Achim
Aktives Mitglied
Bericht vom 22.01.2004; 20.40h bis 22.30h
Ausrüstung:
Newton-Teleskop , Öffnung 350mm, Brennweite 1790 mm, (f/5,11) PHOENIX auf
Dobsonmontierung
verwendete Okulare: 30mm Zeiss Militäroku; 13mm Nagler Typ1, 9mm Nagler Typ6, 5mm Nagler Typ6, 2,5-fach Powermate
Ort: Waldrandlage, ca. 4 km außerhalb Emskirchen, ca. 390 m üNN
Temperatur: 20.20h -8,6 C; 22.40h -9,7 C
Seeing: später gut
Wetter: zunächst bewölkt, abends aufklaren, viele Schleierwolken und Dunstschleier
Objekte: (Reihenfolge der Beobachtung)
Gasnebel (GN): M42/M43, M1
Galaxien (GX): NGC890, M81, M82
Planeten: Saturn
Man, war das eine lange Spechtelpause! Durch meine Teleskopbauaktivitäten konnte ich mich mit unserem schönen Hobby beschäftigen, doch letztendlich baut man ja, um Sterne beobachten zu können (o.k. es ist auch ein Gutstück Selbstzweck). Meine letzte Beobachtung liegt nun schon fast 2 Monate zurück.
Gestern abend ging nun endlich ein bisschen was. Viele Dunstschleier, Schleierwolken u.ä. verheißen keine besondere Nacht, mittlerweile sind die Ansprüche deutlich gesunken. Um 18.30h wird Hut und Spiegelbox zum temperieren rausgestellt, etwa zwei Stunden später fahre ich los, gut eingemummt. Seit kurzem habe ich eine Sturmmütze, damit sieht man zwar aus wie ein Verbrecher am Bankschalter, doch bringt dies erstaunlich viel, am Kopf ist so nur ein Streifen für die Augen (Nase passt auch noch durch, wenn man will) frei.
An gewohnter Stelle baue ich den Gitterrohr-Dobson auf. Justieren an Polaris dauert diesmal etwas länger, der Dobs ist doch ziemlich verstellt. Leider fehlt noch einiges zur Temperaturanpassung, beim Startest kocht das Bild, auch ist der Spiegel durch den Abkühlprozess deutlich überkorrigiert.
So, nun schweift der Blick: Richtung O ist bis auf ca. 40 Grad Höhe nur grauer Dunst erkennbar, die Kopfsterne von Leo ragen gerade so aus der Suppe heraus, für Cancer reicht es gar nicht, steht Gemini sehr deutlich am Firmament. Zenithnah thront Auriga. In Umin beträgt die Grenzhelligkeit ca. Mag 4.8; in anderen Regionen ist diese auch nicht besser, teilweise (aufgrund Wolkenschleier) deutlich schlechter. Ab besten ist die Sicht auf Herkules. Na, dann peile ich gleich dort hin.
M42 GN ORI (m4,0 sbr11,0 ; 90*60') GH 4,8
M43 GN ORI (m9,0 sbr13,0 ; 20*15') GH 4,8
Selbst im 30mm-Oku ist der Nebel noch Gesichtsfeldsprengend. Wirklich eine Pracht. Es ist erst das 2. mal, dass ich mit Phoenix der Nebel betrachte; letztes Jahr war die "Saison"; nach der Teleskopfertigstellung schon fast vorbei. Hell, richtig hell erscheint der Orionnebel, mit einem leichten Stich ins grünliche. Wunderschön die Strukturen, besonders deutlich südlich des Trapez und in der östlichen "Schwinge". Ich assoziiere bei M42 immer einen Sturmvogel. Nun im 13er Oku (momentan habe ich leider kein passendes Oku für dazwischen): hmmm - irgendwie kann ich nicht sauber fokussieren, die Sterne werden nicht punktförmig. Extrafokal sehe ich den FS-Schatten exzentrisch - Justierung passt nicht, komisch. Schnell zurück zu Polaris und nochmals justieren; der Spiegel scheint nicht sauber auf den Stützpunkten gelegen zu sein. Nach 3 min ist die Schwierigkeit behoben. Wieder M42: besser, immer noch nicht richtig gut, nun liegt es aber an der noch ungenügenden Temperaturanpassung.
