PaulCC
Neues Mitglied
Hallo!
Ich lese hier schon seit geraumer Zeit mit und würde in meinem ersten Beitrag gern einige Erfahrungen bei visuellen Beobachtungen schildern. Den 200 mm Newton verwende ich erst seit ca. einem Monat. Davor hatte ich einen kleinen Refraktor, an dem ich in meiner Jugend zwar viel gelernt hatte, aber es sind doch schon Welten zwischen diesen beiden Teleskopen.
Bedingungen und Ausrüstung:
Die visuellen Beobachtungen fanden statt in den Nächten vom 02/03. und 07/08. Mai in Dresden von einem nach oben offenen Balkon in Richtung Südsüdwest. Das Stadtzentrum ist ca. 2 km nördlich gelegen. An beiden Nächten zeigte mein SQM im Mittel einen Wert von 19.2 an, das deckt sich recht genau mit den Angaben der "Light Pollution Map". Außerdem hat es an beiden Beobachtungstagen zuvor geregnet und der Himmel/Horizont erschien mir vergleichsweise sauber. Mit dem nackten Auge kann ich Sterne mit ca. 4 mag bis 4.5 mag wahrnehmen.
Das verwendete Teleskop ist ein 200 mm f/5 Newton mit 63 mm Sekundärspiegel und 50 mm Sucher, betrieben auf einer TS-AZ5 ("SKYTEE"). Kollimation mit Laser ist in wenigen Minuten erledigt. Als Okulare kamen zum Einsatz Baader Aspheric 31 mm und Baader Morpheuse mit 17.5 mm und 4.5 mm. Wenn nicht explizit anders erwähnt, habe ich das 17.5 mm Okular verwendet. (Die Bestellung weiterer Okulare zwischen 17.5 mm und 4.5 mm verzögert sich leider.) Begleitet habe ich meine Beobachtungen an einem PC mit der Software "Stellarium" und einer Excel Tabelle, in welcher ich wesentliche Beobachtungen schriftlich festhalte.
Beobachtungen in der Nacht vom 02/03 Mai:
Im Sternbild Leo lassen sich M65 und M66 ohne Aufwand als Milchflecken erkennen, Bei NGC 3628 (Hamburger Galaxie) hatte ich jedoch große Probleme. Mit Hilfe der Software konnte ich anhand benachbarter Sterne sehr genau ermitteln wo diese Galaxie liegen muss, und nur mit abgewandtem Blick meine ich etwas verwaschenes zwischen den beiden 10 mag Sternen "gesehen" zu haben. 100% sicher bin ich mir allerdings nicht.
Sehr viel einfacher ging es weiter mit M94 und M63, insbesondere hat mich die Helligkeit von M94 überrascht. Mit abgewandtem Blick konnte ich östlich von M63 die zwei lichtschwachen Sterne mit 12.65 mag und 12.75 mag erkennen.
Der Kugelsternhaufen M3 war für mich nicht ganz so einfach zu finden (keine helleren Sterne in der Nähe), da habe ich bestimmt ein paar Minuten gebraucht. M3 erscheint als diffuser Schneeball und ist bereits im Sucher als "nicht stellar" wahrnehmbar. Während ich mit dem 17.5 mm Okular keine weiteren Details erkennen konnte, war ich erstaunt, was das 4.5 mm Okular offenbarte: 15 bis 20 lichtschwache Punkte waren am Rand des Sternhaufens erkennbar. Genau zählen konnte ich nicht, denn die meisten (oder sogar alle?) der aufgelösten Sterne konnte ich nur mit abgewandtem Blick gut erkennen. Es war das erste mal, dass ich einen Kugelsternhaufen auflösen konnte und diese Erfahrung werde ich nie vergessen. Mit meinem kleinen Refraktor ist das völlig unmöglich.
Die Galaxien M51 und M101 wurden nahe dem Zenit beobachtet. Bei M51 konnte ich die beiden hellen Kerne sehr schön erkennen, allerdings keine detailierte Strukturen. M101 war nicht sichtbar. Ich habe wieder alle Nachbarsterne eindeutig identifiziert, aber dort wo laut Software die Galaxie sein sollte, war keine! Ich versuchte es mit dem 31 mm Okular, aber immer noch nichts. Leichtes Bewegen und Anschupsen des Teleskops schien auch nicht zu helfen.
Beobachtungen in der Nacht vom 07/08 Mai:
Angefangen habe ich mit dem Kugelsternhaufen M68, nur 12° über dem Horizont. Dieser Kugelsternhaufen war nur sehr schwer erkennbar, trotz 7.3 mag laut Stellarium. Höhere Vergrößerung habe ich nicht erst ausprobiert.
