Entscheidungshilfe Equipment

MarcusA

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

da ich neu hier bin, möchte ich mich kurz vorstellen. Ich heiße Marcus, bin 46 Jahre alt und konnte wenig Ersterfahrungen mit dem Seestar S50 im Bereich der Astrofotografie sammeln.

Leben tue ich in Oberbayern “Bortle 4”, bin aber gebürtig aus NRW, Oberhausen aus dem Pott.

Ich bin sehr zufrieden mit der Einfachheit des Seestars und bereue den damaligen Kauf kein Stück. Jetzt möchte ich aber etwas größer werden, gerade die Auflösung und das FOV machen mich etwas unzufrieden. Man will mehr :)

Ich habe mir schon Gedanken um eine Erweiterung gemacht. Um erstmal budgetfreundlich einzusteigen, habe ich an eine Canon “astromodifiziert” gedacht. Dazu den Skywatcher Adventure GTI und ein gutes Kamerobjektiv. Der Markt an Objektiven ist sehr groß, das kann einen schon überfordern. Mein Eindruck ist, dass auch hier gebrauchte Objektive schon sehr teuer sein können, aber vielleicht vertue ich mich auch.

Hauptsächlich würde ich gerne Nebel fotografieren. Natürlich auch Galaxien, aber ich brauche “vorerst” nicht die große Brennweite. Dann kam mir der Gedanke direkt ein Teleskop zu kaufen. Interessant finde ich das Redcat 51, da dieses sehr häufig benutzt wird. Ok dachte ich mir, da schaue ich doch mal auf deren Homepage und finde die Bundles mit dem ZWO AM3 sehr interessant. Natürlich geht der Preis nach oben, im Vergleich zu dem Star Adventure GTI.

Nächster Gedanke: Mensch… ich habe ja noch eine Sony Alpha 6000, nicht modifiziert, hier rumliegen. Kann man damit was machen? Da stellt sich die Frage, ob die DSLR an der Redcat 51 sinnvoll ist? Wobei ich mir schwer vorstellen kann, dass eine Montierung AM3, Redcat 51 und Sony Alpha 6000 ausreichend ist. Dann vielleicht doch die Skywatcher-Montierung und erstmal mit der Sony Alpha und einem Objektiv arbeiten?

Ich möchte schon Zeit investieren und lernen, bin aber durch meinen Job auch sehr eingespannt.

Wie sind eure Gedanken und Ideen zu meinen Hirnströmen?

Viele Grüße und Danke
Marcus
 
Hallo Marcus,
Zu den Gerätschaften bekommst du genügend Beiträge.
Ich möchte aber auf deinen letzten Absatz eingehen.
Gerade die Astrofotografie erfordert relativ viel Zeit. Du schreibst, das du Jobmässig sehr eingespannt bist. Bedenke, das der Astrohimmel wettermäßig nicht gerade viel Möglichkeiten bietet. Jobmäßig wenig Zeit und gutes Astrowetter nur relativ wenige Tage im Jahr, dann noch viel Geld in die Ausrüstung stecken, erfordert ne gute Überlegung.
Ich will dir keinesfalls die Astrofotografie madig schreiben. Man sollte sich dennoch Gedanken darüber machen. ;)
 
Hi Marcus,

mein kleines Reisesetup besteht ebenfalls aus einer DSLR und dem RedCat auf einer Skywatcher EQ 5 und das funktioniert problemlos.

Dein Gedanken mit der AM3 sollte auch problemlos funktionieren. Aber du solltest dir vielleicht auch Gedanken übers Guiding machen.

Ansonsten unterschreibe ich auch genau das was Klaus schreibt.

Beste Grüße
Mathias
 
Hallo Marcus,

Wie hast Du das Seestar denn benutzt? Hast Du die Bilddaten selbst aufbereitet oder das Gerät machen lassen und nur die fertigen Livestacks abgespeichert?

Was willst Du in Zukunft machen? EAA oder echte Astrofotografie mit zeitaufwendigem Postprocessing?

CS.Oli
 
Hallo Marcus, grundsätzlich ist es sehr sinnvoll, erst mal mit dem anzufangen, was man hat. In deinem Fall also die Sony-Kamera. Aufrüsten kann man immer noch. Du könntest dir den Star Adventure GTI holen und damit erste Gehversuche machen. Sobald das klappt könntest du die Optik austauschen. Die Zuladung der GTI ist aber sehr begrenzt, das musst du bedenken. Wenn du Nebel fotografieren möchtest, wirst du um eine modifizierte Kamera auch nicht herum kommen. Das ist aber kein großer Kostenfaktor. Modifizierte Canon-Kameras bekommst du hier im Forum für ein paar hundert Euro.

