Aufnahmen a 20-30sec Belichtungszeit bei 800iso, dann nach Hause und die Bilder miz z.B. Deep Sky Stacker am Rechner überlagert.
Wenn das geklappt hat, stellst Du Dir das ganze sagen wir 10-50mal so aufwendig vor - und wenns dann funkt ...

CS

Klaus






 
Hallo Benjamin,

deine Einstellung stimmt, finde ich. Die bisherigen
Ratschläge (Vixen DX oder Clone, usw.) finde ich auch gut.

Technisch ist zu sagen, dass du auch als Anfänger deine
Montierung motorisieren musst und eine vernünftige
Steuerung brauchst. Dann ist eine Selbstbeschränkung
sinvoll. Z.B Brennweiten bloss bis 200mm und im Rahmen
dieser Beschränkungen probiert man dann alles aus, was
möglich ist.

Ich verfahre ähnlich wie du und ich versichere dir, ich
habe bei den eigentlichen Aufnahmen keinerlei Stress.
Allerdings steckt der Teufel im Detail. Bereits eine
Foto-Brennweite von 200mm will parallel zum Leitrohr,
das vor allem als Sucher funktioniert, ausgerichtet
werden. Und ich will in den wirklich guten Nächten auch
schnell die Aufnahmekamera wechseln. Daher habe ich selbst
als Anfänger eine Parallelbefestigung und eine
Mikro-Justierung. Alles mit Zusatzkosten verbunden, aber
es lohnt sich, es hält sich auch im Rahmen.

In guten Nächten fotografiere ich im 3-Minuten-Takt grosse
Teile des Himmels mit einem Objektiv 50mm Brennweite.
Bei der angedachten Montierung brauche ich mich um nichts
zu kümmern (keine Nachfährungskontrolle!) und kann mich
nebenbei mit jemandem unterhalten.

Wozu das Ganze? Ich fotografiere zum Teil immer noch
chemisch, ja das gibt es. Ich benutze Dia-Filme.
Betrachtet werden diese unter einer Stereo-Lupe (für
ca. 150 Euro in der Bucht). So sieht man auch im
Wohnzimmer funkelnde Sterne auf samtschwarzem
Hintergrund. Zum Kennenlernen des Himmels mit dem
Karkoschka daneben vorzüglich geeignet! Draussen kann es
regnen oder schneien. Und man hat die Vorfreude aufs
wirkliche Life-Beobachten.

Übrigens bekommt man mit der Atik-CCD-Kamera auch bei
10 Sekunden Belichtungszeit bereits brauchbare Resultate,
Daher kann man auch mit grösseren Brennweiten etwas
erreichen. Alles eine Frage der Ansprüche, die du an deine
Aufnahmen stellst. Aber das hast du ja richtig erkannt.

Heute abend werde ich eine Foto-Session versuchen, die
Sommer-Milchstrasse ist dran.

Ich wünsche dir viel Erfolg,
Joachim



 
Hallöchen und herzlich Willkommen,

auch wenn der Einstieg direkt in die Astrofotografie (ohne Kenntnisse in der visuellen Astronomie) eher unüblich ist, zeigen deine Überlegungen, dass du dich über dieses Thema schon ganz gut informiert hast.

Deine Überlegungen:
- erst einmal Huckepack fotografieren
- dann mit kleinem Teleskop (z.B. ED80) arbeiten
- dieses kleine Teleskop lässt sich auch zum Guiden verwenden
- Schwerpunkt in eine gute Montierung als Basis setzen
sind alle korrekt.

Wie man diese Konzepte aber jetzt erfolgreich in die Tat umsetzt ist tatsächlich nicht so ganz einfach.