Für die E- und F-Komponente reicht es aber trotzdem ohne jeden Zweifel. Wunderbar deutlich erscheinen die Dunkelwolken zwischen M42 und M42, diese sind recht kräftig gegen die Gasnebelaufhellung auszumachen. Der Orionnebel ist einfach immer wieder sehenswert. Ich werde sicherlich 20 Minuten verweilt haben.
Nach der langen Spechtelabstinenz muss sich Auge und Gehirn erst wieder an teleskopisches Sehen gewöhnen. Auch hier ist ständiges Training notwendig, um das Optimum herausholen zu können, davon bin ich momentan aber weit entfernt. Das wird mir am nächsten Objekt,
M1 GN TAU (m8,4 sbr11,0 ; 8,0*4,0') GH 4,8
wieder bewusst. Von Zeta Tau kinderleicht mit dem Auge am 30 Oku zu finden. Dann gleich mit dem 13er bei 137-fach. Relativ hell, nur mit Strukturen wird es schwierig. Nach etwas Zeit habe ich den Eindruck, in der nördlichen Region am Rand ab und an Vordergrundsterne aufblitzen zu sehen. Der GN erscheint nicht rund, aber auch nicht symmetrisch elliptisch. Viel mehr wie eine etwa 3:4 Ellipse mit deutlicher Ausbuchtung Richtung SO. Mit der Zeit erscheint der Rand faserig ausgefranst. Der Helligkeitsverlauf ist vom etwas helleren Zentrum über einen Großteil der Fläche fast konstant bis zum faserigen Randbereich.
Der Blick schweift. Mir ist nach GX'en, nur welche? Im SW ist Pegasus im Dunst abgesoffen, ebenso ein Großteil von Andromeda. Triangulum steht sehr hoch, auf der Spitze. In der Region gibt es einige GX'en. Ein Blick in eine Aufsuchkarte betätigt dies. NGC890 dürfte relativ leicht auffindbar sein. Ich versuche mein Glück:
NGC890 GX TRI (m11,2 sbr12,7 ; 2,9*2,3') GH 4,8
Delta Tri ist mit bloßem Auge gerade so erkennbar; zusammen mit Gamma Tri gibt der Stern eine gute Orientierung am Okular, so fällt der gut 1 Grad-Starhop recht einfach. Eine gebogene Sternenkette der 9. bis 11. Helligkeit weist den Weg. Ja, da ist ein Nebelfleckchen. Schaue nochmals kurz in die Karte: Position stimmt. Wieder durchs Oku: auf einmal weg? Bin irritiert. Es dauert etwas bis ich realisiere, dass die Augenlinse leicht "befroren" ist. Ein Atemwölkchen hat sich in Form von Eis auf diese abgesetzt. Kontrollblick zeigt, das Fang- und Hauptspiegel frei sind. Widerstrebend reibe ich vorsichtig mit einem frischen Papiertaschentuch leicht an der Linse, es hilft. Ja, das ist die GX wieder. Nun im 13er Oku: viel gibt diese nicht her. Am markantesten ist eine Sternenformation aus 5 Mitgliedern in unmittelbarer Nähe (etwa 3" bis 10"), 4 davon bilden ein schiefes T, der 5. sitzt etwas versetzt über der "Balkenkreuzung". Die 4 Sterne schätze ich auf Mag 12,5 bis 13,5, der fünfte ist mit etwa Mag 14 fast grenzwertig. Die GX erscheint als längliches Oval (etwa 3:5) mit deutlicher Zentralkondensation, welche schnell in einen blassen Halo übergeht, von NO nach SW ausgerichtet. Ein aufziehender Nebelschleier beendet die Betrachtung hier.