Die Galaxie M49 fiel mir etwas schwer zu finden, da wieder nur wenige helle Sterne in der Umgebung sind. Belohnt wurde ich aber letzten Endes mit einem schönen Anblick. In der Nähe konnte ich auch die Galaxie NGC 4526 finden und als lichtschwachen Fleck zwischen zwei Sternen erkennen. NGC 4535, sollte im Blickfeld zusammen mit NGC 4526 sein, war jedoch nicht sichtbar, obwohl laut Stellarium die Flächenhelligkeit nur unwesentlich geringer ist als NGC 4526 (12.55 mag/arcmin² vs. 12.34 mag/arcmin²) und die totale scheinbare Helligkeit sogar etwas darüber liegt (10.16 mag bei NGC 4526 vs. 9.73 mag bei NGC 4535).
Später in dieser Nacht schwenkte ich zu M4, ebenfalls nur 12° über dem Horizont. Nur ca. 1 Grad westlich von Antares ist es leicht zu finden, aber wegen sehr hellem Hintergrund dennoch nicht einfach zu sehen. Mit dem 4.5 mm Okular konnte ich mit abgewandtem Blick vielleicht nur 6 bis max. 8 Einzelsterne wahrnehmen. Ich hatte den Eindruck, dass diese Sterne in 3 kleine Gruppen unterteilt sind: nördlich, nahe der Mitte des Haufens und südlich.
Nur wenige Grad darüber liegt der im Vergleich zu M4 leuchtschwächere Kugelsternhaufen M80. Einzelsterne konnte ich mit keinem Okular wahrnehmen, allerdings war dieser Haufen wesentlich kontrastreicher zu sehen als M4. Es gibt offenbar eine merkbare Verbesserung zwischen 12° und 16° Beobachtungshöhe?
Neben M3 habe ich in dieser Nacht endlich auch M13 beobachtet. Hier konnten bereits mit dem 17.5 mm Okular erste Sterne (weniger als 10) wahrgenommen werden. Mit dem 4.5 mm Okular konnte ich schätzungsweise 30 bis 40 Einzelsterne erkennen - ein sehr beeindruckender (und wie so häufig "abgewandter") Anblick. Im Gegensatz zu M3 erschienen mir die Einzelsterne eher gleichverteilt über der Fläche des Haufen zu liegen, im Gegensatz zu M3 (Einzelsterne am Rand).
Abgeschlossen habe ich diese Nacht mit dem planetarischen Nebel M57. Mit der Ausrichtung des Balkons konnte ich diesen erst ab ca. 2:30 Uhr beobachten. Im 17.5 mm Okular sehr deutlich als Scheibchen zu erkennen. Aber erst mit abgewandtem Blick wurde die Donat-Form deutlich, d.h. dass im Zentrum ein "Loch" ist. Mit dem 4.5 mm Okular habe ich nur bedingt mehr gesehen, da dieser Nebel dann schon recht dunkel wirkt. Es war erkennbar, dass der Ring auf zwei gegenüberliegenden Seiten etwas leuchtstärker ist und insgesamt leicht elliptisch erscheint. Außerdem war ich überrascht, einen nur wenige Bogenminuten östlich liegenden Stern mit 12.95 mag zu erkennen. Das sollte doch eigentlich die Grenze eines 200 mm Spiegels sein, richtig?
Alle beobachteten (nicht stellaren) Objekte erschienen in grau, definitiv keine Farbtöne außer bei sehr hellen Sternen.
Soweit zu diesen beiden Nächten. Obwohl ich die Grenzen des Gerätes (in der Stadt!) deutlich spüre, bin ich alles andere als enttäuscht und freue mich auf weitere Beobachtungen. Hoffentlich bald auch abseits des Stadtzentrums und mit guter Gesellschaft.
Was mich am meisten von den Veteranen hier im Forum interessieren würde:
Verwendet hier sonst noch jemand Stellarium? Vertraut Ihr den darin angegebenen Helligkeitsangaben? Mir erscheint es, dass viele Angaben/Datenbanken nicht korrekt sind: Bei Wikipedia wird NGC 4535 mit 10.73 mag angegeben, gegenüber 9.73 mag bei Stellarium. Dito bei NGC 3628: mit 10.2 mag bei Wiki, gegenüber 9.48 mag bei Stellarium.
Abgesehen davon hat diese Software aber auch viel Lob verdient. Ein sehr schönes Werkzeug, um sich zu orientieren, insbesondere auch weil Sterne dunkler als 11 mag geladen werden können.
Lässt sich M101 tatsächlich nur außerhalb der Stadt erblicken?
