Hallo Martin,
der Teil „Epi“ im Namen des Objektivs kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „auf“, „darauf“, „darüber“ und finden sich z.B. in Begriffen wie Episkop (= Aufsichtsbildprojektor, wofür dieses Objektiv geschaffen wurde) oder Epidermis (Oberhaut) oder Epizentrum (der Punkt an der Erdoberfläche über dem Zentrum eines Erdbebens - daher muß ich immer lachen, wenn im Radio oder Fernsehen z.B. gesagt wird „das Epizentrum des Bebens befand sich in 2000 m Tiefe“). Bei den Aufsichtsbildern (im Gegensatz zum Dia oder Durchsichtsbild) handelte es sich überwiegend um Buchseiten, die z.B. vom Lehrer im Unterricht an die Leinwand projiziert wurden. Das waren also großformatige, selten unter DIN A4 große Vorlagen, manchmal auch Doppelseiten in DIN A3. Dementsprechend sind solche Objektive für einen sehr großen Bildwinkel oder, wenn man den Strahlengang wie beim Einsatz für ein Teleskopobjektiv umkehrt, für ein riesiges Bildfeld gerechnet, das mindestens die 100fache Fläche des Gesichtsfeldes eines hier adäquaten Okulars hat.
Die Konsequenz ist, daß man kein Super-Auflösungsvermögen und Farbreinheit erwarten darf, denn diese Eigenschaften standen gegenüber der Bildfeldgröße (hier genauer der Vorlagengröße) weit zurück. Allerdings darf man im Zentrum des Bildkreises wie üblich höhere und für Deinen Einsatzzweck vielleicht noch brauchbare Schärfe erwarten. Aber es wird wegen der Konzeption für einen großen Bildwinkel sehr wichtig sein, das nicht zum Bild innerhalb der Gesichtsfeldblende des Okulars beitragende Licht durch Blenden (¡„Baffles“) innerhalb des Rohres abzuschirmen. Also nur innen schwärzen oder mit schwarzem Velour auskleiden, dürfte für gute Ergebnisse nicht reichen.
Die schon in der vorigen Antwort erwähnte leichte Abblendung kann in der Tat helfen, denn üblicherweise ist der Randbereich des Objektivs besonders fehlerträchtig (sphärische Aberration!). Wer allerdings stark abblendet, fährt besser mit einem von Hause aus weniger lichtstarken Objektiv, auch wegen der damit verbundenen Volumen- und Gewichtsersparnis. Ich würde daher beim Testen nicht mehr als 15 bis 20% des Durchmessers abblenden, aber ausprobieren lohnt sich bestimmt, wenn man nicht auf hohe Vergrößerung zielt.
MfG Walter E. Schön