Teleskop:
=========
Die Idee, sich einen ED80 anzuschaffen finde ich gut. Dieses Gerät bietet sich recht einfach zur Fotografie an. Auch wenn du vielleicht in ein paar Jahren größere Instrumente besitzen wirst, prognoziere ich, dass du den ED80 (wegen des größeren Bildfeldes) trotzdem noch gerne einsetzen wirst.
Einen Nachteil möchte ich aber nicht verschweigen. Für einen Anfänger bietet dieses Gerät im visuellen Gebrauch nicht allzu viel. Einsteiger wollen anfangs meist möglichst viel Licht oder möglichst große Vergrößerung (ob sinnvoll oder nicht), was ein ED80 nicht liefern kann. Erst ein halbwegs erfahrener Sternfreund weiß die besondere Ästhetik des Bildes dieses Teleskops zu schätzen (ein ED80 ist daher ein klassisches "Zweitteleskop", das viele Leute sich als Ergänzung zu ihrem größeren Teleskop zulegen).
Jetzt sagst du zwar, dass du deinen Schwerpunkt gleich auf die Fotografie legen willst - ich warne dich aber, wenn du mir nicht versprichst, die ersten Nächte dort erst einmal genüsslich hindurchzuschauen, komme ich persönlich vorbei und ziehe dir die Ohren lang. :D
Berücksichte in deinem Budget also Platz für einen 2"-Zenitspiegel und mindestens 2-3 gute Okulare. Kaufe auch hier lieber gleich von Anfang an einigermaßen vernünftige Okulare (grob 100,- EUR und mehr pro Okular) anstatt dich mit billigen 20-30,- EUR Okularen einzudecken. die du dann eh innerhalb kurzer Zeit durch besseres ersetzen wirst.


Montierung
==========
Diese Frage ist recht schwierig zu beantworten, da ich nicht (und du vermutlich genau so wenig) einschätzen kann wie schnell, mit welchem Budget, und ob du dich kontinuierlich oder Schubweise du dich weiterentwickeln wirst.


Szenario 1: Günstiger Einstieg, sehr hohe Zusatzausgaben in relativ kurzer Zeit

Du startest mit kleineren Montierung (GP-Klasse), überspringst die EQ-6-Klasse und gehst direkt zu einem High-End-Produkt (> 4.000 EUR). In Kombination mit einem größeren Teleskop, einer besseren Kamera etc. sind hier 10.000 EUR schnell weg!


Szenario 2: Teuerer Einstieg, auf langem Zeitraum mäßige Zusatzausgaben

Du kaufst dir eine Foto-Optimierte EQ-6 (z.B. von VTSB) und entwickelst dich "nur" noch in der Optik, nicht aber in der Montierung weiter. Bei diesem Ansatz wirst du allerdings dein angegebenes Anfangsbudget von 2.000 EUR um schätzungsweise 400,- EUR überschreiten.


Szenario 3: Günstiger Einstieg, auch auf langem Zeitraum kaum Zusatzausgaben

Du kaufst dir eine kleine Montierung (GP-Klasse) und hast weniger das Ziel, dich instrumentell (größere Optik, größere Montierung) als methodisch (Maximum aus Vorhandenem rausholen) zu entwickeln. Mit diesem Ansatz bleibst du in dem von dir angegebenen Finanzrahmen.


Erklärung für diese Szenarien:

Szenario 1: Wenn du langfristig sehr hohe Ansprüche hast, brauchst du eine hochwertige Montierung. Eine einfache Optik auf einer hochwertigen Montierung macht nicht unbedingt Sinn, also brauchst du eine hochwertige Optik. Eine einfache Kamera in Kombination mit hochwertiger Montierung und Optik macht nicht unbedingt viel Sinn, also brauchst du eine hochwertige Kamera. So kommt eins zum anderen und man wird in kurzer Zeit sehr viel Geld los. Wenn du den Anspruch hast, auch mit langer Brennweite hochklassige DeepSky-Bilder zu machen führt aber praktisch kein Weg daran vorbei.
Die Montierung der GP-Klasse würdest du vermutlich als "kleine" Reisemontierung behalten.

Szenario 2: Einen ED80 auf eine EQ-6 zu setzen ist natürlich ein Overkill. Dies macht nur Sinn, wenn du fest vorhast, später eine größere Optik zu verwenden. Mit diesem Setup kannst du prima in niedrigen bis mittleren Brennweitenbereichen arbeiten. Auch mit langen Brennweiten kannst du noch schöne Bilder zaubern, du wirst aber schon deutliche Abstriche dabei bemerken.

