Empfehlung für Fernglas

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ssl

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Hallo,

ich suche ein Fernglas (es könnte aber auch ein Spektiv sein), das über folgende Eigenschaften verfügt:

- Naheinstellgrenze 3-4m (je kleiner desto besser)
- ein großes Gesichtsfeld wäre sehr vorteilhaft
- außerdem sollte es möglich sein, einen Riss mit einer Breite von mindestens 0,2 mm aus 10 bis 20m Entfernung zu erkennen. (Sofern das überhaupt optisch machbar ist)

Das Fernglas benötige ich für unsere Firma, wir führen dort Prüfungen von Autobahnbrücken durch. Als sogn. einfache Prüfung genügt dort eine Sichtkontrolle, naja und auf der Autobahn rumlaufen ist halt sehr ungesund <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Außerdem wird wegen uns keine Spur gesperrt. Die Richtungsfahrbahn einer 6-spurigen Autobahn ist ca. 16 m breit und es geht konkret darum die Mittelpfeiler und den Überbau der Brücken über den Fahrspuren zu untersuchen.

Wir haben schon ein altes Zeiss 8x30 Glas, das hat aber eine zu kleine Vergrößerung, ansonsten ist es top. Und ein Teleskop möchte ich nicht unbedingt mit rumschleppen.

Welche Geräte könnt ihr mir vorschlagen?

Vielen Dank für eure Hilfe,
Stefan
 
Für deinen Einsatz empfiehlt sich, so meine ich, eindeutig ein bildstabilisiertes Fernglas wie das Canon 15x50 IS oder, wenn es teuer sein darf und du kein Brillenträger bist, das Zeiss 20x60. Ich zweifle allerdings, dass du damit einen solch kleinen Riss aus dieser Entfernung erkennen kannst.
Dann bleibt also ein Spektiv, etwas ein Zeiss Diascope mit stabilem Stativ. Die Vergrößerung geht bis 45 oder 60 mit den Zeiss-Okularen (Vario, also Zoom), die Naheinstellung sollte sich ungefähr in dem von dir gewünschten Rahmen bewegen.
 
Hallo Stefan,

das menschliche Auge hat bei guten Bedingungen eine
Aufl"osung von 1/1000. 0,2mm gro/3e Risse erkennt man
also aus 20cm Entfernung. Das ist eine realistische
Naheinstellungsgrenze f"ur das Auge, ich nehme also an
da/3 die Ri/3gr"o/3e entsprechend gew"ahlt wurde
(gerade noch mit blo/3em Auge erkennbar?)
Das genannte Canon 15X50 besitze ich selber und bin mit der
Optik nun zufrieden (zuerst wurde versucht mir ein
deutlich astigmatischen Gurkenteil anzudrehen, also
Vorsicht).
Damit sieht man tats"achlich 15X besser und weiter.
So die Naheinstellung es zul"a/3t (das m"u/3te ich
nachpr"ufen), kann man damit entsprechende Risse sicher
aus 15 X gr"o/3erer Entfernung erkennen (also aus 3m).
Das ist f"ur ein Fernglas fast schon die Grenze, wenn
man wirklich gr"o/3ere Entfernungen "uberbr"ucken
mu/3, kommt wohl nur ein Stativ in Frage (das bedeutet
Photostativ mitschleppen und ein"augig gucken, was
erm"udender ist, als mit beiden Augen).
Au/3erdem fallen mir noch 2 Probleme ein: bei
Vergr"o/3erungen von mehr als etwa 15X d"urfte die
Luftunruhe st"oren (Verwirbelung von Luft um die Autos
herum, dies verschlechtert die Bildqualit"at in allen
Optiken). Ferner kommen nat"urlich noch eine
perspektivische Verk"urzung hinzu, wenn man Br"uckenteile
schr"ag betrachtet, oder es kann sein, da/3 man von
seinem Standpunkt ins Gegenlicht guckt.
Also, 10m oder mehr "uberbr"ucken zu wollen, wird wohl
schwer. Wenn Ihr an den Einsatz von Spektiven denkt,
w"urde ich welche mit "ED" Gl"asern (das sind bestimmte
Glassorten, die den Farbfehler reduzieren und damit die
Bildqualit"at steigern - sind entsprechend teurer)
empfehlen.