Es gibt einige Dinge, die du dir abseits des Equipments überlegen musst:
  • Wie steuerst du dein Equipment? Die Montierung muss angesprochen werden, die Kamera muss ausgelöst werden. Welches System kann mit deiner Sony-Kamera umgehen?
  • Brauchst du Autoguiding? Beim Redcat 51 wirst du darum nicht herum kommen. Bei Objektiven mit kürzerer Brennweite (z.B. 100mm oder 135mm) kannst du durchaus auch ohne Guiding auskommen. Vielleicht sogar bis 200mm, wenn du gut einnordest und die Belichtungszeiten kurz hältst. Autoguiding ist kein Hexenwerk, aber man muss sich reinfuchsen und es kann auch einiges schief gehen.
Was die Optik angeht: Ich habe mir das Askar FMA 180 Pro mit 180mm Brennweite zugelegt und bin bislang sehr überzeugt von dem Gerät. Die Sternabbildung ist top, das Handling einfach und der Preis unschlagbar. Die Anforderungen an das Guiding sind gering, wenn man überhaupt Guiding braucht. Galaxien wirst du damit aber nicht gut aufnehmen können, dafür ist die Brennweite zu gering.
Gruß, Malte
 
Servus Marcus, wo in Oberbayern wohnst Du?
Ich bin in Salzburg daheim und kann dir diverse Setups zeigen und dir die Vor und Nachteile der einzelnen Brennweiten etc direkt erklären bzw demonstrieren...
Das ist halt wie die anderen beschrieben haben das alte Thema.... wenig Brennweite = OK für Nebel aber nicht für kleine Objekte (was Galaxien meistens sind - Ausnahme M31 - ist riesig und hell), dafür brauchst Du eine modifizierte Kamera, hohe Brennweite = OK für Galaxien aber zu viel für die meisten großen Nebel (außer einige planetarische Nebel wie Ringnebel etc - die sind ziemlich klein)
Beides würde ich aber guiden - kann ich dir auch zeigen.
Schreib mir ne PM wenn Du Interesse auf einen Austausch hast.
Viele Grüße,
Alex
 
Hallo zusammen,

Erstmal vielen Dank für eure Rückmeldungen.

Ja Klaus, du hast mit dem Recht, was du schreibst. Ich merke es leider am eigenen Leib, die Zeit ist ein Faktor, den man nicht unterschätzen sollte.

Den Seestar habe ich immer ein paar Stunden laufen lassen und Anfangs die schon fertige gestackte Fit-Datei in Siril bearbeitet. Jetzt bin ich aber schon so weit, dass ich alle Bilder selber stacke. Bisher auch in Siri, aber ich bin gerade in der 45-tägigen Testphase PixInsight. Und ich muss sagen, ich bin begeistert. Die Möglichkeiten scheinen endlos zu sein. Aber ein Tutorial auf YouTube hat mir gezeigt, dass ich eine Lizenz kaufen sollte. Die Seti Astro Suite hatte ich mir auch mal angeschaut, sehr spannend das Programm. Aber bin damit nicht sehr warm geworden (Langsam, Fehler). Mein Augenmerk eher auf der Fotografie inkl. aufwändigen Processing, was echt Spass macht.

Mal eine blöde Frage zum Guiding… braucht man für das AM3 oder den Skyadventure GTI eine zusätzliche Kamera für das Guiding? Ich bin davon ausgegangen, dass es in diesen Montierungen schon integriert ist (App basiert). Mag vielleicht nicht zu 100% sauber sein, aber ggf. habe ich hier die falsche Vorstellung.

Das Askar FMA 180 Pro schaue ich mir mal an, das scheint eine gute Alternative zu sein zusammen mit dem Star Adventure GTI. Ich will natürlich erst mal kleine Brötchen backen, aber das Redcar 51 mit dem AM3 hat schon seinen Reiz. Aber ich muss vernünftig bleiben und einfach mal in mich rein hören. Was will ich und was kann ich zeitlich leisten.