GX'en machen mir einfach spaß, aber Gemini, Orion, Taurus ... die geben diesbezüglich nichts her. Ah! Im NO steht Uma relativ dunstfrei, der hintere Bereich beherbergt doch ein GX-Prachtpärchen. Das Dreieck aus Rho / Sigma 1 / Sigma 2 Uma kann ich mit bloßem Auge ausmachen. Sigma 1 ist mit Mag 5,1 verzeichnet und gerade so sehbar. So habe ich gleich wieder eine Grenzhelligkeitsbestimmung gemacht. 24 Uma gut 3 Grad SO ist auch erkennbar. Darauf peile ich. Mit dem 106mm Newtonsucher finde ich dann sofort
M81 GX UMA (m6,9 sbr13,2 ; 24,9*11,5') GH 5,2
M82 GX UMA (m8,4 sbr12,5 ; 10,5*5,1') GH 5,2
beide GX"en im Sucheroku. Dann im Hauptinstrument. Mist, die Okulare sind nun auch komplett durchgeforen. Ein leichter Hauch, schon beschlagen sich die Linsen mit Reif. Ich habe den Eindruck, dass selbst vom Auge verdunstende Tränenflüssigkeit diesen Effekt hat, wenn ich ganz dicht an die Linsen herangehe.
M81 ist - wie erwartet - zwar groß und hell, mit graduell abnehmender Helligkeit, aber heute bar von Strukturen. M82 fesselt meine Aufmerksamkeit dagegen sofort. Zunächst im 13er, dann im 9er Oku, eine schau! Deutlich sind Unregelmäßigkeiten auszumachen, insbesondere eine schräg durch die Längsachse verlaufende Dunkelzone ist bereits auf den ersten Blick erkennbar. Deutlich im Halo- wenn auch in einer relativ blassen Zone - ein etwa Mag10-Vordergundstern. Um die GX herum sind einige weitere Sterne der 11. bis 13. Helligkeitsklasse erkennbar. Die Hauptachse der GX verläuft etwa von NO nach SW.
Brrr ... langsam werden die Füße kalt, ebenso die Finger. Bisher hatte ich noch keine Handschuhe an. Der Rest des Körpers ist so gut eingepackt, dass mir sonst nicht kalt ist. Nun nehme ich doch einen Handschuh, die andere Hand bleibt frei, da habe ich ein besseres Gefühl beim Fokussieren.
Noch mit dem 9er Oku schwenke ich auf
Saturn
puh - hell! Leider sind die Glasflächen nicht ganz beschlagfrei. Um den Planeten herum habe ich leider eine deutliche, klar abgegrenzte runde Aufhellung. Trotzdem ist Saturn eine Schau. Das Teleskop ist mittlerweile durchgekühlt, wabern kaum noch erkennbar. Zunächst mache ich mich auf Mondsuche. Titan sticht als hellster sofort heraus, ca. 3 Ringdurchmesser entfernt SW im GF. Nochmals einen Planetendurchmesser in die gleiche Richtung dann Iapetus, ebenfalls ganz klar auszumachen. Deutlich dichter in ONO Rhea, noch etwas näher ganz genau im Osten dann Dione. Westlich in ähnlichem Abstand Thetis.
Encelada konnte ich nicht erkennen (kannte die Position nicht, sehe diesen Mond nun in der Nachbereitung), die leicht beschlagenen Flächen hatten zu viel Streulicht produziert.
Saturn selbst steht majestätisch im GF. Wunderbar das weit geöffnete Ringsystem. Schön die zarten Farbverläufe in der Gasriesenatmosphäre. Zur Polregion hin wird die Farbe kräftiger und etwas dunkler. Nun im 5er Oku bei 358-fach. Ich brauche ein paar Sekunden, bis ich den Fokus treffe, ahh! Die meiste Zeit ist das Bild stabil und scharf, wunderbar. Ich schiele nach dem Encke-Minimum im A-Ring. Erkennbar ist, dass der A-Ring im äußersten Viertel etwas heller erscheint. Das Seeing ist gut, nehme nun die Kombination 2,5er Powermate + 9er, d.h. 3,6mm Brennweite = 498fach. Fokussieren ... fokussieren ... na, es braucht ein paar Anläufe. Nun ist die grenze des Verträglichen erreicht. Aber - ab und an ist das Bild scharf, meist nur für Sekundenbruchteile, manchmal auch für ganze Sekunden. Nun ist der Übergang zum hellen Rand des A-Rings deutlich abgegrenzt. Eine hauchzarte Lücke erscheint und verschwindet, um einige Momente später wieder kurz zu erscheinen.
Ich lasse es gut sein, es hat richtig spaß gemacht. In 5 Minuten ist alles verstaut, es geht heim. Angenehm, wenn man nicht durchgefroren ist, dann fällt das Einschlafen viel leichter, wenn einem das Gesehene nicht zu stark durch die Gedanken geistert.