Szenario 3: Hier wirst du dich auf die Fotografie mit kurzen und noch relativ gut in mittleren Brennweiten beschränken. Der größte Vorteil hier ist, dass diese Kombination klein, leicht und gut zu transportieren ist.

Dein Problem wird jetzt sein, dass du selber nicht einschätzen kannst, welches Szenario das für dich günstigste ist. Szenario 3 hat den Vorteil, dass sich aus ihm auch noch Szenario 1 weiterentwickeln kann. Wenn du also daran glaubst, dass irgendwann vielleicht mal ein großer Paukenschlag kommt, wo du in relativ kurzer Zeit sehr viel Geld in dein Hobby reinbuttern willst, dann ist das wohl die beste Wahl. Wenn du dich vermutlicher langsamer weiterentwickelt, dann ist es wahrscheinlich billiger, statt sich von einer GP zu einer EQ-6 hochzuarbeiten, gleich von Anfang an mit Szenario 2 zu starten.

So, viel Spaß beim Durchackern der ganzen Texte.

Gruß
Andy
 
Hallo Andy,

Deiner Ausführung kann ich zwar zustimmen, aber es fehlt mir ein Punkt.
Wenn ich Benjamin richtig verstehe, hat er keine Erfahrung damit, wieviel Aufwand tatsächlich hinter der Astrofotografie steckt, bzw. er kann auch noch nicht abschätzen, ob er wirklich über längere Zeit dabeibleiben wird.

Daher ist Dein Szenario 2 auf längere Sicht zwar etwas günstiger als Szenario 3, aber dafür das Risiko höher, das man viel Geld in etwas gesteckt hat, was man dann doch nicht nutzt.

Wg. dem finanziellen Verlust habe ich vorhin schon geschrieben ich würde eine "gebrauchte" GP holen. Da ich davon ausgehe, dass das zugehörige ED80 selbst bei einem Aufstieg der Montierung nicht weggegeben wird, dann schätze ich den finanziellen Verlust nicht höher als 50 Euro ein.

CS
Volker
 
Hallo Zusammen,

erst einmal vielen herzlichen Dank für die nette Aufnahme im Forum und die vielen ausführlichen Antworten! Das hat mir in meinem Entscheidungsprozess schon enorm weitergeholfen. Nachdem ich mir Eure Ratschläge noch ein zweites Mal durchgelesen habe, scheint es, als hätte ich zwei sinnvolle Optionen:

1. Wie von vielen von Euch empfohlen mit einer GP oder GP-DX anfangen und dazu eine kleinere Optik als Leitrohr für Piggyback-Fotografie.

2. Wie bei Andy in „Szenario 2“ oder auch von Andreas empfohlen bei der Montierung gleich eine Nummer größer zu gehen, diese ebenfalls erst mit einer kleinen Optik zu belasten und diese dann mit der Zeit durch mehr Öffnung zu ersetzen/ergänzen.

Natürlich haben sich bei mir nach Euren Vorschlägen wieder eine ganze Reihe neuer Fragen ergeben:

zu 1:

a) Bei der GP ist mir aufgefallen, dass diese meist ohne Stativ und Motorisierung verkauft wird. Muss ich beim Kauf von Motor und Handsteuerbox Vixen Produkte verwenden oder kann jeder Motor/Steuerung an jede Montierung angeschlossen werden? Ich frage deshalb, weil ich irgendwo hier im Forum gelesen habe, dass etwa die Vixen DD1-Steuerung aufgrund eines grünen LEDs im Betrieb die Dunkeladaption beeinträchtigt.

b) Ist die nachträgliche Motorisierung einer Montierung eigentlich einfach zu bewerkstelligen oder brauch ich da sehr viel technisches Know How für?

c) Dann stellt sich mir noch die Frage nach Alternativen zu einer GP. Wenn ich 300 Euro für die GP rechne + Stativ (200?) + Motoren (200?) + Steuerung (100?) bin ich bei etwa 800 Euro insgesamt. Bei der „Konkurenz“ gibt es in dieser Preisklasse:
- Skywatcher HEQ 5 motorisiert, etwa 900 Euro
- Celestron AS-GT, etwa 900 Euro, Belastbarkeit angeblich bis 12 kg
- LXD 75 AT – 729 Euro

