Erfahrungswerte bei Dachsternwarte (Planungsaspekte)

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michelastrolo

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Gute Morgen,

ich befinde mich gerade in der Situation unseres Hausumbaus. Dabei wird auf einem Bungalow (Betonflachdach) ein Dachstuhl mit einem Dachgeschoss und einen Spitzboden aufgesetzt.
Jetzt bin ich zwar noch Anfänger im Bereich der Astronomie, aber mir kam der Gedanke ob aktuell der Zeitpunkt wäre bei der Planung der Dachkonstruktion gewisse Vorkehrungen zu treffen, um ggf. sofort oder eher später eine private Sternwarte zu errichten.
Meine Grundstückssituation ist leider so, dass eine Sternwarte im Garten aufgrund der schlechten Sichtachsen nicht so effizient wäre, wie eine Möglichkeit auf dem Dach.
Mir schwebt eine Lösung nach dem Vorbild von Herwig Diessner (Vgl. https://www.spektrum.de/magazin/wie-baut-man-eine-dachsternwarte/1404345) mit einer 2,6m Kuppel oder vergleichbar auf einer Gaube vor.
Nun bin ich kein Profi in der Planung und Berücksichtigung von Einflussfaktoren beim Bau von Sternwarten und möchte in dieser Runde gerne nach Erfahrungswerten von Euch fragen. Dabei interessieren mich folgende Aspekte:

1. Gibt es besondere statische Anforderungen, die direkt beim Bau des Dachstuhls Berücksichtigung finden sollten? Z. B. Einzug von verstärkten Kehlbalken in den Spitzboden?
2. Gibt es Vorkehrungen, die getroffen werden sollten, um einen späteren sicheren Stand der Beobachtungssäule zu gewährleisten.
3. Sind im Nachhinein Punkte aufgetreten, von denen ihr sagt: „Das würde ich beim nächsten Mal direkt anders machen?“
4. Wie verhalten sich die Kuppeln beim Sturm und Starkregen?
5. Reinigt ihr eure Kuppel von außen? Wie? Benötigt man dafür Platz auf dem Dach?

Ich habe zu meinem Verständnis von den optischen Auswirkungen mal ein paar Skizzen angefertigt und hier eingebunden:
Entwurf_3:
Entwurf_3.jpg

Entwurf_2:
Entwurf_2.jpg

Entwurf_1:
Entwurf_1.jpg


Ich habe dabei versucht die Kuppel möglichst weit südlich und möglichst weit weg vom Kamin zu platzieren. Der Spitzbodenteil hat dort eine lichte Höhe von 2m im Bereich des Firstbalkens. Dieser kann auch nicht durchtrennt werden.
Ich hoffe ich konnte genug Input geben und würde mich über Meinungen und Erfahrungswerte freuen.

Danke im Voraus.
 
Hallo,

ein klassischer Fall für einen Statiker!

Nur der kann Dir sagen was bei Deinem Haus geht oder nicht und wie das schwingungsmäßig zu bewerten ist. Der Kuppelbau und die Säule müssen richtig eingebunden sein in das Haus, nicht den Dachstuhl.

CS
Jörg
 
Hallo Michel,

an meinem Wohnhaus habe ich seit einem Anbau vor fast 30 Jahren so etwas wie eine Kuppel. Einige Punkte helfen dir vielleicht weiter.

Anfangs liebäugelte ich mit einer Treppe von innen (Wendeltreppe) und einer vom Gebäude entkoppelten Säule. Dann wäre von meinem Büro Anbau im Erdgeschoss allerdings nicht mehr viel nutzbarer Raum übrig geblieben. So wurde es eine Wendeltreppe außen, die auf die die Sternwarte zur hälfte umschließende Terrasse führt. Auf dieser Terrasse befindet sich eine Außensäule jetzt mit einer Giro 2 Montierung. Dort beobachte ich häufig mit Binos aber auch mit einem C5 oder einem TAL Newton. So etwas Balkon ähnliches rund um die Kuppel ist echt schön, auch meine Katze liebt es. Wartungsarbeiten an der Sternwarte werden erheblich erleichtert und sind viel weniger gefährlich als das Klettern auf dem schrägen Dach.