Klaren Himmel wünscht
Achim
Ausrüstung:
Newton-Teleskop , Öffnung 350mm, Brennweite 1790 mm, (f/5,11) PHOENIX auf
Dobsonmontierung
verwendete Okulare: 30mm Zeiss Militäroku; 13mm Nagler Typ1, 9mm Nagler Typ6, 5mm Nagler Typ6, 2,5-fach Powermate
Ort: Waldrandlage, ca. 4 km außerhalb Emskirchen, ca. 390 m üNN
Temperatur: 20.20h -8,6 C; 22.40h -9,7 C
Seeing: später gut
Wetter: zunächst bewölkt, abends aufklaren, viele Schleierwolken und Dunstschleier
Objekte: (Reihenfolge der Beobachtung)
Gasnebel (GN): M42/M43, M1
Galaxien (GX): NGC890, M81, M82
Planeten: Saturn
Man, war das eine lange Spechtelpause! Durch meine Teleskopbauaktivitäten konnte ich mich mit unserem schönen Hobby beschäftigen, doch letztendlich baut man ja, um Sterne beobachten zu können (o.k. es ist auch ein Gutstück Selbstzweck). Meine letzte Beobachtung liegt nun schon fast 2 Monate zurück.
Gestern abend ging nun endlich ein bisschen was. Viele Dunstschleier, Schleierwolken u.ä. verheißen keine besondere Nacht, mittlerweile sind die Ansprüche deutlich gesunken. Um 18.30h wird Hut und Spiegelbox zum temperieren rausgestellt, etwa zwei Stunden später fahre ich los, gut eingemummt. Seit kurzem habe ich eine Sturmmütze, damit sieht man zwar aus wie ein Verbrecher am Bankschalter, doch bringt dies erstaunlich viel, am Kopf ist so nur ein Streifen für die Augen (Nase passt auch noch durch, wenn man will) frei.
An gewohnter Stelle baue ich den Gitterrohr-Dobson auf. Justieren an Polaris dauert diesmal etwas länger, der Dobs ist doch ziemlich verstellt. Leider fehlt noch einiges zur Temperaturanpassung, beim Startest kocht das Bild, auch ist der Spiegel durch den Abkühlprozess deutlich überkorrigiert.
So, nun schweift der Blick: Richtung O ist bis auf ca. 40 Grad Höhe nur grauer Dunst erkennbar, die Kopfsterne von Leo ragen gerade so aus der Suppe heraus, für Cancer reicht es gar nicht, steht Gemini sehr deutlich am Firmament. Zenithnah thront Auriga. In Umin beträgt die Grenzhelligkeit ca. Mag 4.8; in anderen Regionen ist diese auch nicht besser, teilweise (aufgrund Wolkenschleier) deutlich schlechter. Ab besten ist die Sicht auf Herkules. Na, dann peile ich gleich dort hin.
M42 GN ORI (m4,0 sbr11,0 ; 90*60') GH 4,8
M43 GN ORI (m9,0 sbr13,0 ; 20*15') GH 4,8
Selbst im 30mm-Oku ist der Nebel noch Gesichtsfeldsprengend. Wirklich eine Pracht. Es ist erst das 2. mal, dass ich mit Phoenix der Nebel betrachte; letztes Jahr war die "Saison"; nach der Teleskopfertigstellung schon fast vorbei. Hell, richtig hell erscheint der Orionnebel, mit einem leichten Stich ins grünliche. Wunderschön die Strukturen, besonders deutlich südlich des Trapez und in der östlichen "Schwinge". Ich assoziiere bei M42 immer einen Sturmvogel. Nun im 13er Oku (momentan habe ich leider kein passendes Oku für dazwischen): hmmm - irgendwie kann ich nicht sauber fokussieren, die Sterne werden nicht punktförmig. Extrafokal sehe ich den FS-Schatten exzentrisch - Justierung passt nicht, komisch. Schnell zurück zu Polaris und nochmals justieren; der Spiegel scheint nicht sauber auf den Stützpunkten gelegen zu sein. Nach 3 min ist die Schwierigkeit behoben. Wieder M42: besser, immer noch nicht richtig gut, nun liegt es aber an der noch ungenügenden Temperaturanpassung.