Viele Grüße und klare Nächte,
Paul
Ich lese hier schon seit geraumer Zeit mit und würde in meinem ersten Beitrag gern einige Erfahrungen bei visuellen Beobachtungen schildern. Den 200 mm Newton verwende ich erst seit ca. einem Monat. Davor hatte ich einen kleinen Refraktor, an dem ich in meiner Jugend zwar viel gelernt hatte, aber es sind doch schon Welten zwischen diesen beiden Teleskopen.
Bedingungen und Ausrüstung:
Die visuellen Beobachtungen fanden statt in den Nächten vom 02/03. und 07/08. Mai in Dresden von einem nach oben offenen Balkon in Richtung Südsüdwest. Das Stadtzentrum ist ca. 2 km nördlich gelegen. An beiden Nächten zeigte mein SQM im Mittel einen Wert von 19.2 an, das deckt sich recht genau mit den Angaben der "Light Pollution Map". Außerdem hat es an beiden Beobachtungstagen zuvor geregnet und der Himmel/Horizont erschien mir vergleichsweise sauber. Mit dem nackten Auge kann ich Sterne mit ca. 4 mag bis 4.5 mag wahrnehmen.
Das verwendete Teleskop ist ein 200 mm f/5 Newton mit 63 mm Sekundärspiegel und 50 mm Sucher, betrieben auf einer TS-AZ5 ("SKYTEE"). Kollimation mit Laser ist in wenigen Minuten erledigt. Als Okulare kamen zum Einsatz Baader Aspheric 31 mm und Baader Morpheuse mit 17.5 mm und 4.5 mm. Wenn nicht explizit anders erwähnt, habe ich das 17.5 mm Okular verwendet. (Die Bestellung weiterer Okulare zwischen 17.5 mm und 4.5 mm verzögert sich leider.) Begleitet habe ich meine Beobachtungen an einem PC mit der Software "Stellarium" und einer Excel Tabelle, in welcher ich wesentliche Beobachtungen schriftlich festhalte.
Beobachtungen in der Nacht vom 02/03 Mai:
Im Sternbild Leo lassen sich M65 und M66 ohne Aufwand als Milchflecken erkennen, Bei NGC 3628 (Hamburger Galaxie) hatte ich jedoch große Probleme. Mit Hilfe der Software konnte ich anhand benachbarter Sterne sehr genau ermitteln wo diese Galaxie liegen muss, und nur mit abgewandtem Blick meine ich etwas verwaschenes zwischen den beiden 10 mag Sternen "gesehen" zu haben. 100% sicher bin ich mir allerdings nicht.
Sehr viel einfacher ging es weiter mit M94 und M63, insbesondere hat mich die Helligkeit von M94 überrascht. Mit abgewandtem Blick konnte ich östlich von M63 die zwei lichtschwachen Sterne mit 12.65 mag und 12.75 mag erkennen.
Der Kugelsternhaufen M3 war für mich nicht ganz so einfach zu finden (keine helleren Sterne in der Nähe), da habe ich bestimmt ein paar Minuten gebraucht. M3 erscheint als diffuser Schneeball und ist bereits im Sucher als "nicht stellar" wahrnehmbar. Während ich mit dem 17.5 mm Okular keine weiteren Details erkennen konnte, war ich erstaunt, was das 4.5 mm Okular offenbarte: 15 bis 20 lichtschwache Punkte waren am Rand des Sternhaufens erkennbar. Genau zählen konnte ich nicht, denn die meisten (oder sogar alle?) der aufgelösten Sterne konnte ich nur mit abgewandtem Blick gut erkennen. Es war das erste mal, dass ich einen Kugelsternhaufen auflösen konnte und diese Erfahrung werde ich nie vergessen. Mit meinem kleinen Refraktor ist das völlig unmöglich.
Die Galaxien M51 und M101 wurden nahe dem Zenit beobachtet. Bei M51 konnte ich die beiden hellen Kerne sehr schön erkennen, allerdings keine detailierte Strukturen. M101 war nicht sichtbar. Ich habe wieder alle Nachbarsterne eindeutig identifiziert, aber dort wo laut Software die Galaxie sein sollte, war keine! Ich versuchte es mit dem 31 mm Okular, aber immer noch nichts. Leichtes Bewegen und Anschupsen des Teleskops schien auch nicht zu helfen.
Beobachtungen in der Nacht vom 07/08 Mai:
Angefangen habe ich mit dem Kugelsternhaufen M68, nur 12° über dem Horizont. Dieser Kugelsternhaufen war nur sehr schwer erkennbar, trotz 7.3 mag laut Stellarium. Höhere Vergrößerung habe ich nicht erst ausprobiert.