Viele Gr"u/3e und schreib mal, wie Ihr Euch
entschieden habt
Acubens
 
Hallo Acubens und chipsy,

vielen Dank für Eure Antworten. Aber das von Euch
vorgeschlagene Canon-Glas leigt leider mit 800€ etwas über
unseren Preisvorstellungen, wir dachten da so an max.
400€ <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />.

Ich hab mal etwas rumgerechnet: ein 0,2mm-Riss auf 20m
Entfernung sind gerade mal 2" (upps das hat ja schon
Doppelsternqualitäten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" /> ). Ein 1mm-Riss (schon sehr
groß) auf 15m hat immerhin noch ~14", das ist
wahrscheinlich nicht mehr durch ein Fernglas zu erreichen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />

Ein kleines Teleskop (Lidl?) müsste das eigentlich
schaffen oder? Durch Modifikation wäre die Naheinstell-
grenze dort auch kein Problem.
 
Zitat:

Ein 1mm-Riss (schon sehr
groß) auf 15m hat immerhin noch ~14", das ist
wahrscheinlich nicht mehr durch ein Fernglas zu erreichen


Hallo Stefan,

ganz so schlimm ist es nicht: Das Vermögen, einzelne Linien auf einem hellen Hintergrund zu erkennen, ist nicht gleichzusetzen mit der Fähigkeit, Doppelsterne zu trennen. Tatsächlich ist die Auflösung für lineare Strukturen stets besser als für zwei Punkte. Man erkennt einen Riss sicherlich auch an seiner charakteristischen Struktur, ohne dass man dessen Breite auflösen kann.

Gruss,
Holger
 
Hallo Stefan,

für den beschriebenen Verwendungszweck ist ein Spektiv mit 80mm-Öffnung und 40-60facher Vergrößerung anzuraten. Hiermit läßt sich ein Riss vor allem sicher und bequem feststellen/inspizieren mit folgenden Kombinationen von Rissbreite[mm]/Entfernung[m]:

10/1000 (Riss erscheint wie mit bloßem Auge aus 25m bzw. 17m)
1/100 (Riss erscheint wie mit bloßem Auge aus 2,5m bzw. 1,7m)
0,2/20 (Riss erscheint wie mit bloßem Auge aus 0,5m bzw. 0,33m)

Gruß
Walter
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Feststellung der Fernglas-Kriterien

Es ist richtig, was Holger Merlitz oben sagt: Die Erkennbarkeit von Rissen hängt nicht vom Auflösungsvermögen der Rißbreite ab. Vielmehr spielen da viele andere Komponenten mit, die eine theoretische Beurteilung schwierig machen, an erster Stelle wohl der Kontrast zwischen Riß und seiner Umgebung.

Aber es gibt eine ganz, ganz einfache praktische Möglichkeit, die notwendigen Kriterien zu ermitteln, die ein zu der beabsichtigten Rißkontrolle geeignetes Fernglas oder Spektiv erfüllen muß:

1. Man muß nur mit bloßem Auge vor Ort überprüfen, aus welcher maximalen Entfernung a (ggf. auch bei schräger Sicht zur Oberfläche) sich die hier zu findenden Risse mit ausreichender Sicherheit erkennen bzw. identifizieren lassen. Dann sind Kontrast in Helligkeit und Farbe, Rißbreite, Rißlänge, Rißform usw. bereits im Ergebnis implementiert.

2. Nun muß man aufgrund der örtlichen Gegebenheiten feststellen, aus welcher größeren Entfernung b man die Risse mit dem Fernglas/Spektiv erkennen möchte (ohne den fließenden Autoverkehr zu stören oder sein eigenes Leben zu gefährden usw.).