Für die E- und F-Komponente reicht es aber trotzdem ohne jeden Zweifel. Wunderbar deutlich erscheinen die Dunkelwolken zwischen M42 und M42, diese sind recht kräftig gegen die Gasnebelaufhellung auszumachen. Der Orionnebel ist einfach immer wieder sehenswert. Ich werde sicherlich 20 Minuten verweilt haben.
Nach der langen Spechtelabstinenz muss sich Auge und Gehirn erst wieder an teleskopisches Sehen gewöhnen. Auch hier ist ständiges Training notwendig, um das Optimum herausholen zu können, davon bin ich momentan aber weit entfernt. Das wird mir am nächsten Objekt,
M1 GN TAU (m8,4 sbr11,0 ; 8,0*4,0') GH 4,8
wieder bewusst. Von Zeta Tau kinderleicht mit dem Auge am 30 Oku zu finden. Dann gleich mit dem 13er bei 137-fach. Relativ hell, nur mit Strukturen wird es schwierig. Nach etwas Zeit habe ich den Eindruck, in der nördlichen Region am Rand ab und an Vordergrundsterne aufblitzen zu sehen. Der GN erscheint nicht rund, aber auch nicht symmetrisch elliptisch. Viel mehr wie eine etwa 3:4 Ellipse mit deutlicher Ausbuchtung Richtung SO. Mit der Zeit erscheint der Rand faserig ausgefranst. Der Helligkeitsverlauf ist vom etwas helleren Zentrum über einen Großteil der Fläche fast konstant bis zum faserigen Randbereich.
Der Blick schweift. Mir ist nach GX'en, nur welche? Im SW ist Pegasus im Dunst abgesoffen, ebenso ein Großteil von Andromeda. Triangulum steht sehr hoch, auf der Spitze. In der Region gibt es einige GX'en. Ein Blick in eine Aufsuchkarte betätigt dies. NGC890 dürfte relativ leicht auffindbar sein. Ich versuche mein Glück:
NGC890 GX TRI (m11,2 sbr12,7 ; 2,9*2,3') GH 4,8
Delta Tri ist mit bloßem Auge gerade so erkennbar; zusammen mit Gamma Tri gibt der Stern eine gute Orientierung am Okular, so fällt der gut 1 Grad-Starhop recht einfach. Eine gebogene Sternenkette der 9. bis 11. Helligkeit weist den Weg. Ja, da ist ein Nebelfleckchen. Schaue nochmals kurz in die Karte: Position stimmt. Wieder durchs Oku: auf einmal weg? Bin irritiert. Es dauert etwas bis ich realisiere, dass die Augenlinse leicht "befroren" ist. Ein Atemwölkchen hat sich in Form von Eis auf diese abgesetzt. Kontrollblick zeigt, das Fang- und Hauptspiegel frei sind. Widerstrebend reibe ich vorsichtig mit einem frischen Papiertaschentuch leicht an der Linse, es hilft. Ja, das ist die GX wieder. Nun im 13er Oku: viel gibt diese nicht her. Am markantesten ist eine Sternenformation aus 5 Mitgliedern in unmittelbarer Nähe (etwa 3" bis 10"), 4 davon bilden ein schiefes T, der 5. sitzt etwas versetzt über der "Balkenkreuzung". Die 4 Sterne schätze ich auf Mag 12,5 bis 13,5, der fünfte ist mit etwa Mag 14 fast grenzwertig. Die GX erscheint als längliches Oval (etwa 3:5) mit deutlicher Zentralkondensation, welche schnell in einen blassen Halo übergeht, von NO nach SW ausgerichtet. Ein aufziehender Nebelschleier beendet die Betrachtung hier.
GX'en machen mir einfach spaß, aber Gemini, Orion, Taurus ... die geben diesbezüglich nichts her. Ah! Im NO steht Uma relativ dunstfrei, der hintere Bereich beherbergt doch ein GX-Prachtpärchen. Das Dreieck aus Rho / Sigma 1 / Sigma 2 Uma kann ich mit bloßem Auge ausmachen. Sigma 1 ist mit Mag 5,1 verzeichnet und gerade so sehbar. So habe ich gleich wieder eine Grenzhelligkeitsbestimmung gemacht. 24 Uma gut 3 Grad SO ist auch erkennbar. Darauf peile ich. Mit dem 106mm Newtonsucher finde ich dann sofort
M81 GX UMA (m6,9 sbr13,2 ; 24,9*11,5') GH 5,2
M82 GX UMA (m8,4 sbr12,5 ; 10,5*5,1') GH 5,2
beide GX"en im Sucheroku. Dann im Hauptinstrument. Mist, die Okulare sind nun auch komplett durchgeforen. Ein leichter Hauch, schon beschlagen sich die Linsen mit Reif. Ich habe den Eindruck, dass selbst vom Auge verdunstende Tränenflüssigkeit diesen Effekt hat, wenn ich ganz dicht an die Linsen herangehe.