Sind das sinnvolle Alternativen oder sollte ich eher bei Vixen bleiben?

d) Dann stellt sich noch die Frage der Optik: Statt einem ED 80 könnte ich die GP natürlich auch mit einem kleineren Newton (150/750) bestücken. Oder würdet Ihr mir auf Grund des höheren Gewichts (5 kg vs. 2,5 kg) eher davon abraten? Immerhin kommt meine DSLR maximal ja auch schon auf 2,5kg (Nikon D300 + 70-200 f/2,8). Obwohl mein Interesse hauptsächlich der Fotografie gilt, hätte ich grundsätzlich natürlich nichts gegen mehr Öffnung und einem besseren visuellen Eindruck. Andererseits ist mir natürlich auch klar, dass ich bei meinem begrenzten Budget keine eierlegende Wollmilchsau erwarten kann.

e) Klaus hat die Frage nach den zu fotografierenden Objekten gestellt und auf das Problem oft starker H-alpha Anteile bei großflächigen DS-Objekten hingewiesen. Meine Objektivsammlung reicht zur Zeit von 10-200mm. Gibt es in diesem Bereich geeignete Objekte, die ich auch mit einer unmodifizierten DSLR einfangen kann? Ansonsten hätte ich noch eine alte Nikon D50, die ich vielleicht umbauen lassen könnte.

zu 2:

In diesem Fall könnte ich mir den Vorschlag von Andy aufgreifend vorstellen eine optimierte EQ 6 zu kaufen (etwa 1700 Euro). Die Frage, die sich mir hier stellt ist, bis zu welchem Gewicht eine solche Platform fotografisch noch sinnvoll betrieben werden kann. Wenn ich zum Beispiel für die Zukunft mal rechne: Newton 200/1000 (etwa 9kg) + Leitrohr (2kg) + meine Nikon (1 kg) + Autoguider (1 kg?) + Halterung für Kamera/Leitrohr (2 kg?) komme ich insgesamt auf etwa 15 kg. Reicht da eine EQ 6 noch?


Grundsätzlich tendiere ich zur Zeit zur Lösung 1. Wenn ich den Grundtenor Eurer Antworten richtig verstanden habe, dann reicht auch die „kleine“ Lösung erst einmal aus mich eine ganze Weile zu beschäftigen bis ich die zahlreichen technischen Hürden gemeistert und halbwegs ansprechende Bilder eingefangen habe.


Grüße, Sorry für den neuen Wust an Fragen und noch einmal vielen Dank für Eure Hilfe!

Benjamin
 
Zitat von Ben3001:
a) Bei der GP ist mir aufgefallen, dass diese meist ohne Stativ und Motorisierung verkauft wird. Muss ich beim Kauf von Motor und Handsteuerbox Vixen Produkte verwenden oder kann jeder Motor/Steuerung an jede Montierung angeschlossen werden? Ich frage deshalb, weil ich irgendwo hier im Forum gelesen habe, dass etwa die Vixen DD1-Steuerung aufgrund eines grünen LEDs im Betrieb die Dunkeladaption beeinträchtigt.

b) Ist die nachträgliche Motorisierung einer Montierung eigentlich einfach zu bewerkstelligen oder brauch ich da sehr viel technisches Know How für?

Hi!

Mit viel Bastelgeschick kannst Du jeden Motor an jede Montierung basteln, Du musst nur die richtige Übersetzung finden, will sagen, ein Getriebe basteln...
Bei den Vixen-Montierungen werden die Montierungen einfach an die Montierung drangeflanscht, das ist kein großes Hexenwerk. Vixen baut da angenehm modular.
Die FS2-Steuerung von Michael Koch lässt sich wohl ebenfalls mit passenden Motoren an die Vixen adaptieren, zumindest hatte ich den Tipp auf dem ATT von einem Mitarbeiter am Vixen-Stand für die 20 Jahre alte Superpolaris-Montierung erhalten.
Ein grünes LED kannst Du aber auch einfach mit Isolierband überkleben.