3. Wenn man nun b durch a dividiert, ergibt sich der nötige Vergrößerungsfaktor für ein theoretisch perfekt abbildendes Fernglas/Spektiv. Wenn man zur Sicherheit den Vergrößerungsfaktor um ca. 10% bis 15% erhöht, weil es perfekt abbildende Ferngläser/Spektive nicht gibt, sondern ein kleiner Qualitätsverlust unvermeidbar ist, ist man garantiert auf der sicheren Seite (sofern man nicht gerade ein Primitiv-Fernglas wählt, sondern schon ein halbwegs gutes).

Beispiel: Wenn mit bloßem Auge die dünnsten oder blassesten (kontrastärmsten) fraglichen Risse aus maximal 70 cm sicher identifizierbar sind und die Wunschentfernung bei der Rißkontrolle 7 m wäre, so wäre b : a = 7 : 0,7 = 10. Ein 12fach-Fernglas ordentlicher Qualität wäre dann (in Verbindung mit einem stabilen Stativ mit Neiger!) ein geeignetes Instrument für die gestellte Aufgabe. Sollte der Riß jedoch mit bloßem Auge erst aus 25 cm Entfernung erkennbar sein, wäre b : a = 7 : 0,25 = 28. Und dann müßte man schon zu einem mindestens 30fach vergrößernden Spektiv (plus Stativ und Neiger) greifen.

Übrigens würde ich in diesem Falle (trotz meiner sonstigen Präferenz für Dachkantferngläser) ein Porrofernglas wählen, sofern überhaupt ein Fernglas noch in Frage kommt. Denn die vergrößerte Stereobasis liefert im vorliegenden Entfernungsbereich ein deutlich plastischeres Bild, und das könnte evtl. bei der Riß-Identifikation vorteilhaft sein. Außerdem sind Porroferngläser bei vergleichbarer Schärfe- und Kontrastleistung merklich billiger, während die spezifischen Dachkantfernglas-Vorteile (Innenfokussierung, Handlichkeit, extreme Naheinstellung usw.) für die beabschtigte Rißkontrolle keine Rolle spielen. Außerdem würde ich, da ohnehin ein Stativ benutzt werden muß, um die Rißerkennbarkeit nicht durch Zittereffekte zu verschlechtern und überhaupt eine evtl. stundenlange Prüfung zu ermöglichen (freihändig praktisch unmöglich!), ein schwereres Fernglas bevorzugen, weil es aufgrund der „trägen Masse” für Vibrationen auf dem Stativ/Neiger weniger anfällig ist (bzw. die Vibrationsfrequenz harabsetzt). So gesehen wäre die beste Wahl vielleicht ein Docter Nobilem der wie oben berechneten Vergrößerung, das auch aufgrund seiner Wasser- und Staubdichtheit ideal wäre.

Walter E. Schön

An CMD: Danke für den Hinweis, es mußte an der jetzt gelb markierten Stelle „Porro…” statt „Dachkant…” heißen, was ich nun berichtigt habe.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Feststellung der Fernglas-Kriterien

Herr Schoen,

sicher wollten Sie schreiben, dass "Dachkantferngläser bei vergleichbarer Schärfe- und Kontrastleistung merklich " teurer sind, nicht billiger?

Carsten Doehring
 
Hallo,

da Sie zur Inspektion der Brücken mit dem Auto unterwegs sind, bietet sich vielleicht der Einsatz eines kompakten Spektivs auf einem Autoscheibenstativ an. Solche Lösungen gibt es z.B. von der Fa. Novoflex. Ein Spektiv mit Winkeleinblick ist in der Regel um die Längsache verstellbar, so dass man den Einblick aus unterschiedlichen Positionen wählen kann. Das 62er Spektiv von Minox ist z.B. (besonders in der ED Version) ein optisch und preislich interessantes Gerät. Natürlich müsste man diese Dinge einmal konkret am PKW ausprobieren.

Steve
 
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