Firstlight
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
da musste ich also 40 Jahre alt werden, um mir, nach 10 Jahren komplett ohne astronomischer Aktivität und zum ersten Mal im Leben ein eigenes Teleskop zu kaufen.
Nach langem Suchen und Überlegen habe ich mir einen gebrauchten 12 Zoll Meade OTA (f/10) mit UHTC in sehr gutem Zustand zugelegt, und dann auf der AME einen Großeinkauf mit einer EQ-6, 4 Hyperions (6mm, 9mm, 13mm, 21mm und ein 42mm Apex 2" Übersichtsokular), 2" Baader UHC und OIII-Filter, 1,25" Astronomik UHC und OIII-Filter getätigt.
Als Sucher habe ich mich für einen Telrad entschieden, als Such-Unterstützung für den Deep Sky Reiseatlas und für den aktuellen Sternenhimmel für Stellarium und Cartes du Ciel.
Für die Stromversorgung habe ich mir einen Powertank (17Ah) besorgt. Eine Taukappe habe ich mir auch gebastelt
.
Dann habe ich mir eine große Liste aller schön auf 50° nördlicher Breite anschaubarer Deep-Sky-Objekte mit Größe, Helligkeit, Sternbild und Monaten der Sichtbarkeit gemacht.
Mit dieser Vorbereitung bin ich am vergangenen Sonntag, 19 Uhr, bei sehr klarem Himmel, aber schnell zunehmender Luftfeuchtigkeit los. Das Teleskop hatte ich im Garten tagsüber schon mal testweise komplett aufgebaut, den Telrad montiert und justiert. Nun fuhr ich auf einen etwas weniger durch Streulicht aufgehellten Bereich außerhalb von Sindelfingen-Darmsheim.
Schon während der Dämmerung war ich fertig mit Aufbauen und wollte mich gerade noch einmal ins Auto setzen als ich Jupiter im Südwesten sah. Ganz nervös (das erste echte Objekt) stellte ich ihn ein. Dabei fiel mir wieder auf (wie schon tagsüber), dass der 12"-Tubus für die 2 Gegengewichte zu schwer ist (merke: Gegengewicht nachkaufen), und dass es ein paar Beobachtungsabende brauchen wird, eh ich mit der parallaktischen Montierung wirklich gut klar komme.
Mit 42mm Okular (71x) sah ich Jupiter mit 3 Monden, war gleich von der Größe begeistert. Dann wechselte ich meine Hyperion-Okulare durch, 21mm, 13mm, 8mm. Nun waren sehr viele Details auf Jupiter sichtbar. Auch die 3 Monde passten noch mit rein. 5mm... nein, für 600x taugte die tiefe Stellung in Verbindung mit der Luftfeuchtigkeit nicht. Trotzdem: ich war wieder infiziert! Einfach toll!
Ca. 30 Minuten, es wurde in der Zwischenzeit immer dunkler, schaute ich mir Jupiter an, wechselte mal wieder das Okular, blieb am Ende aber am 8mm hängen und schaute einfach nur.
In the meanwhile ...
Mitlerweile zeigten sich viele Sterne am Himmel. Wegen der Ortsrandlage konnte ich im Osten leider nicht viel sehen, im Norden und Nordwesten hatte ich einen Wald im Weg, blieb Süden und Südwesten. Und: ich erkannte praktisch nichts wieder. Kassiopeia war im Nordosten, Ursa Major im Norden, ich erkannte praktisch kein Sternbild. Wo sollte ich nun schauen?
Also ran an Stellarium... Sommerdreieck, ahh, ich erinnerte mich. Herkules, ah ja, nach relativ kurzer Zeit gefunden.
Immer noch ganz zappelig machte ich mich an das einfachste, was mir einfiel, ohne weiter noch Stunden mit der roten LED-lampe auf meine vorbereitete Liste und diverse Bücher gucken zu müssen: M57.