M81 ist - wie erwartet - zwar groß und hell, mit graduell abnehmender Helligkeit, aber heute bar von Strukturen. M82 fesselt meine Aufmerksamkeit dagegen sofort. Zunächst im 13er, dann im 9er Oku, eine schau! Deutlich sind Unregelmäßigkeiten auszumachen, insbesondere eine schräg durch die Längsachse verlaufende Dunkelzone ist bereits auf den ersten Blick erkennbar. Deutlich im Halo- wenn auch in einer relativ blassen Zone - ein etwa Mag10-Vordergundstern. Um die GX herum sind einige weitere Sterne der 11. bis 13. Helligkeitsklasse erkennbar. Die Hauptachse der GX verläuft etwa von NO nach SW.
Brrr ... langsam werden die Füße kalt, ebenso die Finger. Bisher hatte ich noch keine Handschuhe an. Der Rest des Körpers ist so gut eingepackt, dass mir sonst nicht kalt ist. Nun nehme ich doch einen Handschuh, die andere Hand bleibt frei, da habe ich ein besseres Gefühl beim Fokussieren.
Noch mit dem 9er Oku schwenke ich auf
Saturn
puh - hell! Leider sind die Glasflächen nicht ganz beschlagfrei. Um den Planeten herum habe ich leider eine deutliche, klar abgegrenzte runde Aufhellung. Trotzdem ist Saturn eine Schau. Das Teleskop ist mittlerweile durchgekühlt, wabern kaum noch erkennbar. Zunächst mache ich mich auf Mondsuche. Titan sticht als hellster sofort heraus, ca. 3 Ringdurchmesser entfernt SW im GF. Nochmals einen Planetendurchmesser in die gleiche Richtung dann Iapetus, ebenfalls ganz klar auszumachen. Deutlich dichter in ONO Rhea, noch etwas näher ganz genau im Osten dann Dione. Westlich in ähnlichem Abstand Thetis.
Encelada konnte ich nicht erkennen (kannte die Position nicht, sehe diesen Mond nun in der Nachbereitung), die leicht beschlagenen Flächen hatten zu viel Streulicht produziert.
Saturn selbst steht majestätisch im GF. Wunderbar das weit geöffnete Ringsystem. Schön die zarten Farbverläufe in der Gasriesenatmosphäre. Zur Polregion hin wird die Farbe kräftiger und etwas dunkler. Nun im 5er Oku bei 358-fach. Ich brauche ein paar Sekunden, bis ich den Fokus treffe, ahh! Die meiste Zeit ist das Bild stabil und scharf, wunderbar. Ich schiele nach dem Encke-Minimum im A-Ring. Erkennbar ist, dass der A-Ring im äußersten Viertel etwas heller erscheint. Das Seeing ist gut, nehme nun die Kombination 2,5er Powermate + 9er, d.h. 3,6mm Brennweite = 498fach. Fokussieren ... fokussieren ... na, es braucht ein paar Anläufe. Nun ist die grenze des Verträglichen erreicht. Aber - ab und an ist das Bild scharf, meist nur für Sekundenbruchteile, manchmal auch für ganze Sekunden. Nun ist der Übergang zum hellen Rand des A-Rings deutlich abgegrenzt. Eine hauchzarte Lücke erscheint und verschwindet, um einige Momente später wieder kurz zu erscheinen.
Ich lasse es gut sein, es hat richtig spaß gemacht. In 5 Minuten ist alles verstaut, es geht heim. Angenehm, wenn man nicht durchgefroren ist, dann fällt das Einschlafen viel leichter, wenn einem das Gesehene nicht zu stark durch die Gedanken geistert.
Klaren Himmel wünscht
Achim