Gestern konnte ich das Explore Scientific 100mm erstmals richtig testen. 6.8mag im Zenit, die klarste Nacht seit Jahren.
Die besten Objekte im Frühling für so ein Fernglas sind ohne Zweifel die bekannten Sternhaufen des Winterhimmels. M35, 36, 37, 38, 48, 67 usw. Mit den 17er Morpheus hat man einen Anblick den kein Einzelfernrohr auch nur annähernd erreichen kann. Jedes mal schockierend wenn man ein Auge zumacht, wie langweilig die Objekte plötzlich werden. Mit 2 Augen hat man den Eindruck am Raumschiff-Fenster zu stehen, während die Morpheus ein glasklares Bild über das komplette Feld bieten.
Galaxien habe ich auch einige probiert, aber hier sind nur die größeren Kaliber sehenswert wie M51, 81-82, Leo-Triplet. Die 55-fache Vergrößerung war hier hilfreich um das ein oder andere Detail rauszuholen. Schwächere Exemplare kann man aber eher vergessen, im Virgohaufen sieht man zB. nur hier und da mal einen Blob.
Mit M13 habe ich mich dann noch länger beschäftigt. Hier mußte ich dann schon die 5mm Pentax aufbieten damit ein bißchen was ging. Dann zeigten sich so um die 30 Einzelsterne, aber hier muß ich konstatieren fehlt es doch an Öffnung. Der Anblick war eher matt, 2x 6 Zoll wären hier wünschenswert, oder gleich den Dobson nehmen.
Immerhin zeigte sich dass das Fernglas auch bei 110-fach noch ein ordentliches Bild liefert. Lediglich der linke Tubus zeigt leichte Schwächen wenn sich Sterne dem rechten Bildrand nähern. Ich vermute dass der linke Tubus benutzt wird um beide Seiten parallel zu bekommen und dadurch ist dieser in sich nicht mehr ganz optimal justiert. Aber das ist nur bei genauem Hinsehen von Belang, ansonsten ist die Bildqualität für ein Fernglas aller Ehren wert.
Der aufgehende Mond war dann auch noch interessant. Zwar leistet der Dobson mit Bino mehr, aber das seitenrichtige Bild und die Tatsache dass man ungefähr in die Richtung schaut in der das Objekt tatsächlich steht, sorgt dafür dass alles viel echter aussieht.
Zum Schluß noch die Frage welches der vielen Modelle man nehmen soll? Ich persönlich ziehe generell erstmal den 45°-Einblick vor, weil man mit diesem auch gut tagsüber beobachten kann. Bei 70° Höhe ist aber Schluß, da wäre dann die 90°-Version zu bevorzugen welche aber wieder den Nachteil bei horizontnahen Objekten hat wo man Richtung Boden schaut.
Als nächstes die Größe? Die 100mm halte ich schon für das mindeste was man für Astronomie haben sollte. Das 70mm ist eher für Tagbeobachtung gut, für Astro noch zu klein. Das 82mm ist ein guter Kompromiss wenn man es handlich haben will. Beim 120mm hingegen steigen Preis, Gewicht und Größe schon stark an, ohne zum 100mm einen großen Leistungssprung zu bieten. Das 150er wäre eigentlich ideal in Sachen Leistung, aber halt schon eine ganz andere Investition. Ich glaube das 100mm bietet den besten Kompromiss, leicht zu handhaben und man verschießt nicht allzu viel Geld.
Letzte Frage ist noch SA oder SD? Ich finde die achromatische Optik schon erstaunlich gut, bei niedriger Vergrößerung hat man praktisch keine Einbußen. Bei hoher Vergrößerung kann die SD-Version sicherlich noch ein paar Zehntel an Größenklasse mehr rausholen und tagsüber ist es sicherlich nice to have. Bis zum 100mm würde ich mit den gemachten Erfahrungen jetzt wohl doch zum SD greifen. Beim 120mm erscheint mir aber der Preisunterschied zu heftig und man muß sich auch fragen wie schnell so eine immer noch recht kleine Optik dann doch wieder ausgereizt ist?