Zitat von Ben3001:
c) Dann stellt sich mir noch die Frage nach Alternativen zu einer GP. Wenn ich 300 Euro für die GP rechne + Stativ (200?) + Motoren (200?) + Steuerung (100?) bin ich bei etwa 800 Euro insgesamt. Bei der „Konkurenz“ gibt es in dieser Preisklasse:
- Skywatcher HEQ 5 motorisiert, etwa 900 Euro
- Celestron AS-GT, etwa 900 Euro, Belastbarkeit angeblich bis 12 kg
- LXD 75 AT – 729 Euro

Sind das sinnvolle Alternativen oder sollte ich eher bei Vixen bleiben?
Die GPD2 ist die Referenz, die oft kopiert wurde und auch ohne Tuning gut läuft. Die HEQ5 hatten wir im Verein als Nachfolger für die Superpolaris gekauft - sie ist solide und tragfähig, wiegt aber auch etwa das doppelte (für meinen Geschmack: Sauschwer) und lässt sich ohne Elektronik nicht betreiben.
Mit Celestron ASGT und Meade LXD75 hab ich noch keine Erfahrungen gemacht (nur mit dem Vorgänger LXD55 - das war China-Müll).
Die GP sollte den wenigsten Ärger machen.

Zitat von Ben3001:
d) Dann stellt sich noch die Frage der Optik: Statt einem ED 80 könnte ich die GP natürlich auch mit einem kleineren Newton (150/750) bestücken. Oder würdet Ihr mir auf Grund des höheren Gewichts (5 kg vs. 2,5 kg) eher davon abraten?

Ich würde beim Refraktor bleiben, wobei ich nicht weiß, ob der Newton ebenfalls 2"-Okularanschluss hat. Dabei empfehle ich natürlich nur, was ich selber habe... Der Refraktor muss nicht justiert werden, was für dich von Vorteil sein könnte, und er zeigt keine Spikes um helle Sterne (was Geschmackssache ist). Dafür sind die Belichtungszeiten halt etwas länger.
Beim Refraktor hab ich den Okularauszug gegen den deutlich solideren Steeltrak von Baader ausgetauscht, mit der D300 dürften sowohl Newton als auch Refraktor schon zu kämpfen haben. Der Originale ED80-Okularauszug hat in der Regel keinen Klemmring, sondern nur zwei Schrauben.
Beim Newton musst Du darauf achten, dass der Fangspiegel groß genug ist, um den Kamerachip auszuleuchten. Beim Refraktor solltest Du einen Adapter 2" auf T2 benutzen, der maximalen Durchlass garantiert, sonst vignettiert das Bild. Beim ED80 ist im Reduzierstück auf 1,25" in der Regel ein T2-Gewinde integriert, allerdings vignettiert das den Lichtweg auch.
Vorteil vom Refraktor ist, dass Du mehr Fokussierweg hast. Falls mal ein Bildfeldebner und Reducer dazu kommt, kannst Du hier eher scharf stellen.
Ich würde dir auf jeden Fall empfehlen, irgend etwas vor das Kameragehäuse zu setzen, damit kein Staub reinkommt. Wenn Du mal fünf Minuten belichtest, hast Du da sonst gleich ein Problem. Bei Nikon funktioniert der DSLR-T-Ring von Baader mit UV/IR-Filter sehr gut. Nachteil: Die Kombination William Optics Bildfeldebner und DSLR-T-Ring bekomme ich mangels Fokusweg nicht scharf, auch nicht mit dem kürzer bauenden SteelTrak-Okularauszug.

Zu dem, was ein ED80 kann: unter http://www.messier.de habe ich einige Fotos, die mit einem ED80 aus der Innenstadt heraus aufgenommen wurden - je ca. 5 Minuten belichtet und ohne große Nachbearbeitung außer Helligkeit/Kontrast. Von einem besseren Standort aus geht da noch einiges mehr.

Zitat von Ben3001:
<snip>
e) Klaus hat die Frage nach den zu fotografierenden Objekten gestellt und auf das Problem oft starker H-alpha Anteile bei großflächigen DS-Objekten hingewiesen. Meine Objektivsammlung reicht zur Zeit von 10-200mm. Gibt es in diesem Bereich geeignete Objekte, die ich auch mit einer unmodifizierten DSLR einfangen kann? Ansonsten hätte ich noch eine alte Nikon D50, die ich vielleicht umbauen lassen könnte.

