Ursus corpulentus
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... nein, kein ominöser Nebel. Und auch kein unbekanntes Sternbild, sondern - die Schwimmauszeichnung, die wir Babyboomer einst so stolz an der Badehose trugen.
Seepferdchen?!
Liebe Glasaugen,
seit ungefähr einem Jahr tumle ich mich als Astro-Anfänger munter im frischen Wasser dieses wundbaren, und für mich neuen Fachgebietes. Im Nichtschwimmerbereich, wohlbemerkt, also in einem Becken mit den Planeten, dem Mond, ein paar Dopelsternen (sofern ich sie finde) und dem Kennenlernen (und endlosen Ausprobieren) der Ausrüstung. Und im Zuge dessen sogar oft genug mit dem Sendemast an meinem nordwestlichen Horizont. (Der ist wie das warme, weil von den Badegästen im Vorschulalter ständig persönlich neu aufgefüllte Plantschbecken - uuäärrgh!).
Und seit ungefähr einem halben Jahr rede ich mir ein, dass ja eigentlich alles gut sei. Also die nächtliche Beschäftigung mit Planeten, Mond und Sendemast. (Letzteren hatte ich selbst untertags recht häufig im Auge, aus purer Langeweile und schierer Verzweiflung, da es wochenlag bewölkt war). Aber ich habe mich belogen. Und zwar mit allerlei Ausreden.
Nebel? - sind was für Spiegel-Chauffeure! Außer Orion, vielleicht, der ist ja wirklich kaum zu übersehen.
Sternhaufen? - klar, en passent, kein großes Ding. Wo soll das Problem sein?
Dachte ich.
Doch jetzt war es an der Zeit für das tiefe Becken, Refraktor hin, Spiegel her. Denn Venus war nun endgültig ausgelutscht und tief am Westhorizont, die restliche Planetenschar im Urlaub und der Mond auf Dienstreise. Dummerweise hatte ich heute Abend nur ein kleines 63er Röhrchen auf Asiola-Basis am Start. Für mehr war ich schlicht zu faul gewesen. Die Umgebung war hell, das Seeing aber erfreulich gut.
Und dann stolperte ich über M5 und M3 im Südwesten auf der Karte.
"Oh, sind die hübsch!" dachte ich beim Blick auf die Bilder im Buch. Wahrscheinlich langzeitbelichtet, übereinandergelegt, verrechnet, interpoliert, der 12''-Spiegel ebenso (vor den Aufnahmen frisch poliert) - versus - 63 Millimeter Öffnung am Video-Stativ. Ich übe damit für die anstehenden Reisen.
Jetzt war ich im tiefen Wasser, und zwar ohne Schwimmflügel.
Insgesamt habe ich gut zwanzig Minuten gebraucht, um M5 zu finden. ("Von dem da links von Arcturus - nein, der andere! - runter und dann um ca. zweieinhalb Mal ... nein, Mlst, jetzt bin ich rausgeflogen!"
Ihr kennt das vermutlich. Ach ja, vorher hatte ich eine geschlagene Stunde dieselbe Leier mit M3, bis ich entnervt aufgab.
Nach viel Fluchen und endlosem Hin- und Herwechseln zwischen Feldstecher, UWA und verschiedenen Übersichtsokularen tauchte dann doch recht unvermittelt ein Nebelfleckchen auf. Jetzt wusste ich endlich, wonach ich eigentlich suchte, beziehungsweise, wie das aussieht, wonach ich suchte! Denn mit den Abbildungen im Buch hatte dieser Nachtfalterschi§§ nicht viel zu gemeinsam.
"Schön und einfach zu finden im Teleskop, wunderbar aufgelöst zum Rand hin, ..." usw. war in der Beschreibung zu lesen. Leicht zu finden? Wie, um Himmels Willen, komme ich erst an die Dinger, die "schwer" zu finden sind? Und "wunderbar aufgelöst"?! Mit einem 17-Zöller wahrscheinlich schon.
Aber - gefunden!
Meine ersten echten Deep-Sky-Objekte, im Schein der roten Stirnlampe und ohne jedes elektronische Helferlein, sondern nur mit Hilfe von Karten gefunden. Ganz alleine.
Das war der Sprung vom Beckenrand und die 25 Meter im tiefen Wasser, mein persönliches Seepferdchen - Yeeesss! (Lacht nicht so laut, ich bin Anfänger).
Wieder was gelernt:
- die Welt endet nicht am Nichtschwimmerbecken
- Ich sollte meine Einstellung zu Spiegeln überdenken (wieder einmal)
- Auflösung ist nicht alles
- Für den Fahrtenschwimmer muss ich üben
- Corona Borealis ist ein hübsches Sternbild
Möge die Nacht mit Euch sein,
Ursus
Seepferdchen?!
