Einige Leistungsparameter lassen sich testen
... oder anders gesagt: nichts ist so wichtig, wie SELBST durch DAS Glas zu schauen!
Bei der Bewertung von Fernoptiken spielen wahrscheinlich 90% rein subjektive Faktoren eine Hauptrolle (d.h. beeinflußt durch die individuelle Wahrnehmung des Menschen).
Was stehen uns denn schon für objektive Daten (d.h. Daten, die vom Empfinden des Betrachters unabhängig sind) zur Verfügung?
Gewicht, AP-Durchmesser, reales Sehfeld, ... vielleicht mal die Auflösung in Bogensekunden, aber das alles reicht nicht für eine persönliche Einschätzung des Objektes.
Expertenmeinung kann dann bei der weiteren Auswahl behilflich sein, z.B. zur Überprüfung der eigenen Feststellungen. Aber DURCHSCHAUEN muß man selbst.
Grüße
Carsten
Hallo Carsten,
ein wesentlicher Anteil der subjektiven Faktoren laesst sich gluecklicherweise durch vergleichende Tests eliminieren. So ist es sicherlich schwierig, anhand eines einzelnen Fernglases zu beurteilen, wie stark es in der Nacht, bei hellen Lichtquellen, zu Geisterbildern neigt, und unterschiedliche Beobachter wuerden, je nach Erfahrung und Anspruch, zu unterschiedlichen Resultaten kommen. Wenn man jedoch mehrere Fernglaeser vergleicht und feststellt, dass A besser ist als B, welches besser ist als C, dann ist das eine relativ sicher reproduzierbare Aussage, zu der eigentlich jeder Beobachter kommen muesste, unabhaengig von seiner Erfahrung. Die Aussage eines solchen Tests ist uebrigens nicht auf diese Testsituation beschraenkt: Auch am Tage gibt es innerhalb des Sehfeldes ja hell leuchtende Objekte, und auch hier entstehen dieselben Geisterbilder, auch wenn man diese am Tage nicht direkt wahrnimmt. Sie sorgen aber dafuer, dass sich der allgemeine Kontrast des Bildes verringert, d.h. schwarze Flaechen sehen eher grau aus, und feine Farbunterschiede gehen unter. Das erkennt wiederum nur ein erfahrener Beobachter auf den ersten Blick.
Aehnliches gilt fuer diffuses Streulicht in der Daemmerung, Bestimmung der Randschaerfe mit der Sternabbildung oder Bestimmung des Farbstichs mit dem weissen Blatt Papier (wie von Walter E. Schoen vorgeschlagen).
Mit anderen Worten: Durch eine sinnvolle Auswahl von Testsituationen, und durch vergleichende Tests, koennen auch unerfahrene Beobachter einige interessante Aussagen zum Leistungsvermoegen des Fernglases gewinnen, die sich unter Normalbedingungen nur einem erfahrenen Beobachter erschliessen wuerden. Und diese Aussagen kann man anderen Leuten, die sich fuer das Fernglas interessieren, weitergeben. Das reicht dann manchmal schon fuer eine Vorselektion.
Dass es darueber hinaus noch zahllose, eher subjektive Kriterien gibt, wie Einblickverhalten, Balance, Eigenschaften der Fokussierung etc., stelle ich natuerlich nicht in Frage, so dass jeder am Ende doch selbst durchschauen muss, bevor endgueltig gekauft wird.
Viele Gruesse,
Holger