Sag doch nicht alt zur D50 - die hab ich selber, und die hat jetzt erst ihren Kaufpreis abgearbeitet...

Mit 10 bis 200mm bietet sich Weitfeld an. Um eine grobe Vorstellung vom Bildfeld zu kriegen: Ein Objektiv 24-60 liefert Bildfelder von überschlägig 30x46° bis hinab zu etwa 14x21°; der Große Wagen (nur die hellen Sterne) ist etwa 15x30° groß. Ein 70-300 schließt da fast nahtlos an und hat als kleinstes Gesichtsfeld etwa 3x4,3°.
Der Mond hat ein halbes Grad Durchmesser, die Andromeda-Galaxie 3°.
Im Bereich Sternbild-Fotografie ist somit bei dir eigentlich alles abgedeckt, ebenso sind ausgedehnte Sternhaufen und Milchstraßenwolken dankbare Ziele. Mit mehr H-Alpha-Empfindlichkeit gehen auch die ganzen Nebelkomplexe im Orion (Barnard's Loop) und im Schwan (Nordamerikanebel). Wenn die D50 nicht mehr gebraucht wird :mauer: lohnt sich der Umbau. Die Canons rauschen zwar deutlich weniger, haben für Nikon-Benutzer aber auch eine katastrophale Handhabung... Setz dann aber unbedingt einen Schutzfilter vor das Kameragehäuse.

Zitat von Ben3001:
zu 2:

In diesem Fall könnte ich mir den Vorschlag von Andy aufgreifend vorstellen eine optimierte EQ 6 zu kaufen (etwa 1700 Euro).

Mit der EQ6 habe ich leider keien Erfahrungen, sorry. Ein Meter Brennweite ist aber schon wieder recht viel und etwa ein Grad Gesichtsfeld recht wenig.

Ich hoffe, das hilft dir weiter.

Beste Grüße,
Alex
 
Zitat von Ben3001:
In diesem Fall könnte ich mir den Vorschlag von Andy aufgreifend vorstellen eine optimierte EQ 6 zu kaufen (etwa 1700 Euro).
Hallo Benjamin,

1700 Euro für eine EQ-6 würde ich keineswegs ausgeben. Dann ist es preislich auch nicht mehr weit zu einer Losmmandy G11 und die ist dann doch ein ganz anderes Kaliber.

Ich habe selber auch mit einem ED-80 und einer gebrauchten Montierung der GP-Klasse (Celestron CAM) angefangen. Im nachhinein bin ich sehr froh, daß ich für die ersten Versuche nicht allzu viel investiert habe.

Den ED-80 habe ich zwar immer noch (als Leitrohr) und die CAM wird rein visuell auch noch genutzt. Für das fotografieren habe ich mir aber schon bald eine andere Ausrüstung angeschafft.

Mein Rat wäre deshalb, lieber klein und gebraucht anzufangen. Wenn du dann nach einiger Zeit weisst, was du genau willst (und ob du überhaupt bei der Sache bleibst), dann kannst du den Kram ohne großen Verlust wieder verkaufen und dir etwas anderes holen.

Gruß
Torsten
 
Hallo Benjamin,

Muss ich beim Kauf von Motor und Handsteuerbox Vixen Produkte verwenden oder kann jeder Motor/Steuerung an jede Montierung angeschlossen werden?

da wäre zu bedenken, dass der Gleichlauf einer Montierung einerseits von der Montierung selber abhängt, andererseits aber auch von den Motoren. Wenn Du schon das Geld für ne GP hinlegst, dann nicht an der Motorisierung sparen!

Dann stellt sich mir noch die Frage nach Alternativen zu einer GP.

Naja, das ist das gleiche wie weiter oben: Präzision mit weniger Tragkraft oder massiver in einfacherer Qualität ...
Heq5, adm, lxd75, das sind alles Abkömmlinge von der GP bzw. der GP-DX.