Die Galaxie M49 fiel mir etwas schwer zu finden, da wieder nur wenige helle Sterne in der Umgebung sind. Belohnt wurde ich aber letzten Endes mit einem schönen Anblick. In der Nähe konnte ich auch die Galaxie NGC 4526 finden und als lichtschwachen Fleck zwischen zwei Sternen erkennen. NGC 4535, sollte im Blickfeld zusammen mit NGC 4526 sein, war jedoch nicht sichtbar, obwohl laut Stellarium die Flächenhelligkeit nur unwesentlich geringer ist als NGC 4526 (12.55 mag/arcmin² vs. 12.34 mag/arcmin²) und die totale scheinbare Helligkeit sogar etwas darüber liegt (10.16 mag bei NGC 4526 vs. 9.73 mag bei NGC 4535).
Später in dieser Nacht schwenkte ich zu M4, ebenfalls nur 12° über dem Horizont. Nur ca. 1 Grad westlich von Antares ist es leicht zu finden, aber wegen sehr hellem Hintergrund dennoch nicht einfach zu sehen. Mit dem 4.5 mm Okular konnte ich mit abgewandtem Blick vielleicht nur 6 bis max. 8 Einzelsterne wahrnehmen. Ich hatte den Eindruck, dass diese Sterne in 3 kleine Gruppen unterteilt sind: nördlich, nahe der Mitte des Haufens und südlich.
Nur wenige Grad darüber liegt der im Vergleich zu M4 leuchtschwächere Kugelsternhaufen M80. Einzelsterne konnte ich mit keinem Okular wahrnehmen, allerdings war dieser Haufen wesentlich kontrastreicher zu sehen als M4. Es gibt offenbar eine merkbare Verbesserung zwischen 12° und 16° Beobachtungshöhe?
Neben M3 habe ich in dieser Nacht endlich auch M13 beobachtet. Hier konnten bereits mit dem 17.5 mm Okular erste Sterne (weniger als 10) wahrgenommen werden. Mit dem 4.5 mm Okular konnte ich schätzungsweise 30 bis 40 Einzelsterne erkennen - ein sehr beeindruckender (und wie so häufig "abgewandter") Anblick. Im Gegensatz zu M3 erschienen mir die Einzelsterne eher gleichverteilt über der Fläche des Haufen zu liegen, im Gegensatz zu M3 (Einzelsterne am Rand).
Abgeschlossen habe ich diese Nacht mit dem planetarischen Nebel M57. Mit der Ausrichtung des Balkons konnte ich diesen erst ab ca. 2:30 Uhr beobachten. Im 17.5 mm Okular sehr deutlich als Scheibchen zu erkennen. Aber erst mit abgewandtem Blick wurde die Donat-Form deutlich, d.h. dass im Zentrum ein "Loch" ist. Mit dem 4.5 mm Okular habe ich nur bedingt mehr gesehen, da dieser Nebel dann schon recht dunkel wirkt. Es war erkennbar, dass der Ring auf zwei gegenüberliegenden Seiten etwas leuchtstärker ist und insgesamt leicht elliptisch erscheint. Außerdem war ich überrascht, einen nur wenige Bogenminuten östlich liegenden Stern mit 12.95 mag zu erkennen. Das sollte doch eigentlich die Grenze eines 200 mm Spiegels sein, richtig?
Alle beobachteten (nicht stellaren) Objekte erschienen in grau, definitiv keine Farbtöne außer bei sehr hellen Sternen.
Soweit zu diesen beiden Nächten. Obwohl ich die Grenzen des Gerätes (in der Stadt!) deutlich spüre, bin ich alles andere als enttäuscht und freue mich auf weitere Beobachtungen. Hoffentlich bald auch abseits des Stadtzentrums und mit guter Gesellschaft.
Was mich am meisten von den Veteranen hier im Forum interessieren würde:
Verwendet hier sonst noch jemand Stellarium? Vertraut Ihr den darin angegebenen Helligkeitsangaben? Mir erscheint es, dass viele Angaben/Datenbanken nicht korrekt sind: Bei Wikipedia wird NGC 4535 mit 10.73 mag angegeben, gegenüber 9.73 mag bei Stellarium. Dito bei NGC 3628: mit 10.2 mag bei Wiki, gegenüber 9.48 mag bei Stellarium.
Abgesehen davon hat diese Software aber auch viel Lob verdient. Ein sehr schönes Werkzeug, um sich zu orientieren, insbesondere auch weil Sterne dunkler als 11 mag geladen werden können.
Lässt sich M101 tatsächlich nur außerhalb der Stadt erblicken?
Viele Grüße und klare Nächte,
Paul