@Alex: Ich wohne südlich von München in Richtung Garmisch (halbe Strecke München-Garmisch). Salzburg ist schon ein Stückchen weg, aber ich werde dir eine PM schreiben, ggf. können wir mal in den Austausch gehen. Wird aber was dauern, ab morgen steht Urlaub an, da geht’s erst mal weg :)

Viele Grüße
Marcus
 
Hallo Marcus,

aus eigener Erfahrung rate ich Dir, gleich was zu kaufen, mit dem Du länger zufrieden bist, ich hab die AM3 und brauche nichts anderes mehr. Kauf Dir ein kleines Teleskop und eine Astrokamera (keine DSLR). Eine Guidingkamera brauchst Du in jedem Fall, auch wenn die AM3 von sich aus schon gut nachführt. Klar, das ist alles nicht billig, aber wenn es irgendwie geht, kauf Dir sofort etwas, das sofort funktioniert, ohne selbst Optimierungsarbeiten vornehmen zu müssen. Viele hier empfinden das als willkommenen Teil des Hobbys. Das ist in Ordnung, ich selbst finde das aber lästig.

Wenn das Equipment funktioniert, ist Astrofotografie auch nicht so zeitintemsiv wie oft dargestellt. Klar muss man was lernen und die Belichtungszeit will auch investiert werden, aber die astrotauglichen Tage sind ausreichend vorhanden. Man muss auch nicht immer 3 oder 5 Stunden am Stück Zeit haben. Die meisten Fotos mache ich vor Mitternacht, selbst im Sommer. Dann brauche ich halt ein paar Abende länger als im Winter, aber dafür ist das Wetter besser. Mit der AM3 und der AsiAir brauche ich zuhause (Bortle 5) keine 15 Minuten, um aufzubauen, einzunorden und mit den Aufnahmen zu beginnen. Das geht fast so schnell wie mit dem Seestar.

Zu Beginn brauchst du auch keine aufwendige Bildbearbeitung. Die AsiAir liefert dir wie der Seestar ein fertig gestacktes Bild, dass Du mit einfachen Mitteln nachbearbeiten kannst, aber nicht musst, Suche hier mal im Forum nach EAA. Damit hab ich auch angefangen, bevor ich dann nach und nach in die nachträgliche Bearbeitung der Einzelbilder eingestiegen bin.

Ich wünsche Dir einen schönen Urlaub und einen erfolgreichen Start ins Hobby.

CS Olaf
 
Servus Marcus,
herzlich willkommen hier im Forum!

Wenn Dir Dein Seestar nach relativ kurzer Zeit zu wenig ist, dann gehe jetzt beherzt einen Schritt nach vorne. Eine AM3 und ein Redcat51 ist eine tolle Kombination. Wenn Du sie Dir leisten kannst, greif zu, damit machst Du definitiv nichts falsch. In der Teleskop-Preisklasse gibt es noch den Askar SQA55, der vermutlich noch einen Ticken besser ist. Nico Carver hat ein sehenswertes Video gemacht, bei dem er alle aktuellen kleinen Teleskope vergleicht.

Als Kamera kannst Du ruhig mal Deine Sony probieren, damit kommt man ziemlich weit. Es ist eine absolut valide Option, damit erst mal zu arbeiten. Wie lange sie Dir reichen wird, wird sich zeigen. Aber eine gute Astrokamera wird schon nochmal deutlich Dein Budget belasten. Daher würde ich raten, erst mal vorhandenes Equipment zu benutzen.

Um das Equipment zu vervollständigen, brauchst Du noch ein Guidingscope und eine Guiding-Kamera. Da sind ein SVBony SV165 Mini 30mm und eine ASI-120 mini eine sehr gute Kombination.

Zur Steuerung kannst Du jeden vorhandenen Rechner einsetzen, bei der Software kannst Du komplett auf frei verfügbare setzen. Wenn Du noch etwas Budget ausgeben kannst, ist ein ASIAIR mini eine schöne, kompakte Lösung. Da ist alles am Stück vorhanden und mit einer guten Oberfläche alles integriert.

Schau Dir auf jeden Fall auch den Gebrauchtmarkt hier im Forum an. Das Angebot an gebrauchtem Equipment ist ziemlich gut und Du schonst so das Budget.

Auf jeden Fall viel Freude mit diesem tollen Hobby!

VG Wolfgang
 
Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank für euren wertvollen Input. Ihr habt mir auf alle Fälle sehr geholfen, ich habe bisher einen besseren Überblick und werde mal die Möglichkeiten schriftlich zusammentragen.

Im Endeffekt entscheidet erstmal der Preis, wie es weitergeht. Aber man möchte auch nicht zweimal kaufen :)

Im Urlaub werde ich Möglichkeiten haben, mir Gedanken zum nächsten Schritt zu machen.

Vielen Dank 🙏 “das wollte ich euch noch schreiben”

Viele Grüße
Marcus
 
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