Liebe Glasaugen,
seit ungefähr einem Jahr tumle ich mich als Astro-Anfänger munter im frischen Wasser dieses wundbaren, und für mich neuen Fachgebietes. Im Nichtschwimmerbereich, wohlbemerkt, also in einem Becken mit den Planeten, dem Mond, ein paar Dopelsternen (sofern ich sie finde) und dem Kennenlernen (und endlosen Ausprobieren) der Ausrüstung. Und im Zuge dessen sogar oft genug mit dem Sendemast an meinem nordwestlichen Horizont. (Der ist wie das warme, weil von den Badegästen im Vorschulalter ständig persönlich neu aufgefüllte Plantschbecken - uuäärrgh!).
Und seit ungefähr einem halben Jahr rede ich mir ein, dass ja eigentlich alles gut sei. Also die nächtliche Beschäftigung mit Planeten, Mond und Sendemast. (Letzteren hatte ich selbst untertags recht häufig im Auge, aus purer Langeweile und schierer Verzweiflung, da es wochenlag bewölkt war). Aber ich habe mich belogen. Und zwar mit allerlei Ausreden.
Nebel? - sind was für Spiegel-Chauffeure! Außer Orion, vielleicht, der ist ja wirklich kaum zu übersehen.
Sternhaufen? - klar, en passent, kein großes Ding. Wo soll das Problem sein?
Dachte ich.
Doch jetzt war es an der Zeit für das tiefe Becken, Refraktor hin, Spiegel her. Denn Venus war nun endgültig ausgelutscht und tief am Westhorizont, die restliche Planetenschar im Urlaub und der Mond auf Dienstreise. Dummerweise hatte ich heute Abend nur ein kleines 63er Röhrchen auf Asiola-Basis am Start. Für mehr war ich schlicht zu faul gewesen. Die Umgebung war hell, das Seeing aber erfreulich gut.
Und dann stolperte ich über M5 und M3 im Südwesten auf der Karte.
"Oh, sind die hübsch!" dachte ich beim Blick auf die Bilder im Buch. Wahrscheinlich langzeitbelichtet, übereinandergelegt, verrechnet, interpoliert, der 12''-Spiegel ebenso (vor den Aufnahmen frisch poliert) - versus - 63 Millimeter Öffnung am Video-Stativ. Ich übe damit für die anstehenden Reisen.
Jetzt war ich im tiefen Wasser, und zwar ohne Schwimmflügel.
Insgesamt habe ich gut zwanzig Minuten gebraucht, um M5 zu finden. ("Von dem da links von Arcturus - nein, der andere! - runter und dann um ca. zweieinhalb Mal ... nein, Mlst, jetzt bin ich rausgeflogen!"
Ihr kennt das vermutlich. Ach ja, vorher hatte ich eine geschlagene Stunde dieselbe Leier mit M3, bis ich entnervt aufgab.
Nach viel Fluchen und endlosem Hin- und Herwechseln zwischen Feldstecher, UWA und verschiedenen Übersichtsokularen tauchte dann doch recht unvermittelt ein Nebelfleckchen auf. Jetzt wusste ich endlich, wonach ich eigentlich suchte, beziehungsweise, wie das aussieht, wonach ich suchte! Denn mit den Abbildungen im Buch hatte dieser Nachtfalterschi§§ nicht viel zu gemeinsam.
"Schön und einfach zu finden im Teleskop, wunderbar aufgelöst zum Rand hin, ..." usw. war in der Beschreibung zu lesen. Leicht zu finden? Wie, um Himmels Willen, komme ich erst an die Dinger, die "schwer" zu finden sind? Und "wunderbar aufgelöst"?! Mit einem 17-Zöller wahrscheinlich schon.
Aber - gefunden!
Meine ersten echten Deep-Sky-Objekte, im Schein der roten Stirnlampe und ohne jedes elektronische Helferlein, sondern nur mit Hilfe von Karten gefunden. Ganz alleine.
Das war der Sprung vom Beckenrand und die 25 Meter im tiefen Wasser, mein persönliches Seepferdchen - Yeeesss! (Lacht nicht so laut, ich bin Anfänger).
Wieder was gelernt:
- die Welt endet nicht am Nichtschwimmerbecken
- Ich sollte meine Einstellung zu Spiegeln überdenken (wieder einmal)
- Auflösung ist nicht alles
- Für den Fahrtenschwimmer muss ich üben
- Corona Borealis ist ein hübsches Sternbild
Möge die Nacht mit Euch sein,
Ursus