Statt einer Kuppel habe ich eine Drehpyramide nach Nögel (siehe Stauss "Fernrohr Montierungen und ihre Schutzbauten) in Holzbauweise. Das war leichter und günstiger zu bauen und ist m.E. genau so gut.

In den Seitenwänden des Anbaus, entkoppelt von der Wand, sind 2 Monster Säulen nach oben geführt. Auf denen ruhen waagrecht 2 riesige Leimbinder, die die Außenseiten eines Kastens bilden. Dieser Kasten ist zu Schwingungsdämpfung mit Gusssand gefüllt. Auf diesem Konstrukt ruhen die Außen- und die Innensäule vom Boden der Terrasse und der Sternwarte entkoppelt. Ich erzähle das alles, damit du kritisch prüfst, ob die "Betondecke" deines vormaligen Bungalows wirklich die geeignete Basis für eine Säule ist. In der Planungsphase kann man so was noch befriedigend lösen, später wird das unmöglich oder peinlich teuer.

Dadurch, dass sich die Sternwarte auf dem Anbau und nicht oben auf dem Wohnhaus Dach befindet, habe ich zwar keine echte Horizontsicht. Dafür ist die Sternwarte aber relativ gut von der Beleuchtung der Nachbarschaft abgeschirmt und es ist da oben für den Rand einer Kleinstadt recht dunkel. So hat alles seine Vor- und Nachteile.

Vielleicht hilft dir das beim Planen ja etwas weiter. Lass dir Zeit und und überlege lieber 2 mal. Natürlich stehe ich für Rückfragen gerne zur Verfügung.

CS Gerhard (Sterngucker Frankenberg)
 
Hallo Gerhard,
hallo Jörg,

vielen Dank für Eure Hinweise. Ich werde Kontakt mit dem Statiker aufnehmen. Ich wollte nur vorab nach Euren Erfahrungen fragen. Insofern bereits danke dafür.

@ Gerhard
Das hört sich sehr durchdacht an. Ich kann bei mir nur aufgrund der Garten- und Platzverhältnisse nichts am Boden realisieren. Die Konstruktion im Dachstuhl hätte aktuell auch keine Möglichkeit eine Säule bis auf die Betondecke zu führen. Da wäre eben genau meine Frage an Dich und an Alle: Gibt es zwangsläufig diese Schwingungsprobleme, wenn man nicht eine Gründung auf Masse macht sondern die Beobachtungssäule auf eine (durchaus übermäßig ausgesteifte) Balkenkonstruktion aufsetzt?

Ich meine bei der Ausbauvariante von Herwig Diessner hatte ich keine derartige Gründung gesehen.

Bitte mich nicht missverstehen: Ich denke ebenfalls, dass eine Variante wie bei Gerhard vermutlich die sicherste und professionellste Variante ist, aber diese ist bei mir vermutlich nicht umsetzbar. Ich denke trotzdem drüber nach. Manchmal übersieht man ja was.

Danke für Eure weitere Beteiligung.

Gruß michelastrolo
 
Hallo Michelastrolo,

die Konstruktion sieht erst mal nicht schlecht aus. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass das realisierbar ist. Ich habe für mich ein Schiebedach gewählt. Damit bin ich seit 30 Jahren gut zufrieden.
Hast du dir auch schon überlegt, wie du das Teleskop halbwegs schwingungsfrei in der Kuppel aufstellen willst? Bei mir habe ich Stahlträger und überdimensionierte Betonstürze eingebaut.
 
Hallo Hubert,

danke für Deinen Hinweis. Ich gebe einen kleinen Sachstandbericht:
Aktuell verfolge ich diese Variante aufgrund eines Hinweises von Herwig_Diessner.
1595051580567.png

Derzeit berechnet der Statiker eine Lösung, um den Firstbalken im Bereich der Kuppel entfallen zu lassen und die Säule möglichst schwingwarm montieren zu können. Es sind aber noch andere Faktoren in der Klärung, die eine schlussendliche Umsetzung beeinflussen können.
Ich werde aber berichten, sobald es neue Erkenntnisse gibt.

Gruß Micha
 
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