Nach 10 Minuten suchen (ja, leider war der Telrad mitlerweile beschlagen und kaum noch nutzbar, die Taukappe dafür ist schon bestellt) habe ich dann einen kleinen Fleck im 42mm gesehen, fast war ich drüber, hab ihn dann aber wiedergefunden. Nun war die Gelegenheit da, die Filter auszuprobieren, obwohl mir klar war, dass am Ringnebel die Filterwirkung nicht besonders ist. Der UHC-Filter zeigte kaum Wirkung, der OIII-Filter hingegen schon. Also dann auch OIII-Filter an die Hyperions und vergrößert, vergrößert und vergrößert... und wieder war ich begeistert, was mit meiner Neuanschaffung möglich ist! Toll, toll :biggrin:!
Mit dem beschlagenen Telrad waren für mich Anfänger schwierig auffindbare Objekte nicht mehr möglich. Also M13!
Leicht gefunden, gleich 13mm rein und: einfach fantastisch!!!
Durch mein noch recht umständliches Gefummel, Gesuche und Nachgelese sowie das Wiedererlernen der Sternbilder war schon viel Zeit vergangen. Der Dunst war schon recht hoch. Also zielte ich noch kurz hoch auf Kassiopeia, auf M103, der aufgrund seiner Nähe zu einem der Hauptsterne auch leicht zu finden ist. Auch wenn er mit den Objekten vorher optisch nicht mithalten konnte, war ich innerlich vor Begeisterung am zittern (und auch schon etwas durchgefroren). Also packte ich ein.
Fazit: Das wiederentdeckte Hobby begeistert mich immer noch unglaublich. Die nicht unerheblichen Investitionen haben sich gelohnt!
Verbessert wird noch: meine Nervosität und Ahnungslosigkeit, meine Wintertauglichkeit (Kleidung), die Gegengewichte, eine Taukappe für den Telrad, und, zumindest auf Dauer, das Übersichtsokular (ein 41mm Panoptik solls werden). Wenn ich mich weiterhin gut vorbereite und mein Teleskop besser kenne, finde ich (auch an anderen Beobachtungsplätzen) auch die anderen 130 Objekte meiner Liste
.
Clear skies,
Lothar
da musste ich also 40 Jahre alt werden, um mir, nach 10 Jahren komplett ohne astronomischer Aktivität und zum ersten Mal im Leben ein eigenes Teleskop zu kaufen.
Nach langem Suchen und Überlegen habe ich mir einen gebrauchten 12 Zoll Meade OTA (f/10) mit UHTC in sehr gutem Zustand zugelegt, und dann auf der AME einen Großeinkauf mit einer EQ-6, 4 Hyperions (6mm, 9mm, 13mm, 21mm und ein 42mm Apex 2" Übersichtsokular), 2" Baader UHC und OIII-Filter, 1,25" Astronomik UHC und OIII-Filter getätigt.
Als Sucher habe ich mich für einen Telrad entschieden, als Such-Unterstützung für den Deep Sky Reiseatlas und für den aktuellen Sternenhimmel für Stellarium und Cartes du Ciel.
Für die Stromversorgung habe ich mir einen Powertank (17Ah) besorgt. Eine Taukappe habe ich mir auch gebastelt
Dann habe ich mir eine große Liste aller schön auf 50° nördlicher Breite anschaubarer Deep-Sky-Objekte mit Größe, Helligkeit, Sternbild und Monaten der Sichtbarkeit gemacht.
Mit dieser Vorbereitung bin ich am vergangenen Sonntag, 19 Uhr, bei sehr klarem Himmel, aber schnell zunehmender Luftfeuchtigkeit los. Das Teleskop hatte ich im Garten tagsüber schon mal testweise komplett aufgebaut, den Telrad montiert und justiert. Nun fuhr ich auf einen etwas weniger durch Streulicht aufgehellten Bereich außerhalb von Sindelfingen-Darmsheim.
Schon während der Dämmerung war ich fertig mit Aufbauen und wollte mich gerade noch einmal ins Auto setzen als ich Jupiter im Südwesten sah. Ganz nervös (das erste echte Objekt) stellte ich ihn ein. Dabei fiel mir wieder auf (wie schon tagsüber), dass der 12"-Tubus für die 2 Gegengewichte zu schwer ist (merke: Gegengewicht nachkaufen), und dass es ein paar Beobachtungsabende brauchen wird, eh ich mit der parallaktischen Montierung wirklich gut klar komme.