Oder würdet Ihr mir auf Grund des höheren Gewichts (5 kg vs. 2,5 kg) eher davon abraten
Sieh Dir die Tragkraft an, mit der die Montierung beworben wird. Dieser Wert ist in der Regel großzügig für visuelle Nutzung angegeben, Vixen soll da konservativere Werte (also kleinere) angeben.
Es gibt so 2 Daumenregeln:
- Max. Gewicht für Fotoanwendung = 2/3 Tragkraft
- Max Gewicht Foto = Gewicht des Montierungskreuzes
In der GP-Klasse ist ein 150/750 visuell wohl noch ok, bei der GP-DX das höchste, was man fotografisch nehmen kann - vom Gewicht her gesehen, Zubehör eingerechnet. Manche Fotografen geben an, dass mit sehr massiven Stativen oder Säulen noch mehr geht.

Hier gibts eine schöne Auflistung zu den Montierungen:

http://www.deepsky-brothers.de/ -> einsteiger -> kombination montierungen

Ich finde Torstens Hinweis recht gut: investier vielleicht nicht zuviel und sieh mal wie Du klarkommst.

Wenn Du mit dem Preis der GP nicht klarkommst und mit was vorläufigem auskommen würdest und erst mal bei den 200mm Brennweite bleibst wäre mein Tipp eine gebrauchte adm mit China-Steuerung und dem 150/750, am bestem den mit 2"-Auszug. Später ein 4" Travelmak als Leitrohr. Damit kannst Du dann auch durch den Newton Fotos machen, die mit Geduld auch ansehnlich werden - ist halt eine Kompromisslösung.

Eine weitere Idee mit Deinen 2000EUR wenns Visuelle doch Bedeutung erlangt: Beobachtung und Fotografie trennen.
Dann käme zum kucken ein 8"-Dobson in Frage und zum Knipsen
ne gebrauchte motorisierte eq5 mit nem kleinen Mak als Leitrohr und nem Teleobjektiv als Fotooptik. Die eq5 kannst Du später wieder verhökern und mit Erfahrung echte Recherchen für Deine Vorstellungen durchführen.
Diese Lösung würde mir angesichts Deiner (nicht-)Erfahrung für Dich auch am besten gefallen.

CS

Klaus
 
Hallo Benjamin;

Zitat von Ben3001:
Muss ich beim Kauf von Motor und Handsteuerbox Vixen Produkte verwenden oder kann jeder Motor/Steuerung an jede Montierung angeschlossen werden?
Markensteuerungen sind die von Koch und Boxdörfer. Diese
sind universell. Über die Freeware-Steuerungen wurde im
Nachbarforum über Montierungen/Steuerungen in den letzten
Monaten kontrovers diskutiert. Die Boxdörfer ist nur
bequem zu bedienen mit dem Zusatz-Display.
Eine Einschätzung: http://avionis.de

Zitat von Ben3001:
- Skywatcher HEQ 5 motorisiert
- Celestron
Sind das sinnvolle Alternativen oder sollte ich eher bei Vixen bleiben?
Die Tragfähigkeit in kg kann bei den Alternativen sogar
grösser sein. Entscheidend ist aber die Genauigkeit in der
Nachführung, vor allem möglichst wenig Schneckenfehler.
Die Verarbeitung der Original-Vixen ist besser und die
Vixen bekommt übertall gute Kritiken. Auch wenn manche
Händler die "Kugellager" der Alternativen anpreisen, darf
man sich dadurch nicht irritieren lassen.

Zitat von Ben3001:
Meine Objektivsammlung reicht zur Zeit von 10-200mm. Gibt es in diesem Bereich geeignete Objekte, die ich auch mit einer unmodifizierten DSLR einfangen kann?
Ein paar Kostproben:
http://www.fk-jena.de/phpBB2
insbesondere: http://www.christoph-kreher.de/Astrobilder/
Dort gibt es Bildergalerien(Barndoor)

Mit Grüssen,
Joachim
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo zusammen,

ich wollte mich nochmal für Eure gesammelten Ratschläge bedanken. Ich habe mich am Ende wie von den meisten hier empfohlen für das Orion ED 80 auf einer GP entschieden. Außerdem werde ich für die visuelle Beobachtung wohl ein Dobson erwerben.

Beste Grüße

Benjamin
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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