EQ6-R: Drift in RA

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Bernd Limburg

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Hallo zusammen,

ich beobachte bei meiner neuen EQ6-R ein paar Seltsamkeiten im Gleichlauf der RA-Achse. Ich arbeite mit PHD2, Off-Axis-Guiding, 1470 mm Brennweite und einer ASI290MM als Guiding-Cam. Das Ganze läuft auf einem Raspi 4 mit Ekos/Indilib und Indi-EQMOD-Treiber.

Angefangen hat alles damit, dass ich mir den Schneckenfehler anschauen und ggf. eine PPEC aufnehmen wollte.

Die Kalibrierung hat noch einigermaßen gut geklappt, PHD2 meldete zumindest keinen Fehler oder Warnung:
Bildschirmfoto 2020-11-30 um 21.01.12.jpg

Dann habe ich den Guiding-Output ausgeschaltet und die Montierung laufen lassen, um den Schneckenfehler zu sehen. Das kam dabei raus (erstmal nur linke Hälfte vom Bild betrachten):
Bildschirmfoto 2020-11-30 um 21.03.37.jpg
RA driftet mit ca. 2" pro min nach Westen, die Achse scheint also zu schnell zu drehen! Überlagert sieht man sowas wie einen Schneckenfehler, aber recht unregelmäßig. Die Polausrichtung war einigermaßen, DEC driftet pro min ca. 0.4" (wobei DEC anfangs stärker, dann praktisch gar nicht mehr driftet(?)).

Die Frequenzanalyse (mittels phdlogview) zeigt die Hauptperiode der Schnecke (480 s), aber auch noch ein paar schwächere, höhere Frequenzen:
Bildschirmfoto 2020-11-30 um 21.04.18.jpg

Danach habe ich den Leitstern wieder zentriert und das Ganze erneut ohne Guide-Impulse laufen lassen: Da kam dann das raus:
Bildschirmfoto 2020-11-30 um 21.06.13.jpg
Die ersten 4 min driftet gar nichts, weder RA noch DEC, auch keine Oszillationen auf RA. Dann beginnt RA auf einmal wieder an nach Westen zu driften, auch wieder mit Oszillationen, aber auch wieder sehr unregelmäßig.

Am meisten wundert mich die Drift in RA. Der RA-Antrieb müsste doch so genau sein, dass er im Mittel über 30 min nicht merklich vor- oder nachläuft? Der Leitstern war nahe des Äquators und Polar Align auch nicht so schlecht, wie die geringe DEC-Drift zeigt.

Und generell finde ich das mechanische Verhalten sehr unbefriedigend. Ich überlege, die Achsen zu zerlegen, zu säubern, zu entfetten, neu einzufetten und wieder neu einzustellen, traue mich da aber mangels eines entsprechenden Tutorials speziell für die EQ6-R nicht richtig ran, zumal das Ding nagelneu ist. Oder sollte ich es zum Optimieren geben? Wer macht sowas, und was kostet sowas?

Eigentlich ein Unding bei einer 1600-EUR-Montierung, finde ich. Fürs Zurückschicken fehlen mir aber irgendwie auch die Argumente, die Montierung funktioniert ja prinzipiell, und mit Guiding bekomme ich auch einen RMS-Fehler von 0.7" - 1" hin. Aber trotz des eigentlich gar nicht soooo üblen RMS sind auch immer mal größere Spikes in meinen standardmäßigen 3-min-Subs, die mich dann die Auflösung kosten und der Frame Schrott ist.

Bin gerade gefrustet. Habe von der HEQ5 aufgerüstet, weil die mit meinem 10-kg-C9.25 doch überlastet war. Das hat beim leisesten Lüftchen gewackelt. Die EQ6-R passt deutlich besser zum Teleskop, die trägt das spielend und auch die Windempfindlichkeit ist viel geringer. Von daher alles gut. Nur dieser Achsengleichlauf, generell dieses unregelmäßige mechanische Verhalten, das stört mich doch schon sehr.

Für Tipps und Hinweise bin ich sehr dankbar,

CS, Bernd
 
Hier ist noch das Guide-Log von PHD2. Da sind noch jede Menge anderer Versuche von gestern Abend drin, z. B. habe ich auch mit Custom Tracking-Geschwindigkeiten gespielt, um die RA-Drift wegzubekommen. Hat ansatzweise auch funktioniert, aber ich würde lieber die Ursache beheben statt der Symptomatik entgegenzusteuern...
 

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Hallo Bernd,
das kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Angefangen vom Kabelmanagement (runterhängende Kabel) über Steifheit des Tubus, Steifheit des Imagetrains, OAZ, Rohrschellen, Doppelbefestigungen, Sucherguiding bzw. Leitrohrdrift, zu Lagerung des Spiegels bzw. Qualität der Spiegelzelle etc.
Dank off-axis-guiding scheidet Leitrohrdrift schon mal aus.
Aber die Liste der Option ist lang. Ich selbst habe eine ASA DDM60 und kann mittlerweile ganz gut beurteilen was alles zu Drift führen kann. Die Montierung ist oft, in meinem Fall immer, das kleinste Problem.

Viele Grüße und viel Spaß bei der Optimierung des Gesamtsetups
Thomas
 
Hallo Thomas,

das ist ein guter Punkt, das Gesamtsystem. Ich glaube zwar definitiv, dass meine Montierung mechanische Unzulänglichkeiten hat (die jetzt im Rahmen einer professionellen Optimierung behoben werden sollen), aber deine Argumente sind dann danach dran.

Vor allem das Kabelmanagement ist so eine Sache bei mir, jetzt, wo du es ansprichst. Von meinem Steuerrechnergedöns, das am Stativ befestigt ist, laufen 3 Kabel zur Kamera: USB-Datenkabel und Stromversorgung Kamera und USB-Kabel zum Focuser. Die Guidingcam wird zum Glück über ein kurzes USB-Kabel direkt mit der Hauptkamera verbunden.

Dadurch hängt dann ein Dreier-Kabelstrang vom hinteren Teleskopende in weitem Bogen nach unten, damit es sich bei allen Schwenkwinkeln nirgends verheddert oder unter Spannung steht. Natürlich zieht es da auch mit maximalem Hebel am Imagetrain... Vermutlich kann man das geschickter machen, aber wie? Vielleicht sollte man den "Kabelbaum" erst mal bis zur Prismenklemme führen und dort fixieren? Dann würden die Kabel nicht mehr das hintere Teleskopende nach unten ziehen, sondern von der DEC-Achse aus. Aber so etwas dann unbeaufsichtigt schwenken und flippen lassen? Hätte ich auch ein ungutes Gefühl. Muss ich mir nochmal Gedanken machen oder im Forum mal nach "Kabelmanagement" suchen. Hier wird es vielleicht sonst etwas Off-Topic.

CS, Bernd
 
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