Mit 42mm Okular (71x) sah ich Jupiter mit 3 Monden, war gleich von der Größe begeistert. Dann wechselte ich meine Hyperion-Okulare durch, 21mm, 13mm, 8mm. Nun waren sehr viele Details auf Jupiter sichtbar. Auch die 3 Monde passten noch mit rein. 5mm... nein, für 600x taugte die tiefe Stellung in Verbindung mit der Luftfeuchtigkeit nicht. Trotzdem: ich war wieder infiziert! Einfach toll!
Ca. 30 Minuten, es wurde in der Zwischenzeit immer dunkler, schaute ich mir Jupiter an, wechselte mal wieder das Okular, blieb am Ende aber am 8mm hängen und schaute einfach nur.
In the meanwhile ...
Mitlerweile zeigten sich viele Sterne am Himmel. Wegen der Ortsrandlage konnte ich im Osten leider nicht viel sehen, im Norden und Nordwesten hatte ich einen Wald im Weg, blieb Süden und Südwesten. Und: ich erkannte praktisch nichts wieder. Kassiopeia war im Nordosten, Ursa Major im Norden, ich erkannte praktisch kein Sternbild. Wo sollte ich nun schauen?
Also ran an Stellarium... Sommerdreieck, ahh, ich erinnerte mich. Herkules, ah ja, nach relativ kurzer Zeit gefunden.
Immer noch ganz zappelig machte ich mich an das einfachste, was mir einfiel, ohne weiter noch Stunden mit der roten LED-lampe auf meine vorbereitete Liste und diverse Bücher gucken zu müssen: M57.
Nach 10 Minuten suchen (ja, leider war der Telrad mitlerweile beschlagen und kaum noch nutzbar, die Taukappe dafür ist schon bestellt) habe ich dann einen kleinen Fleck im 42mm gesehen, fast war ich drüber, hab ihn dann aber wiedergefunden. Nun war die Gelegenheit da, die Filter auszuprobieren, obwohl mir klar war, dass am Ringnebel die Filterwirkung nicht besonders ist. Der UHC-Filter zeigte kaum Wirkung, der OIII-Filter hingegen schon. Also dann auch OIII-Filter an die Hyperions und vergrößert, vergrößert und vergrößert... und wieder war ich begeistert, was mit meiner Neuanschaffung möglich ist! Toll, toll :biggrin:!
Mit dem beschlagenen Telrad waren für mich Anfänger schwierig auffindbare Objekte nicht mehr möglich. Also M13!
Leicht gefunden, gleich 13mm rein und: einfach fantastisch!!!
Durch mein noch recht umständliches Gefummel, Gesuche und Nachgelese sowie das Wiedererlernen der Sternbilder war schon viel Zeit vergangen. Der Dunst war schon recht hoch. Also zielte ich noch kurz hoch auf Kassiopeia, auf M103, der aufgrund seiner Nähe zu einem der Hauptsterne auch leicht zu finden ist. Auch wenn er mit den Objekten vorher optisch nicht mithalten konnte, war ich innerlich vor Begeisterung am zittern (und auch schon etwas durchgefroren). Also packte ich ein.
Fazit: Das wiederentdeckte Hobby begeistert mich immer noch unglaublich. Die nicht unerheblichen Investitionen haben sich gelohnt!
Verbessert wird noch: meine Nervosität und Ahnungslosigkeit, meine Wintertauglichkeit (Kleidung), die Gegengewichte, eine Taukappe für den Telrad, und, zumindest auf Dauer, das Übersichtsokular (ein 41mm Panoptik solls werden). Wenn ich mich weiterhin gut vorbereite und mein Teleskop besser kenne, finde ich (auch an anderen Beobachtungsplätzen) auch die anderen 130 Objekte meiner Liste
Clear skies,
Lothar
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